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15. November: Lisa Nikol-Eryazici zum Friedensgebet der Religionen

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Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“
 
Predigttext: Mk 4,35-40
 
Liebe Schwestern und Brüder,
ein Sturm hat sich über großen Teilen dieser Welt zusammengebraut. Es gab meines Erachtens seit dem 2. Weltkrieg keine Zeit, in der in so großen Teilen der Welt mehr Krieg, Terror, Zerstörung, Elend und Perspektivlosigkeit herrschte als heute. Es ist ein Sturm, der sich mehr und mehr zusammengebraut hat, der ganz sicher viele Ursachen hat und das Lebensschiff so vieler Menschen hilflos auf den hohen Wellen der Gewalt und Heimatlosigkeit hin und her treiben lässt – sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Wir haben vom Schicksal der Flüchtlinge gehört, die gerade berichtet haben, was ihr Leben so komplett aus den Angeln gehoben hat. 50 bis 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht, fliehen innerhalb ihres Landes zu Familienangehörigen, Bekannten, und wo auch diese Inseln wegbrechen, versuchen sie außer Landes zu kommen, Millionen strömen in die Nachbarländer, wie den Libanon, Nordirak, die Türkei, wo selbst Menschen um ihren Lebensunterhalt ringen und in großen Lagern kaum Lebensperspektiven für sie zu finden sind. Es ist ein Sturm, von dem wir alle spüren, dass er nicht mehr so schnell verschwindet, sich auch nicht mehr lokal begrenzen lässt, so dass man ihm zwar betroffen, aber doch weit weg von sich selbst vor dem Fernseher mit einer Tüte Chips beobachten kann, sondern die Wellen dieses Sturmes sind bis zu uns geschwappt. Die niederträchtigen Terroranschläge in Paris haben uns das entsetzlich vor Augen geführt. Und Tag für Tag kommen tausende Flüchtlinge an die Grenzen Europas, an unsere Grenzen und hoffen hier in einem Land, wo Sicherheit herrscht, wo es so viel Reichtum gibt, wo Arbeiter und Nachwuchs gesucht werden, einen Ort zu finden, wo sie sicher sind vor dem Sturm, dem Terror, dem Kämpfen, den Anstrengungen, von den Wellen nicht verschluckt zu werden.
Doch auch hier innerhalb Europas werden die Wellen immer unruhiger. Viele Menschen sind besorgt, wenn sie von den hohen Zahlen der Flüchtlinge Tag für Tag hören. Wie viele Flüchtlinge kann eine Gesellschaft verkraften, fragen sie sich, wie wird es weitergehen, viele Helfer sind am Rand ihrer Kräfte, die Behörden und Kommunen überlastet. Flüchtlinge brauchen Wohnraum, Deutschkurse, Integration, Hilfe und offene Arme und Hände. Überforderung macht sich breit, die Angst, der Menge an Menschen mit anderen kulturellen und sprachlichen Wurzeln nicht mehr gewachsen zu sein, ja die Angst, dass sich auch die eigene Gesellschaft verändert, in welche Richtung weiß man gar nicht genau. Und seit Freitagnacht ist die Angst vor Terror und Gewalt im eigenen Land wieder aufgeflammt. Plötzlich haben wir das Gefühl, keine Zuschauer mehr zu sein, sondern in irgendeiner Weise von diesem Sturm mit betroffen zu sein. Angesichts der Wellen im Zentrum des Sturmes vielleicht nur ganz wenig, aber man spürt die Unruhe auch in unserer Gesellschaft wachsen.
Die Zunahme an rassistischen Angriffen auf Flüchtlingseinrichtungen oder die Menschen selbst wie es sie im letzten Jahr gegeben hat, lässt uns schaudern. Die Diskussionen werden heftiger hier im Land, in den Medien, aber auch innerhalb von Europa –ja, es stellt sich die Frage nach der Einheit, dem Wertekonsens und der Solidarität in Europa selbst, und die Aktionen vieler Politiker, den Zuzug zu begrenzen, ja die Flüchtlinge selbst als Bedrohung zu sehen, werden immer hektischer. Nein, wir sind keine Zuschauer mehr, wir merken, dass wir gefordert sind, ob wir das wollen oder nicht wollen und dass die Flüchtlingskrise auch unsere Gesellschaft verändern wird.
In unserer Geschichte geht es den Jüngern ganz ähnlich. Sie rudern und rudern, war das Wasser doch eben noch so ruhig gewesen und alles war wie immer gewesen, hat sich der Sturm so schnell zusammengebraut und sie fühlen sich von den Wellen bedroht, fühlen sich dem nicht mehr gewachsen und die Hektik, die Unruhe und die Angst unter ihnen steigt immer mehr. Jesus scheint diesen Sturm gar nicht wahrzunehmen, oder? Er schläft ruhig hinten im Boot. Sie wecken ihn, rütteln ihn wach: Merkst du nicht, wie es uns geht, wir haben Angst, es nicht zu schaffen, Angst, dass die Wellen unser Boot umwerfen können?! Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme. Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?
Wir haben uns in unserer Vorbereitungsgruppe gefragt, was diese Reaktion Jesu für uns bedeuten könnte. Er handelt indem er die Wellen beruhigt und die Jünger darauf verweist, zu vertrauen – habt ihr noch keinen Glauben?
Für uns und unsere christlich-abendländisch geprägte Gesellschaft kann das doch tatsächlich bedeuten, erst einmal innezuhalten in all den aufgebrachten
