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Fast jeden Monat eine Predigt - das werden sie hier finden. Jeden Monat von einem oder anderen der Laufer Pfarrerinnen und Pfarrer.

C1 Gottesdienst mit David Geitner für verfolgte Christen 16.11.2014


C1 Gottesdienst zur Reformation mit Thomas S. Hofmann und syrischen Gästen



Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici zum Reformationstag in der Johanniskirche

Predigttext:
Brief des Paulus an die Philipper Kapitel 2, Verse 12 und 13.

Liebe Gemeinde,
die Worte des Paulus, die wir als Predigttext für den heutigen Reformationsabend gehört haben, folgen unmittelbar auf einen der schönsten und jubelndsten Texte des Neuen Testamentes – und sie geben Antwort auf ihn: auf den  Christushymnus im Philipperbrief 2, 1-11. Durch ein ‚Deshalb‘ („hooste) sind sie mit ihm verbunden. Deshalb, weil Gott sich in Christus erniedrigte, sich entäußerte und Knechtsgestalt annahm, deshalb weil er (Vers 8): sich selbst erniedrigte und gehorsam ward – bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz, eben der schändlichsten und erbärmlichsten Todesart der antiken Welt: Deshalb und nur deshalb kann das Neue Lied angestimmt werden, kann Paulus Treue und sogar Gehorsam einfordern. Der Gehorsam Jesus Christus gegenüber ist alles andere als ein Kadavergehorsam. Vielmehr ist es ein Gehorsam der Nachfolge in der Freiheit.
Diese Freiheit als Mitte christlichen Glaubens hat die Reformation wieder ins Zentrum gerückt, aus einer Kirche und Welt, die tief korrumpiert waren. Und nach eben dieser Freiheit hat Luther sich zunächst in seiner Mönchszelle gesehnt. Mit welcher Freude hat er sie dann begriffen- als ob eine Pforte des Paradieses aufgetan werde.
Die Frage Luthers, wie man vor Gott gerecht werden kann – und seine zerquälte Erkenntnis, dass dies aus eigener Kraft nicht möglich ist, scheint weit entfernt von unserer heutigen Erfahrung zu sein. Bei der Orientierung auf das Lutherjubiläum 2017 wird die Hilflosigkeit mit diesem großen Mann, der in die heutige Welt überhaupt nicht passen würde, immer wieder erkennbar. Thomas Mann hat im Rückblick einmal geschrieben, bei Luther zu Gast zu sein, das wäre ähnlich gemütlich wie bei einem wilden Oger – also einem Menschenfresser. Die Fremdheit fasziniert – vielleicht -, oder sie schreckt ab, oder sie lässt in einer Zeit,  die rasend schnell fortschreitet, nur noch kalt. Luther war ein Berserker, ein Polemiker, immer in zwei Fronten-Kriege verwickelt: Die Schwärmer hier und der „Babst in Rom“, den er den Antichrist nannte: auf der anderen Seite. Es gibt dunkle, sehr dunkle Seiten an ihm, von denen man nicht absehen darf, auf die man sich aber – vielleicht – etwas allzu sehr kapriziert: Luther, der gegen die Juden wütet und die Herren seiner Zeit aufruft, gegen die „Rotten und Schwarmgeister“ vorzugehen Er litt unter den Folgen – und gab später zu bedenken, dass er sich an Menschen gerichtet habe, - nicht aber an wilde Tiere ohne Maß. Und derselbe Luther konnte auch ungeheuer zart, ja zärtlich sein, musikalisch war er ohnedies. So hat er die Bibel in die deutsche Sprache übertragen – und ihr dadurch eine ganz neue Würde , eine Klang- und Überzeugungskraft gegeben. Ohne ihn keine deutsche Literatur- und Wissenschaftssprache.
Doch ist das alles nicht viel zu historisch gedacht? Viel zu viel trennt uns von Luther. Man kann auch nicht mehr, wie im 19. Jahrhundert immer wieder geschehen, in der Luthermaskerade herumlaufen und im kirchenamtlichen Lutherrock. Hinter diese Verkleidung verbarg sich keineswegs immer Klarsicht und Urteilsfähigkeit.
 Uns trennt von ihm das Zeitalter der Wissenschaften und der Aufklärung. Luther konnte mit all seiner Kraft und Wucht die Bibel noch unmittelbar als Gottes Wort verstehen-, das ist heute schwerer. Und vielleicht durchlaufen wir auch in diesen Jahren nochmals einen anderen, viel  tieferen Epochenbruch. Postmoderne nannte man das einmal unzureichend. Die Computertechnik und Big Data machen den Menschen lesbar. Die Seele tritt nach außen. Die Welt ist vermessen, sie wird zum Global Village, viel haben wir zu tun mit den Krisen und Finanzmärkten dieser Welt. Können wir, wie es immer wieder heißt, die Welt zu einem ‚besseren‘ und ‚sichereren‘ Platz machen?

