Gottes Wort – noch süßer als der beste Honig!

Geistliches Wort der „blick“-Ausgabe April / Mai 2020

Könnten Sie sich vorstellen, dass ein Glas Honig so viel kostet wie ein VW Golf?

Aber genauso war es bei den Pharaonen in Ägypten. Dem Golf vergleichbar benutzen sie allerdings Esel und so heißt es bei wikipedia: „Ein Topf Honig hatte einen Wert vergleichbar dem eines Esels“. Der Honig galt ihnen als „Speise der Götter“ und als Quelle der Unsterblichkeit. Der Honig war ein wahrhaft königliches und göttliches Lebensmittel. Der Honig war nicht nur der Farbe nach ähnlich wie Gold.

In Psalm 119,103 nun aber sagt der Psalmbeter, dass etwas anderes noch viel kostbarer ist und süßer schmeckt als der überaus wertvolle Honig: Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.

In diesem Psalm staunt der Beter, dass ihm der Wille Gottes im Wort der Bibel zugänglich ist. Er staunt darüber, dass Gott sich offenbart hat in der Heiligen Schrift und wir so unser Leben nach seinem Willen gestalten können. Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig, weil es mir hilft recht nach dem Willen des gütigen Gottes zu leben, wie er z.B. in den Zehn Geboten zugänglich ist und wie er sich in der Person von Jesus Christus zeigt: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst!

Damit mir der Wille Gottes aber bekannt ist, muss ich ganz praktisch tief schürfen, also die Heilige Schrift lesen und buchstabieren und in ihr Inneres vordringen. Ich muss mich mit meinem ganzen Sein der Heiligen Schrift hingeben und mich mühen, den Inhalt aufzunehmen und zu verstehen suchen. Dieses Mühen ist eine lebenslange Aufgabe, das sich lohnt.

Um dies zu verdeutlichen, bestrich der jüdische Lehrer die Buchstaben auf der Schiefertafel des Schülers mit Honig, damit der Schüler lernte, dass sich die Mühe des Studiums der Heiligen Schrift sehr lohnen würde. Danach bekamen die Schüler mit Honig gebackene Buchstabenkuchen zum Essen, um auch hier ganz schmackhaft zu erfahren: Wer die Heilige Schrift studiert, der findet die Süße des ewigen Lebens in Gott, dem wird die Heilige Schrift „zur Speise der Götter“, zur Quelle der Unsterblichkeit.

Bevor man also den Honig der Zärtlichkeit Gottes und seiner Güte (Kirchenvater Augustinus) genießen kann, braucht es demnach ganz praktisch die Mühe der Hingabe an die Heilige Schrift. Ich muss sie lesen und mich ihr widmen mit meiner ganzen Aufmerksamkeit, damit ich mich und mein Unterbewusstes anfülle mit den Worten und Gedanken der Heiligen Schrift. So lese ich die Bibel nicht nur für den Augenblick, sondern auch für die Zukunft. Was ich jetzt lese, kann Jahre später aus mir aufsteigen und mir eine Situation in meinem Leben erschließen in Bezug auf meinen Glauben auf Gott hin. Und dann wird mir dieses Wort, diese biblische Geschichte, Jahre nach der Mühe des Lesens süßer als Honig, weil es mich zuversichtlich macht, Gottes Güte und Liebe zu vertrauen.

Bei der Geburt Jesu sagten die Hirten die Botschaft der Engel auch Maria:

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr (Lukas 2). Wie nahm Maria diese Botschaft auf?

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Maria behielt die Worte im Herzen und hat sie dort bewegt, damit sie sie versteht und sie ihr zum Honig werden.

Das ist keine Sache, mit der man sich „mal eben schnell“ beschäftigt. Das braucht Zeit, Mühe, Geduld und Ernsthaftigkeit.

Ob Maria an diese Worte gedacht hat, 37 Jahre später, als ihr Sohn am Kreuz hing, litt und starb?

Wenn Maria diese Worte nicht in ihrem Herzen bewegt hätte, dann sicherlich nicht. Dann wäre ihr dieses Wort sicher nicht süß wie Honig geworden, weil es gar nicht da gewesen wäre.

Aber Maria bewegt diese Worte in ihrem Herzen und so wurden sie ihr Trost und Hoffnung auch im Angesicht des Todes. Dein Wort ist meinem Mund süßer als Honig.

In diesem Sinne: Wer sich der Bibel hingibt, dem gibt sich auch die Bibel hin und er schmeckt die Süße der Liebe Gottes in seinem Leben.

Pfarrer Thomas Reuß