Debatten, den Sturm bei uns in die richtigen Dimensionen zu bringen und sich zu besinnen, was unser Leben, unseren Glauben, unsere Werte und unsere Gesellschaft trägt: Wir sind eine der reichsten und am besten aufgestellten Nationen auf der Erde. Wir haben so viel Vermögen im umfassenden Wortsinn – sollten wir nicht, die wir für eine Bankenkrise in der Lage waren, hunderte von Milliarden in kurzer Zeit aufzubringen, auch so viel Geld haben, um Menschen, die alles verloren haben, hier eine Heimat zu geben? Ja, ich glaube die Wellen bei uns schlagen deshalb so hoch, weil wir tatsächlich merken, dass es nicht mehr mit Almosen getan ist, sondern dass solidarisches Handeln gefragt ist hier in unserem Land und auch weltweit – denn wenn Menschen keine Lebensperspektive mehr haben, dann werden sie sich auf den Weg machen um zu überleben und kein Zaun wird sie auf Dauer abhalten können. Bis vor kurzem hatte die UN nicht einmal genugMittel zugeteilt bekommen, um in den großen Flüchtlingslagern für ausreichend Essen und Versorgung zu sorgen. Das hat trotz großer Apelle nichts verändert bis die Menschen aus Hunger und Perspektivlosigkeit sich von dort aufgemacht haben nach Europa. Jetzt erst ist plötzlich möglich, was monatelang nicht möglich war.
Jesus aufwecken und ihn handeln zu lassen heißt nicht, sich abzuschotten mit dem Hinweis auf die christlichen Wurzeln des Landes, sondern genau das Gegenteil: Es heißt in seinem Sinne handeln. Ich glaube auch, dass er gesagt hätte: „Wir schaffen das“, doch das passiert nicht einfach so, sondern dafür braucht es den Willen und die Gestaltung, sicher auch klare Regeln und den Glauben und das Vertrauen einer Gesellschaft und Politik, die sich doch auf humane und damit auch christliche Maßstäbe beruft. Wir haben die Ressourcen bei uns. Schauen wir doch auf die vielen Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, was für ein Segen ist das. Sie müssen wir unterstützen und mit ihnen zusammen arbeiten. Wir sind eine starke Gesellschaft und wenn wir zusammenstehen, Lasten gerecht verteilen, dann können wir so viel leisten. Wenn wir als christliche Gemeinden wirklich darauf vertrauen,dass Gott wirkt, brauchen besorgte Christen auch keine Angst vor einer zunehmenden Islamisierung haben, sondern wir suchen das Gespräch und die Begegnung mit unseren muslimischen Nachbarn und arbeiten gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden, so wie wir das heute tun. Und wenn die Flüchtlingskrise von uns als gut situierten Bürgern einen solidarischen Beitrag auch in Form von Geld oder Steuern fordert, dann können wir das leisten. Ja, jeder einzelne ist gefragt und kann etwas dazu tun um die Wellen zu beruhigen. Die vielen oft jungen und zukunftsorientierten Menschen, die zu uns kommen, sind auch eine große Chance für unser Land, wenn wir diese große Aufgabe der Integration auch annehmen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Schwächsten in unserem Land ausspielen gegen die Flüchtlinge, wenn es um Wohnraum geht, um Arbeitsplätze um Sozialleistungen. Auch hier sind wir gefordert umzudenken – Jahrelang wurde kein Geld in den sozialen Wohnungsbau gesteckt, nun rächt sich diese Entwicklung und wird nur verschärft durch die Flüchtlinge, die zu uns kommen. Und wir müssen auch jetzt umsichtig und bleiben und die Angst, die Wut und Ohnmacht, die wir angesichts des Terrorismus empfinden, nicht gegen die richten, die ja zu uns kommen, um dem zu entfliehen.
Auf Jesus vertrauen, der den Sturm beruhigen kann, heißt tatsächlich in vielen Bereichen auch Umkehr, wieder zurückzukehren zu einem Leben in seiner Nachfolge: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen. Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Das ist, was Jesus von uns erwartet.
Wir werden auf lange Sicht nicht umhin kommen, wieder solidarischer zu leben in dieser Welt, die Gräben zwischen arm und reich wieder stärker zu schließen, Ausbeutung und Verelendung einzudämmen. Denn sie sind die wahren Ursachen von Krieg und Gewalt, die in Form von Religions- oder ethnisch-motivierten Kriegen oder verblendetem Terror daherkommen. Vielleicht schickt Gott uns die Flüchtlinge, damit wir uns dessen wieder neu besinnen, dass es um Gerechtigkeit geht, um Teilen und um ein aktives Ringen um den Frieden in der Welt, hat vor kurzem jemand zu mir gesagt. Dass wir nicht mehr wegschauen können. Vielleicht hat er recht.
Was seid ihr so furchtsam, habt ihr noch keinen Glauben? Ja, vertrauen wir der Haltung Jesu, der dem Sturm ins Auge sieht, doch sich nicht fürchtet, der handelt und ihn durch sein Dasein, seine Wegweisung beruhigt. Also werden wir ruhig und hoffnungsfroh. Zeigen wir als Christen und Muslime Seite an Seite hier in Lauf, dass Terroristen nicht die Macht haben, uns zu spalten, sondern dass wir in einem Boot sitzen - unterwegs zu einer achtungsvollen, gerechten und friedlichen Gemeinschaft.
 