2.
Dennoch ist da eine berückende und faszinierende Nähe zwischen der Reformation und unserer Zeit. Und die liegt eben im Hören auf die befreiende Botschaft von Jesus Christus. In ihm IST der Tag des Herrn schon angebrochen. In ihm, der gelitten hat und gestorben ist, für die Tiefe menschlichen Leids und menschlicher Schuld-, haben wir die Liebe Gottes und die Freiheit der Kinder Gottes. So ist dafür gesorgt, dass der Erniedrigte nicht im Dreck bleiben muss. Was Luther sehr gut konnte, können durch ihn auch wir: Hörend und horchend auf sein Wort aufmerksam sein. Mit dem Herzen zu sehen und zu hören, das hängt eng zusammen. Luther hat den Glauben befreit von der Patina der Ritualität, der Gesetzlichkeit, von Ablasshandel, unmittelbar zu Gott, dem großen König, in Jesus Christus – dem wahren Gott und Menschen, können wir sein.
3.
So kann man nun doch die Aktualität der Reformation be- und erkennen. Wir brauchen ihre Botschaft, ihre Klarheit als Christen in d i e s e r Welt:
1. Wir wissen mehr noch wie Luther, wenn wir ehrlich sind, dass der Mensch aus eigener Kraft und Macht sich nicht retten kann. Tiefenpsychologie und Hirnforschung haben uns die Fiktion des „freien Subjektes“ und Individuums noch stärker gezeigt. Die vielen wilden und rasenden Kriege, auch heute, auch in dieser Zeit und Welt,- zeigen uns, dass es mit unserer Macht nichts getan ist.
UND DENNOCH umweht uns eine Freiheit, wenn wir Christus trauen. Das ist nicht historisch und nicht wissenschaftlich zu beweisen, Ich muss es annehmen – auf Probe, wie man einem Freund traut oder einer  Liebe. Nicht Glaube an Christus, sondern Christum glauben. Die vielfachen Erfahrungen von Unfreiheit, an uns, an der Welt: Wir können sie in die Sprache der Freiheit übersetzen, die uns geschenkt ist.
Dabei gibt es nicht immer nur den Hymnus- es gibt auch die nüchterneren Tage, bei denen wir das Hören und Horchen zu einer zweiten Natur machen können.
2. Wir dürfen nicht vergessen, dass Luther durch Zweifel und Irritationen hindurchging, die die Moderne vorwegnehmen. Er hatte gelernt, dass sich Gott nicht erdenken lässt. Dass sein Wille etwas anderes ist wie unsere Begriffe von ihm. Glaubenskrise und Apokalypse wehten auch schon im späten Mittelalter. Luthers eigentlicher Lebenszeit. Er zog daraus die Konsequenz, dass Gott erfahren, erblickt und geschmeckt werden muss, als der, der er ist – in Jesus Christus, dem wahren Gott und wahren Menschen.
3. Das vierfache Solum der Reformation kann wieder zum Leuchten kommen: SOLA GRATIA, die Gnade Gottes, die mich aus dem Sumpf zieht. Das kann ich nicht selbst. Ich bin nicht Münchhausen: Zu Luthers Zeit nicht und heute nicht. SOLA FIDE: Der Glaube, der in der Verzweiflung beginnen mag und noch so klein sein: ER IST ES, nicht Leistung, nicht Heiligung, nicht zuerst ein hartes DU SOLLST!, nicht eine verzweifelte Erfüllungspraxis, die töten kann und nicht lebendig machen. Erst weil ich angeredet und in dieser Weise auch errettet bin, kann ich im ethischen Bereich mich vervollkommnen. Es kommt heute besonders darauf an, den Kern christlichen Glaubens wieder sichtbar zu machen. So viele sind von ihm abgebracht worden, auch weil er rechthaberisch und nicht als die Religion der Liebe und Liebenswürdigkeit gelebt wurde. Deformation- verlangt nach der Reformation, die die Dinge wieder in Form gibt.
SOLA SCRIPTURA: Die Bibel ist gewiss nicht ein Buch wie jedes andere. Aus ihr ist Gottes Wort zu vernehmen, lebendig, mahnend. Die Bibel ist nicht nur geschriebene Wort. Sie muss Anrede werden, gesprochene Sprache.  Luther hat es weiter interpretiert-, als die Spannung zwischen Gesetz und Evangelium: Beides ist Gottes Wort, lebendig meinen Glauben begleitend und zugleich ermahnend. Wenn es aber ermutigend und bekräftigend spricht, dann wird es zur „Viva vox Die“, die auf die Seele treffe wie Regen auf dürres Land.
Im Wort ist Christus. Das Buch allein reicht nicht aus. Und schon gar nicht ist dieses Buch eine Waffe, mit der man um sich schlagen kann, um Recht zu haben. Und anderen das Christsein absprechen.
All dies sind wie verschiedene Strahlen, die auf eine Mitte hin leuchten und aus dieser Mitte überhaupt erst ihren Glanz empfangen. Eben Jesus Christus: Der in die tiefste Nacht und Traurigkeit ging, der dies alles erlitten hat: und zu dem Gott sein großes Ja sagte, so dass er durch den Tod ins Leben kam. Die leibhaftige Auferstehung. Dies mögen nach menschlichen Maßstäben Geheimnisse sein. Sie sind aber die Mitte des Glaubens der Grund der Hoffnung.

