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Abschiedspredigt Pfr. Armin Kübler Johannis-Kirche 27.Sept.2009

Ja, liebe Gemeinde, mit diesem  Gottesdienst endet meine Dienstzeit hier in Lauf. 8,5 Jahre sind wir einen Weg miteinander gegangen. Jetzt geht es für mich woanders hin. Als ich darüber so nachdachte, kam mir ein Bild in den Sinn. Der gemeinsame Weg mit vielen Menschen kam mir plötzlich vor wie eine Autobahn, auf der viele Autos unterwegs sind, wie wir es hier sehen (à Bild Autobahn: Highway bei Los Angeles). Was den highway Lauf angeht, bin ich im Juni 2001 eingebogen, ein Teilstück mitgefahren und jetzt ist die Ausfahrt für mich erreicht. Ich biege ab und ihr fahrt erst mal weiter auf eurer Autobahn.
Dieses Bild finde ich auch deswegen passend, weil da die beiden Aspekte sichtbar werden, die auf unserem Glaubensweg immer eine Rolle spielen: Es geht einerseits immer um mich, den einzelnen, das einzelne „Auto“, und auf der anderen Seite um den Verkehrsfluss, das Miteinander auf der Autobahn im Ganzen, in der Kirchengemeinde. Beides ist verschieden und gehört dennoch zusammen.
Allerdings ist für diese  beiden Weg-Aspekte des Glaubens entscheidend wichtig, dass Jesus dabei die prägende Mitte, die Schlüsselfigur ist. Nichts anderes hat er sagen wollen in dem großen Wort in Joh. 14, 6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben (für euch).“ D.h.: Wo Jesus die Mitte und Schlüsselfigur ist, da ist  auch Wahrheit und Leben. Und das ist dann auch ein guter Weg. Darauf kommt es an: Mit IHM zu gehen – für mich persönlich und genauso für die Gemeinde!
Und nun ist mir in meiner speziellen Situation bereits vor Wochen ein Bibelwort begegnet, das ich als sehr passend empfunden habe, passend für mich selber (als einzelnes „Auto“), das jetzt auf seinem guten Weg abbiegt, von dem Gemeindeweg Lauf „herunterfährt“; und passend angesichts der Gemeinde, für die die Straße, der Weg erst mal geradeaus weitergeht auf ihrem guten Jesusweg.
 
Ich lese aus Apg. 14 die Verse 20b-28.
 
Also, es liegt mir völlig fern, mich mit dem großen Apostel Paulus vergleichen zu wollen. Dem kann ich nicht mal annähernd das Wasser reichen. Aber von den Grundmustern her habe ich mich und die Gemeinde an vielen Stellen im Text wiedergefunden. Gerade auch in dieser Doppelheit: Christsein als meine eigene Angelegenheit (auch als Pfarrer) und Christsein als Angelegenheit einer ganzen Gemeinde.
Inwiefern? Was sagt uns der Text im Hinblick auf unsern individuellen Weg und im Hinblick auf unsern Weg als Gemeinde? Lasst mich mit dem Blick aufs einzelne „Auto“ beginnen, mit dem Blick auf uns persönlich:
Viele, viele Menschen waren auf der 1. Missionsreise des Paulus zum Glauben gekommen und sind getauft worden. Nun müssen sie im Glauben bestärkt werden. Paulus muss sie ermahnen, wirklich im Glauben zu bleiben.
Warum ist das so dringlich? Das wissen wir alle. Weil es nicht so einfach ist, auf dem guten Jesusweg zu bleiben. „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen“, heißt es hier. Paulus schenkt den Christen reinen Wein ein: Es gibt schwere Zeiten – ich sag´ mal – für jeden von uns. Eine alte Frau aus unserer Gemeinde (94J) sagte bei meinem letzten Besuch: „Wissen´s, Herr Pfarrer, überall is was. Und wo nix is, da kommt´s!“ „Sehr weise“, dachte ich mir. Und wenn es da ist, das Leid, das Problem, die Bedrängnis, dann soll mich das eben nicht von Gott wegtreiben nach dem Motto „Wie kann Gott mir das nur zumuten!“ Sondern dann heißt es bleiben auf dem guten Jesusweg. Womöglich lenkt mich diese Bedrängnis sogar noch tiefer in die liebenden Arme Gottes.
Aber es ist nicht einfach. Wir kennen – denke ich – solche Bedrängnisse und sie können uns hart bedrängen: eine Krankheit, eine große Enttäuschung; vielleicht sogar, wenn andere uns wg. unseres Glaubens kritisieren. Wir fangen dann an zu schlingern auf unserem Lebensweg und bauen Unfälle...
Ich glaube sogar, dass das relativ oft vorkommt. Wir haben Probleme und kommen vom guten Jesus-Weg ab. Gar nicht mal so oft durch äußere Einflüsse. Mehr noch dadurch, dass wir selber etwas nicht richtig machen. Wir laden Schuld auf uns, verlaufen uns, verfahren uns durch falsche Entscheidungen, durch falsche Taten, falsche Worte, falsche Gedanken. Wir versäumen das Gute. Wir fahren am Guten einfach vorbei und ignorieren Gott. Auch ich kann ein Lied davon singen...
Aber wissen Sie was – dann können wir immer wider das erfahren, was das größte ist an unserem Glauben; etwas, das es exklusiv nur auf diesem guten Jesus-Weg gibt; nämlich: die Erfahrung von Gottes Gnade und Vergebung, die immer neues Leben schafft.
Keiner von uns wird langfristig auf dem guten Jesus-Weg bleiben, indem er möglichst alles richtig macht, sich ethisch und moralisch immer korrekt verhält und immer anständig ist. Das schafft kein Mensch. So eine Vorgabe führt immer zur Heuchelei. Mehr oder weniger sind wir doch alle „crash-Piloten“.
Es war der große Paulus, der einmal von sich selber sagte: „Allein durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ (1.Kor.15,10) Von dieser Gnade leben wir als Christen und von nichts anderem. Freilich sollen wir möglichst viel Gutes tun, aber davon leben wir nicht. Sondern davon, dass Jesus Christus für uns gestorben und auferstanden ist. Das ist der gute Jesus-Weg, den wir gehen müssen. Und die Kunst des Bleibens im Glauben besteht immer wieder darin, zu dieser Mitte, auf diesen Weg, zu dieser Gnade zurückzufinden (,wenn wir uns mal verirrt haben). Deshalb hat D. Bonhoeffer Recht, wenn er sagt: „Ich glaube, dass Gott auch aus dem Bösesten etwas Gutes machen kann.“ Und ich möchte aus eigener Erfahrung sogar den noch stärkeren Satz von S. Kierkegaard unterschreiben: „Ich glaube, dass Gott aus Bösem etwas Gutes machen kann, das größer ist, als es das ursprünglich Gute je gewesen wäre.“ „Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden“, sagt Paulus in Röm.5,20. John Eldredge formuliert es so: „Gott möchte die Angriffe des Feindes benutzen, um die Hindernisse zwischen uns und ihm aus dem Weg zu räumen und unsere Abhängigkeit von ihm als seine Söhne und Töchter aus einer viel tieferen Ebene wiederherzustellen. Gottes Absicht ist es, unsere geistlichen Kämpfe zu nutzen, um uns dadurch tiefer in die Gemeinschaft mit ihm hineinzuziehen.“ Ich habe erlebt, dass das stimmt.
Ja, liebe Mitchristen aus Lauf, es ist wohl wahr: Ihr genauso wie ich, wir werden noch auf vielfältige Art bedrängt werden auf unserem Jesus-Weg. Wir werden stottern und stolpern. Aber lasst uns nie denken, dass wir das dann selber bewältigen könnten. Sondern lasst uns bleiben in der Beziehung mit unserem Herrn. Vertrauen wir wirklich auf seine unbedingte Liebe und seine bedingungslose Gnade. Stellen wir uns drauf auf diese Gnade! Dann wird sie uns stärken und – ja, auch begeistern. Wir hören nicht auf, über Gott zu staunen. Wir erfahren großen inneren Frieden, Freude, Freiheit und dass wir in der Tat auf dem guten – nein, dem absolut besten Lebensweg drauf sind. Gottes Liebe und Gnade ist einfach größer als alle Bedrängnis und Schwierigkeit in dieser Welt. Bleibt da fest! Das wollte ich euch gerne heute zum Abschied noch einmal ganz eindrücklich sagen.
 
Und dabei geht es jetzt auch um euch als Gemeinschaft. Denn die Gnade Gottes ist nicht nur ein Thema für den einzelnen, sondern auch für die Gemeinde.
Um zu verdeutlichen, was ich meine, erzähle ich folgenden Witz: Ein Alkoholiker möchte in eine recht exklusive Gemeinde aufgenommen werden. Der Pfarrer ist reserviert: „Tja“, sagt er, „ich bin mir nicht sicher, ob das unsern Gemeindegliedern wirklich recht wäre. Ich schlage vor, Sie gehen erst mal nach Hause und beten darüber, ob Sie wirklich zu uns kommen sollen.“ Ein paar Tage später kommt der Mann wieder: „Herr Pfarrer, ich habe ihren Rat befolgt. Ich habe mit Gott über die Sache gesprochen und er sagte zu mir: „Sei nicht traurig, wenn sie dich ablehnen. Ich versuche jetzt schon seit Jahren hineinzukommen, aber mich lassen sie auch nicht rein.“
Wir spüren alle: Da läuft was völlig falsch! So soll es in der Gemeinde Jesu niemals zugehen. Statt eine Kultur der Ausgrenzung und der Messlatten brauchen wir eine Kultur der Gnade. Das ist der gute Weg Jesu für uns. Wir leben nun mal in einer Welt voll von fehlerhaften Menschen und „crash-Piloten“. Und unsere Antwort darauf muss Gnade sein. Das ist es, was die Kirche als allererstes anzubieten hat und was die Menschen nirgendwo sonst finden werden. Eine reife Gemeinde ist immer eine, die beim Versagen eines Menschen nicht die große Entrüstung hinausposaunt. Das tut die Welt laut genug (BILD-Zeitung).  Eine reife Gemeinde vielmehr, die weiß um die Fehlerhaftigkeit der Menschen, ohne die Dinge schönzureden. Sie geht von nichts anderem aus. Und deshalb predigt und lebt sie Vergebung, den Neuanfang. Sie predigt und lebt die Gnade Gottes für jeden.
Ich betone das hier, weil ich genau so ein reifes Verhalten in dieser Gemeinde an mir und an andern immer wieder erlebt habe. Und dafür bin ich euch sehr dankbar und auch froh, hier Pfarrer gewesen zu sein. Froh darüber, dass es hier so viele auch in ihrem Charakter von Gott veränderte Menschen gibt. Sie sind andern gegenüber gnädig und helfen denen, die Bedrängnisse durchmachen. Das ist hier weitgehend Kultur, eine Kultur der Liebe und Gnade; und das finde ich toll.
Damit bin ich schon längst mittendrin im 2. Teil meiner Predigt, nämlich bei der Frage: Was sagt unser Predigttext im Hinblick auf unsern Weg als Gemeinde?
Und ich habe eine erste Antwort gegeben: Das Umgehen mit den Bedrängnissen, u.a. mit der Schuld des Lebens, ist auch eine Sache der Gemeinde und es braucht in ihr eine Kultur der Gnade und der Liebe. Ich wünsche euch von Herzen, dass diese Kultur in Lauf bewahrt und vielleicht sogar noch vergrößert. Das Herz kann ja nie groß genug sein.
 
Eine zweite Sache, die mir im Text auffällt, ist das ordnende Vorgehen des Paulus in der Gemeinde. Unser Gott möchte in der Gemeinde Ordnung. Er möchte für seine „Gemeinde-Autobahnen“ einen geordneten Verkehr.
Ich glaube, wir haben da in den letzten Jahren viel bewegt. Wir haben z.B. die Gemeindegottesdienste geordnet. Wir haben sie an ihren Orten profiliert. Der Godi in der Christuskirche hat sein eigenes Gesicht, seinen eigenen Charakter. In der Johanniskirche hat er eine andere Form. In Kotzenhof und in der Kunigundenkirche wieder eine andere. Damit sind wir verlässlich und klar. Das entspricht auch der kulturellen und spirituellen Vielfalt der Gemeinde und der Menschen heute im allgemeinen. Jeder kann am Sonntagmorgen den Godi besuchen, der ihm von der Form her gerade am meisten entspricht. Durch die Profilierung der Gottesdienstorte geben wir noch ein weiteres starkes Signal: Wir reden nicht nur von der Einheit in der Vielfalt, sondern wir geben auch diesem Grundsatz ein Gesicht, eine konkrete Form. Darin sind wir übrigens eine Vorbildgemeinde für ganz Bayern geworden.
Also, die Ordnungsaufgabe ist wichtig. Auch z.B. durch den Mitarbeitereinführungsgottesdienst haben wir mehr Ordnung in die Mitarbeit gebracht. Ich wünsche euch, dass ihr in den nächsten Jahren weiter gute Schritte der Ordnung geht.
 
