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1.Mai Pfarrerin Schmolke in St.Kunigund


28.2.'16: 3. Fastenpredigt des Ehepaars Hildebrandt-Rambe Neuendettelsau / München - interkulturell-evangelisch

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Predigt: I Mose 18: 1- 14a „Der Herr bei Abraham bei Mamre“

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen

1 Und der HERR erschien [Abraham] im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.
2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde
3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.
4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum.
5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.
6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen.
7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab's dem Knechte; der eilte und bereitete es zu.
8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum und sie aßen.
9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt.
10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes.
11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise.
12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen, und mein Herr ist auch alt!
13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich doch alt bin?
14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?


[Ati]
Liebe Geschwister in Jesus Christus,
Es war ein sehr heißer Tag, vielleicht ein früher Nachmittag, die Sonne brennt. Vielleicht hatte Abraham gerade gegessen und sich jetzt zu einem kleinen Nickerchen in den Schatten seines Zelteingangs gesetzt, als er drei fremde Männer sah, die auf der Reise waren. Wie hat er reagiert? Verstört? Verärgert? oder dachte er: Wer sind diese Störenfriede in der Mittagsstunde? Nein! Abraham war freudig überrascht. Er eilte ihnen entgegen, beugte sich zur Erde und empfing sie herzlich und liebevoll: Er hat Essen zubereitet,  hat ihnen Wasser zum Füße waschen bereitgestellt, was ihnen nach langer Reise sehr wohl getan hat und gab ihnen einen schattigen Platz zum Ausruhen. Abraham hat die Tradition der Gastfreundlichkeit gegenüber Fremden von seiner Vorfahren gelernt und sie praktiziert, nämlich das Beste, was man hat, für die Gäste zu geben!
Als ich diesen Bibeltext für die Vorbereitung dieser Predigt gelesen habe, wurde ich sofort an eine von vielen Erfahrungen der Gastfreundlichkeit gegenüber Fremden in Indonesien erinnert. Eines Tages wollten wir beide das Heimatsdorf einer unserer Studentinnen  besuchen. Nach einem mehr als sechsstündigen Fußmarsch in einer sehr abgelegenen Region auf der Insel Sulawesi, erreichten wir am Abend ein erstes Dorf. Weil es schon Abend war, konnten wir unsere Reise nicht mehr fortsetzen. Die Studentin, die uns auf der Reise begleitet hatte, brachte uns zum Haus des Dorfältesten, damit wir dort die Nacht verbringen konnten. Wir kannten niemand in diesem Dorf, aber die Familie des Dorfältesten hat uns herzlich und liebevoll empfangen. Sie haben Wasser für uns gekocht, damit wir eine warme Dusche nehmen konnten, was uns nach dem langen Fußweg wohl getan hat. Und im Hintergrund hörten wir, wie sie von ihren wenigen Hühnern gerade eines für uns schlachteten, damit wir ein köstliches Abendessen genießen konnten. Am näcsten Tag hat uns dann die Familie noch Proviant auf den Weg mitgegeben.

[Markus]
Liebe Glaubensgeschwister,
ich vermute, dass jede und jeder von Ihnen eigene Geschichten erzählen könnte, von Gastfreundschaft, die Sie erfahren haben – oder von Begebenheiten, bei denen Sie selbst zum Gastgeber wurden für Ihnen vielleicht zunächst fremde Menschen. Geschichten von gelungenen und bereichernden Begegnungen, die noch lange in Erinnerung bleiben. Aber vielleicht auch das ein oder andere Missverständnis oder enttäuschte Erwartungen. Über manches können wir im Nachhinein lächeln, aus manchen Verletzungen haben wir gelernt – und aus einigen ganz besonderen Momenten ist etwas Wunderbares gewachsen, das bis heute trägt.  
Wie kann das gut gelingen, so eine Gastfreundschaft, eine Begegnung des gegenseitigen Respekts, wie sie sich zwischen Abraham, Sarah und den drei Fremden aus Mamre ereignet hat? Eigentlich sind es drei ganz einfache Erkenntnisse, die in dieser Geschichte stecken:
1. Auch Fremde sind Menschen wie du und ich, mit ihren Bedürfnissen nach Angenommen werden, nach Sicherheit, nach Heimat, nach respektvoller Mitmenschlichkeit.
2. Es braucht die persönliche Begegnung, damit aus Zahlen Gesichter werden und aus gegenseitigen Vorurteilen Verständnis für die individuellen Geschichten und Prägungen.
3. Teilen tut gut. Es hat etwas befreiendes, wenn es uns gelingt, nicht aus Last oder Verpflichtung, sondern einfach aus Freude und eigener Dankbarkeit heraus andere Anteil haben zu lassen an dem, was uns selbst von Gott geschenkt ist.