Amen.
 

25.Okt. Christuskirche: Liebet Eure Feinde mit JanPeter Hanstein



27.September: Einweihung St.Jakob


13.September: Einführung Familie Hanstein

(Hier KLICKEN:) Die nachfolgende Predigt als pdf-Datei zum Herunterladen (und Ausdrucken)

Pfarrer Hanstein zu seinem Manuskript:
Wie immer gilt das gesprochene Wort in seiner Einmaligkeit und Vergänglichkeit ...
Für mich gehört die freie mündliche Ausführung nach gründlicher schriftlicher Vorbereitung zum Ganzen dazu.
 
 
Liebe Gemeinde, 
Sorgt euch nicht – das ist doch mal ein passender Text für meinen und unseren
Anfang in der evangelischen Kirchengemeinde Lauf!  Kleine Gemeinden – kleine
Sorgen – große Gemeinden große Sorgen – so ähnlich haben es mir Freunde
vorher gesagt. Aber ich wollte es ja wissen. Und kaum war ich angekommen,
sagten Kirchenobere, Stadträte und Finanzfachleute, dass ich um diese Stelle
nicht zu beneiden sei bei all den Schwierigkeiten, in denen diese Kirchenge-
meinde steckt. 
Sorgenvolle Gesichter überall. Und objektiv gesehen mögen sie ja recht haben. 
Aber für den 15. Sonntag nach Trinitatis sagt mein vorgeschriebener Predigttext
– nein! Sagt Jesus: Sorgt euch nicht. Das sagt er zu den Menschen. Und das
sagt er auch zu mir als Pfarrer, die ja auftragsgemäß Sorgen haben und gerne  öffentlich Bedenken tragen.
Ich las im »Deutschen Pfarrerblatt« die Erinnerungen eines Pfarrers, der im Rück-
blick auf seine aktive Pfarramtszeit schreibt: »Manchmal habe ich mir morgens so
lange alle meine Sorgen aufgezählt, dass es am Ende nicht mehr lohnte anzu-
fangen.« 
Wie fange ich jetzt an bei euch? Mit den Fingern zu schnippen, summen und pfei-
fen? 
(…) 
Don’t worry – be happy? Nr 1 Hit 1988 von Bob Ferrin. Zumindest der Musiker
Bob Ferrin konnte danach sorgenfrei leben. Meine Freunde in Papua Neu-Guinea
würden sich freuen. So oft habe ich da gehört: No ken wari – stap isi – sorge
dich nicht, bleib locker - frei übersetzt. 
Aber ob das zu dem ernsten Profil passt, dass der Kirchenvorstand unserer alt-
ehrwürdigen Johanniskirche vorgeschlagen hat? Glücklicherweise hat Bob Ferrin
hat einen bekannten Vorgänger aus der E-Musik: Franz Schubert hat die Dich-
tung von Matthias Claudius vertont. 
Unser Kantor Markus Kumpf begleitet seine Frau Stefanie Hruschka. 
Wir lauschen diesem Liedchen und wer will, darf mitsummen.
(LIED Matthias Claudius vertont von Franz Schubert.) 
Ich danke Gott und freue mich wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Daß ich hier bin und daß ich dich, s
chön menschlich Antlitz habe

Daß ich die Sonne, Berg und Meer u
nd Laub und Gras kann sehen
Und abends unterm Sternenheer u
nd lieben Monde gehen. 
 
 
Ich danke Gott mit Saitenspiel, daß ich kein König worden; Ich wär geschmeichelt worden viel und wär vielleicht verdorben. 
 
Gott gebe mir nur jeden Tag, So viel ich darf, zum Leben. Er gibt's dem Sperling auf dem Dach; Wie sollt er's mir nicht geben!
 
Ich freue mich über all die Musik, die wir heute zu Ehren Gottes machen – als
Ausdruck unseres Lebens und unseres Glaubens. Denn - Merkt ihr etwas?
Was da vorgegangen ist in uns durch die Musik? Singen zu können. Singen zu
wollen. Da ist schon viel umgesetzt von der Leichtigkeit, wie Jesus sagt: Sorgt
nicht. Deshalb freut es mich, wenn ich im Büro jemanden bei der Arbeit trällern
höre. .. J
Und ihr!  Liebe Rödelseer und Fröhstockheimer! ICH GRÜSSE EUCH HERZLICH
und freue mich! Meldet ihr euch mal kurz! Danke, dass ihr gekommen seid!
Manche von euch sehen sich verwundert an – in der letzten KV-Sitzung in der
Andacht habe ich schon angekündigt dieses Lied heute bei meiner Einführung
zu singen. 
Merken Sie? So lange denke ich schon darüber nach, was Jesus da sagt! Was ich
sagen soll … So lange plane ich voraus … was für ein Widerspruch … gar nicht
spontan.
Ich danke Gott und freue mich wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Daß ich hier bin! Und daß ich dich schön menschlich Antlitz habe, 
Ein Rätsel : das schöne Antlitz – wer ist das? Oder das menschliche Gesicht Jesu, oder bin's einfach ICH - mein Gesicht im Spiegel, im Reinen mit mir selbst und mit Gott und den Anderen.  So am Morgen
pfeifend sich das Gesicht rasieren zu können. 
No ken wari, sagten mir meine Freunde aus Papua-Neuguinea oft, wenn ich verkrampft in einem vollgesopften dahinrasenden Mini-Bus saß …
stap isi – bleib locker … 
Könnte ich mal ölfters probieren, gebe ich zu ...
Ja - ich bin dankbar. Hier zu sein. So freundlich und offen aufgenommen zu wer-
den. Mich um fast nichts kümmern zu müssen. Für alles hat Pfarrerin Nikol-Eryazici zusammen mit dem Architekten Linder und dem Finanz- und Bauaus-
schuss gesorgt. Sorgenfrei konnten wir in das schöne Haus hinter der Kirche
mitten in der Stadt ziehen. 
Was für ein Privileg, alimentiert zu sein von der Landeskirche - freigestellt zu sein
von der Sorge um ein Haus – aber vergessen wir nicht, dass Jeseus mit seinem Wort SORGET NICHT Menschen ansprach, die sich konkret fragten: wo werden wir schlafen, was werden wir essen, was anziehen! 
Menschen, die sich ganz auf Jesus verlassen haben, seine Freunde, seine Jünger. 
Was für ein Kontrast! 
Wir in Deutschland: Weil wir uns wenig Sorgen um diese Sachen zu machen
brauchen, um Essen, um Kleidung - deshalb können wir nun andere versorgen,
uns um andere kümmern, die zu uns kommen und alles verloren haben. Heimat,
Freunde und Arbeit.    
Wirklich - ich bin immer noch überwältigt.
Was für ein Signal der Hoffnung, aber noch mehr der Souveränität hat die
Kanzlerin Angela Merkel ausgesandt, in dem sie die Grenzen öffnete für die
Flüchtlinge, die an den Außengrenzen der EU, die in Ungarn gestrandet waren. 
Und heute wieder Züge mit tausenden von Flüchtlingen und Vertriebenen, die in
Deutschland und damit in Europa ankommen dürfen nach monatelangen, oft
jahrelangen Entbehrungen. Und werden willkommen geheißen am Bahnhof in
München von wieder hunderten von Deutschen…
Ist das das Ende von dem Deutschland, dass wir kennen? Ist das eine „gran-
diose Fehlleistung“ gewesen?  
Ausgerechnet Ungarn. Wer - (unter uns Älteren!) - erinnert sich nicht an die
Deutschen aus der DDR in der Botschaft in Prag und in Budapest im Spätsommer
1989, als der damalige Außenminister Genscher nach tagelangen schlaflosen
Verhandlungen ihnen zurufen konnte: Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen
mitzuteilen, dass heute ihre Ausreise … und der Rest der Rede ging in Jubel-
geschrei unter! Alle konnten ausreisen und die Sonderzüge nach Westdeutsch-
land fuhren mit jubelnden deutschen ja „Flüchtlingen!“ an Todesschussanlagen
vorbei. Das war das Ende der DDR.
Alle hat Merkel überrascht mit dieser zeichensetzenden großzügigen Aktion, die
Bedenkenträger der politischen Parteien, Pro Asyl und auch mich. 
Erinnern wir uns, wie Merkel in Dresden Heidenau gnadenlos ausgepfiffen wor-
den ist. 
Und das war nun ihre echt starke Antwort: 
„Ihr meint also, es geht nicht? Es wären zu viele? Ihr sorgt euch um euch Deutschland? Bei euch in Sachsen mit 1% Ausländeranteil! Ich mache mir da ganz andere Sorgen. Jetzt könnt ihr euch mal praktisch damit auseinandersetzen und nicht nur theoretisch! 
Es geht nicht anders. Wer in Europa, wenn nicht wir. Wir sind schon mit ganz
anderen Probleme fertig geworden. Zäune und Mauern gibt es bei mir nicht mehr.
Damit sind wir durch. Die Freiheit ist wichtiger. Sorge um diese Menschen auch.“
Ich habe wirklich das Gefühl, dass diese plötzliche Großzügigkeit nicht eiskaltes
Kalkül unserer Kanzlerin ist, sondern eine Gewissensentscheidung war. Für die
Menschlichkeit angesichts einer humanitärem Katstrophe. Auch wenn alle an-
deren Bedenken tragen und dagegen sind und sich fragen: wer soll das bezah-
len? Wie soll das weitergehen? 
Ich weiß es nicht.  
Aber ich freue mich darüber, dass aus allen Teilen unserer Gemeinde Christen
sich schon länger in der Arbeit mit Flüchtlingen engagieren, dass der Kirchen-
vorstand sich laut ausgesprochen hat und es ist bereits ein Schwerpunktthema
bei uns ist. Jetzt und nicht morgen. Hier und nicht im Fernsehen.
Ich sehe Mut und Selbstbewusstsein wie Jesus es verkörpert, der sagen kann
zu uns: 
Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet ge-
wesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet,
das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht
viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen:
Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr
all dessen bedürft. 
Zurück zu Claudius
Daß ich die Sonne, Berg und Meer und Laub und Gras kann sehen
Und abends unterm Sternenheer Und lieben Monde gehen. 
Jesus zeigt auf die Vögel, die da singen und pfeifen. Auf die Kinder, die spielen und tanzen.
Auf die Dichter und Musiker.
Wenn ihr nicht werdet wie sie, werdet ihr das Reich Gottes nicht sehen. Nicht verstehen. Nicht erben.  Sorgt euch nicht um euch selbst – sorgt euch aber um das Reich Gottes! Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerech-tigkeit, so wird euch das alles zufallen. 
 