Was ist für die Gemeinde noch wichtig, damit sie auf dem guten Jesus-Weg bleibt? Ich glaube, ab und zu ist es nicht nur erlaubt, sondern einfach dran, Bilanz zu ziehen, sich Zeit nehmen und sich gegenseitig auch trauen zu sagen, was gelungen ist; sich klarmachen, was Gott getan hat. Nicht um sich zu beweihräuchern, sondern um Gott die Ehre zu geben für sein Wirken und um die Mitarbeiter aufzubauen. Die Gemeinde in Antiochien macht genau das, als Paulus von seiner ersten Missionsreise zurückkommt (V.27): „Als sie aber dort ankamen, versammelten sie die Gemeinde und verkündeten, wie viel Gott durch sie getan und wie er den Heiden die Tür des Glaubens aufgetan hätte.“ Ich glaube, heute ist so ein Moment, der geeignet ist, das aus meiner Sicht für die Gemeinde in Lauf zu sagen.
Ich durfte miterleben in den letzten Jahren – ich achte das als Privileg – in großer Dankbarkeit, dass unser Gott hier Herzen wirklich aufgemacht hat. Er hat Türen für den Glauben geöffnet. Menschen sind hier zu Jüngern Jesu geworden, im Glauben aufgebaut worden und in die Mitarbeit hineingewachsen. Konfirmanden und Erwachsene. Wir haben ja auch einen Gottesdienst, der in seinem Namen das Programm in sich trägt, Menschen die Türe des Glaubens aufzumachen. „Open Door“. Dazu ein kleines Erlebnis. Wir waren mit einer Gruppe in Hof Birkensee. Eine Schwester strahlte, als sie hörte, wir kommen aus Lauf. Wir fragten nach. Sie erzählte: „Letzte Woche war hier eine Frau bei den Einkehrtagen dabei. Den Anstoß dafür bekam sie im Open-Door-Godi. Und sie hat in den Tagen hier eine Glaubensentscheidung für ein Leben mit Jesus Christus getroffen.“ Ich dachte: „Halleluja. So muss Gemeinde Jesu funktionieren.“ Und mir kam  Bill Hybels in den Sinn, der oft betont: „Die christliche Gemeinde ist die wichtigste Organisation auf diesem Planeten, wenn sie richtig funktioniert. Denn nur hier allein können Herzen verändert werden.“ Das schafft kein Verein und keine Partei, weil Gott selber in ihr wirkt.
Unser Gott hat in Lauf viel bewegt: Menschen fühlen sich eingeladen durch die Art der Gottesdienste und der Verkündigung und die einladende Atmosphäre, an der viele ihren Anteil haben. Sie erfahren Stärkung und Trost, Hilfe an vielen Stellen. Der Glaube kann wachsen und reifen, z.B. in Hauskreisen, im Lobpreisgodi. Menschen werden Mitarbeiter. 700 ehrenamtliche Mitarbeiter haben wir laut Liste im Pfarramt. Und es gibt hier wirklich das Bewusstsein, bei aller Unterschiedlichkeit sind wir eine Gemeinde, eine echte Gemeinschaft, die den dreieinigen Gott ehrt. Das alles nenne ich die „missionarische Dynamik“, die unser Gott für seine Gemeinde grundsätzlich möchte. Das ist der gute Jesus-Weg. So soll auf der Autobahn der Gemeinde gefahren werden. Und ich bin sehr glücklich, dass wir hier in Lauf so unterwegs waren. Toll, dass es hier so vieles gibt, wofür Gemeinde Jesu immer stehen sollte: Klarheit in der Botschaft, Christus in die Mitte stellen, ein hohes Engagement – viele opfern dafür ihre Freizeit; viele wissen um die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der Botschaft Christi. Sie bleiben aber dabei unverkrampft und gelassen, pflegen eine ansteckende Lockerheit und Fröhlichkeit. Ich habe hier auch ganz viele liebevolle Menschen kennen gelernt, die wissen, was Anteilnahme ist, die wissen, wie man Beziehungen pflegt. Es gibt ein diakonisches Engagement, das von echter Liebe motiviert ist. Außerdem die bunte Vielfalt im Gemeindeleben und gleichzeitig das Ringen und Bemühen um die Einheit, zu der Jesus uns immer ruft. Ich nenne noch die hohe Wertschätzung füreinander, die Hochschätzung für Gebet und Anbetung (im Morgenlob z.B.), weil alles Gute nur von IHM kommen kann und zu seiner Ehre geschieht. Daneben steht aber auch ein zurecht großes Engagement und Bemühen um hohe Qualität im Godi, in der Performance, auf Veranstaltungen. Und schließlich ist es vielen ein Herzensanliegen, das man abspürt, im Glauben wachsen und reifen zu wollen, Jesus ähnlicher werden zu wollen.
Das ist mein dankbarer Blick zurück auf unsere Gemeinde, auf den Weg, den ich über 8 Jahre schließlich so mitgehen und mit entwickeln durfte.
Aber verbunden ist damit natürlich der dringende Wunsch an euch, meine dringende Bitte: Bleibt auch hier im Glauben fest, bleibt auf diesem guten Jesus-Weg! Es ist so leicht davon abzukommen. Wir haben das in unserer Gemeinde oder woanders oder bei uns selber vielleicht schon erlebt: Z.B. vor lauter Offenheit eine unklare Botschaft, die nichts bewegt; wenn nicht mehr klar ist, dass Jesus die Mitte ist, sondern irgendwas anderes oder gar nichts. Wenn vielleicht eine verkrampfte Verbiestertheit, Druck, Zwang Einzug halten und das dann als „missionarisch“ bezeichnet wird. Das ist es dann gerade nicht. Sowas ist zum Abgewöhnen. Oder Diakonie ohne Liebe, Beziehungen in der Gemeinde ohne Herz und Anteilnahme; oder Vielfalt ohne Einheit, alles nur Patchwork, ein Nebeneinander; oder andererseits Einheit, die Vielfalt unterdrückt und einengt; oder musikalische Darbietungen im Godi, dass es einem den Magen zusammenzieht; ein Aktivismus, der sagt: „Beten brauchen wir nicht.“ Streit, der langsam, aber stetig Vertrauen durch Misstrauen ersetzt... Die Gefahren sind groß: Und es ist leicht, vom guten Jesus-Weg abzukommen. Es existiert eben durchaus eine Macht, die Gemeinde zerstören will und die uns vom guten Weg abbringen will.
Deshalb an dieser Stelle mein dringender Appell, meine dringende Bitte: Bleibt auf dem guten Jesus-Weg! Fahrt darauf weiter! Fallt nicht mehr hinter all das Gute, das ihr jetzt habt, zurück! Pflegt das: die „missionarische Dynamik“, das Einladende, das Liebevolle; lebt die Vielfalt als Bereicherung und ringt weiterhin gleichzeitig um Einheit; nehmt euch vor, im Glauben zu wachsen und zu reifen! Vielleicht sogar: Baut das alles noch weiter aus!
Interessiert euch noch mehr für die Menschen dieser Stadt, besonders für die, die noch nicht in der Gemeinde vorkommen! Wagt es vielleicht doch, eine gemeinsame Vision für die Gemeinde zu formulieren! Baut die Mitarbeiter- und Teamkultur weiter aus! Ringt um zukünftige Leiter in den Dienstbereichen! Achtet darauf, dass jüngere Mitarbeiter nachkommen! Entwickelt dafür Strategien! Ach, es gibt so viel zu tun und zu entwickeln neben den Baumaßnahmen, die anstehen. Es wird bestimmt nicht langweilig. Ein letzter Appell in dem Zusammenhang noch: Vergesst über der Hardware die Software nicht! Lasst es nicht zu, dass sämtliche Baumaßnahmen sämtliche Energien auffressen. Delegieren ist wichtig im Vertrauen. Es muss sich nicht jeder damit beschäftigen. Definiert Arbeitsteilung im Vertrauen darauf, dass die andern das schon richtig machen. Damit die Gemeindearbeit gut weitergehen kann, es nicht zu Staus kommt, damit letztlich alle gut auf dem Jesus-Weg unterwegs bleiben und noch mehr Menschen (Autos, im Bild gesprochen) dazukommen. Wir kriegen da auch kein Umweltproblem ... da lacht unser (grüner) Bürgermeister...
Die Menschen in Lauf brauchen euch. Gott braucht euch. Deshalb achtet als Gemeinde und jeder für sich persönlich darauf, auf dem Weg der Gnade, dem guten Jesus-Weg zu bleiben. ER segne und führe euch dabei.
Amen.

Predigt zum 15. Sonntag nach Trinitatis 20.Sept.2009

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus
 
Stilles Gebet
 
 
Text: Matth.6, 25-34
 
 
 
Liebe Gemeinde,
 
 
Sie kennen es sicher – dieses Lied: Guten Morgen, liebe Sorgen seid ihr auch schon alle da, habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar.
Sie sehe, Sie kennen es!
Ein nettes, lustiges Lied, aber kennen Sie das auch wirklich, dass gleich nach dem aufwachen die Gedanken sich im kreis zu drehen beginnen und sie sind dann wirklich wieder alle da? Ich meine die Sorgen?
Ich brauche sie nicht auf zu zählen – ich kann sie wahrscheinlich gar nicht aufzählen, so vielfältig sind sie.
Und sie stehen an unserem Bett und begleiten uns bereits in den beginnenden Tag. Vielleicht ja auch heute morgen?!
 
Und dann hören wir als Predigttext ein Wort von Jesus. Es ist aus der Bergpredigt und steht bei Matthäus im 6. Kapitel:


Predigttext:
 
Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?
27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?
28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
33 Trachtet zuerst nach dem [a]Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
 
Ach wäre das schön, liebe Gemeinde – oder? Sorget nicht! Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft!
Endlich alle Sorgen über Bord werfen und frei und unbeschwert leben können. Das wäre der Himmel auf Erden! Oder?!
Aber Sie und ich wissen, dass das so nicht geht!
Sie und ich wissen, dass Sorgen und Planen und Bemühen zu unserem Leben gehört, wie das Atmen und d das Essen und Trinken. Nicht, weil wir das so gerne machen würden, nicht, weil uns die Sorge so ans Herz gewachsen ist – nein, das ganz bestimmt nicht.
Aber es gehört zu unserem Leben dazu, weil wir unser Leben doch selbstbestimmt leben möchten. Es gehört zu unserem Leben dazu, weil wir nicht möchten, dass ein anderer über uns bestimmt und uns sagt, was zu tun und zu lassen ist und uns damit die Sorge und das Mühen abnehmen würde. Aber eben auch die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, selbst zu bestimmen, welchen Weg unser Leben nimmt.
Wir sind da offensichtlich auf ein schwieriges Dilemma gestoßen. Wir möchten selbstbestimmt leben und handeln uns dafür unsere Sorgen ein.
Und dann sagt Jesus in unserem heutigen Predigttext: Sorget nicht!?!
Ist das wieder so ein Bibeltext, den wir einordnen müssen unter die Rubrik: Wäre ja ganz schön, geht aber leider nicht?
Manche Theologen haben ja die ganze Bergpredigt von Jesus als s eine Art Utopie bezeichnet. Jesus sagt da Dinge, die auf dieser Welt ganz sicherlich nicht in Erfüllung gehen werden – so meinen sie – und deshalb ist die Bergpredigt eher eine Beschreibung wie es einmal im Reich Gottes sein wird.
Aber dann, liebe Gemeinde, dann sollten wir diesen Text doch lieber nicht als Predigttext verwenden, denn dann weckt er Hoffnungen, die er nicht erfüllen kann oder auch will?! Also weg mit dem Predigttext und wir gehen wieder zum Alltag über nach dem Motto: Guten Morgen liebe Sorgen...?
Und bleiben mit unseren Sorgen alleine...?
Quälen uns weiter durch den Tag – und sind unglücklich?!
 
Sie kennen mich, liebe Gemeinde, so schnell gebe ich bei einem Predigttext nicht auf – und ich wünsche mir, dass Sie auch nicht aufgeben – gerade bei einer so wichtigen, ja existenziellen Frage.
Also – noch einmal hinein in den Text auf der Suche nach einem Anhaltspunkt, dass Jesus das wirklich ernst meint.
Und da fällt ein kleiner Satz auf
Sorget nicht, sagt Jesus, das machen die Heiden. Aha! Also die Heiden müssen sich Sorgen machen?! Was unterscheidet denn die “Heiden“ von uns Christen?
Es unterscheidet sie etwas ganz grundsätzliches, liebe Gemeinde! Die Heiden, wie Jesus sie nennt, haben keinen Gott, der die Rückenlehne ihres Lebens sein will. Sie haben eher Sorge, dass sie etwas falsch machen könnten und so Schwierigkeiten mit einem Gott bekommen könnten. Sie haben keinen Gott, der ihnen in der Taufe zusagt: Ich bin bei dir alle Tage und über dein Leben hinaus. Also kurz gesagt, die „Heiden“ haben keinen Gott, der ihnen seine Liebe und Güte zusagt und zeigt, keinen, Gott, wie unserer, der ihnen in seinem Sohn zeigt, dass er unser Leben begleiten will, auch auf den schwierigen und dunklen Wegstrecken unseres Lebens.
Sie haben keinen Gott, der ihnen verspricht, dass er bis ins Alter sie halten und tragen und retten will.
Da ist es kein Wunder, dass sie sich Sorgen machen müssen – erst einmal um sich selbst und dann um ihr Leben.
Sind wir Heiden, liebe Gemeinde? Nein – natürlich nicht! Sie und ich, wir tragen seit unserer Taufe das Versprechen Gottes, dass er bei uns ist in guten und in bösen Tagen und dass nichts uns von seiner Güte trennen kann.
Dann lassen Sie uns dieses Versprechen doch einmal auch auf unsere Sorgen und Mühen des Alltags anwenden!
Also: Wir machen uns Sorgen – nicht so sehr um Essen und Trinken und Kleidung – das haben wir in unserer Wohlstandsgesellschaft nahe zu alle genug. Nein, wir machen uns doch eher Sorgen um
die Gesundheit
die Kinder und ihren Weg durchs Leben
den Wohlstand
den Arbeitsplatz
Und unser Sorgen und Grübeln verändert die Sachlage nicht ein bisschen, sondern macht uns nur unglücklich und schwermütig und wir empfinden uns hilflos und alleine gelassen.
Und welche Lösung bietet Jesus jetzt dafür an?
Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
Reich Gottes, das ist nichts anderes als ein Leben in der Geborgenheit Gottes. Und dieses Reich Gottes hat mit Jesus Christus schon auf unserer Erde begonnen.
Für uns bedeutet das zwei Dinge, liebe Gemeinde
  1. dass wir uns selbst immer wieder neu dieser Geborgenheit und Gegenwart Gottes in unserem Leben vergewissern. Ganz konkret begrüßen wir am Morgen nicht unsere Sorgen, sondern beginnen unsern Tag mit der Vergewisserung, dass Gott mit uns geht in diesen Tag. das kann die Losung sein, oder Luthers Morgensegen, oder ...ach ich glaube sie sind da sehrt kreativ. Aber wichtig ist, dass es geschieht und dass wir mit Gott den Tag beginnen.  Und ihn so hereinholen in unsern Alltag und in unsere Sorgen. Damit er uns die Kraft gibt, mit den Problemstellungen unseres Lebens fertig zu werden.
und es bedeutet
  1. das wir dem Reich Gottes eine Chance geben in unserem Leben, in dieser Welt. Die seriöse Glücksforschung hat festgestellt, dass es kaum etwas glücklich Machenderes gibt, als andere glücklich zu machen.
Wir haben als Christen das perfekte Rezept dazu. Denn wir sind als Christen dazu beauftragt, dem Reich Gottes Platz zu schaffen auf unserer Erde – noch nicht für immer, aber immer wieder. Und wir tun dies, in dem Wir Gottes Liebe Atem und Gesicht geben durch unser Handeln für andere.
Also wenn Sie sich zu sehr sorgen, dann schauen Sie sich um, wen Sie glücklich machen können und dann werden Sie erleben, dass das Sorgen seine Macht verliert.
Jesus hat es versprochen
Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Gott sei Dank!“
Amen

