2. Fastenpredigt Zum Nachhören oder Lesen
Sonntag, 15.03. | mit David Nassler | Johanniskirche Lauf

Das Thema der diesjährigen Fastenpredigten: „Seid getrost und unverzagt – Zuversicht in bewegten Zeiten?!“
Was hält uns innerlich stabil, wenn außen alles in Bewegung gerät? David Naßler, Geschäftsführer eines Laufer Unternehmens, teilt in dieser Fastenpredigt aus der Johanniskirche ehrlich und lebensnah, wie er in einer turbulenten Unternehmensphase gelernt hat, was Resilienz wirklich bedeutet – und warum das Bild vom Weizenkorn mehr ist als ein frommer Gedanke. Eine Predigt über stille Wurzeln, das Loslassen von Kontrolle und die Zuversicht, dass Gott auch dort wirkt, wo wir noch nichts sehen.
Text der Predigt:
Kennen Sie den „Stehaufmännchen-Effekt“? … Liebe Gemeinde, das ist gelebte „Resilienz“.
Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit, – Krisen, Stress oder traumatische Erlebnisse ohne dauerhafte Beeinträchtigung zu bewältigen.
Als ich gefragt wurde, ob ich eine Fastenpredigt über Resilienz halten möchte, habe ich erst einmal gezögert.
Nicht wegen des Themas – „Seid getrost und unverzagt“ klingt ja erstmal gut.
Sondern weil ich dachte:
Ein Unternehmer auf der Kanzel – das kann in zwei Richtungen gehen.
Entweder es wird eine Predigt…
oder ein Management-Meeting mit Chorbegleitung 😊
Keine Sorge – es wird keine PowerPoint geben.
Und ich verspreche Ihnen:
Es gibt heute keine Excel-Auswertung zur Resilienzquote der Gemeinde.
Mein Name ist David Naßler und ich stehe heute hier nicht als Theologe.
Ich habe zwar schon einige Jugendfreizeiten begleitet und war auch lange Jahre im Jugendausschuss der evang. Kirche.
Aber vor allem bin ich in meiner jetzigen Lebenssituation Geschäftsführer des Softwareunternehmens intex in Lauf.
55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, international agierend und doch ein bodenständiges Familienunternehmen.
Wenn man in der Wirtschaft über „bewegte Zeiten“ spricht,
dann meint man meistens:
Die Märkte sind volatil, die Prozesse ineffizient
… und irgendjemand hat wieder an einem Freitagabend ein Update beim Kunden eingespielt, und nichts geht mehr!
Aber im Ernst:
Hinter all diesen Begriffen steckt eine sehr echte Frage.
„Wie bleibt man innerlich stabil, wenn außen vieles wackelt?“
Oder in den Worten dieses Sonntags:
Wie kann man getrost und unverzagt sein – in bewegten Zeiten?
Und ich möchte diese Frage heute nicht theoretisch beantworten.
Sondern mit einer Story aus dem letzten Jahr im Spätsommer.
Ich bin seit wenigen Tagen offiziell zum Geschäftsführer der intex berufen worden.
Noch nicht lange genug im Amt, um alles gelassen zu sehen … das bin ich heute noch nicht!
Aber lange genug, um zu spüren,
dass Verantwortung Gewicht hat.
Und plötzlich schien es, als würde es überall gleichzeitig brennen.
Kunden eskalierten.
Nicht, weil sie ungeduldig waren – sondern weil wir nicht geantwortet hatten.
Wir hatten zu wenig Personal in der technischen Kundenberatung.
Zu viele Projekte gleichzeitig.
Zu viele Anfragen.
Unser vorgesehener Vertriebsleiter, ein guter Freund von mir, kündigte bei uns.
Ein strategischer Baustein, auf den wir gesetzt hatten – weg.
Und über allem schwebte eine Frage:
Wie geht es weiter?