Ich danke Gott mit Saitenspiel, daß ich kein König worden; Ich wär geschmeichelt worden viel und wär vielleicht verdorben. 
 Ich bin nur ein Pfarrer in Lauf, nicht der König Salomo und kein Bürgermeister -
obwohl bei meinem Abschied schon so viel geschmeichelt worden ist. In der
Kirche ist keiner Herrscher,  keiner König – gemeinsam im Team der Hauptamtli-
chen werde ich arbeiten und und mit dem Kirchenvorstand mit allen Mitarbeitern
und Mitarbeiterinnen – und ich habe da auch nur eine Stimme. 
Ich finde, heute werde nicht ich gefeiert, sondern die ganze Gemeinde feiert sich
und feiert unserem Gott. Aber ich danke für euren Zuspruch, für die Arbeit die vor
mir liegt.. 
Matthias Claudius führt in dem Gedicht die Gefahren noch weiter aus: 
Auch bet ich ihn von Herzen an, daß ich auf dieser Erde
Nicht bin ein großer reicher Mann und auch wohl keiner werde. Denn Ehr und Reichtum treibt und bläht, hat mancherlei Gefahren,
Und vielen hat's das Herz verdreht, die weiland wacker waren. 
 
Die Sorge Tag für Tag und das liebe Geld
3) Ja da gibt es viele Sorgen. Um das liebe Geld. Sorget nicht! Passt scho  … 
Stadtpfarrer ist eher eine Ortsbezeichnung. Es gibt doch viel mehr Pfarrer, die in
der Stadt arbeiten! Außerdem bin ich noch Dorfpfarrer in Dehnberg! 
Die „erste Pfarrstelle“ – bedeutet nur geschäftsführender Pfarrer. Von dem erwar-
tet man planvolles Vorgehen. Obwohl – Verzeihung – im Moment sehe ich eher
kP – keinen Plan … verplant, sagen die Jugendlichen. 
Im Wahrnehmen nach und nach, im Hören, wie unser Dekan vorhin sagte, Tag für
Tag werden wir gemeinsam erkennen, welche Möglichkeiten uns jetzt gegeben
sind, um z.B. den Haushaltsplan aufgehen zu lassen. Sorge dich nicht – das ist
kein Widerspruch zu sorgfältiger Haushaltsführung, die Rechenschaft über Soll
und Haben. Dies alles gehört zu einer verantwortlichen Haushalterschaft.  Auch
der Grundsatz, dass man nicht mehr ausgeben darf als man einnimmt. Für die-
se Wahrnehmen erbitte ich mir und den Mitarbeitern Zeit.
Ich grüße deshalb auch die Vertreter der Verwaltungsstelle in Altdorf und danke
für ihren Rat und ihre Mitarbeit! 
Ich höre aus Bert Brechts »Dreigroschenoper«:
»Ja, mach nur einen Plan sei nur ein großes Licht
und mach dann noch ’nen zweiten Plan,
gehen tun sie beide nicht.«
Diese Erfahrung macht das Planen nicht überflüssig, sondern leichter, spieleri-
scher und viel weniger verbissen. 
»Ja, mach nur einen Plan«, aber sei dir bei deinem Plan selbstkritisch klar, wie
wenig du die Zukunft in der Hand hast, und wie sehr die Zukunft Gottes Zeit ist. 
Gerade in der Kirche gibt es falsche ja - gottlose Sorge. Berufspessimisten -
Das sieht würdig aus, nachdenklich. Hatten die Unheilspropheten nicht immer
recht- Ist nicht immer alles schlimmer geworden, oder wie man in Franken sagt:
Nix bessres kommt nach … Bei Reden von Bischöfen fällt mir das auf: immer müs-
sen sie sich öffentliche Sorgen machen …  
Natürlich gibt es auch ehrliche Sorge, die fromm aussieht. Die Sorge um die
Kirche im Jahre 2030, oder noch besser 2050. Wenn alle Christen ausgestor-
ben oder ausgetreten sein sollen.  Tolle Szenarien, wilder Aktivismus, Aufrufe zu
Leuchtfeuern und Meilensteinen –  und viele Menschen in Folge, die schnell aus-
brennen. Alle diese ehrenvollen Sorgenfaltenträger und -Trägerinnen vergessen,
dass die Zukunft der Kirche nicht in unserer Hand liegt.
Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie
sehr er sich auch darum sorgt? 
Auch alle Hetzerei von uns Pfarrern trägt den Geist der Sorge und nicht den Geist
der Hoffnung und der Zuversicht: Wir glauben Kirche machen zu können, und
dabei brauchen wir nur den Glauben, dass Gott diese Kirche und uns geschaffen
hat und erhält. Wenn wir dieses Zutrauen und Wissen verlieren, dann ähneln wir
Schwimmern, die vergessen haben, dass das Wasser trägt und unsere Anstren-
gungen nur der Fortbewegung dienen. Wenn das Wasser nicht trägt, sind alle
Bemühungen um sonst. Wenn Gott nicht beschützt, wachen wir vergebens.
Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. 
Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird
euch das alles zufallen.
Und ich bete und singe mit euch: 
Und all das Geld und all das Gut gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut  Kann's aber doch nicht machen.
Und die sind doch, bei Ja und Nein!  ein rechter Lohn und Segen!
Drum will ich mich nicht groß kastei'n des vielen Geldes wegen. 
(Jetzt steht's wieder im Text) 
Gott gebe mir nur jeden Tag, So viel ich darf, zum Leben.
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach; Wie sollt er's mir nicht geben!
AMEN. 
 

16. August Christuskirche


12.Juli C1 Gottesdienst mit Taufe


28. Juni 2015


Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici beim Mitarbeiterjahresgottesdienst Johanniskirche 21.6. 2015