[Ati]
"Gäste sind ein Segen." Dieses Sprichwort gibt es fast in jeder Kultur und Sprache dieser Welt – ob in Indonesien oder im Orient, und ich vermute, auch in einer fränkischen Variante! In der Region in Indonesien, von der ich Ihnen erzählt habe, gilt es als schlechtes Zeichen im Leben einer Familie, wenn man über eine längere Zeit keine Gelegenheit hatte, Gäste zu empfangen und zu bewirten.
Auch in Abrahams Geschichte haben die drei Fremden nicht nur Segen empfangen, indem sie die Gastfreundlichkeit von Sara und Abraham erfuhren, sondern sie wurden auch zu Segensträgern für Abraham und Sara. Sie brachten eine frohe Botschaft für sie mit. Eine Nachricht, deren Inhalt nach menschlichem Denken, Berechnen und Vorstellung eigentlich undenkbar ist: Die Verheißung eines Nachkommens im hohen Alter! Für Abraham und Sara scheint das Thema des Nachkommen schon längst abgeschlossen zu sein. Es ist ein hoffnungsloses Thema für sie. Sara, die hinter dem Vorhang stand, lachte deshalb in sich hinein und dachte: „Das geht doch gar nicht. Meine Wechseljahre liegen schon lange zurück. Auch Abraham ist schon alt. Unsere Zeit, ein Kind zu bekommen ist abgelaufen.“ Saras Lachen war kein Lachen aus Erleichterung oder Freude, sondern aus Zweifel und Unglauben, weil sie nicht mehr daran glauben konnte.
Lange genug hatte sie darunter leiden müssen, was das heißt, eine „unfruchtbare Frau“ in einer Gesellschaft zu sein, in der auf Nachkommen hoher Wert gelegt wird. Es bedeutete fast so etwas wie eine Schande, sie galt ein Niemand für die Gesellschaft, obwohl sie die Herrin im Haus war. Mit dieser Scham musste Sara tagtäglich leben und sie ertragen. Und jetzt kommen drei Fremde und behaupten, dass sie in ihrer hohen Alter noch gebären kann! Das klingt schon fast wie Spott. Oder sind sie wirklich Boten Gottes? Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?

[Markus]
Auf der Karte, die Sie an ihrem Platz gefunden haben, hat ein chinesischer Künstler diese Szene bildlich umgesetzt. Abraham bewirtet die drei Fremden; im Hintergrund, halb vom Vorhang (oder der Zeltplane) verdeckt, Sara mit einem Krug. Die drei Fremden sind als drei Engel dargestellt. Segensträger. Boten Gottes. Zunächst unerwartet, unerkannt, nicht für möglich gehalten, erweisen sich die fremden Gäste als Boten, die ein helles uns warmes Licht in den Alltag des alten Ehepaares bringen. Im Neuen Testament nimmt später der Hebräerbrief (13,2) Bezug auf diese Geschichte, in dem es heißt: "Gastfreundlich zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt." Im Griechischen steht hier das Wort "philoxenia", wörtlich übersetzt: Freundlichkeit gegenüber Fremden. Wörtlich heißt es also: "Fremdenfreundlich zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt."
Vielleicht haben Sie auch schon einmal zu jemandem gesagt: "Du bist ein Engel." Manchmal gibt es solche Momente, in denen man spürt: da ist mehr als nur eine zwischenmenschliche Zuwendung; da scheint durch diesen anderen Menschen etwas durch von der Liebe, der Zuwendung und dem Segen Gottes.
Zum Christsein gehört es dazu, dass wir damit rechnen dürfen, dass uns in anderen Menschen, auch im Fremden, ein Engel Gottes begegnet. Oft dort, wo wir es am wenigsten erwarten. Ja, wir rechnen sogar damit, dass uns im Gesicht unseres fremden Nächsten Christus selbst entgegenblickt. Das lässt uns die Welt und auch die aktuellen Gesellschaftlichen Herausforderungen mit anderen Augen sehen.
Auf unserer landeskirchlichen Projektstelle arbeiten wir täglich mit Christinnen uns Christen aus aller Welt, die hier in Bayern zugewandert sind, zusammen. Sie haben entweder ihre eigenen, kleinen Gemeinden gegründet, in denen sie Gottesdienst in ihrer Muttersprache feiern. Oder sie finden Heimat in der evang.-luth. Kirchengemeinde vor Ort. Und wir dürfen diese Erfahrung immer wieder machen: Wie diese neu zu uns gekommenen Menschen zum Segen werden, für uns, für die Menschen um sie herum, für die Kirchengemeinden, in denen sie einen Platz und manchmal auch eine Aufgabe gefunden haben.
Im Rothenburger Sonntagsblatt steht diese Woche ein Interview mit einer Ehrenamtlichen aus einer Würzburger evangelischen Kirchengemeinde. Darin sagt sie:
"Die Kirche hat die Flüchtlinge nicht gesucht. Aber die Flüchtlinge haben die Kirche gefunden. Es ist ein großes Geschenk. Ich erlebe durch die Arbeit mit und für Flüchtlinge auch einen Zuwachs an Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft. Viele kirchenferne Menschen sehen nun: Hoppla - hier wird eine Botschaft gelebt. Und wir selbst merken: mit den Leuten kommt Gott selber zu uns. Er schenkt uns die Begegnung mit Menschen, die schon vieles erleben mussten, von dem wir keine Ahnung haben. Trotzdem beweisen sie täglich so viel Mut und Hoffnung. Nicht nur 'Flüchtlinge', sondern eben Menschen. Und natürlich fordert Gott uns durch sie auch heraus: Nicht nur schöne Worte von der Nächstenliebe von der Kanzel predigen, sondern sie auch leben."