IV.
Alles was wir von diesem Glauben sagen und bezeugen können,- rührt daher, dass Gott es in Jesus Christus schon getan und bewirkt hat. Von daher rührt die Kraft, in der Paulus der Gemeinde in Caesarea Philippi sein Lob sagt für die Hypakoe, die Treue zu Gottes Wort und Weisung, der gemäß sie leben. Furcht und Zittern: phobos kai tromos- das soll nicht zu einem unfreien Glauben zurückführen, der in Verzweiflung bringt und letztlich tötet. Aber klar ist: dieser Glaube an Jesus Christus ist tief zweischneidig. Er wird sich bis ans Ende der Zeiten nicht vollständig durchsetzen. Er heult nicht mit den Wölfen. Er gerät vor der Welt immer wieder in Schwierigkeiten, ja in Gefahr und Not. Wir sehen dies jetzt wieder in besonders dramatischer Weise bei den  Christen in Syrien. Und er hat es auch manchmal mit sich selbst schwer. Jesus Christus ist nicht sichtbar in uns. ABER: Er ist wirksam im Menschen, auch dort, wo der es gar nicht weiß´. Wollen und Vollbringen wirkt Gott in uns; er eröffnet die Möglichkeitsräume, er räumt die Freiheit ein, dass wir über uns hinauswachsen können-, wie es neben aller Kriminalgeschichte des Christentums auch eine wunderbare Geschichte seines Tröstens und Stärkens gibt.
Die Reformation ist ein historisches Datum. Sie kann noch immer Vorbildcharakter haben. Aber sie ist wie alles menschliche Tun nicht frei von Schwäche und mitunter auch Fehlgriffen. Doch Luther hat ja nicht auf sich gezeigt, sondern, wie auf Lukas Cranachs schönem Bild zu sehen ist, von sich weg auf Kreuz und Leben Jesu Christi.
Gebe uns das Gedenken an die Reformation den Blick frei auf den, der unsere Rettung und unser Leben ist- schon hier und jetzt, und weit über das Hier und Jetzt hinaus. AMEN
 