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Lukas 15,1-3. 11-32


Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Gemeinde, ich glaube, es gibt kaum ein Gleichnis, das so bekannt ist wie das vom „Verlorenen Sohn“, wie wir es gerne nennen. Seit unserer Kindheit begleitet es die meisten von uns und ich glaube, es ist vielen von uns ans Herz gewachsen. 
Eigentlich kommen ja nur drei Hauptpersonen vor: Der jüngere Sohn, der Vater und der ältere Sohn, aber es ist eine Familiengeschichte, die es in sich hat. Ich glaube, unsere Sympathie gilt in allererste Linie dem Vater und dem jüngeren Sohn, der ältere hingegen führt ein rechtes Schattendasein.
Dabei ist er doch sehr fleißig, bemüht sich, dem Vater zu gefallen, tut alles, was ein guter Sohn tut: er arbeitet, strengt sich an, sicher oft auch über die Maßen hinaus, er unterstützt den Vater durch seine Arbeit und schaut, dass der Betrieb läuft, um ihn auch später einmal zu übernehmen.
Und da ist der andere Sohn, dem der Hof scheinbar zu eng ist, der den immer gleichen Trott satt hat, der neue Erfahrungen machen will, der über seinen Tellerrand schauen will, der auszieht und nicht vorhat zurückzukehren, deshalb lässt er sich sein Erbe auszahlen. Ich möchte hier gleich einmal innehalten: Welchem dieser Söhne können wir uns eher zuordnen? Eher dem älteren oder eher dem jüngeren Sohn?
Wir – fast alle heute hier sind Mitarbeiter unserer Gemeinde. Wir alle bemühen uns sehr, das unsere dazuzutun, damit der Laden läuft, damit Gottes Wort, seine Liebe zu den Menschen weitergetragen wird, um mit zubauen an Gottes Reich. Wir engagieren uns in den Büchereien unserer Gemeinde, im Seniorenkreis, im Chor, als Lektor, für St. Jakob in der Konfi- oder Jugendarbeit, im Basarteam, im Schlau-Cafe oder Sonntagsfrühstück – und ich weiß von manchem, wie groß ihr Einsatz ist, sie, ja wir alle geben viel, weil wir wissen, es ist gut, beim Vater zu sein, weil wir es beglückend erleben, wie auf unserem Hof Gemeinschaft gelebt wird, weil wir überzeigt sind, dass Menschen hier das finden können, was sie wirklich brauchen: Sinn, Geborgenheit, Tiefe, Gemeinschaft.
Und da tut es weh, wenn man miterlebt, dass Menschen weggehen, sich innerlich oder äußerlich aus der Kirche zurückziehen und sich ihr Erbe ausbezahlen lassen.
115 Austritte hat es letztes Jahr gegeben, so viel wie nie zuvor. Und auch wenn viele auf die scheinbar neu eingeführte Steuer auf Kapitalerträge, die es ja schon immer gegeben hat, zurückzuführen sind, so tut man so etwas doch nur, wenn man auch innerlich nicht mehr mit der Kirche verbunden ist. Warum entfremden sich die Menschen so sehr von der Kirche fragen sich viele? Traditionsabbruch, das nicht mehr Weitergeben des Wissens um die grundlegenden Glaubensinhalte, eine Ökonomisierung des ganzen Lebens, das ganz stark auf Funktionalisierung setzt – wichtig ist nur, was auch scheinbar etwas bringt. Das sind bestimmt Gründe. Doch vielleicht müssen wir einfach auch feststellen, dass diese Menschen in ihrer jetzigen Lebenssituation andere Erwartungen und Bedürfnisse haben und von der Kirche nicht mehr erwarten, dass sie diese erfüllt. Auch der jüngere Bruder ist ja nicht von heute auf morgen weggegangen, bei ihm hat sich ja eine Unzufriedenheit angebahnt und dazu kam dann sicherlich jugendliche Neugierde, über den Tellerrand zu schauen, neue Erfahrungen zu machen.
Wie geht es uns mit denen, die weggehen? Traurig sind wir auf jeden Fall darüber, oft auch ratlos, manchmal selbstkritisch, so dass wir uns die Frage stellen, was wir in unserem kirchlichen Leben denn verändern müssen, so dass auch diese Menschen etwas finden, was sie hält. Und ich erlebe es auch immer wieder, dass sich durchaus auch ein bisschen Wut hineinmischt, wie beim älteren Sohn: Da höre ich manchmal Sätze wie: Ja, da treten sie aus der Kirche aus, aber an Weihnachten oder zur Trauung da möchten sie in die Kirche, weil´s halt schön ist und dazu gehört.
Einen in der Geschichte haben wir noch nicht näher betrachtet, den Vater. Wie geht er damit um? Er beschimpft den Jüngeren nicht, als er geht, er er gibt ihm seinen Erbteil und lässt ihn die Erfahrung machen, die er meint machen zu müssen – und er wartet auf ihn mit offenen Armen. Ja, der Vater strahlt eine solche Gelassenheit und positive Kraft aus in der Geschichte. Er gräbt sich nicht auf dem Hof ein und verbittert, weil sein Sohn anders gehandelt hat, als er es sich als Vater gewünscht hätte. Er weiß, hier am Hof ist sein Platz, er tut, was er jeden Tag macht, bebaut, sät und erntet – und dennoch hält er Ausschau, geht an die Ränder und schaut hinaus um seinen Sohn nicht zu verpassen. Er bleibt immer der Vater auch des gegangenen Sohnes und ist mit aller Nähe, seinem Rat und seiner täglichen Hilfe natürlich der Vater des gebliebenen Sohnes. Was für ein schönes Bild.