Predigt zum 7.6.2009 über Joh. 3,1-8

Kanzelgruß und Gebet


„Ich glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.“
Liebe Gemeinde, so lautet das Bekenntnis, das uns mit allen Christen auf der Welt verbindet. Wir glauben an den dreieinigen Gott.
Viele Christen aber fragen – ich höre diese Frage jedenfalls immer wieder: „Muss das sein? Können wir darauf nicht verzichten? Muss ich auch an Jesus unbedingt glauben? Natürlich war er ein toller Mensch, aber muss ich gleich an ihn als Gott glauben, als den Sohn Gottes? Und dieser Heilige Geist, damit kann ich doch gleich gar nichts anfangen... Reicht´s denn nicht, wenn ich an den Herrgott im Himmel glaube. Der dreieinige Gott, ist das nicht bloß wieder so eine abgehobene Theologensprache, die eh keiner versteht. Kann man darauf nicht verzichten?“
So denken ganz viele Menschen. Es wird zwar munter vom Liebesgott oder vom Fußballgott geredet, aber den dreieinigen Gott halten viele für überflüssig.
Das ist aber, liebe Gemeinde, ein großer Irrtum. Dass Gott der  dreieinige Gott ist, darauf können wir nun wirklich nicht verzichten. Schon bei den grundsätzlichen Dingen unseres Glaubens nicht. Zum Beispiel bei der Frage: „Wie werde ich ein Christ? Wie kommt es überhaupt zum Glauben bei einem Menschen? Wie geht das zu? Und – damit zusammenhängend – worauf gründet sich das Christsein? Worin besteht es? Was muss passieren, damit ich Christ werde und bin?“
Das sind nun wirklich ganz entscheidende Fragen.
Manche meinen ja, Christ zu sein, das ist man in Deutschland, in Mitteleuropa doch ganz automatisch. Aber das ist falsch. Eine Maus, die in einer Plätzchendose geboren wird, ist deswegen noch lange kein Plätzchen.
Andere meinen, man müsste halt einfach mitschwimmen im kirchlichen Betrieb. Ein bisschen das tun, ein bisschen jenes mitmachen, dann bin ich ein Christ. So ungefähr war der eine drauf in unserer kleinen Szene.
Der andere hat demgegenüber verwiesen auf seine großartigen Glaubenserfahrungen. Die kann er vorzeigen und er meint, das macht ihn zum echten Christen. 
Wir merken, die Meinungen gehen auseinander.
Was aber muss wirklich passieren, damit ich Christ werde und bin? Um diese große und wichtige Frage geht es im heutigen Predigttext. Jesus beantwortet sie mit dem Hinweis auf den Heiligen Geist und auf sich selbst, auf seine Person; also insgesamt mit dem Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes. Wir hören noch einmal aus dem Johannesevangelium Kap.3 die VV 1-8 (Lutherübersetzung): TEXTLESUNG!
Diese Gesprächszene spielt spät in der Nacht. Heimlich kommt ein Mann mit Namen Nikodemus zu Jesus, ein Oberer der Juden, also ein richtig hohes Tier, ein Funktionär, ein Würdenträger; wahrscheinlich hochgebildet. Er möchte hinter das Geheimnis dieses Jesus kommen und sucht das Gespräch mit ihm. Er will anonym bleiben, aber er scheint es ehrlich zu meinen. Die Wunder von Jesus hatten ihn nachdenklich gemacht. Jetzt will er aus erster Hand etwas von Jesus erfahren. Und wie man das manchmal so macht, wenn man von jemandem etwas will, schmiert er Jesus erst mal Honig um den Mund: „Wir wissen, dass du von Gott bist“, sagt er. Jetzt will er mehr wissen. Er möchte über Jesus Bescheid wissen. Und zwar in der Art, wie man über das Kochen oder über Mathematik oder über Fußball Bescheid wissen kann.
Ich habe oft diesen Eindruck bei Menschen, die Gott suchen: Sie wollen gerne mehr Bescheid wissen über Gott und dann wären sie bereit zu glauben. Also erst klar sehen, Bescheid wissen, erst hinter das Geheimnis von Jesus kommen, dann wäre es angeblich leichter möglich zu glauben. So halten wir das ja auch bei andern Dingen des Lebens. Bevor ich z.B. den Urlaub buche in Griechenland, möchte ich erst mal genau wissen, was mich dort erwartet. Und bevor ich nach Nürnberg fahre, möchte ich erst mal wissen, wann und wo die S-Bahn abfährt. Aber im Glauben geht das so nicht. So wird man kein Christ. Über Gott kann man nämlich nicht „Bescheid wissen“. Sicher kann einer etwas über Jesus wissen. Und das führt mitunter dazu, dass er Jesus einfach gut findet, ihn vielleicht sogar bewundert. Das ist für einen Menschen von sich aus möglich. So weit war auch Nikodemus. Aber das ist noch kein Christsein.
Religiös sein, einfach an die Existenz eines Gottes glauben, das macht mich noch nicht zum Christen, das ist noch nicht das Reich Gottes! Wollen wir zu diesem Reich Gottes dazugehören, reichen unsere Möglichkeiten nicht aus. Sondern Gottes überirdische Welt muss in unser Leben hineinkommen. Gott muss etwas an uns tun, wenn wir Christen sein wollen. Unsere Möglichkeiten reichen dafür definitiv nicht aus. Genau das hält Jesus hier dem Nikodemus entgegen. Wir können nicht über besseres Bescheid wissen zu Gott kommen. Auch nicht, indem wir uns moralisch verbessern würden. Uns so zu verbessern in unserm Charakter und Verhalten, dass es Gott gefällt, dass es taugt für das Reich Gottes – das kriegen wir nicht hin. Lassen Sie es mich so sagen: Wir können manchmal einzelne Kämpfe gegen unseren inneren Schweinehund gewinnen, aber nie den Krieg gegen ihn. Wir können uns zu einzelnen guten Taten zwingen, aber wir bleiben dann doch die Menschen, die wir sind, mit unsern Fehlern und Schwächen. Und der bricht immer wieder durch und trennt uns von dem heiligen Gott. Nein, kein Mensch hat aus sich heraus das „Zeug“ zum Reich Gottes, hat das „Zeug zum Christsein“, weder mit seinem Verstand noch mit seinem Verhalten. Wer anderes behauptet, der hält es mit dem Baron Münchhausen. Der hat ja behauptet, er hatte sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Aber das ist eben nichts anderes als eine Lügengeschichte. Wir Menschen können von uns aus auf der Suche nach Gott und seinem Reich sein. Aber dass wir das Ziel auch finden und im Gottesreich ankommen, das kriegen wir selber nicht hin. Genauso wenig, wie ein Telefon von 1930 heute als schnurloses Handy zu gebrauchen wäre. Es braucht dazu ein neues Gerät!
Deshalb sagt Jesus hier, dass sich drastisch etwas ändern muss, dass an uns eine drastische Veränderung geschehen muss. Es  ist absolut notwendig, dass von Gott her etwas Neues in unser Leben hineinkommt. Etwas Überirdisches, das erneuert, das neues Leben gibt, um uns mit dem heiligen Gott zu verbinden. Es geht um eine regelrechte Neugeburt. „Es sei denn“, sagt Jesus, „dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen (V.3).“ Mit anderen Worten: Um Christ werden zu können, um Christ sein zu können, braucht es eine neue Geburt von uns. Es muss einen so radikalen Neuanfang und Einschnitt geben, sonst bleiben wir letztlich doch blind und verschlossen gegenüber unserem Gott.
Neugeburt – lassen Sie uns das als erstes Stichwort merken, auf die Frage, wie es zum Christsein kommen kann. Und zwar Neugeburt durch den Heiligen Geist, wie Jesus es uns sagt – d.h. Neugeburt durch das Wirken des dreieinigen Gottes an uns.
 
Nun weiß ich nicht, was dieses Stichwort bei Ihnen auslöst: Neugeburt, Wiedergeburt. Vielleicht fällt Ihnen G. W. Bush ein, der sich als ein „born again“, als wiedergeborener Christ verstanden hat. Und Sie denken, das brauch ich dann nicht unbedingt wirklich. Eine solche Etikette als „wiedergeborener Christ“ ist mir eigentlich zuwider.
Es könnte aber auch sein, dass Sie denken: Oh, toll! Ich muss es gar nicht selber hinkriegen, das mit dem Christsein. Gott wirkt an mir, er macht mich neu, ER macht mich zum Christen letztendlich. Und ich muss das gar nicht schaffen. Martin Luther z. B. war begeistert darüber. Er schreibt es als sein Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft oder Kraft an Christus glauben und zu ihm kommen kann.“ Ich bekomme das Entscheidende geschenkt, es widerfährt mir. Ich bin passiv. Gott ist der, der an mir handelt.
 
Wie auch immer – es tut gut, wenn wir noch mehr über diese „Neugeburt“ erfahren. Wie sollen wir uns diese Neugeburt konkret vorstellen? Das war ja auch gleich die Anfrage des Nikodemus gewesen: „Jesus, wie meinst du denn das? Muss dann der Mensch wieder in den Bauch der Mutter zurück, damit er noch mal geboren wird?“ Das wäre ja kompletter Unsinn.
Nein, im griech. Urtext steht hier das Wort „anothen“ = „von oben“ = „von neuem“ (gleichzeitig): „Es sei denn, dass jemand von oben geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Und das weist jetzt ganz klar auf den dreieinigen Gott. Diese Neugeburt ist Gottes Werk „von oben“, Werk des Geistes Gottes in uns. Nur so kann es geschehen. Von Gott her durch den Heiligen Geist. Und dieser Geist ist auch nicht in den Griff zu bekommen. Er ist souverän. Er weht, wo er will. Er lässt sich nicht festlegen oder gar von uns einfangen. Wie der Wind wird er nie unser Besitz, über den wir verfügen könnten. Er ist und bleibt ein Geschenk. Aber er allein macht es, dass wir glauben können. Er bringt uns in das Reich Gottes.
Freilich – keine Geburt geschieht einfach von heute auf morgen. So ist es auch hier nicht. Eine Geburt ist immer von langer Hand vorbereitet. Wie der Same das Ei befruchtet, dieses sich dann einnistet und im Verborgenen wächst, so ist es mit dem Christwerden auch. Irgendwann trifft mich das Wort, die Botschaft von Gott , ein Wort der Bibel, das tröstet, das mir Gutes zusagt, das mich herausfordert. Ich nehme dieses Wort an, gebe ihm einen Platz in mir, vielleicht tief im Herzen verborgen. Dort wächst es, wird stärker und lebensfähig, bis plötzlich mir der Geist Gottes sagt ganz existentiell und persönlich: „Du gehörst jetzt zu mir! Ja, es ist wahr, ich liebe dich. Ich akzeptiere dich, wie du bist. Du kannst mit mir, deinem Schöpfer auf ewig zusammen sein.“ So wie es Paulus im Römerbrief (8,16) sagt: „Sein Geist (=Gottes Geist) gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“ Und in dem Moment weiß ein Mensch auf einmal, da checkt er es: „Ja, es ist wahr, Jesus, du liebst mich wirklich und du bist mein Herr; und ich darf zu dir gehören.“
Glaube, Vertrauen stellt sich ein.
In dem Moment wird die Maus, die in einer Plätzchendose geboren ist, wirklich zum Plätzchen, wenn Sie an meinen scherzhaften Vergleich von vorhin denken. Weil Gott durch seinen Geist an mir eine Transformation geschafft hat, eine drastische Veränderung, eine Neugeburt von oben.
 
Vielleicht hilft es Ihnen auch, sich diese Neugeburt noch mal anders vorzustellen: (FLIPCHART) ICH/Fleisch + GEIST = WIR, versetzt in einen neuen Status, in die Sphäre Gottes, wenn Sie so wollen, in ein Leben, in eine Existenz mit Gott und aus Gott, mit Zugang zu der Quelle des Lebens.
Und wir merken, das ist alles unendlich viel mehr als diesen Jesus nur toll, interessant oder sympathisch zu finden. Das ist wirklich ein ganz anderes Leben. Freilich kann ich dann nicht einfach hinter mein bisheriges Leben zurück. Gute und schlechte Erfahrungen haben mich geprägt. Und die nehme ich selbstverständlich mit. Trotzdem bin ich neu geboren, weil meine Lebensmitte, meine Lebensgrundlage sich verändert haben. Nun kann ich auch erkennen, dass Jesus in der Tat von Gott ist, der einzigartige Offenbarer Gottes für die Menschen. Ich kann verstehen und glauben, weil ich jetzt nicht mehr nur „Fleisch“ bin, wie Johannes sagt, ein in sich begrenzter Mensch. Ich bin jetzt auch „Geist“, weil Gottes Geist in mir wohnt. Ich lebe nun aus Gott und mit Gott.
 
O.k. So weit, so gut, aber vielleicht stellen Sie sich die bange Frage: „Bin ich überhaupt so ein neu geborener, von oben geborener Mensch? Habe ich den Geist Gottes?“ An der Stelle bin ich außerordentlich dankbar, dass Johannes hier auch die Taufe erwähnt. In V.5 heißt es: „Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Mit dem Wasser ist hier eindeutig die Taufe gemeint.
Wenn Sie sich nun Sorgen machen, Angst haben, nicht neu geboren zu sein, dann möchte ich Ihnen sagen: In deiner Taufe hat Gott es dir sichtbar gezeigt und dir fest zugesagt. Wenn Sie wollen, können Sie sich das auch ganz bildhaft vorstellen: Mit seiner linken, großen Hand hat Gott Sie bei Ihrer Taufe selber über dem Wasser gehalten, mit der rechten Hand hat er Sie mit Wasser besprengt und dabei gesagt: „Ich hab´ nicht nur ´ne vage Hoffnung für dich. Ich sage nicht: Vielleicht wird das mal was mit dir und mir. Nein: Du gehörst zu mir! Du bist neu geboren aus Wasser und Geist. Ich habe dich dazu gerufen! Etwas anderes will ich nicht. Mit dir verbinde ich mich. Ich habe mich für dich entschieden. Darauf kannst du dich ab jetzt verlassen – immer.“
Die Zusage Gottes zu unserer Neugeburt steht. Und wo wir dieser Zusagen glauben, unserer Taufe glauben, sie dankbar von Herzen annehmen, wirklich darauf vertrauen, da ist der Heilige Geist an uns am Werk, von oben. Er erschließt uns unsere Taufe, die Neugeburt. Paulus sagt: Wenn jemand Jesus seinen Herrn nennt und es dabei ehrlich so meint, dann hat definitiv der Heilige Geist das in ihm bewirkt. Von sich selber kriegt ein Mensch das gar nicht hin (1. Kor.12,3). Dann darf er wissen: Ja, ich bin ein neugeborener Mensch, ein Christ mit Zugang zum Reich Gottes.
Es geht darum, dass wir das Geschenk der Taufe dankbar annehmen und wirklich auspacken und damit leben.
Lassen Sie uns wirklich auf unsere Neugeburt vertrauen, und es dankbar annehmen, dass wir zu Gott gehören, dass wir aus Gott und mit Gott leben dürfen.
 
Manche fragen an dieser Stelle auch: Merkt man das eigentlich, spürt man das irgendwie, wenn Gottes Geist in mir wirkt? Nun, es gibt Christen, die sagen: Ich spüre das ab und zu sogar körperlich. Einige reden von einer Hitze, die sich in ihnen ausbreitet oder von einer wohligen Wärme. Ich persönlich glaube, dass es so sein kann. Aber es muss nicht körperlich spürbar sein.
Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass ein Mensch das auf lange Sicht natürlich merkt, ob Gottes Geist in einem wirkt. Denn so eine Neugeburt, so ein Neuwerden – das merkt man eben. Denn die Veränderungen in mir sind kolossal. Ich kann z.B. feststellen: Ich glaube und nenne Jesus meinen Herrn. Außerdem: In dem Moment, in dem ich das geschieht, aus Gott und mit Gott leben durch den Geist Gottes in uns, da kommt Frieden in unser Innerstes, ein Friede, der nicht zu verstehen ist, weil er auch dann noch da ist, wenn alles schief läuft und es drunter und drüber geht. Ich weiß dann auch, dass ich nicht ein Zufallsprodukt im unendlichen Kosmos, sondern von Gott gewollt und geliebt. Ich kann zu meinen Schwächen und Niederlagen stehen und zu meiner Schuld, weil Jesus mir Vergebung und Versöhnung schenkt. Und ich weiß dann auch, dass ich all den Herausforderungen und Plagen des Lebens nicht mir selber überlassen bin, sondern dass sein Geist mir Kraft gibt und uns als Gemeinde zusammenbindet. Eine Freude stellt sich ein, die einem auch in Krisenzeiten nie ganz abhanden kommt. Liebe stellt sich ein. Liebe sogar zu Leuten, denen man sonst aus dem Weg gehen würde. Und eine Hoffnung über den Tod hinaus. Das alles ist das Ergebnis der Neugeburt, des Lebens aus und mit Gott. Und das geht nicht spurlos an uns vorüber.
 