Es war keine dramatische Krise mit Schlagzeilen in der Zeitung.
Aber es war eine dieser Phasen, in denen man morgens ins Büro fährt
und spürt:
Das hier ist mehr als nur operative Unruhe.
Das hier ist einer dieser Momente, die entscheiden,
ob etwas trägt – oder bricht.
Die innere Seite von Verantwortung
In solchen Zeiten merkt man schnell:
Unternehmerische Verantwortung ist keine abstrakte Größe.
Sie ist sehr konkret.
Sie sitzt mit am Tisch.
Sie schaut dich an.
Sie wartet auf eine Richtung.
Ich habe damals viel über das Wort „Resilienz“ nachgedacht.
Nicht als Trendbegriff.
Sondern als existenzielle Frage:
Wie bleibt man innerlich ruhig,
wenn außen alles in Bewegung ist?
Wie führt man Menschen,
wenn man selbst nicht jede Antwort hat?
Der biblische Satz „Seid getrost und unverzagt.“ kann hier eine religiöse Ermutigung sein.
Aber es ist keine Aufforderung zur Härte. Nicht als spirituelles „Reiß dich zusammen.“ zu verstehen.
Sondern als Einladung:
Lass dich nicht von der Unruhe regieren.
Das Krisenmeeting
Wir haben damals ein Krisenmeeting einberufen.
Nicht, um Schuldige zu suchen.
Sondern um ehrlich hinzusehen.
Wir haben aufgeschrieben, was ist.
Zu viele E-Mails.
Zu viele Projekte.
Zu wenig Mitarbeiter-Ressourcen.
Eskalationen wegen fehlender Kommunikation.
Produkte, die nicht klar aus Kundensicht entwickelt waren.
Alte Versionen, die uns im Support blockierten.
Es war kein schönes Bild.
Aber es war ein ehrliches.
Und dann haben wir gefragt:
Was jetzt?
Nicht theoretisch.
Sondern konkret.
Wir haben ein Frühwarnsystem etabliert,
damit Eskalationen nicht mehr „aus heiterem Himmel“ kommen und wir diese besser nachverfolgen können, bis der Kunde zufrieden ist.
Wir beginnen nun, alte Software-Versionen abzukündigen,
um Erwartungshaltungen zu klären und Ressourcen zu entlasten.
Keine revolutionären Ideen.
Aber klare Schritte.
Und während wir diese und andere Maßnahmen formulierten,
passierte etwas Entscheidendes.
Die Stimmung im Raum änderte sich.
Nicht, weil das Problem weg war.
Sondern weil wir nicht mehr passiv waren.
Resilienz beginnt nicht mit einem Motivationsspruch.
Sie beginnt mit Ehrlichkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber dem Unbekannten.
Das Weizenkorn
Jesus spricht im Johannesevangelium vom Weizenkorn.
Ein Korn, das in die Erde fällt. Es verschwindet.
Und es verliert seine bisherige Form.
Und genau dadurch bringt es Frucht.
Dieses Bild ist ein theologisches Gleichnis.
Aber man kann darin auch ein unternehmerisches Prinzip sehen.
Es gibt Momente, in denen ein System erst einmal „in die Erde“ muss.
In denen man zugibt:
So wie wir es bisher gemacht haben, funktioniert es nicht mehr.
In denen man Gewohnheiten loslässt.
Strukturen überprüft.
Rollen neu denkt.
Von außen sieht das manchmal wie Schwäche aus.
Intern fühlt es sich an wie Kontrollverlust.
Aber vielleicht ist genau das der Moment,
in dem echte Substanz entsteht.
Das Weizenkorn bleibt nicht, wie es war.
Und genau darin liegt das Wachstum.
Nach dem Krisenmeeting im Spätsommer war nicht plötzlich alles gut.
Die Maßnahmen standen.
Die Struktur war klarer.
Aber die Verantwortung war nicht kleiner.