Was heißt das für uns als Gemeinde? Ich denke, dass wir uns zuallererst immer wieder bewusst machen, dass die Ausgezogenen dennoch zur Familie gehören – ihre Taufe hat ihre Bedeutung dadurch nicht verloren – und der Vater hat nicht mit ihnen gebrochen. Für mich bedeutet es weiter, dass wir dem Blick und dem Gestus des Vaters folgen, nämlich die Verlorengegangenen nicht aus den Augen verlieren, dass wir nicht verbittern und uns selbst genügen, sondern wie der Vater an die Ränder der Gemeinde gehen und Ausschau halten nach denen „draußen“ und damit einladend und offen bleiben für ihre Bedürfnisse und Nöte, auch wenn sie dem Glauben und der Kirche scheinbar verloren gegangen sind.
Und wir können drittens die Ruhe und Geduld des Vaters lernen, der nicht aufgehört hat zu hoffen, der dem Gegangenen nie verdammt hat, der seine offenen Arme weiterhin ausstreckt.
Der jüngere Bruder ist dann tatsächlich zurückgekehrt. Warum eigentlich? Nun, eigentlich weil er mit dem, was er hatte schlecht gehaushaltet hatte, weil er Hunger hatte, er ausgebrannt war und die Sehnsucht nach dem Vater und seinem Umgang mit allen, die hier leben, nach dem Hof, wo es Nahrung in Fülle gibt, stärker war. Er wusste, wo er hingehen kann, wenn es ihm schlecht geht, wie jetzt.
So macht er sich nach längerer Abwesenheit auf den Weg – ohne zu wissen, was ihm in seinem alten Zuhause empfängt. Ich stelle mir vor, er wäre zufällig auf dem Feld dem älteren Bruder begegnet, er hätte ihn sicher abblitzen lassen. Ich weiß noch immer, als ich einmal vor vielen Jahren von einer Frau, die ich sehr gut gekannt habe, erfahren habe, dass sie aus der Kirche ausgetreten ist. Das hat mich wirklich fast persönlich verletzt. Kurz darauf traf ich sie in der Kunigundenkirche – und bei der Verabschiedung rutscht mir doch tatsächlich heraus: Was machen Sie denn hier? Dieser Satz beschäftigt mich bis heute, er war ganz bestimmt Meilen von den offenen und wärmenden Armen des Vaters entfernt, der den Sohn umarmt, ihn nicht verurteilt, sondern ihn neu einkleidet und mit dem Siegelring deutlich macht, dass er zur Familie dazugehört. Obwohl ich so ganz bestimmt nicht sein will , entdecke ich in meiner damaligen Bemerkung doch den älteren Sohn, der vom Verhalten des Vaters brüskiert ist. Er kann diese Offenheit, diese Weite, diese Liebe Gottes dem gegenüber, der ihn doch verlassen hat, der ihm Schmerz zugefügt hat, nicht verstehen.
Ich glaube, diese Geschichte hält uns allen immer wieder den Spiegel vor, weil das Verhalten des älteren Sohnes so nachvollziehbar ist und sich doch auch – bei allem Verständnis im Kopf, so doch im Herzen etwas Rebellisches gegen den Vater rührt. „Für ihn, der weggegangen ist, schlachtest du ein Kalb – und was ist mit mir?“ Was antwortet da der Vater? Mein Sohn, schau, was mein ist, ist doch auch dein – dadurch, dass ich dem anderen Liebe und Aufmerksamkeit entgegenbringe, geht dir nichts, aber auch gar nichts ab. Du bist hier an meinem Hof in meiner Nähe und Gemeinschaft, du bist selbstverständlich mein Kind und dir gilt meine Liebe. Gottes Liebe ist einfach so viel größer als unsere eigene – wie stoßen wir uns daran, dass wir uns nicht genügend beachtet fühlen, benachteiligt sehen, das Gefühl haben, die andere Gruppe wird vom Pfarrer eher bedient als wir. Ja, solche Empfindlichkeiten belasten uns auch im Miteinander in der Gemeinde. „Mein Kind, du bist doch immer bei mir, was mein ist, ist auch dein“. Ich glaube, wenn wir das begreifen, dann können wir auch diese unermesslich weite Liebe des Vaters nach empfinden.
Sie tut mir auch so gut, denn wer weiß schon, ob er selbst immer wie der ältere Sohn am Hof bleibt, wer kann sich sicher sein, nicht auch einmal – aus welchen Gründen auch immer durch Krisen, Zweifel, Nöte, Enge – sich vom Vater, von der Kirche, ja vom Glauben zu entfernen? Zu wissen, dass mir auch dann bei all meinen Wegen und Umwegen, bei meiner Suche, ja immer im Leben, Gottes Liebe gilt, dass ich dadurch nicht meine Kindschaft verliere, dass er wartet auf mich mit offenen wärmenden Armen, das ist ein wunderbares Bild des Glaubens für mich, das gibt mir Mut und Kraft dabeizubleiben, ja und für diesen Glauben, für diesen Vater mit seinen offenen wärmenden Armen einzustehen und weiterzutragen.
Deshalb ist für mich diese Geschichte, die Jesus erzählt auch heute an unserem Mitarbeitergottesdienst so aktuell und zugleich so ermutigend.
Die Geschichte endet mit einem Fest. Wie heute bei uns in diesem Mitarbeitergottesdienst. Für mich ist er ein Fest, weil wir alle zusammen sind, ältere und jüngere Brüder und Schwestern, die, die ihren Platz gefunden haben und die, die noch suchen, weil wir uns freuen, dass wir uns haben, dass wir den Vater haben, dass er sich freut, dass er uns hat.
Und morgen gehen wir alle wieder an die Arbeit auf unserem Hof, in unserer Gemeinde mit offenen Herzen, Augen und Armen nicht nur für die, die schon hier sind, sondern auch für die, die draußen stehen und die vielleicht darauf warten, von Gott wieder in die Arme genommen zu werden. Amen
Und der Friede und die Liebe Gottes, die höher sind als unsere Vernunft und Liebe, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Bruder.