Ich wünsche uns allen sehr, dass wir das alle auch erfahren.
Und falls Sie das nun doch aus irgendeinem Grund einfach nicht glauben können, oder falls Sie möchten, dass Gott noch mehr spürbar und erfahrbar in Ihr Leben tritt, dann will ich Sie zum Schluss noch dringend dazu einladen, um den Heiligen Geist zu beten, damit er all dies auch Ihnen erschließt.
Kein Gebet ist Gott wichtiger. Kein Gebet wird gewisser erhört, sagt Jesus: „(Lk.11,9-11) Bittet, dann wird euch gegeben... Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben gebt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten!“
Die Bitte um den Heiligen Geist wird unser Gott bestimmt erhören, früher oder später.
 
Das zweite, das wir tun können, ist, dass wir uns mit dem beschäftigen, in dem der dreieinige Gott sich uns zeigt: in Jesus Christus. Auf ihn sollen wir schauen. Darauf verweist Jesus selber in den weiteren Versen unseres Predigttextes. An ihn sind wir gewiesen. Ganz praktisch heißt das: Wo wir in unserm Glauben unsicher geworden sind, wo wir nicht mehr gewiss sind, dass auch wir aus Gott und mit Gott leben, wo wir von unserer Neugeburt nicht mehr viel merken – und, ehrlich gesagt, das ist doch fast an jedem Tag ein Thema, ja?!? – da sollen wir drauf schauen, was Jesus für uns getan hat, davon hören im Gottesdienst, in der Bibel, in der Gemeinde. Da wirkt dann Gott durch den Geist an uns.
 
So hängt das alles zusammen: Unser Glaube lebt und verdankt sich dem, dass der dreieinige Gott an uns wirkt. Wir kommen zu Gott dem Vater, den niemand je gesehen hat, nur durch Jesus Christus. Aber an Jesus glauben kann niemand, es sei denn im Heiligen Geist. Mein Glaube ist nie meine Möglichkeit, meine Verstandesleistung oder meine Verhaltensleistung. Er ist Gottes Werk. Auch mein Christsein ist ganz und gar ein Leben aus Gott, von oben her, und ein Leben mit Gott.
Aber damit ist immer auch ein Leben aus der Quelle, aus der Quelle des Lebens...
Etwas Großartiges, für das wir dankbar sein können und das uns großen Frieden gibt.
Amen
Und nun lasst uns das gemeinsam singen: Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir...

Wege aus der Krise Open Door Christus-Kirche 15.März2009

“Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint...” Da hat die Gruppe Silbermond den Nerv der Zeit perfekt getroffen und einen Erfolg damit erzielt!
Krise ist das wohl bisher meist gebrauchte Wort in diesem Jahr...  Der Wirtschaftsabschwung wird laut GfK 8,2 Mio., also gut ein Fünftel aller deutschen Haushalte treffen: Entweder, weil die Verbraucher arbeitslos sind, oder weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben.
12,9 Mio. oder 1/3 der Haushalte sprechen von einer angespannten finanziellen Situation. In diesen beiden Gruppen finden sich überdurchschnittlich viele Familien und Alleinerziehende.
Zu den “Krisengewinnlern” zählen dagegen Firmen, die Pralinen, Gebäck, Bonbons und Eis herstellen. Ob das daran liegt, dass Schokolade glücklich machen soll?
 
Ich weiß nicht, wo Sie gerade stehen? Ich gehe davon aus, dass wir bezüglich Leid und Krisen alle in einem Boot sitzen und unsere Erfahrungen, aber auch Kompetenz im Umgang damit mitbringen.
Es gibt ja unendlich viele Auslöser von Krisen. Es gibt Krisen, die von außen und manchmal völlig unerwartet über uns hereinbrechen können, wie die Wirtschafts- und Finanzkrise, Naturkatastrophen, schwere Krankheit, Behinderung, Unfälle, Verlust der materiellen Existenz z.B. durch Arbeitslosigkeit, Tod, oder Trennung von einem lieben Menschen. Auch alle Verlusterfahrungen durch unerfüllbare Lebensträume und -konzepte, Leiden an Situationen, die ich nicht beeinflussen kann, an Entwicklungen der eigenen Kinder, die schwer auszuhalten sind, an Beziehungsproblemen u.v.a.m. Dies sind alles Auslöser einer existenziellen Angst und Frustration, von Sinnlosigkeitsgefühlen, u.U. geht das ganze bisherige Lebenskonzept verloren.
Daneben gibt es die Krisen, die eher in der Person selbst begründet sind, wie Reifungs- und Wachstumskrisen, die wohl jeder von uns schon durchlebt hat: die Krise der Geburt, der Pubertät, der Lebensmitte, der Pensionierung, des Alterns und des Lebensendes. Diese Krisen gehören zum Wachstumsprozess des Lebens. Ohne sie gibt es keine Weiterentwicklung. Wir kennen sicher alle Beispiele, wo jemand eine dieser Entwicklungsstufen übergehen will, oder eher stagniert und sich nicht weiter entwickeln will... Wie gut, wenn wir die jeweilige Entwicklungsstufe dann leben, wenn sie dran ist!
Und womöglich geraten wir durch unsere eigenen, inneren Antreiber in die Krise: Durch die Jagd nach Anerkennung, Macht und Erfolg oder durch den Anspruch der Vollkommenheit und zu hohe Erwartungen an uns selbst. Wie oft manövrieren wir uns durch Fehlentscheidungen selbst in eine Sackgasse..
Dies sind Krisen verursacht durch den eigenen Charakter, den Persönlichkeitstypus und möglicherweise nicht verarbeitete Prägungen aus der Herkunftsfamilie. Auch sie können uns in ein Burnout, in körperliche oder psychische Krankheit treiben...
 
 
 
Wie geht es der Seele in der Krise?
Die Krise zieht uns den Boden unter den Füßen weg. Wir hängen wie in einem Trichter und versuchen an den glatten, abschüssigen Wänden irgendwie einen Halt zu finden...
In der Krise geraten wir unter zunehmenden Druck und suchen nach Auswegen aus der unangenehmen Lage. Sie ist bedrohlich, zugleich fordert sie zur Veränderung des Lebens heraus. Sie löst zunächst Angst aus vor einer einschneidenden Veränderung des Bisherigen und der ihr folgenden notwendigen Neuorientierung. Wir fühlen uns in unserer Existenz und in unserer Kompetenz, das Leben einigermaßen selbständig gestalten zu können, bedroht. Also reagieren wir mit großer eingestandener oder nicht eingestandener Angst. Irgendein wichtiger Wert ist ins Wanken geraten oder verloren gegangen. Das löst Angst aus.
Wenn ich z.B. meine Arbeit verliere, fehlt mir ein wichtiger Bereich, in dem ich meine Begabungen und Werte einbringen konnte, wie Organisationstalent und Verantwortlichkeit, Engagement, Toleranz o.ä. Im Gegenzug bekomme ich Geld, Anerkennung, Wertschätzung und kollegiale Beziehungen. Ich bin durch meinen Beruf wer, fühle mich selbstbewusst und wert und gehöre zu einer Gruppe dazu. Wenn dieser Bereich wegfällt oder mir gar plötzlich genommen wird, wer bin ich dann noch? Ich muss mich wieder finden, Verluste wahrnehmen, austrauern, annehmen und mich dann neu orientieren. Das alles ist tief verunsichernd! Obwohl wir theoretisch wissen, dass sich schon morgen alles ändern kann, leben wir meist mit einer Einstellung, die diese mögliche Veränderung nicht wahrhaben will. Bei einem Verlust wird uns etwas genommen, das ein fester Bestandteil unseres Lebens war. Wir beziehen Sicherheit und Lebensgefühl daraus. Deshalb sind Krisen, in denen es um den möglichen Verlust des Lebens selbst geht, außerordentlich angstbetont. Wir fürchten sie, wir fürchten unsere Beeinträchtigung durch sie, ja, wir empfinden das Zerstörerische an ihnen.
Wir sind nieder gedrückt, rutschen u.U. in eine Depression. Unsere Seele leidet unter Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit. Wir sind von existenziellen Zweifeln und Sinnlosigkeitsgefühlen geplagt.
Möglicherweise steht die Seele unter Schock, will sich den Tatsachen nicht stellen, fühlt sich von der Situation überfahren. Sie macht dicht, kapselt sich ab, zieht dicke Schutzmauern um sich herum und vergräbt sich dahinter. Es entstehen Gefühle wie Groll, Bitterkeit und Neid.
Oder es kommt eine gewaltige Wut über den Menschen in der Krise. Je nach Typus richtet sie sich in Selbstvorwürfen mehr gegen sich selbst - “Warum gerade ich?“- “Was habe ich falsch gemacht?“- oder gegen andere bzw. die äußeren Umstände, die in die Krise geführt haben. Auch Ohnmachtsgefühle, Verzweiflung und Resignation entstehen, und wir flüchten in Selbstmitleid.
Jedenfalls leiden wir an Geist, Seele und Leib, denn wir sind eine Einheit. Wie viele körperliche Symptome, ja auch Krankheiten sind verursacht dadurch, dass wir der Seele nicht genügend Aufmerksamkeit schenken! Angeblich sind  70-80% der Erkrankungen psychisch bedingt oder mitverursacht. Wir somatisieren unseren seelischen Druck, wenn wir ihm keinen Raum geben.
 
 
 
 
Was kann ich nun tun? Wie komme ich weiter??
Wichtig ist, dass wir das Leid erst durchleben und betrauern müssen, um dahin zu gelangen, dass wir damit leben können! Diese Gefühle dürfen alle erst einmal sein! Und das dauert oft eine lange Zeit.
 Dann aber ist es gut, sich klar zu werden, dass wir mehr sind als unser momentanes Gefühl. Und dass in unserer Seele Kräfte schlummern, die wir vielleicht noch gar nicht entdeckt haben.
Wenn wir den Blick erst erhoben haben, ist es hilfreich, der Wahrheit ins Auge zu schauen, die Dinge beim Namen zu nennen, die Fakten anzusehen, Klarheit zu schaffen, uns unserer Problematik zu stellen. Was uns am tiefsten bedroht in der Krise, ist unsere eigene, innere Weigerung, veränderte Lebenssituationen, die unseren Vorstellungen nicht entsprechen , anzunehmen und das Beste daraus zu machen.
Heute sind wir manchmal in Gefahr, Krisen vorschnell als selbstverschuldet zu deuten. Als ich vor Jahren an Krebs erkrankt war, half es mir in dem Moment nicht weiter, über die mitverursachende Krebspersönlichkeit nachzugrübeln, denn ich dachte: “Toll, jetzt hab ich Krebs - und bin auch noch selbst dran schuld!”  Hilfreich war statt dessen, nach vorne zu schauen, die Situation anzunehmen und mich zu fragen: Wie kann ich lebensförderlich leben lernen? Wie gehe ich mit der Krise um? Ich wollte das Leben, so wie es nun einmal war, annehmen und Leben wagen. Mitten durch die Abgründe hindurch! Kierkegaard sagte einmal:” Nichts riskieren heißt, seine Seele aufs Spiel setzen.” Das Leben wagen heißt, etwas beginnen, dessen Ausgang ungewiss ist. Und wer das Leben verweigert, dessen Seele erstarrt, verkümmert und verdorrt.
Nach C.G.Jung hängt das Gelingen unseres Lebens davon ab, wie wir mit Leid umgehen. Nicht masochistisches Kreisen um das Leid, sondern Durchgang durch das Leid führt zum Leben. Ich kann die Krise vielleicht nicht aus eigener Kraft lösen, aber ich muss auch selbst etwas tun, damit aus der Krise Kraft erwächst. Ich kann durch die Krise hindurch gehen. Ich kann auch standhalten, anstatt zu flüchten. Und manchmal muss ich auch kämpfen, damit ich in der Krise nicht untergehe.
Dann lernen wir, gerade in der schwierigen Zeit, unser Leben selbst zu leben, anstatt gelebt zu werden, unser Leben in die Hand zu nehmen, es zu gestalten und zu formen.
Manchmal sind wir auch gefordert, uns zu empören über die Situation, um nicht unterzugehen in Bitterkeit und Resignation. Der sich empörende Mensch ist der sich wieder auf-richtende, der nicht zulässt, dass er unangemessen und auf Dauer verletzt wird.
Oft ist es dann auch dran, dem in eingefahrenen Gleisen verlaufenden Leben eine Wendung zu geben - das gibt eine neue Perspektive und vielleicht einen neuen Anfang. Umkehr wandelt den Menschen. Wir haben hier das Bild des Labyrinths im Altarbehang: Der scheinbare Irrweg wird  Bedingung für eine wirkliche Verwandlung. Scheinbare Rückschläge haben dann eine positive Wirkung. Sie zeigen sich als heilsame Erfahrung und führen dann doch zum Ziel. Es gibt immer auch andere Lebensmöglichkeiten, vielleicht finde ich den Zugang nur im Moment noch nicht. Will ich ihn finden?? Was will ich überhaupt??
Hören wir, was Viktor Frankl zum Thema “ das Leben wieder in den Blick nehmen und Sinn entdecken”, sagt. Frankl war ein Wiener Psychiater und Neurologe, der die Logotherapie begründet hat. (Logos= Sinn) Er durchlitt als Jude mehrere Konzentrationslager, verlor fast alle Angehörigen und erteilte dem Leben trotzdem keine Absage. Er arbeitete hingebungsvoll mit schicksalhaft leidenden Patienten, ja gerade mit Überlebenden des Holokaust, denen jeglicher Lebenssinn für das Weiterleben verloren gegangen war. Frankl sagt: “Jeder Mensch kann zu jeder Zeit Sinn finden, weil jeder Mensch Sinn zutiefst will - und Sinn im Leben zu finden ist. In jedem Menschen liegt die Fähigkeit, verantwortlich sein zu können. Und weil die Fähigkeit, verantwortlich sein zu können, Freiheit mit einschließt, kann auch ein schicksalhaft leidender Mensch sich von seinem Schicksal ein Stück weit distanzieren und über seine Problematik hinaus wachsen.”
Wir sind immer mehr als das Problem, das uns in die Krise getrieben hat. Wir gehen nicht darin auf. Wir haben ein Problem.
Finden wir über das schwere Problem hinaus etwas Lebens-Wichtiges, das stark genug ist, uns weiter tragen zu können?
Stellen wir uns einen Steg vor, der über einen Bach führt. Er besteht aus drei Holzbohlen, deren mittlere zerbrochen ist. Nehmen wir an, die mittlere Bohle ließe sich nicht ersetzen, man brächte jedoch links und rechts des alten Steges zwei neue Bohlen an. Die erneuerte Brücke wäre zwar keine architektonische Schönheit, man könnte jedoch mühelos darüber gehen.
Solche “Bohlen” zu suchen ist Aufgabe in der schwierigen Zeit. ---
Dazu ist es auch entscheidend mich zu fragen: Worauf sehe ich?
Sehe ich nur auf den Verlust, die Einschränkung, die Veränderung, die mich getroffen hat, also nur auf die negative Seite, oder mache ich mich auch auf die Suche nach der positiven Seite, die in allem Negativen keimhaft enthalten ist? Alles im Leben ist ambivalent, hell und dunkel. Das heißt den Gesamtzusammenhang des Lebens in den Blick zu nehmen: Auch das Gute, das mir jetzt genommen wurde, habe ich ja gehabt!
Fast jede Krise - und dauert sie noch so lange - ist auch eine Chance zum Leben durchzudringen! Im Wort Krise steckt ja “Scheidung”, “Entscheidung”. Nur ich allein, nur du kannst entscheiden, ob du weiterleben willst und wie du weiterleben willst, nur du. Sagst du ja, wirst du die Erfahrung machen, dass, wer Gründe fürs Leben sucht, sie auch finden wird. Sagst du nein, wirst du die Gründe auch dafür finden,  dass dein Leben nicht mehr lohnt...
Und das Leben hat mehr Möglichkeiten als nur diese eine, die mir abhanden gekommen ist! Machen wir uns auf und stellen wir unser Leben nicht nur auf eine Sinnsäule, wie den Beruf oder die Partnerschaft oder den materiellen Besitz o.ä. Ich bin auch nicht ausschließlich mein Beruf oder ein Ehepartner oder Mutter oder Sportlerin, mein Leben ist auch mehr als Gesundheit oder Krankheit!
Stellen wir unser Leben auf mehrere sinngebende Säulen, dann bricht auch nicht alles zusammen, wenn eine Säule wegfällt.
 