28.09. St Johannis Gemeindegottesdienst

Stadpfarrer Friedhelm Beck
Predigt für den 15. Sonntag nach Trinitatis __________________________
Text: 1. Mose 2, 4b-9


 
 
 
 
 
 
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus
 
Liebe Gemeinde! 
Kennen Sie das? Erde zu Erde (Schaufel und Erde zeigen) Asche zur Asche und Staub zum Staube. Natürlich kennen sie das. Sie waren ja schon oft auf einer Beerdigung.
Ist das alles, was wir sind, liebe Gemeinde? Von Erde bist du genommen und zu Erde sollst du wieder werden?
Vor kurzem ist Joachim Fuchsberger gestorben und viele haben ihn gewürdigt als großen Entertainer und gerade in seinem Alter haben alle ihn  als einen weisen Mann in Erinnerung. Und dieser geschätzte Mann sagt im hohen Alter in einem Interview, dass er nicht daran glauben kann, dass danach noch etwas kommen wird – danach – also nach seinem Tod.
 
Ist das alles – Erde zu Erde, liebe Gemeinde. Der Augenschein gibt dem scheinbar Recht. Ja – wir werden wieder zu Erde.
Und unser heutiger Predigttext schlägt erst einmal ja auch in dieselbe Kerbe. Da heißt es:
 
Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker…
 
Stimmt – sagt da auch unsere heutige Wissenschaft. Zumindest die Sache mit dem Acker. Die Wissenschaft hat uns ja in den letzten Jahrzehnten immer genauer erklärt, woraus der Mensch eigentlich besteht: Aus Kohlenstoffatomen und Wasserstoffatomen und Molekülen. Ja wir sind aus dem Stoff gemacht, aus dem auch diese erde gemacht ist.
Und unsere Wissenschaft kann uns ja noch viel mehr erklären: Sie erforscht, wie wir Menschen uns aus diesen einzelnen Molekülen entwickelt haben. Wie da zuerst Zellen und dann einzellige Lebewesen entstanden sind und wie dann die Entwicklung weiter gegangen ist, bis der Mensch zu seiner heutigen Gestalt geworden ist.
Ja – die Wissenschaft hat einen weiten Weg hinter sich und es ist ja immer wieder faszinierend, was sie in der Geschichte der Welt und in der Entwicklung des Menschen neues entdeckt.
Ja, es ist faszinierend, wie unsere heutige Wissenschaft Stück für Stück entdeckt und enträtselt, wie wir Menschen aufgebaut sind du wie sich aus einer Zelle und den Erbinformationen ein ganzer Mensch entwickelt.
Es ist faszinierend, wie die Astronomie versucht, dem Bauplan der Sternensysteme auf die Spur zu kommen und danach forscht, wie das Universum entstanden ist und wie es sich entwickelt hat.
Faszinierend – und liebe Gemeinde herausfordernd für uns als Christen. Denn wo bleibt da noch Gott? Wenn unsere Wissenschaft Stück für Stück die Geheimnisse der Welt und des Lebens enträtselt? Wo bleiben wir als Christen, wenn wir in einer Welt leben, die nach und nach alles erklären kann. Dann hat doch Gott keinen Platz mehr in diesem System, in diesem Denken, auf dieser Welt.
Wird Gott durch die Wissenschaft Stück für Stück entbehrlich – weil wir doch immer mehr wissen, wie alles entstanden ist und wie alles – naja noch lange nicht alles – aber eben wie vieles funktioniert?
Müssen wir dann als gläubige Christen der Wissenschaft ade sagen und unsere Augen verschließen vor den Erkenntnissen unserer Zeit oder müssen wir– gedrängt von den Erkenntnissen der Wissenschaft – unserem Glauben ade sagen, weil Gott in diesem System keinen Platz mehr hat – weil irgendwann alles erklärbar sein wird? Erklärbar, bis auf einen Punkt, warum dies alles so geschah und geschieht. Und wir landen dann bei einem neuen gottähnlichen Glauben – dem Glauben an den blinden Zufall, der eben alles so hat werden lassen?
Ich muss Ihnen gestehen, liebe Gemeinde, beide Alternativen sind mir nicht möglich. Ich will nicht daran glauben, dass ich, dass wir ein Produkt des blinden Zufalls sind; aber ich will auch meinen Glauben an Gott nicht verschließen vor den Erkenntnissen unserer Wissenschaft.
Und was dann?, Liebe Gemeinde?
Unser Predigttext löst diese Frage in ganz einfacher und eindeutiger Weise. Da steht:
 