14. Mai Thomas Reuß auf dem Kunigundenberg


Frucht bringen mit Christus


8.März Johanniskirche Fastengottesdienst mit Prof.Ulrich Duchrow und Soloquartett


1. März: Abschied für Friedhelm Beck als Stadtpfarrer und seine Frau Elisabeth

 Der Artikel in der Pegnitz-Zeitung von Anne Stegmeier
 Bilder vom Abschiedgottesdienst  (gleiches ohne Flash)
 Bilder von der Abschiedfeier  (gleiches ohne Flash)
Bilder von O.-W. Heinze und Heiko Brandt
Die Predigt zum Herunterladen und Ausdrucken
Originalformat 5 Seiten quer
4Seiten hoch (mit Standarddruckzeichen)
 
Predigt für den Sonntag Reminiscere
1.März 2015
 
Letzte Predigt im Dienst Lauf-StJohannis
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus


Stilles Gebet


Text: 2. Mose 13, 21+22


Liebe Gemeinde,
Erinnern Sie sich noch? Damals, vor fast 14 Jahren? Da bin ich zum ersten Mal auf diese Kanzel und habe in meiner ersten Predigt hier in Lauf gesagt: Ich hänge heute meinen Hut an den Hacken der Gemeinde. Ab heute bin ich mit meiner Familie hier zuhause.
Heute nehme ich meinen Hut. Heute nehme ich meinen Hut als Pfarrer dieser Kirchengemeinde hier in Lauf. Heute nehme ich meinen Hut als Pfarrer im Dienst meiner Kirche.
Heute nehme ich meinen Hut und wir verlassen Lauf, das uns, meiner Frau und mir – und unseren Kindern und Enkeln in diesen Jahren zur Heimat geworden ist.


Und - ich muss Ihnen gestehen, das ist eine meiner schwierigsten Predigten, die ich in meiner langen Dienstzeit gehalten habe.
Denn so ein Abschied ist nicht einfach – vor allem dann, wenn man so zuhause gewesen ist, wie wir, meine Frau und ich in diesen vergangenen Jahren hier in Lauf.
Was haben wir nicht alles miteinander erlebt – Sie und wir, liebe Gemeinde.
Tolle Feste, wenn es wieder einmal darum ging für eines unserer Bauprojekte Geld zu sammeln – und dann habe sogar ich mich auf die Tanzfläche gewagt! Und morgens um 5.00 Uhr haben wir dann mit dem LKW die letzten Reste aufgeräumt.
Schreckliche Momente, als die Hardstr. Am 2. Weihnachtsfeiertag unter Wasser stand – Wasserrohrbruch –
Einbrüche und andere Katastrophen.
Was haben wir nicht alles miteinander erlebt.
Zauberhafte Wege auf dem Pilgerpfad und begeisternde Ausblicke auf der Pilgerreise nach Jerusalem.
Begegnungen mit Menschen – ja – die Begegnungen mit den Menschen- das gehört zu den wichtigsten Erinnerungen, die mich begleiten werden – eine davon habe ich ja im blick berichtet. Menschen sind an meine Seite getreten, die ich schätzen lernte und auf die ich mich verlassen konnte. Menschen, mit denen eine intensive Freundschaft entstanden ist – Geschenk dieser gemeinsamen Jahre.
Und natürlich und vor allem – Wir haben Gottesdienste miteinander gefeiert – immer wieder Gottesdienste, in denen Gottes Geist spürbar und erfahrbar wurde. Gottesdienste hier in der Johanniskirche, oder auf dem Marktplatz, mit den Motorradfahrern oder in der Christuskirche, in den Altenheimen oder in der Kunigundenkirche – viele, viele Gottesdienste.
Und das war es jetzt, liebe Gemeinde?
Ein paar gemeinsame Jahre – ein Wimpernschlag in der Geschichte der Gemeinde, der Kirche?
Wie ist das, wenn ein Pfarrer geht? Vielleicht ein paar Abschiedstränen – und dann kommt ein Neuer und alles ist vergessen und vorbei?
Ja, liebe Gemeinde – so ähnlich ist es wirklich. Die Gemeinde ist das wirklich Wichtige und Bleibende. Die Gemeinschaft der Kinder Gottes hier auf der Erde und hier ganz konkret in Lauf. Sie bleibt – wir – Pfarrerinnen und Pfarrer sind Diener am Wort Gottes und wir kommen und wir gehen.
Aber ist das wirklich alles? Wo bleiben dann die Zeiten des gemeinsamen Jubelns, wenn etwas gelungen ist, wo bleiben die durchwachten Nächte, wenn die Sorgen den Atem abgeschnürt haben. Wo bleiben die Magenschmerzen, wenn Ärger und Auseinandersetzungen zu bestehen waren?
Das alles war doch auch in dieser Zeit und – es war doch eine Zeit unseres Lebens – Ihres Lebens und meines Lebens?
Ich empfinde, liebe Gemeinde, da ist noch mehr als dieses einfache kühle: Wir Pfarrerinnen und Pfarrer kommen und gehen.
Ein Bild aus der Bibel habe ich besonders sprechend empfunden, als ich nach einer Deutung für unsere gemeinsame Zeit gesucht habe.
Im 2. Buch Mose, im 13. Kapitel heißt es:


Und der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.
Das wandernde Volk Gottes durch die Zeit – ich finde dieses Bild wunderbar. Wir sind unterwegs durch die Zeit, liebe Gemeinde und unsere Aufgabe ist es, auf diesem Weg den Menschen u m uns herum, den Menschen unserer Zeit etwas von der Liebe Gottes erfahrbar zu machen.
Wir wandern durch die Zeit und ich durfte viele Jahre jetzt mit Ihnen, mit dieser Gemeinde wandern.
Und meine Aufgabe in dieser Zeit war es, dafür zu sorgen, dass diese große Gemeinde gemeinsam auf dem Weg bleibt.
Ich war nicht der, der vorausgegangen ist. Unser Weg und die Richtung wird uns von Gott vorgegeben. Meine Aufgabe habe ich eher darin gesehen, dass möglichst alle mit auf dem Weg bleiben; dass wir uns alle als Volk Gottes sehen. Auch wenn unsere Trittgeschwindigkeit oft unterschiedlich ist, auch wenn der eine öfter in die Büsche muss wie der andere, auch wenn die eine gerne ganz am rechten Rand des Weges geht und der andere eigentlich schon neben dem linken Rand. Dafür zu sorgen, dass alle mit einander unterwegs bleiben, dass sich die mit der tollen Kondition darüber freuen, dass auch die Hinkenden und die Langsameren mit unterwegs sind und auf dem Weg bleiben. Das habe ich als meine Aufgabe gesehen in diesen gemeinsamen Jahren.
Und in all dem waren wir miteinander unterwegs als Volk Gottes in dieser Zeit, auf dieser Welt.
Und, liebe Gemeinde – wir haben Reich Gottes miteinander erlebt. Natürlich nicht immer zu- so weit sind wir noch nicht – auch nicht in Lauf hier. Aber wir haben immer wieder ein Stück vom Reich Gottes erlebt.
Wo Menschen begonnen haben, den Glauben zu entdecken als Lebensmöglichkeit – da war ein Stück vom Himmelreich
Wo Menschen die befreiende Kraft des Evangeliums gespürt haben – vielleicht durch Sie oder durch mich – da war ein Stück vom Himmelreich.
Wo Menschen Trost im Leid erfahren haben – so wie meine Frau und ich damals als unser Sohn an Krebs erkrankte – oder jetzt, als mich die Krankheit gepackt hat – und ich erfahren und gespürt habe, dass ich – wir vom Gebet so vieler getragen wurden – da war ein Stück vom Himmelreich mitten in den tiefen Tälern der Krankheit.
Das wandernde Volk Gottes, das nicht immer nur um sich selbst kreist. – da, wo es das tut, kommt es nämlich sehr schnell vom rechten Weg ab. Da ist dann nicht mehr Wolkensäule und Feuersäule die Orientierung, sondern die Sorge um sich selbst und um den rechten Weg – und ob die anderen auch auf dem richtigen Weg sind –
Nein, liebe Gemeinde das wandernde Volk Gottes kreist nicht um sich selbst, sondern hat als Kompass die Gegenwart Gottes in Christus bei sich. Und weil dieser Kompass klar und sicher ist, darum kann sich das Volk Gottes um die kümmern, die am Rande des Weges liegen zu bleiben drohen.
Wo das geschieht, liebe Gemeinde, da bekommt die Liebe Gottes Atem und Gesicht, Hände und Füße durch uns, die wir miteinander unterwegs sind durch die Zeit.
Wo das geschieht, wo Gottes Geist wirkt in der Gemeinde und durch die Gemeinde – da ist ein Stück vom Himmelreich – nicht für immer, aber immer wieder
Und das wünsche ich Ihnen und mir – dass wir das von einander in Erinnerung halten – und dass wir das erleben jeder auf seinem Weg durch die Zeit aber zu einem gemeinsamen Ziel.
So nehme ich meinen Hut und sage Gott befohlen Ihnen allen. Wir hatten eine gute Zeit.
Die WiseGise, eine Acapella Gruppe die wir oft auch miteinander auf den Kirchentagen gehört haben - haben das in einem Lied ausgedrückt:
„Wir hatten eine gute Zeit“ [Eingespieltes Lied]

Amen

Thomas S.Hofmann: Die Versuchungen Christuskirche 22.Februar '15


18. Januar Thomas Reuß in St.Kunigund



Johanniskirche Neujahrsgottesdienst 2015 mit Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici

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