Ein weiterer wichtiger Punkt zu der Frage, was kann ich tun in der Krise, wie komme ich da raus, ist: Es tut gut, sich jemanden zu suchen, dem ich erzählen kann. Der mir zuhört, so wie die Freunde Hiobs, die sogar erst einmal eine Woche schweigend bei ihm in der Asche, in den Trümmern seines Lebens saßen. Jemanden zu suchen, der Zeit hat und mich erst einmal aus-sprechen lässt.
Sprache verhindert, dass Gedanken und Gefühle sich verselbständigen, vielleicht in eine lebenszerstörerische Richtung. Sprache schafft Gedanken und Gefühlen Ordnung und Klärung, schafft Distanz zu sich selbst und dem Problem. In der Sprache stellt man sich der Wahrheit. Das befreit.
Im Gespräch kann man sich dann auch fragen, worin man gerade das schwerste, das zweitschwerste Problem sieht, und sich darüber Klarheit verschaffen, was der nächste Schritt sein kann und was erst später begonnen werden soll.
Bleiben wir dagegen mit unserem Problem allein, drehen wir uns ganz schnell in einem Gedankenkarussell, das uns wie in einen Strudel ziehen kann.
Manchmal wird es auch nötig sein, in der Krise therapeutische oder ärztliche Hilfe zu suchen, sowohl für die seelischen als auch für die körperlichen Symptome und Erkrankungen. Wir werden es spüren, wenn wir allein nicht von der Stelle kommen. Dann ist es besser, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
 
Nur - was ist uns in der Krise zutiefst abhanden gekommen und wonach sehnen wir uns dann am meisten?
Das drückt das neue Lied der Gruppe Silbermond ganz gut aus. Wir haben es vorhin gehört, ich zitiere einige Sätze: “Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt. Gib mir einfach nur ein bisschen Halt. Und wieg mich einfach nur in Sicherheit. Gib mir was... irgendwas, das bleibt.”
Der Boden ist unter den Füßen weggezogen worden, es gibt keine Sicherheit mehr...
Ja, in der Krise einen lieben Menschen zu haben ist gut und hilfreich. Aber kann er mir letzter Halt sein, kann er mir die Sicherheit geben, die ich suche?
Menschliches Leben ist immer bedroht. Und es ist eine Überforderung, eine Überhöhung, von einem Menschen umfassenden Schutz zu erwarten. Ja, er kann mein Begleiter auf dem schwierigen Weg sein, aber kann er mir wirklich zutiefst nah sein, mir wirklich helfen, ja mich halten?
Bei all dem, wie sich Menschen beistehen können, sicheren Halt, Grund unter meinem Leben kann mir nur Gott geben, jemand, der größer ist als ich! Wie gut, wenn wir unser Leben bereits in ruhigen Zeiten, je früher desto besser auf diesen Fels bauen. Auf den Fels, wie die Psalmen, das Gebetbuch der Bibel, Gott nennen. Da heißt es in Psalm 40,3:” Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann.” Und in Psalm 18,32: “Denn wer ist Gott, wenn nicht der Herr, oder ein Fels, wenn nicht unser Gott?” Wer sonst, als unser Gott kann unser Leben, das Er uns gegeben hat, auch erhalten?!
Und unser Gott ist kein  lächelndes, meditierendes Gottesbild, das wir uns  ins Wohnzimmer stellen können:
Er ist in Jesus Christus Mensch geworden, auf diese Erde gekommen, mitten hinein in unser Elend, in einer erbärmlichen Geburt, in Erfahrungen von Verfolgung, Flucht, in Wohnungslosigkeit und Einsamkeit, Armut und körperliche Gewalt, Mobbing seitens der Elitefrommen, bis hin zur grausamen Hinrichtung und zum Tod am Kreuz.
Er ist zu uns runter gekommen, damit er uns die Brücke zu Gott wird.
Damit die Kluft, die zwischen uns und Gott ist, weil wir selber zurecht kommen wollen ohne ihn, damit die Kluft überbrückt ist.
Und er ist das Leben, er ist nicht im Tod geblieben, sondern wieder lebendig geworden, hat den Tod als Einziger besiegt. Darum genügt Er, und Er allein, als Halt, als Fels im Leben und im Tod!
Und Jesus weiß wirklich, wie sich Not und Krise anfühlen. Er hat sich nicht aus der Not weg meditiert, um allem Negativen, Schweren zu entfliehen. Er ist mitten hindurch gegangen, und darum kann er auch mit uns mitten hindurch gehen durch die Angst, den Schmerz, die Bedrohung unseres Lebens.
C.G.Jung sagte einmal zu einem Theologen, während er auf das Kreuz in seinem Zimmer wies:” Sehen Sie, das ist doch das Entscheidende... Der Mensch muss mit dem Problem des Leidens fertig werden. Der östliche Mensch will sich des Leidens entledigen, indem er das Leiden abstreift. Der abendländische Mensch versucht, das Leiden durch Drogen zu unterdrücken. Aber das Leiden muss überwunden werden, und überwunden wird es nur, indem man es trägt. Das lernen wir allein von ihm.” Damit wies er auf den Gekreuzigten.
Sich damit aussöhnen, was unser Leben gerade durchkreuzt, führt in die Freiheit und in den Frieden mit Gott und mir selbst.
Wagen Sie es doch, Ihre Hand in die Vaterhand Gottes zu legen, Ihr Leben an Ihm festzumachen, es auf diesen sicheren Grund zu stellen - wetten, dass Sie es erfahren werden, dass da Einer ist, der hält, der bleibt und der Sicherheit gibt für das ganze Leben und auch durch den Tod hindurch?!
Um noch einmal zu dem Beispiel der defekten Bücke über den Bach zurück zu kommen: Gott kann uns die Augen öffnen für neue Bohlen, die die zerbrochene ersetzen können, und Gott ist das sichere Netz unter meiner Brücke. Ihn kann ich auch um Mut für den ersten unsicheren Schritt bitten und er begleitet mich auch hinüber!
Er ist keine Leidensverhinderungsversicherung, nein das nicht. Er will auch nicht nur unser Notknopf sein. Er will jeden Tag des Lebens mit uns teilen, Schönes und Schweres, weil er uns liebt. Wir können Ihm gegenüber unsere Not, die Wut, unseren Schmerz, unsere Angst, unser zitterndes Herz öffnen. Und Er wird da sein und retten und helfen und unser Schutz sein, wie es in einem weiteren Psalm heißt:” Gott wird dich mit seinen Fittichen decken und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.” Und ein paar Verse weiter antwortet Gott:” Er ruft mich, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn heraus reißen und zu Ehren bringen.” (aus Ps. 91)
Was kosten uns diese Schritte auf Gott zu? Unseren Stolz, unsere Masken, unseren Selbstbetrug, unsere Selbst - Herr-lichkeit. Also einen Perspektivewechsel: Nicht nur zu fragen: Was will ich? Sondern auch: Was will Gott für mein Leben? Und sie kosten mich den Mut des ersten Schrittes der Umkehr, Vertrauen zu wagen, um dann zu erleben, dass Gott da ist und dass er mich liebt und zurecht bringen will, da wo ich mich verstrickt habe oder wo mir das Leben Stolpersteine in den Weg gelegt hat.
Lernen wir doch jetzt schon, uns selbst loszulassen und unsere Vorstellungen und Erwartungen, und zu vertrauen, dass mir auch aus dem ganz anderen, ja aus dem Schlimmsten noch Gutes erwachsen kann, weil Gott es so will. Manchmal bricht das Leben unseren Acker auf und das schmerzt. Aber Gott gibt sich hinein als der Same. Und wenn wir das zulassen, Ihn aufnehmen, wird unser Leben fruchtbar, selbst in der Krise und durch die Krise - auch für andere.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie kann ich mein Leben für Gott öffnen?!
Gott ist nur ein Gebet weit weg und er wartet schon auf Sie. Das werden Sie erfahren, wenn Sie ihn einfach ansprechen. Wagen Sie ein einfaches Gebet, einen ehrlichen Hilferuf, er wird sich erfahrbar machen!
Und wenn es dann stürmisch zugeht in der Krise, gibt es viel zu tun für uns, alle Kräfte zu mobilisieren, unseren Teil zu tun, aber wir werden erfahren, dass Jesus mit im Boot ist, und er ist der Herr über den Sturm.
So habe ich es auch damals erlebt und erfahren in meiner Krankheitszeit: dass ich, wenn ich auf das Wort Krebs starrte, buchstäblich unterging. Dann hatte mich die Angst in den Klauen. Wenn ich aber auf Jesus schaue und in seiner Nähe bleibe, kann ich mit ihm durch die Angst hindurch- und sogar über diese Krankheit hinweg gehen.
Nein, es gibt keine Garantie, dass ich gesund bleibe, wir alle müssen irgendwann dieses Leben zurück geben in die Hände unseres Schöpfers. Aber Er ist da, wie auch immer es ausgeht. Seine Hände halten mich. Er ist das Netz unter meinem Leben.
Und wo ich mich ängstlich und schutzlos fühle, kann ich ein Wort Gottes, z.B. aus den Psalmen dagegen halten. Das wird meine Seele wieder stärken und auf festen Grund stellen. Wenn ich dann denke, “ich habe Angst, ich schaff das alles nicht“, kann ich einen Satz aus der Bibel dagegen halten: z.B. aus Psalm 118,6: “Der Herr ist mit mir, was können mir Menschen tun?” Oder Ps. 27,1:” Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens, vor wem sollte mir grauen?”
Und dann muss ich nicht mehr nur um meine negativen, ja krankmachenden Gefühle und Gedanken kreisen, sondern kann mich von ihnen zu Gott führen lassen. Gottes Wort heilt tatsächlich meine wunde Seele.
Wenn ich mich in der Not zu Gott hin öffne, bringt mir das zunächst Trost, Festigkeit, Hoffnung und Zuversicht. Und in der Wüstenzeit Gott um den Regen seines Heiligen Geistes bitten, macht wieder fruchtbar und lebendig.--
Darüber hinaus sagt Gott in seinem Wort zu, dass wir ihn vertrauensvoll um alles bitten dürfen, wie Kinder ihre Eltern bitten. Ich kann Gott alles hinhalten, damit er mich und auch die Situation verwandeln kann. Lassen Sie nicht nach, Gott zu bitten, auch wenn nicht sofort etwas geschieht - Gebet wirkt sich immer segensreich aus, auch wenn wir nicht gleich, ja manchmal lange Zeit keine augenscheinliche Veränderung sehen können. Und manchmal verwandelt das Gebet auch nur uns und unsere Einstellung zur Krise und das ist schon viel!
Außerdem kennt uns Gott und er weiß, dass es nicht gut ist, allein als Christ unterwegs zu sein. Darum möchte er, dass wir uns einer lebendigen, christlichen Gemeinde anschließen. Es ist gut, in eine Gruppe, einen Hauskreis eingebunden zu sein. Hier erleben wir, dass dieser vertraute Kreis mit für mich eintritt im Gebet, dass sie ein Ohr für mich haben und mich begleiten und mittragen durch die Zeit, wo ich es schwer habe mit mir, mit dem Leben und mit dem Vertrauen zu Gott. Es ist wunderbar, hier beständige Freunde zu haben, die wie ich auch, Jesus nachfolgen wollen - auch in aller Unvollkommenheit. Denn hier wie auch vor Gott darf ich mich geben, wie ich bin, kann die Maske der Stärke abnehmen und mein Herz öffnen.
Vergraben Sie sich nicht in der Krise, sondern öffnen Sie sich Menschen Ihres Vertrauens, auch innerhalb der Gemeinde. Denn hier finden Sie   Menschen, die gerade die Erfahrung gemacht haben, dass sie es nicht immer allein schaffen, sondern zu ihrer Stärke und Schwäche - in der Krise und auch sonst stehen und Gottes Hilfe erfahren und annehmen. Sie können sich gegenseitig aufbauen, indem sie von den Erfahrungen mit Gott erzählen und sich bestärken dran zu bleiben an Ihm und seinem Wort und an der Gemeinschaft mit anderen Christen.
 
Abschließend noch ein Text von Dietrich Bonhoeffer:
“Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass Gott es nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern, dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.”
 
Sie sind heute Abend vielleicht mit einem schweren Rucksack gekommen, Sie könnten sich erleichtern! Jesus hat einmal gesagt: Kommt zu mir her alle, die ihr euch mit Lasten abmüht, ihr sollt wieder aufatmen und frei sein!
Scheuen Sie sich nicht, nach diesem Gottesdienst einen ersten Schritt zu tun: Vielleicht auf Gott zu, vielleicht auf einen Christen, einen Hauskreisleiter, oder auch auf einen Seelsorger, eine Seelsorgerin. Es kostet Sie etwas Mut und Vorschussvertrauen, aber das wird sicher belohnt werden. Und wenn Sie einen ersten Schritt getan haben, bleiben Sie dran, bleiben Sie auf dem sichern Grund, lassen Sie sich nicht entmutigen - Gott ist treu! Und Gott sehnt sich nach einer Beziehung zu Ihnen! Dann kann mit seiner Hilfe aus der Krise Gutes entstehen!

Fastenpredigt Dr. Röhlin Nürnberg, Johannis-Kirche am 15.03.2009

Lukas 9.57 -62
 
Liebe Gemeinde,
„Führen mit Werten“ – Unter dieser Überschrift stehen die Fastenpredigten in diesem Jahr. Auch diese Predigt.
Menschen in Führungspositionen haben zurzeit keine gute Presse:
-         Führungspersonen aus der Wirtschaft stehen in der Kritik;
-         Bankmanager stehen in der Kritik wegen überzogener Gehälter und Bonizahlungen;
-         Politiker stehen in der Kritik weil sie in Aufsichtsräten fragwürdigen Entscheidungen zugestimmt haben.
-         Sogar der Papst hat in den vergangenen Monaten heftigen Gegenwind gespürt.
 