Es war zu der Zeit, da Gott Himmel und Erde machte. Punkt. Das ist die Voraussetzung, unter der unser Predigttext diese ganzen Fragen betrachtet. Ja, Gott hat den Himmel und die Erde geschaffen. Punkt. Das ist eine Aussage des Glaubens – genauso wie es eine Aussage des Glaubens ist, dass der blinde Zufall alles sich so hat entwickeln lassen.
Es ist eine Aussage des Glaubens. Und diese Entscheidung muss ich fällen. Diese Entscheidung müssen Sie fällen, liebe Gemeinde. Was ist die Voraussetzung von allem! Wer macht alles. Gott, oder der blinde Zufall. Unser Predigttext sagt ganz selbstverständlich: Gott ist der, der alles wirkt und er lädt uns ein, uns, Sie du mich, dass wir uns auf diesen festen Standpunkt stellen. Und wenn wir von diesem Standpunkt aus die Welt und ihre Entstehung betrachten, die Menschen und ihre Entwicklung betrachten. Wenn wir aus diesem festen Standpunkt die Streitfrage zwischen Glaube und Wissenschaft betrachten, dann wir alles plötzlich ganz einfach.
Ja wirklich, liebe Gemeinde.
Denn wenn ich Gott hinter allem glaube, dann wird mir die Wissenschaft zu einer wichtigen und wertvollen Entdeckungshilfe. Mit ihr entdecke und begreife ich mehr und mehr wie Gott es gemacht hat. Wie Gott die Welt erschaffen hat und wie er die Entwicklung der Erde und des Lebens vorangetrieben hat.
Gott ist der, der hinter allem steht und die Wissenschaft hilft mir staunend zu entdecken, wie wunderbar das alles gemacht ist. Gott ist dann nicht mehr der Lückenbüßer für das  - noch – Unerklärbare, sondern der, der hinter allem steht und lächelnd zusieht, wie wir Menschen seinen Werke bestaunen und entdecken.
Und auf einmal bin ich nicht mehr in dieser schrecklichen Situation, dass ich entscheiden muss zwischen Augen zu und neue Erkenntnisse abwehren, sondern ich darf mit offenen Augen diese Welt und all ihre Erkenntnisse genießen und entdecken und immer neu Gottes wunderbare Schöpfung bewundern.
Nein, leibe Gemeinde, ich muss mich nicht dem blinden Zufall in die Krallen geben, sondern ich darf mich in den Händen unseres Gottes geborgen wissen, der mich erschaffen hat und der mein Leben erhält.
Und so wird unser Predigttext zu einem fröhlichen Entdeckungsgang auf den Spuren Gottes.  Wie sagt es unser Text:
 
Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
 
Wir sind nicht nur eine Zusammenstellung von Kohlenstoffmolekülen. Das sind wir auch. Wir sind vom Acker genommen. Aber das macht uns noch nicht zu Menschen.
Wir leben, weil wir Gottes Atem in uns tragen. Wir leben, weil Gott uns seinen Odem eingehaucht hat.
Das macht uns lebendig.
Das macht uns zu Menschen.
Das macht unser Sein aus.
Nicht die Kohlenstoffketten – die brauchen wir für unsere menschliche Hülle. Und ich freue mich, dass ich sie habe. Und ich freue mich immer mehr darüber zu wissen, wie Gott den Bauplan meines Körpers so komplex und einzigartig gemacht hat. Und ich wünsche mir, dass dieser Körper auch noch möglichst lange funktioniert. Aber Sie und ich, wir sind mehr als unser Körper. Wir sind Menschen, die Gottes Wille ins Leben rief. Und wir leben aus seiner Güte.
Ist das nicht zauberhaft – wunderbar. Ist das nicht Grund zum loben und Danken.
Heute wäre ein guter Tag dafür – für Sie und für mich!
Amen.
 
 
 
 

C1 Gebetsgottesdienst 17.August mit Thomas S. Hofmann


C1 Gottesdienst 3.August mit Vikarin Katharina Hoepfner


Johanniskirche am 20.Juli Beauftragung Diakon David zu Sakrament und Verkündigung


Johanniskirche am 06.Juli Vikarin Hoepfner: Kehrt um für ein Neues Herz!


Hans-Martin Stäbler und Christoph Höcht in der Christuskirche am 18.Mai

Die Predigt mit Musikumrahmung als MP3 Datei: zum Abspielen/Anhören mit der linken; zum Herunterladen mit der rechten Maustaste KLICKEN
 (Aufnahme: ERF Wetzlar;
Schnitt der WebAssistent hier)

Musikalische Besetzung: Sarah Stäbler Voice
                    Bernd Ott Voice
                    Matthias Decker Guitar
                    Reinhardt Seidel Guitar
                    David Herbst Bass guitar
                    Michael Holzwarth Keyboard
                    Philipp Rozner Percussion
 

Karfreitag Johanniskirche 15Uhr Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici

Nicht herabgestiegen? Gott sei Dank!
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Den Text finden Sie/findet Ihr weiter unten nach der Palmsonntagsansprache

C1 Gottesdienst 13.April mit Gert Muscat und Lisa Nikol-Eryazici

Die Predigt mit Musikumrahmung als MP3 Datei: zum Abspielen/Anhören mit der linken; zum Herunterladen mit der rechten Maustaste KLICKEN
(Anmerkung: Die Ansprachen sind allgemein um Pausen gekürzt, besonders bemerkbar bei den Besinnungszeiten von Pfarrerin Nikol-Eryazici)

Karfreitag Johanniskirche 15Uhr Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici

Nicht herabgestiegen


Wir haben sie wieder gehört, die Texte von der Kreuzigung Jesu, wieder sind sie uns unter die Haut gegangen. Die Kreuzigung Jesu ist umgeben von einer ganzen Reihe von Gemeinheiten. Angefangen damit, dass sie ihn das Kreuz schleppen lassen, über die Dornenkrone bis hin zum Essigschwamm. Sadistische Schikanen, wie sie sich überall breitmachen, wo der Mensch sich selbst entmenschlicht wie in Abu Grave, in Guantanamo, im Selbstmordkommando mitten in einer Menge fröhlicher Menschen.
Der Gipfel der Gemeinheit aber sind für mich nicht Dornen oder Schwamm, sondern ein Satz, der voll Hohn und Spott unter dem Kreuz gesprochen wird.
Ist er der der Christus, so steige er doch herab vom Kreuz. Die Evangelien überliefern ihn in diversen Varianten. Der Satz ist deshalb so perfide, weil er ins Schwarze trifft. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit. Jetzt entscheidet sich Sieg oder Niederlage. Jetzt kann Gott es allen zeigen. Oder sang- und klanglos untergehen. Bitte - es liegt doch bei ihm.
Und ich geselle mich zu den Gaffern und Spöttern und Entsetzten unter dem Kreuz und höre den Satz. Und denke: Stopfe diesen Lästerern doch das Maul. Zeig’s ihnen. Einmal. Damit die Welt es begreift. Und ich stelle mir vor, der Traum wird wahr. Er reißt die Nägel aus dem Holz. Zwei, drei Freunde fangen ihn auf. Und er schreitet erhobenen Hauptes auf die Menge zu. So. Ihr habt euren Spaß gehabt. Jetzt kommt das, was schon lange fällig ist. Ich sehe in entsetzte Gesichter. Ich sehe mit heimlicher Schadenfreude, wie der Spötter mit starrer bleicher Maske einen Herzanfall erleidet. Ich sehe die römischen Schergen auf der Flucht. Und auch, wie Maria Jesus erleichtert in die Arme nimmt. Alles ist gut. Bei seinen Jüngern weicht der erste Schreck der Begeisterung. Die Menge feiert den Sieger. Am Abend wird es heißen: Die Römer haben die Besetzung der Stadt abgebrochen. Die Pharisäer wechseln schon die Fronten und bieten ihm den Posten des Hohepriesters an. Vielleicht hat Israel auch endlich wieder einen richtigen König. Gottes Sohn selbst. Er ist es! Wer sonst hätte die Macht, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen? Wer sonst könnte die Feinde so nachhaltig beeindrucken? Endlich kein Zweifel mehr. Der Tag des Messias. Der Tag, an dem Gott Recht behält.
Aber dann? Natürlich, irgendjemand hätte auch diese Geschichte aufgeschrieben. Vielleicht wäre sie sogar noch erhalten. Als eine Art orientalischem Heldenepos. „Als der wundersame Jesus sich als Sohn Gottes erwies, dem Tod entkam und die Römer fortjagte“ oder so. Und es würde mir gehen wie mit allen Helden: Sie sind toll, aber sie nehmen mich nicht mit. Sie können mich nicht gebrauchen, mich als Nicht-Held. Und ich denke an die unheilbar Kranke. Was soll sie noch mit einem Gott, der mal eben so aus dem Leiden aussteigen kann? Sie wird das nie können. Ich denke an den Gefangenen in seiner Zelle, der da für seinen Kampf um Gerechtigkeit sitzt. Was stärkt ihn ein Gott, der längst geflohen ist, wenn es ernst wird, anstatt neben ihm zu sitzen und den Schergen ins Auge zu blicken? Und was soll uns einer, der dem Tod von der Schippe springt, wo doch keiner von uns das kann, auf die Dauer. Und in den Kirchen, so es sie dann überhaupt gäbe, hingen strahlende Siegerbilder, Jesus-ist-super-Lieder werden gedröhnt, und wir wissen: Nie, nie können wir so sein wie der. 
Immer gehen wir den Rest allein, während er den nächsten Sieg feiert.
Und auf dem Friedhof fehlen die Kreuze.
Die Toten sind Gott-weiß-wo dahin.
Allein. Verschwunden. Untergegangen.
Sie haben’s nicht geschafft.
Er ist nicht herabgestiegen.
Er hat die Spötter ohne Antwort gelassen. Er ist nicht herabgestiegen – und ich glaube: Er hätte es nicht einmal gekonnt. Er hätte es wohl sogar gern getan. Wie jeder Mensch in seiner Lage. Aber es ging nicht.
Denn: Gott war ja ganz in unserer Lage.
Und ist nicht abgesprungen von uns.
Er ist nicht herabgestiegen, sondern bei uns geblieben.
Gott sei Dank!

C1 Gottesdienst 16.März mit David Geitner und Jean 'Mondi' Benoît


C1 Gottesdienst 19.Jan.'14 mit Friedhelm Beck


Unser Glaube