[Ati]  
Gott hat die drei Fremden zu Abraham und Sara geschickt, damit sie einander zum Segen werden. Auch wir dürfen und sollen einander zum Segen werden, als "Alt-eingesessene" und als "Neu-hinzugekommene".
Denn noch etwas verbindet uns: In dieser Welt  sind wir alle Reisende und Pilger und auf dem Weg. Ebenfalls im Hebräerbrief heißt es, dass wir als Christen/innen hier in dieser Welt keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen (Hebräer 13, 14). Unsere eigentliche Heimat ist bei Gott! Wir alle sind nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Hausgenossen Gottes, wie Paulus im Epheserbrief schreibt.
So wird diese Geschichte von Abraham und Sara auch ein Symbol für die Gastfreundschaft Gottes und die Tischgemeinschaft, zu der Jesus uns alle einlädt, ob Alt oder Jung, ob Mann oder Frau, ob mit deutschen oder ausländischen Wurzeln oder beidem.

Deshalb kann ich mich auf diesem Bild mit den verschiedenen abgebildeten Personen identifizieren:
Mit Abraham, der selber die Erfahrung gemacht hatte, die eigene Heimat zu verlassen, als Migrant von Gott begleitet und gesegnet zu sein, getragen von dem Versprechen Gottes, selbst zum Segen für alle Völker zu werden. Sein Vertrauen und seine Dankbarkeit, mit der er die Fremden aufnimmt, sie in seinem bescheidenem Haus willkommen heißt und das Beste mit ihnen teilt – aus solchem Vertrauen und Dankbarkeit möchte ich auch leben können.
Ich finde mich auch wieder in den drei Fremden, die sich mit einer frohen Botschaft auf dem Weg machen, die offene Türen und Gastfreundschaft erfahren, aber auch die Skepsis der Sara. Die, gegen alle Zweifel, Zeichen der Hoffnung und eine Botschaft der Freude weitergeben und dabei erleben, wie sich Fremdheit in Vertrauen und Vertrautheit verwandeln.  
Und ich erkenne mich auch in Sara, die aus dem Schatten des gesellschaftlichen Abseits, aus Selbstzweifeln und Hoffnungslosigkeit heraustritt. Die erlebt, dass die alten Verletzungen und Enttäuschungen heilen dürfen, dass sie die eigene Achtung und Würde wiederfindet. Und die langsam begreift, dass Gott noch etwas vor hat mir ihr.  

[Markus]

Vielleicht können auch Sie sich heute in der ein oder anderen Person dieses Bildes wiederfinden. Wir wünschen Ihnen, dass auch Sie diese Erfahrung machen dürfen – zum Beispiel so wie Sara hinter dem Vorhang hervorzutreten und sich darauf einzulassen, dass Gott noch etwas vor hat mit Ihnen. Dass Sie selbst Segensträger und Engel für vertraute und für fremde Menschen um Sie herum sein dürfen. Und dabei entdecken, wie andere, ganz unerwartet, zu Engeln Gottes für Sie werden. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen





17.Januar C1 Christus-Kirche: Wir Flaschen


4.Advent 2015 St.Nikolaus Dehnberg

Musikalischer Adventsgottesdienst mit Ehepaar Hanstein (u.a. mit Klarinette), Karlheinz Backöfer (am Keyboard) sowie Kerstin Rühl (Querflöte), Gerlinde Höcherl (Gesang) und Thomas Rühl ('Solo'trompete).
Ansprache von Jan-Peter Hanstein mit Musikumrahmung. MP3 Datei: zum Abspielen/Anhören mit der linken; zum Herunterladen mit der rechten Maustaste KLICKEN