Ich denke schon, dass wir heute von einer Führungskrise in unserer Gesellschaft sprechen können. Ein Kennzeichen dafür ist, das bei Wahlen fast 40% der Bürger und Bürgerinnen zuhause bleiben. Nicht zur Wahl gehen. Um es gleich vorweg zu sagen: Fatalismus und Resignation halte ich für völlig falsch. Als Christinnen und Christen sind wir zur Hoffnung berufen. Als Christinnen und Christen sind wir gerade in schwierigen Situationen gefordert, uns zu engagieren. Wir stehen zweifellos vor großen Herausforderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Auch in der Kirche.
 
Was ist heute angesagt? Was sollen wir tun?
Heute am Sonntag sollen wir möglichst wenig tun. Wir dürfen uns erholen und Gott in unserer Mitte feiern. In der heiligen Schrift finden wir Rat und Orientierung. Ich lese aus dem Lukasevangelium Kap. 9,57-62:
 
„Es begab sich aber, da sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo du hingehest. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem anderen: Folge mir nach! Der sprach aber: Erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Lasst die Toten ihre Toten begraben; gehe du aber hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein anderer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.“
1. Führungskrise als Vertrauenskrise
Die Führungskrise heute ist auch eine Vertrauenskrise. Das Vertrauen in Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft und der Banken ist ins Trudeln geraten. Viele Menschen verstehen nicht, warum Banken mit Milliarden von Euro gestützt werden und auf der anderen Seite nicht genügend Geld für Kinderkrippen zur Verfügung steht. Da veruntreut eine Kassiererin 1.30 Euro und das Arbeitsgericht bestätigt, dass ihre Entlassung rechtlich gesehen in Ordnung ist. Am gleichen Tag lese ich in der Zeitung, dass ein hoher Bankmanager, der seine Bank an die Wand gefahren hat, über eine Million an Bonizahlungen erhält. Ganz offenkundig wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Vertrauen wird zerstört.
 
-         Wie kann neues Vertrauen wachsen?
-         Wie lässt sich Vertrauen wiedergewinnen
-         Wie lässt sich Vertrauen wiedergewinnen?
-         Gibt es ein Modell oder ein Vorbild für vertrauenswürdiges Verhalten?
 
Ich möchte Ihnen ein Leitbild für das Vertrauen in Erinnerung rufen. Sie kennen es. Es ist ihnen vertraut. Ich meine das Leitbild des guten Hirten! Der gute Hirte, ein Vorbild für Unternehmer heute? Der gute Hirte, ein Modell für Menschen in Führungspositionen? – Vor meinem Dienstantritt als Regionalbischof im Kirchenkreis Nürnberg wurde ich gefragt, wie ich denn mein Amt verstehe. Ohne lange nachzudenken habe ich gesagt: „Als Pastor pastorum.“ Als Hirte der Pastoren, der Pfarrerinnen und Pfarrer. Erst nachher ist mir deutlich geworden, dass ich mich da auf ein anspruchvolles Leitbild eingelassen habe.
 
Der Hirte als Leitbild
In der Welt der Viehzüchter im Orient, ist der gute Hirte eine Führungsperson. Der gute Hirte hütet und weidet seine Schafe. Nicht nur. Er baut Hürden und Zäune, um sie zu schützen. Er führt sie zu Oasen, zu Wasserquellen. Er kämpft gegen Feinde, die seine Herde bedrohen. Der Löwe brüllt und der Hirte lässt sich nicht einschüchtern. Der Mut des Hirten geht noch weiter. Er kämpft gegen wilde Tiere. Zum Bild des guten Hirten gehören scheinbare Widersprüche:
-         Kämpfer gegen Raubtiere
-         Wachsamer Beschützer, der jedem Tier nachklettert.
-         Der gute Hirte ist zum Opfer für die anvertraute Herde bereit.
-         „Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“, heißt es im Johannesevangelium.
-         Der gute Hirte kümmert sich um die Schwachen. Er kümmert sich um die, die nicht mehr mitkommen.
Dieses Leitbild vom guten Hirten nimmt der 23. Psalm auf. Dort heißt es: „Der Herr ist mein Hirte….“ Hart geht der Prophet Hesekiel mit den Hirten ins Gericht, die sich selber weiden. Der Prophet wird deutlich: (Kap. 34,3f.)
 
„…ihr fresst das Fette und kleidet euch mit Wolle, aber Schafe wollt ihr nicht weiden. Die Schwachen wartet ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte heilt ihr nicht und das Verlorene sucht ihr nicht; sondern streng und hart herrscht ihr über sie!“
 
Im Gegensatz dazu sagt Jesus im Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen.“ Er grenzt sich deutlich vom „Feigling“ ab. Der Feigling sieht den Wolf kommen und haut ab. Er rettet die eigene Haut und lässt die Anvertrauten im Stich.
 
 
 
Jesus geht mit gutem Beispiel voran. Er ist der gute Hirte, der nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen. Er ist der gute Hirte, der mutig und kraftvoll den Führungscliquen seiner Zeit die Stirn bietet. Er ist der gute Hirte, der den Willen Gottes neu ansagt. Er ist der gute Hirte, der sogar sein Leben riskiert.
 
Damit komme ich zu den konkreten Hinweisen Jesu in unserem Predigttext:
 
2. Als guter Hirte heute führen
Zunächst das Wort vom Pflügen: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Pflügen ist harte Arbeit. Bei diesem Wort hat Jesus einen Mann vor Augen, der hinter seinem Pflug hergeht. Der Pflug, zurzeit Jesu müssen wir uns einen Holzpflug vorstellen, wird zwar von einem Ochsen gezogen, aber der Pflüger muss mit beiden Armen den Pflug fest in die Erde drücken. Das kostet Kraft. Wer so pflügt, muss sich voll auf seine arbeit konzentrieren. Wer so pflügt, muss nach vorne schauen, sonst verliert er die Spur. Der trockene Boden ist hart im Orient. Auch die Hitze macht zu Schaffen. Und doch zieht der Pflügende Stunde um Stunde seine Furchen. Hingegeben an seine Arbeit. Den Blick nach vorne gerichtet. Auf das Pflügen folgt das Säen. Und dann die Ernte. Der Pflügende weiß nicht, ob die Saat aufgeht. Der Pflügende weiß nicht, ob er die Ernte noch erlebt. Und der Pflügende weiß nicht, ob Dürre oder Unwetter die Ernte vernichten. Der Pflügende pflügt gerade so, als gäbe es nichts anderes auf der Welt. Wer so pflügt, sagt Jesus, der ist geschickt zum Reich Gottes: „Wer aber seine Hand an seinem Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.
 
Dieses Wort Jesu steht, wir haben es gehört, im Zusammenhang mit der Nachfolge. Ein begeisterter Anhänger möchte sich Jesus und seinen Freunden anschließen, mit ihm leben und Jesus nahe sein. Aber er möchte sich verständlicherweise vorher von seiner Familie und seinen Verwandten verabschieden. Für Jesus ist das offenbar nicht selbstverständlich. Er erwartet, dass er sofort mit ihm geht. Er fordert den harten Schnitt.
 
Ganz ähnlich das zweite Wort Jesu. Wieder geht es um die Nachfolge, wieder geht es um familiäre Pflichten. Dieses Mal darum, dem verstorbenen Vater die letzte Ehre zu erweisen. Als Sohn für die Bestattung des Vaters sorgen. Eine Selbstverständlichkeit. Wieder die harte Reaktion Jesu: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes.“
 
Wieder der Ernst der Nachfolge. Wieder der hohe Anspruch Jesu.
 
Und auch das dritte Wort Jesu in diesem Abschnitt ist nicht milder. Wieder geht es um die Nachfolge. Wieder weist Jesus auf die Mühe der Nachfolge hin: „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ 
In der Lutherbibel steht über unserem Predigttext die Überschrift „Vom Ernst der Nachfolge.“ Martin Luther hat ja gerade diese Frage der Nachfolge bewegt. Er hat mit dieser Frage gekämpft und gerungen: Wie kann ich Christus nachfolgen? Er hat sich mit seinem Vater überworfen. Jahrelang hat sein Vater mit ihm kein Wort mehr gesprochen. Martin Luther ist ins Kloster gegangen. Vorbildlich wollte er leben. Christus dienen in seiner kargen Mönchszelle. Und dann hat er doch erkennen müssen, dass dieser Weg für ihn falsch gewesen ist. Zu seiner reformatorischen Erkenntnis gehört: Christsein, Nachfolge soll sich im Alltag bewähren. Mitten in der Welt. Christsein, Nachfolge soll sich in Welt bewähren. In Ehe und Familie, im Beruf.
 
Es geht Martin Luther um die Nachfolge mitten in der Welt. Unser deutsches Wort „Beruf“ hat Martin Luther geprägt. In dem Wort Beruf steckt das Wort „Berufung“. Nicht nur der Mönch, nicht nur Priester und Pfarrer sind berufen, sondern jeder Christ, jede Christin durch die Taufe. Wir sind berufen in unserem Beruf, die. Nachfolge zu leben. Wir sind berufen, in unserer Familie die Nachfolge zu leben. Auch in unserer Gemeinde.
 
Nachfolge ist dabei gewiss mit Mühen verbunden. Über der Nachfolge liegt aber auch die Zusage Jesu, seine große Verheißung: „Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8)
 
Die Nachfolge führt zwar aus alten Bindungen heraus, aber eben auch in die Gemeinschaft mit Christus hinein. Die Nachfolge bedeutet gewiss Verzicht auf alte Gewohnheiten, aber eben auch Zugewinn an neuen Perspektiven und Lebenssinn. In der Nachfolge spüren wir „Das Licht des Lebens“: Gemeinschaft mit Christus, Gemeinschaft mit neuen Freundinnen und Freunden, Selbstachtung, inneren Frieden, Gottvertrauen, Freude. Wer nachfolgt, gewinnt neues Leben. Das ist so.
Ich komme noch einmal zurück vom Leitbild vom guten Hirten. Als Väter und Mütter sind wir Hirten für unsere Kinder. Als Lehrerin, als Erzieher sind wir Hirten. Als Chef und Vorgesetze sind wir Hirten. Als Polizist, Krankenschwester, Bankangestellte sollen wir uns am Leitbild des guten Hirten orientieren. Das ist keine lockere Sache. Kampfbereitschaft, Konflikte, Löwenmut gehören zu diesem Hirtenbild. Führen mit Werten – das heißt, vom Leitbild des guten Hirten her: Führen mit Mut. Führen mit Kampf und Einsatzbereitschaft. Führen mit Hingabe und Verantwortung. Sich einsetzen für jene, die nicht mehr mitkommen oder sich verlaufen haben.
Führen im biblischen Sinn, dazugehört auch das Gottvertrauen; das Vertrauen darauf, dass Gott unser guter Hirte ist. Auch wenn wir durch dunkle Täler gehen, tröstet uns Gottes Stecken und Stab. Christus, der gute Hirte ist an unserer Seite. Amen.

Fastenpredigt Thomas Horz am 8. März 2009 Johannis-Kirche

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
 
Der Predigttext für die heutige Predigt steht bei Markus 12, 1 -12:
 
Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern
 
Und er fing an, in Gleichnissen zu reden:
Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und zog außer Landes. Und als die Zeit da war, sandte er zu den Weingärtnern einen Knecht, um bei den Weingärtnern von den Früchten des Weinbergs seinen Anteil in Empfang zu nehmen. Und sie ergriffen ihn, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.
Und er sandte wieder einen anderen Knecht zu ihnen, den schlugen sie auf den Kopf und misshandelten ihn. Und er sandte einen anderen, den töteten sie, und viele andere, die einen schlugen sie, die anderen töteten sie. Noch einen hatte er, einen geliebten Sohn; den sandte er zuletzt zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Jene Weingärtner aber sagten zueinander: Dies ist der Erbe; kommet, lasset uns ihn töten, so wird das Erbgut unser sein. Und sie ergriffen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus. Was wird der Herr des Weinbergs tun?
Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.
 
Habt ihr denn auch gar nicht dieses Schriftwort gelesen:
 
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
der ist zum Eckstein geworden;
durch den Herrn ist dieser es geworden,
und er ist wunderbar in unseren Augen.
 
Da suchten sie ihn festzunehmen und fürchteten doch das Volk; denn sie merkten, dass er das Gleichnis gegen sie gesagt hatte. Und sie verließen ihn und gingen hinweg.
 
 
Liebe Gemeinde
 
Als mich Herr Pfarrer Beck ansprach, ob ich denn nicht Interesse hätte, die heutige Fastenpredigt zu halten, war ich zuerst freudig überrascht und sogleich erschrocken.
 
Was sollte ich als Vertreter der Wirtschaft denn hier schon predigen?
 
Sein Thema für mich lautete „Führen mit Werten“ und dies gerade in einer Zeit, in der die Wirtschaft Kopf steht -
materielle Werte in nicht vorstellbarer Größe sich in nichts auflösen.
 
Auch der heutige Predigttext hatte für mich auf den ersten Blick nur bedingt etwas mit Führung und Werten zu tun.
 
Jesus hat in seinem Gleichnis von den bösen Weingärtnern in erster Linie den Schriftgelehrten einen Spiegel vorhalten wollen.
Stand doch der Weinbergbesitzer für Gott, der Weinberg für unsere Erde, die Weingärtner für uns Menschen und letztlich sah Jesus sich selbst in dem Sohn des Weinberg-besitzers.
 
Dennoch ist dieses Gleichnis auch ein wirtschaftliches Thema. Da investiert einer Geld und Mühe um einen Weinberg mit Kelter und Weinkeller aufzubauen, sucht nach passenden Pächtern und wendet sich dann neuer Geschäfte zu. Nach der vereinbarten Frist erwartet er seine Pacht und muss feststellen, dass die Weingärtner ihm diese verwehren.
 
Was treibt diese Weingärtner an?
 
Haben diese Menschen keine Werte?
 
Von welchen Werten sprechen wir?
 
Von den geistigen Werten, von den moralischen Werten?
 
Das Verhalten der Weinbauer war letztlich moralisch inakzeptabel. Den Sohn des Weinbergbesitzers zu töten, nur um auf das Erbe zu hoffen ist in unserer Werte-vorstellung moralisch zutiefst verwerflich.
 
Was müssen und was können wir in unseren Betrieben, Büros und Geschäften tun, um ein nur annähernd vergleichbares Verhalten unserer Geschäftspartner und Mitarbeiter zu verhindern?
 
Hilft hier Führung mit Werten und welche Werte sind es letztlich, die wir hier anstreben wollen und müssen?
 
Bei einer repräsentativen Umfrage unter Führungskräften wurde gefragt, was die wichtigsten Werte im Führungsalltag wären?
 
 
 
Die am häufigsten genannten Antworten waren:
 
�� Vertrauen
�� Ehrlichkeit
�� Gerechtigkeit
�� Zuverlässigkeit
�� Offenheit
 
Platon, ein großer Philosoph, der ca. 350 Jahre vor Christi in Griechenland lebte, sprach von vier großen Werten, in denen ich die Antworten der Führungskräfte wiederfand:
 
Er nannte zuerst Gerechtigkeit – der Mitarbeiter möchte gerecht behandelt werden. Wir müssen ihm und seiner Person gerecht werden. Weder Überforderung noch Unterforderung wird einem Menschen auf Dauer gerecht. Soziale Gerechtigkeit – sprich ein fairer Lohn muss uns ein stetes Anliegen sein. Auf keinem anderen Gebiet sind Mitarbeiter empfindlicher als bei der Frage, erhalte ich einen gerechten Lohn, insbesondere im Verhältnis zu meinen Kollegen.
 