Und in dieser Zeit habe ich etwas über mich gelernt.
Ich hatte oft das Gefühl,
ich müsse jetzt alles selbst tragen.
Jede Eskalation.
Jeden Konflikt.
Jede unangenehme Konfrontation.
Sogar einen laufenden Gerichtsprozess.
Und innerlich entstand dieser Druck:
Jetzt bist du Geschäftsführer.
Jetzt musst du liefern.
Jetzt darfst du nicht zurückweichen.
Und dann gab es Gespräche mit meinem Vater, der ja auch noch Geschäftsführer der intex ist.
Er ist für mich da oft ein Mentor.
Es gibt Situationen, da sagt er zu mir:
„Dieses Gespräch führe ich nicht mehr.
Das ist nicht mehr meine Aufgabe.
Danke, David, dass du das übernimmst.“
Und ich spüre:
Das ist keine Schwäche.
Das ist gewachsene Resilienz.
Er weiß, was er noch tragen will –
und was nicht mehr.
Und gleichzeitig gibt es Momente,
in denen ich vor einem Gespräch stehe
und denke:
Dafür habe ich nicht die Erfahrung.
Nicht das Alter.
Nicht die grauen Haare.
Und ich sage zu ihm:
„Ich weiß nicht, ob ich das kann.“
Und dann sagt er dann etwas sehr Einfaches:
„Du musst nicht alles machen.
Bürde dir doch nicht alles auf.“
Dieser Satz war für mich überraschend.
Weil ich dachte, Resilienz heißt,
möglichst viel auszuhalten.
Aber vielleicht heißt Resilienz auch,
Grenzen zu akzeptieren.
Nicht jede Konfrontation selbst zu führen.
Nicht jede Baustelle persönlich zu betreuen.
Nicht jede Last auf die eigenen Schultern zu legen.
Ich habe verstanden:
Zwischen „Ich kann das nicht mehr“
und „Ich kann das noch nicht“
liegt ein Entwicklungsraum.
Und Resilienz wächst genau dort.
Persönliche Praxis
In dieser Phase habe ich begonnen, bewusster auf mich zu achten.
Nicht spektakulär.
Sondern sehr schlicht.
Ich stehe morgens früher auf.
Gehe spazieren oder fahre Fahrrad.
Direkt nach dem Aufstehen.
Bewegung, bevor die erste E-Mail kommt.
Dann nehme ich mir Zeit für Stille.
Atemübungen – versuchen Sie mal 2 Minuten nur auf Ihren Atem zu achten – Aber bitte erst nach meiner Ansprache!
Achtsamkeit.
Gebet.
Einfach bewusst nichts tun.
Das klingt unspektakulär.
Aber für jemanden, der Verantwortung trägt,
ist bewusstes Nicht-Tun fast schon eine geistliche Übung
Ich beschäftige mich mit gesunder Ernährung,
mit dem, was meinem Körper gut tut.
Nicht aus Perfektionismus.
Sondern weil ich merke:
Wenn ich meinen Körper dauerhaft ignoriere,
meldet er sich irgendwann.
Es gelingt mir nicht immer.
Es gibt Wochen, da rutscht alles wieder durcheinander.
Aber ich merke:
Wenn ich diese Routinen ernst nehme,
werde ich resilienter.
Nicht dramatisch, nicht sofort.
Sondern von Woche zu Woche.
Wie beim Weizenkorn.
Man sieht nicht jeden Tag Wachstum.
Aber irgendwann merkt man:
Da sind Wurzeln entstanden.
Theologische Verdichtung
Ich glaube, Resilienz ist keine Technik.
Sie ist eine Haltung.
Und als Christ würde ich sagen:
Sie ist auch eine Vertrauensfrage.
Wenn ich glaube,
dass alles an mir hängt,
werde ich irgendwann zerbrechen.