Der zweite Wert Platons ist die Tapferkeit – nicht die militärische oder die sportliche, sondern die persönliche Tapferkeit - den Mut, zu den Dingen zu stehen, von denen ich überzeugt bin - auch mal Dinge anzugehen, ohne von vorneherein den Ausgang zu kennen -  Zivilcourage, einen Wert von dem unsere Gesellschaft einfach nicht genug haben kann.
 
Der dritte Wert, von dem Platon sprach, ist das Maß.
In erster Linie geht es hier um Maß halten. Die Renditen der letzten Jahre hat auch unser Maß für erzielbare Zinsen überzogen. Ein Banker hat mir gegenüber vor kurzem geklagt; „Was soll ich denn machen, die Kunden fordern doch unrealistische Renditen! Daher mussten wir doch riskante Finanzprodukte auf den Markt bringen. Ansonsten wären die Kunden doch zum Wettbewerb gewechselt.“
 
Maß halten hat auch immer etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Wie auch die Weingärtner haben wir diese Erde nur zeitlich gepachtet. Im Interesse unserer Kinder gilt es nachhaltig zu wirtschaften. Ob dabei die derzeitige Subventionspolitik diesem Ziel gerecht wird, wage ich zu bezweifeln.
 
Maß halten betrifft aber auch uns selbst. Sehr oft belasten wir uns aus Ehrgeiz und Anerkennungsdrang selbst mit der Folge, dass unser Körper streikt. Ich kenne nur sehr wenige Unternehmer und Führungskräfte, die diese Situationen nicht auch schon öfters durchlebt haben. Nicht umsonst sind Angstatacken und Depressionen eine der am schnellsten wachsenden Berufskrankheiten – insbesondere bei Führungskräften. Eine aktuelle Studie der AOK geht von einer Steigerung von 80% in den letzten 5 Jahren aus - wobei die Dunkelziffer weit höher liegen dürfte.
 
Klugheit ist der vierte Wert, den Platon beschreibt. Dabei geht es weniger um den Intelligenzquotienten der Führungskraft, sondern um die Fähigkeit vorauszuschauen - vielleicht auch einmal um die nächste Ecke zu blicken, um die Zukunftschancen  zu erkennen. Langfristiges Denken und Handeln sind gefragt - das eigene Tun und Handeln auf ein festes Fundament stellen und dabei stets zu hinterfragen:  „Tue ich das Richtige“.
 
Viele von Ihnen ist Pater Aselm Grün Cellerar des Klosters Münsterschwarzach ein Begriff. Er hat sich wie wenige vor ihm mit dem Thema „Führen mit Werten“ auseinander -gesetzt. Er hat die Werte Platons um drei weitere christliche Werte erweitert. Er fügt den Werten Platons die Werte „Glaube, Hoffnung und Liebe“ hinzu.
 
Wo ist denn in unserer Wirtschaftswelt Glaube, Hoffnung und Liebe zu finden?
 
Das nüchterne Tagesgeschäft lässt hierfür doch wohl keine Zeit?
 
Ohne Glaube, ohne Vertrauen, ohne ein Grundvertrauen fällt es schwer Entscheidungen zu treffen. Gerade in der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise gilt es, vertrauensvoll nach vorne zu schauen, um die sich bietenden Chancen zu erkennen.
 
Glauben kann entlasten!
 
Trotz aller Vorsicht, trotz aller Analysen ist jede Ent-scheidung von Unsicherheiten begleitet. Eine Garantie für die richtige Wahl gibt es nicht. Glauben heißt, auf Gott zu vertrauen, sprich, es ist nicht alles von mir selbst abhängig. Die Landwirte unter uns haben hier ein altes Sprichwort: An Gottes Segen ist alles gelegen!
 
Glauben heißt aber auch an den Menschen glauben. Wer nicht an seine Mitarbeiter glaubt, wird mit Ihnen zusammen nie Besonderes vollbringen. Das heißt für mich nicht eine rosarote Brille aufsetzen, um alles schön rosa zu sehen - nein, sondern die Mitarbeiter als Persönlichkeit zu sehen mit ihren Stärken und Schwächen. Die Aufgabe von uns Führungskräften ist hierbei, die Stärken zu stärken und die Schwächen zu akzeptieren.
 
Was wäre das Leben ohne Hoffnung?
Wir dürfen hierbei Hoffnung aber nicht mit Erwartungen gleichsetzen. Erwartungen erzeugen Druck, Hoffnung nimmt den Druck.
In allen unseren Tätigkeiten steckt immer eine Portion Hoffnung. Können wir mit unseren Produkten und Dienst-Leistungen Hoffnung vermitteln? Die Hoffnung auf ein gelingendes Leben vermitteln oder rennen wir hinter dem billigsten Preis her? Ohne eine große Portion Hoffnung lässt sich wohl kein Betrieb führen, besonders in diesen Tagen.
 
Was hat Liebe mit Menschenführung zu tun?
 
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man Menschen mögen muss, um sie erfolgreich zu führen. Dabei geht es nicht um die Personen, mit denen ich sowieso gut kann – nein. Im Grunde muss ich auch den Mögen – Lieben der mir eben nicht so liegt. Mitarbeiter spüren dies sehr schnell, ob ein Vorgesetzter sie auch mit ihrem „anders sein“ akzeptiert und achtet. Sie können dies sehr schnell an der Sprache ihrer Vorgesetzten erkennen. Spricht der Vor-gesetzte liebevoll oder kühl und distanziert von seinen Mitarbeitern?
 
Über aller Auseinandersetzung mit den Werten guter Führung dürfen wir eines nicht außer acht lassen, nämlich uns selbst als Führende. Jeder von uns führt und wird geführt. Das beginnt in der Familie und zieht sich über die Schulzeit, Ausbildung durch unser ganzes Leben.
 
Führungskräfte und Mütter haben sich diese Aufgabe letztlich nur zu Ihrem eigentlichen Beruf gemacht.
 
Als ich das erste mal in meiner Berufslaufbahn Personal-verantwortung übernahm, hat mein damaliger Chef zu mir gesagt: „Herr Horz  - sie führen dann richtig, wenn ihre Mitarbeiter abends mit erhobenem Kopf den Betrieb verlassen.“
Was er damit ausdrücken wollte war, dass wir unsere Mitarbeiter und Kollegen so behandeln sollen, dass sie vor uns nicht Ihren Kopf einziehen müssen. Nur so können sie aufrecht und mit Freude Ihre Aufgaben bewältigen.
Wer aufrecht nach Hause geht, der hat es nicht nötig, die Kinder, den Partner oder die Freunde klein zu machen. Wenn wir in unseren Betrieben und in unseren Familien ein Klima  schaffen, in dem Menschen aufrechter gehen, verwandeln wir damit ein kleines Stück unserer Gesell-schaft.
Jeder Mensch trägt dabei die Verantwortung für die Atmosphäre, die um ihn herum herrscht. Nicht die Führungskräfte allein prägen das Klima, sondern jeder der in einem Team mitarbeitet.
Von daher muss das Bestreben in unseren Betrieben und Familien sein, mit Hoffnung und Zuversicht sowie Achtung und Liebe gemeinsam die Zukunft zu gestalten.
Das wünsche ich mir.
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus unseren Herrn.
Amen

Fastenpredigt Bürgermeister Bisping 1.März2009 Johannis-Kirche

Das gesprochene Wort gilt.
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Zweite Fastenwoche  - 5. Tag
 
Das Maß der Speisen:
Vor allem muss Unmäßigkeit vermieden werden.
Niemand darf sich überessen.
Unmäßigkeit steht dem Christen am allerwenigsten zu:
„Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit euch nicht verwirren.“ (LK 21,34)
Überall achte man auf Sparsamkeit.
Mit nichts treibe man Verschwendung.
 
Das Maß des Getränks:
„Jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.“ (1 Kor. 7,7)
Nur unter Bedenken legen wir das Maß der Kost (und damit des Getränks) für andere fest.
Insgesamt achte der Obere darauf, dass man sich nicht satt trinkt oder betrinkt.
Wem Gott gibt, sich von alkoholhaltigen Getränken fernzuhalten, der empfängt einen besonderen Lohn.
Wo weniger oder nichts aufzubringen ist, soll man Gott preisen und nicht murren!
 
Böser, bitterer Eifer trennt von Gott und führt zur Hölle. Guter Eifer führt von der Sünde weg, hin zu Gott und zum ewigen Leben.
Dem guten Eifer sollen die Mönche sich mit ganzem Herzen zuneigen.
„Übertrefft Euch in gegenseitiger Achtung“ (Röm 12,10)
 
So Regeln vom Heiligen Benedikt
 
Kein anderer Benedikt, ob in Rom oder Lauf könnte es angesichts der jetzigen Situation zur Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise, als zur Zeitenwende, besser ausdrücken als Benedikt aus Nursia, geboren in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts.
 
Ach hätten die Globalbanker und –manager, doch lieber auf Benedikt gehört und lieber guten Eifer gezeigt, ja hätten sie doch lieber gefastet….
 
 
 
 
Verehrter Herr Pfarrer Beck,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gemeinde!
 
Ich danke Ihnen, dass ich heute ein paar Worte an Sie richten darf.
Drei Teil-Aspekte sollen es auch nur sein, die mir erwähnenswert erscheinen.
 
Fasten – Stets auch eine Seite der unterschiedlichen Betrachtung…
 
Ein freiwilliger, bewusster Verzicht kann schnell relativ sein.
Fasten wir und schränken uns ein, so kann dies nämlich bedeuten, sich auf etwas zu entsagen, was uns selbstverständlich geworden ist. Im Alltag.
Machen wir uns aber bewusst, dass dieser Umstand an Mangel für andere Menschen Alltag bedeuten kann.
Denken wir doch auch an die Menschen auf der Erde, für die sich nicht die Frage, des freiwilligen Fastens stellt,
für die sich nicht die Frage stellt,
ob Sie auf Luxus verzichten,
ob Sie auf Süßigkeiten verzichten,
ob Sie auf Autofahren verzichten,
ob Sie auf den Stromverbrauch des zweiten Kühlschrankes im Hause achten,
ob Sie auf Fleisch verzichten,
 
Klar und eindeutig: Hungern ist nicht Fasten,
aber Fasten steht auch im klaren Zusammenhang von etwas zu lassen, was zur Befriedigung von Bedürfnissen gerne und oft unbedacht in Anspruch genommen wird; und… auf was „normal“ zurückgegriffen werden kann.
 
Mir sind diese Gedanken gekommen, als wir den Laufer Armutsbericht in großer Runde erarbeiten und schmerzvoll erfahren mussten, dass auch in unserer Stadt die Armutsbedrohung steigt. Insbesondere junge und alte Menschen leiden auch in Lauf an Armut.
So lange nicht alle Schulkinder bei der Mittagsbetreuung ein warmes Essen zu sich nehmen, fällt es mir nicht leicht, Fasten als freiwilligen Verzicht - allein betrachtet - zu sehen.
 
 
Fasten ist so zukunftsorientiert
 
Ziele zu setzen ist für mich nichts außer gewöhnliches. Ziele umzusetzen bedarf einer Analyse des Standortes, Festlegung der Strategie und eines Ausblickes in die Zukunft.
Ob ich als Unternehmer, als Bund Naturschutz-Aktiver oder jetzt als Bürgermeister Projekte anzupacken hatte oder habe: Die Schemas sind immer wieder gleich. Zugegeben die Inhalte und die Wege  zum Ziel oft völlig unterschiedlich und nur in einigen Fällen vorhersehbar. Übrigens auch das Ergebnis.
 
Fasten bedeutet für mich – sich ganz im Widerspruch zum Image auf den ersten Blick – kein Stillstand oder Rückblick – nein, im Gegenteil: Eine erfolgreiche Strategie.
Innehalten, besinnen auf wesentliche Aspekte und – zielgerichtet auf die Zukunft ausgerichtet:
Nach 40 Tagen ist das Ziel erreicht,
Nach der Fastzeit ist Ostern, das Fest, ist der Höhepunkt
 
Fasten ist für mich daher eine Zukunftsstrategie, die von größter nachhaltiger Bedeutung ist.
 
Bedeutet es doch, dass  man sich zur Erreichung von Zielen mit dem verbundenen Wunsch nach einer Änderung der Zukunft zunächst auf eigene Werte und Rahmen setzt.
Mensch besinnt sich auf eigene Erfahrungen, Mensch hört zu, Mensch liest, Mensch öffnet sich für andere Gedanken und Situationen, Mensch konzentriert sich.
 
Es ist zudem auch die Basis für das Gelingen im mehr menschlichen Miteinander. Ist das Fasten schließlich in eine Gemeinschaft eingebettet,  so ist es für Frau und Mann stets erfolgreicher zu ertragen.
 
Kein Managerseminar oder Bürgermeisterschulung könnte dies besser zum Ausdruck bringen.
 
Fasten – Eine natürliche Lebensphase.
 
Gerne nehme ich mir die Natur als Vorbild, ich stelle Vergleiche an.
 
Nennen wir es Jahreszeiten.
Mit voller Kraft und Vitalität zeigt uns die Natur im Sommer die ganze Herrlichkeit und ökologische Vielfalt.
Die Bäume stehen prachtvoll da. Die Tiere sind aktiv für Ihren Nachwuchs. Es ist die Hochzeit von Fauna und Flora.
Im Herbst hängt Obst an den Bäumen, die Beeren an den Sträuchern, die Natur hat ihre Jahresarbeit vollbracht, die Blätter fallen. Pflanzen und Tiere ziehen sich zurück. Sie stellen sich auf eine Zeit der Ruhephase ein. Es scheint die Natur zu erstarren. Ist der Winter die natürliche Fastenzeit?
Ist der Winter die Regenationszeit für Pflanzen und Tiere, die Zeit des Innegehens?
 
Geht es in der Fastenzeit nicht auch darum, sich auf das Osterfest vorzubereiten?
Ist der Winter nicht die Zeit vor dem Frühling?
 
Die Fastenzeit hat somit auch etwas mit der Botschaft zu tun, dass aus der Ruhephase etwas Neues entstehen kann. Ein paar Zweige, bei denen wir die Knospen noch nicht erkennen können, werden – wenn wir sie gut gießen und pflegen, nicht erfieren lassen, in Lauf  Fastenzeit und einsetzender Frühling eine Einheit werden lassen.
 
Dann stimmt es für jeden von uns- und nicht nur für einige:
 
Wir freuen uns auf Neues – da blüht es auch in Lauf.
 
Nach diesen Fastgedanken, erlauben Sie bitte noch abschießend ein Zitat aus der Bergpredigt (Mt 6, 16-18).
Drückt es doch etwas so schönes aus, was wir zum Fasten kaum vermuten: Fasten und Freude
Gerade in diesen Zeiten, so passend in der Bergpredigt:
„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
Wie nachhaltig.
Ich wünsche Ihnen zur Fastenzeit, dass Sie sich mit einem fröhlichen Gesicht auf einen schönen, blühenden, frischen und grünen Frühling freuen.
Die Zukunft naht. Ostern kommt.
Amen.