In einem Social Media Post habe ich letztens gelesen:
„Arbeite, als ob alles davon abhängen würde. Bete, als ob alles davon abhängen würde.“
Wenn ich glaube,
dass Gott auch dort wirkt,
wo ich nichts sehe,
kann ich loslassen.
„Seid getrost“ heißt für mich heute:
Du musst nicht die ganze Welt tragen.
Du darfst tragen, was dir anvertraut ist.
Und Gott trägt dich.
Das verändert Führung.
Und das verändert das eigene Herz.
Das Schlussbild
Vielleicht ist Resilienz nicht das laute „Ich schaffe das“.
Vielleicht ist Resilienz das stille Wissen:
Ich wachse.
Auch wenn ich es gerade nicht sehe.
Und vielleicht ist das Weizenkorn deshalb so ein starkes Bild.
Es macht keinen Lärm.
Es kämpft nicht gegen die Erde.
Es bleibt.
Es treibt Wurzeln.
Es wächst.
Und erst später wird sichtbar,
was längst begonnen hat.
Unter der Oberfläche geschieht etwas Entscheidendes: Es entstehen Wurzeln.
Und vielleicht ist genau das die Botschaft dieses Sonntags:
Zuversicht in bewegten Zeiten heißt nicht,
dass alles schnell wieder sichtbar gut wird.
Zuversicht heißt,
dass unter der Oberfläche Wurzeln wachsen.
„Seid getrost und unverzagt.“
Nicht, weil es keine Krisen gibt.
Nicht, weil Entscheidungen leicht sind.
Nicht, weil wir alles kontrollieren.
Sondern weil wir glauben dürfen,
dass Gott auch im Verborgenen wirkt.
Wie bei einem Weizenkorn.
Und vielleicht gehen wir heute hier heraus
nicht mit fertigen Lösungen,
aber mit einem inneren Bild:
Dass kein Krisenmoment verloren ist, dem wir uns stellen und gestärkt daraus hervorgehen.
Dass kein Auseinandersetzen mit einer Unsicherheit sinnlos ist, denn wir lernen daraus.
Dass kein Korn in Gottes Erde vergeblich fällt.
Und das ist mehr als Optimismus – Das ist Hoffnung.
Amen.
Bilder aus dem Gottesdienst








David Nassler stellt sich vor
Liebe Gemeindeglieder,
mein Name ist David Naßler, ich bin 35 Jahre alt, glücklich verheiratet und lebe mit meiner Familie in Simonshofen. Beruflich bin ich Geschäftsführer eines Familienunternehmens, das ich in zweiter Generation mitgestalte und weiterführen darf.
Ich engagiere mich immer wieder gerne mit meiner Zeit und Expertise ehrenamtlich, besonders bei kirchlichen Themen und im Familienhaus Lauf e.V.. Außerdem betreibe ich gemeinsam mit David Geitner den Podcast „Der doppelte David“, in dem wir über Glauben, Business und Persönlichkeitsentwicklung sprechen.
Zu meinen Hobbys gehören Sport (Joggen, Wandern, Schwimmen), handwerkliche Projekte und Elektrotechnik. Und seit der Geburt meines Sohnes habe ich ein neues Lieblingshobby entdeckt: alles, was mit ihm zu tun hat.
Außerdem beschäftige ich mich leidenschaftlich gerne mit technischen KI-Lösungen – ein Feld, das mich fasziniert und in dem ich viel experimentiere.
Am 15. März werde ich im Gottesdienst die Fastenpredigt übernehmen. Unter dem Thema „Seid getrost und unverzagt – Zuversicht in bewegten Zeiten?!“, möchte ich von meinem eigenen Alltag erzählen – als Vater, als jemand, der Verantwortung im Beruf trägt, und als Christ – und dabei Brücken zu biblischen Bildern der Hoffnung schlagen.
Ich freue mich auf die Begegnung mit Ihnen und euch.
Herzliche Grüße
David Naßler