Predigt für den Sonntag Rogate, 17.5.09

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus

Stilles Gebet

Text: Joh.16, 25b-28+33

Liebe Gemeinde.

dass wir diesen Bibeltext nicht längst zum Werbeträger Nummer eins für unsere Kirche und für unseren Glauben gemacht haben, das ist doch sehr erstaunlich – oder?
Hier haben wir doch eine perfekte Werbestrategie:
Wer an Jesus Christus glaubt kann bitten, um was er will und es wird ihm erfüllt!
Warum steht das nicht auf großen Plakaten in unseren Städten – und warum strömen die Menschen nicht in unsere Gottesdienste? Warum haben wir nicht jeden Tag Schlangen vor unserem Pfarramt, Schlangen von Menschen, die in die Kirche eintreten wollen um an dieses zauberhafte Mittel der Wunscherfüllung heranzukommen?
Ich weiß es – und Sie wissen es!
Weil es offensichtlich nicht stimmt!
Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet, so wird er´s euch geben in meinem Namen.
Unsere Erfahrung sagt uns: Es stimmt einfach so nicht.
Haben Sie´s schon mal versucht? Einfach so – oder auch wenn es wirklich nötig war? Und was war dann?
Vielleicht liegt es ja daran, dass das Gebet so ein bisschen in Verruf gekommen ist.
So richtig bitten sollen wir, dürfen wir eigentlich ja gar nicht mehr, denn wir wissen natürlich als erfahrene Christen: Gott ist eben kein Wunschautomat! Das geht eben nicht nach dem Prinzip: Mit dem Gebet den Wunsch oben rein und unten kommt dann die Erfüllung raus.
Ist ja auch ganz klar:
Stellen sie sich vor: als Clubfans wünschen wir uns natürlich nichts mehr, als dass der Club aufsteigt.
Da ist Mainz 05 immer noch etwas im Weg, also weg! Bitte lieber Gott!
Aber jetzt stellen wir uns vor, dass auf der Seite von Mainz 05 genauso ehrliche Christen sind, die Gott darum bitten, dass der Club nicht aufsteigt! Also ich möchte nicht in der Lage vom lieben Gott sein.
Aber, liebe Gemeinde, was dann mit unserem Gebet? Ist es ein kraftloses und hilfloses Instrument unseres Glaubens,  das wir noch pflichtschuldig absolvieren, weil es eben dazu gehört?
Und leben vielleicht ja sogar noch in dem ganz unklaren Bewusstsein: Wenn wir es nur richtig machen würden, dann würde es ja vielleicht doch funktionieren. Das ist dann die Haltung des Zauberlehrlings, der eben die Tricks und Kenntnisse des Meisters noch nicht hat. Aber, liebe Gemeinde, damit degradieren wir unseren Glauben zu einer lächerlichen Kopie eines Fetischglaubens und setzen uns selbst nur unter Druck, weil wir es ja dann sind, die die Erfüllung der Wünsche behindern, - weil wir eben nicht richtig beten.
Und wie geht dann wirklich richtiges beten?
Wieder muss ich Sie enttäuschen,  liebe Gemeinde. Richtiges beten geht gar nicht. Denn richtiges beten bedeutet eins zu werden mit Gott – und das werden wir erst erleben, wenn wir bei ihm sind, in seinem Reich. Aber es gibt einen Weg dorthin – zum richtigen Beten und dieser Weg ist für uns bereits schon ein Teil des Zieles:
Beten bedeutet – so hat es Paulus einmal gesagt – Beten bedeutet, Christus in den Alltag meines Lebens hereinzuholen. Also alles, was ich tue und lebe im Angesicht Gottes zu leben. Und dann kommt ein Stoßseufzer, wenn es ganz schwierig wird: Hilf mir und dann kommt ein Ton des Erstaunens – wir haben es in der Umgangssprache ja noch: Ach Gott. Und wenn wir das ernst meine, dann nimmt Gott an unserem Leben teil – ja noch mehr, er ist ein Teil des Lebens, wenn ich Leben mit ihm teile –ohne besondere Gebetshaltung, ohne besonderen Raum, ohne besonderen Anlass – einfach im Alltag.
Beten ist ein Weg – und deshalb wollen wir natürlich nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen. In unserem Fall würde das bedeuten, beten ist „nur“ diese Alltagsbeziehung. Nein, Beten braucht auch seine Zeit und seinen Ort. Es ist ein Stück Glaubensübung. Und die erfahrenen Beter zu allen Zeiten des Christentums haben uns gelehrt, dass es Übung braucht. Zeit, um zur Ruhe zu kommen, um zu mir selbst zu kommen,  Zeit sich auf Gott einzulassen, und eine gewisse Regelmäßigkeit.
Nur Fastfood im Vorübergehen macht vielleicht satt, aber der Genuss eines schönes Essens ist etwas ganz anderes.
Beten – der bewusste und regelmäßige Kontakt mit Gott ist wichtig. das kann die Andacht am Morgen sein, und das kann das so arg aus der Mode gekommene Tischgebet sein.
Beten bedeutet, Leben mit Gott zu teilen.
Und da ist die Frage: Wollen wir das eigentlich wirklich? Mit Gott das Schöne im Leben zu teilen – das ist leicht. Ihm zu danken für alles, was es mir schenkt – kein Problem – oder eher dass ich es immer wieder vergesse. Aber die Tiefen des Alltags zu teilen, meine Sorgen und Nöte – oder gar meine Hilflosigkeiten, die ich gerne ja sogar vor mir selbst verstecke, verdränge, damit ich einigermaßen über die Runden meines Alltags komme. Will ich Gott da wirklich hineinschauen lassen?
Davon will ich doch eigentlich nicht reden. die verschweige ich lieber. Denn wenn ich sie ausspreche – auch in der Stille vor Gott, dann bekommen sie eine eigene Mächtigkeit. Sie sind ausgesprochen. Sie sind nicht mehr verdrängbar. Sie sind raus und stehen mir nun gegenüber. Sie sind nicht mehr kontrollierbar und meine Angst ist dann, ich werde nicht mehr mit ihnen fertig. Sie sind losgelassen, frei und unbezähmbar.
Kann ich dann Gott bitten, mich davon zu erlösen?
Wie ist es denn nun mit unseren Bitten und der Erfüllung unserer Bitten und Wünsche? Das ist ja noch immer ungeklärt, liebe Gemeinde:
Dürfen wir vielleicht gar nicht wünschen und bitten, um ganz konkrete Dinge? Denn ich glaube ja im Grunde doch nicht daran, dass sie erfüllt werden?
<b>Wahrlich ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet, so wird er´s euch geben in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, damit eure Freude vollkommen sei.</b>
<b>In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.</b>
Worte der Zuversicht und des Vertrauens, die Jesus da seinen Jüngern - und uns sagt. Und deshalb dürfen wir Gott bitten, was uns wichtig ist und müssen uns keinen geistigen Maulkorb umhängen. Nein, liebe Gemeinde wir dürfen Gott wirklich im Namen Jesu um alles bitten und darauf vertrauen, dass wir bei Gott immer Gehör finden und bei ihm in guten Händen sind. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns nicht nur hört, sondern wirklich erhört!
Aber wie?
Es kann einmal sein, dass unsere Bitte wirklich gleich so in Erfüllung geht, wie wir uns das gedacht und ersehnt haben. Ganz toll und herrlich. Aber das ist übrigens meisten dann der Fall, bei dem wir uns am wenigsten bei Gott bedanken, weil wir denken, das ist ja ganz normal so.
Und es kann geschehen, dass sich die Situation eben nicht ändert, so wie wir erhofft und erbetet hatten, sondern es geschieht etwas ganz anderes und wir bekommen vielleicht von Gott die Kraft, diese Situation zu durchstehen. Wie heißt es in einem Gebet: Ich bitte dich nicht, dass du den Berg vor mir weg machst, aber dass du mir die Kraft gibst, ihn zu bezwingen.
Dann sehen wir meist erst im Rückblick, dass Gott unser gebet erhört hat. Aber gerade dieser Rückblick mit den Augen des Glaubens will uns Kraft geben und Mut machen, mit Gott unser Leben zu teilen und ihn wirklich auch um alles zu bitten. Und mehr und mehr lernen wir, ihm zu vertrauen, dass er uns hört und erhört – in seiner Weise, denn – wie sagt Jesus in unserem Predigttext:
denn er selbst, der Vater hat euch lieb.
Und das gilt, Gott sei Dank!
Amen

Predigt für den Neujahrstag 2009 Johannis-Kirche

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus 
Stilles Gebet 
Text: Jahreslosung 2009:
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich
Luk. 18, 27
 
Liebe Gemeinde am Neujahrstag, 
Das ist genau die Jahreslosung, die wir für dieses kommende Jahr brauchen – oder?
Ich glaube ich habe selten einen Jahreswechsel erlebt, bei dem so viele Unheilsprophezeihungen im Raum standen. Unsere Konjunktur wird sich abkühlen. Ein schöngefärbter begriff dafür, dass es uns in diesem Jahr nach Ansicht unserer Wirtschaftsweisen ziemlich schlecht gehen wird! Die Arbeitslosigkeit wird wohl steigen in diesem Jahr. Was das bedeutet, das wissen wir aus den vergangenen Jahren! Viele Menschen werden wieder an den Rand des Existenzminimums geraten.
Das einzige, worauf wir uns anscheinend freuen dürfen, ist, dass der Benzinpreis auf weiter niedrig bleiben und die Strompreise wohl nun doch fallen werden.
Ich muss Ihnen gestehen, liebe Gemeinde, ich will mich in diesem nun beginnenden Jahr über mehr freuen, als über billige Benzinpreise! 
Da liegt nun wieder ein ganzes Jahr vor uns! Ein Jahr unseres Lebens! Natürlich wissen wir nicht, ob wir alle auch am nächsten Neujahrstag wieder so zusammen sein werden, wie heute – Gott sei Dank wissen wir es nicht. Aber vor uns liegt ein Jahr unseres Lebens, ein Jahr in dem wir lachen und weinen werden, ein Jahr, in dem wir schwierige Hürden nehmen werden müssen und ein Jahr, in dem wir glücklich über die sonnenbeschienene Strasse unseres Lebens gehen werden – beides werden wir sicher erleben. Wir wissen nicht, was kommt – aber unsere Wirtschaftsweisen und unsere selbsternannten Propheten wissen es ebenso wenig. Das tröstet mich immer wieder, liebe Gemeinde.
Und da kommt unsere Jahreslosung wie ein heller Sonnenstrahl aus dunklem Wolkenhimmel:
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich
 
Da öffnet sich plötzlich zu diesem neuen Jahr eine Tür des Vertrauens, so groß wie ein Scheunentor und Gott kommt mit ins Kalkül dieses neuen Jahres – Gott, der in den Berechnungen und Prophezeiungen unserer Tage keine Rolle spielt.
Und wir werden dazu aufgefordert, mim Vertrauen auf unseren Gott in dieses neue Jahr und durch dieses neue Jahr zu gehen. Dabei geht es nicht darum, dass wir in diesem neuen Jahr von allem Unglück und vor allen Schwierigkeiten unberührt bleiben werden – nein, liebe Gemeinde! Unser Glaube ist keine schwarze Magie, keine Voodoo-Zauber und keine Hexerei, die das Böse mit ein paar Sprüchen bannen will – und es doch nicht kann, wie wir wissen. Bei unserem Glauben an den lebendigen Gott geht es darum, dass wir ihm zutrauen, unser Leben zu begleiten und in seiner hand zu halten an jedem tag des neuen Jahres. Wir dürfen wissen, wir sind von Gott begleitet in guten und in bösen tagen und nichts kann uns aus seiner hand reißen! Wie sagt es Bonhoeffer so schön:
Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Darum geht es, liebe Gemeinde! Darum geht es heute am ersten tag dieses neuen Jahres und an allen Tagen dieses kommenden Jahres! Es geht darum, dieses Jahr und diese Welt und dieses Leben in einer besonderen Weise zu betrachten, sozusagen mit einer besonderen Brille.
Das tut ja jeder, der etwas zu diesem neuen Jahr sagt, oder gesagt hat. Die Wirtschaftler betrachten dieses neue Jahr mit der Brille der Absatzzahlen, die Finanzwelt sieht nur Erträge und Zinsen und die politische Welt sieht in erster Linie die nächsten Wahlen und wie sie sich dafür rüsten kann, wieder gewählt zu werden.
Wir Christen haben die Chance, unsere Welt aus der Brille Gottes zu sehen. Und dabei kommen nicht Einzelinteressen in den Blick, sondern es geht um diese Welt und die Menschen dieser Erde und es geht darum, dass die Menschen dieser Erde und die Menschen hier in Lauf etwas von der Güte Gottes erleben und erfahren.
 
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich
 
Das kleine Kärtchen, das ich Ihnen heute Morgen mitgebracht habe zeigt dies in ganz eigener Weise: Sie haben es sicher schon erkannt. Es ist ein Ausschnitt des Bildes von Leonardo DaVinci das er in der Sixtinischen Kapelle gemalt hat. Gottes Zeigefinger nähert sich dem Finger des Adam und mit dieser unendlich leichten und doch gewaltigen Szene dieser bevorstehenden Berührung wird Adam ins Leben geholt.
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich
 
Und wir diskutieren darüber, ob wir Menschen das eigene Leben oder das Leben anderer Menschen einfach beenden dürfen. Aktive Sterbehilfe heißt das dann und wird von manchen befürwortet. Nein, liebe Gemeinde – wir Menschen sind nicht in der Lage, das Leben zu geben. Das haben wir allein von Gott und darum muss es uns auch untersagt bleiben, Leben aktiv zu beenden. Dabei geht es nicht um den berechtigten und verständlichen Wunsch todkranker Menschen, lebensverlängernde Maßnahmen zu unterbinden.
 
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich
 
Das meint auch nicht, liebe Gemeinde, dass wir nun einfach alles dem lieben Gott über lassen, so nach dem Motto: Der leibe Gott, der wird’s schon richten der kennt schon seine Pflichten. Nein, liebe Gemeinde, das meint unsere Jahreslosung keineswegs. Sie will uns eher trösten, wenn wir an den Rand unserer Möglichkeiten gelangt sind und sie will uns Mut machen, dass Gottes Wege noch einmal anders sind, als unsere Möglichkeiten.
Die Geschichte, aus der dieses Wort von Jesus stammt, macht dies in ganz besonderer Weise deutlich. Diese Geschichte kennen Sie alle – wegen des Kamels.
Das verwirrt Sie jetzt etwas, liebe Gemeinde?
Doch es ist das berühmte Kamel, das eher durch ein Nadelöhr geht.
Da kommt ein reicher junger Mann zu Jesus und fragt, was er tun muss, um selig zu werden. Und Jesus sagt: Verkaufe, was du hast und folge mir nach. Und der Junge Mann geht traurig davon, denn er war sehr reich.
Und Jesus sagt: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in s Reich Gottes kommt
Und die Jünger fragen bestürzt: Wer kann dann selig werden?
Und Jesus antwortet:
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich
Auch in diesem neuen Jahr werden wir immer wieder erleben, dass wir mit unseren Möglichkeiten an eine grenze kommen – in unserem persönlichen bereich und sicherlich auch in unserer Gemeinde.
Aber Jesus fordert uns auf, diesem Gott zu vertrauen, der sich uns Menschen an Weihnachten als der gütige und liebende Gott gezeigt hat. Mit ihm wollen wir in dieses neue Jahr gehen und darauf vertrauen, dass wir bei ihm wunderbar geborgen sind. Und so erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Amen