Seid getrost und unverzagt, Zuversicht in bewegten Zeiten – 3. Fastenpredigt in der Johanniskirche Lauf, 22.3.2026 von Judit Herbst

Woher nehmen Menschen Zuversicht, die allen Grund hätten zu verzagen? Judit Herbst, Geschäftsführerin der Diakonie Unteres Pegnitztal, erzählt in ihrer Fastenpredigt über Jeremia 17 von Tiefwurzlern — Menschen, die wie Bäume am Wasser auch in Dürrezeiten grün bleiben und anderen Schutz und Halt geben. Mit zwei berührenden Lebensgeschichten und dem Gospelsong „Hold on a little while longer” im Ohr wird der Sonntagsname „Bereit zum Dienst” ganz konkret und persönlich. Hier zum Nachhören und Nachlesen.

„Doch Segen soll über alle kommen, die allein auf mich, den Herrn, ihr Vertrauen setzen. Sie sind wie Bäume, die am Wasser stehen und ihre Wurzeln zum Bach hin ausstrecken. Sie fürchten nicht die glühende Hitze. Ihr Laub bleibt grün und frisch. Selbst wenn der Regen ausbleibt, leiden sie keine Not. Nie hören sie auf, Frucht zu tragen.“ Jeremia 17,7-8
Judit Herbst und Pfarrer Thomas Reuß beim anschließenden Kirchencafe im Johannissaal

Predigerin Judit Herbst, Geschäftsführerin der Diakonie Unteres Pegnitztal

Eine Frau sitzt am Küchentisch. Sie ist alleinerziehend. Das jüngere ihrer zwei Kinder geht jetzt in die erste Klasse. Abends, wenn die Kinder eingeschlafen sind, ist ihr Tag noch lange nicht zu Ende. Sie schafft Ordnung in der Wohnung. Sie plant die nächsten Tage. Essen, Einkäufe, Termine der Kinder. Eigene Termine hat sie kaum. Ihre Kinder sind nicht so einfach, würden manche sagen. Ihr Verdienst als Pflegekraft ist gut, trotz Teilzeit. Aber Wohnen, Lebensmittel, Schulsachen und Geschenke, das alles kostet.

Er ist alt, manche würden sagen steinalt. Das Haus verlässt er nicht mehr so oft, Kontakte hat er nur noch wenige. Das Leben ist beschwerlich geworden, sein Gedächtnis lässt nach, das schmerzt. Er will nicht, dass seine Bekannten ihn so sehen. Früher war er Personalleiter einer Firma in der Stadt, angesehen und wichtig, aber jetzt …

Ich hoffe sehr, dass Ihr Leben leichter und unbeschwerter ist als das dieser bei den Menschen. Seid getrost und unverzagt, Zuversicht in bewegten Zeiten, das ist die Überschrift, die dieses Jahr über den Fastenpredigten steht. Seid getrost, Seid zuversichtlich, nicht verzagen. Es wäre einfach, dies der Mutter mit der großen Verantwortung und dem älteren Herrn zuzurufen. Aber in manchen Momenten ist das schwer, ist das wirklich viel verlangt.

Wenn ich mich bei den Menschen in meinem Umfeld umschaue, dann gibt es da ein paar Menschen, die besonders viel Zuversicht ausstrahlen. Kennen Sie auch solche Menschen, vielleicht am Arbeitsplatz, in der Familie, in Ihrem Freundeskreis oder in Ihrer Nachbarschaft? Vielleicht kennen Sie diese Menschen, bei denen man sich immer wieder fragt, woher nehmen Sie diese Zuversicht? Man könnte meinen, dass es besonders die Menschen sind, denen das Leben besonders wenig an Last gibt, die keinen Grund haben zu verzagen. Und aus meiner Erfahrung ist es genau andersherum: Die Menschen, die aufgrund von Schicksalsschlägen, Krankheiten, Belastungen nach unserer Meinung gutes Recht hätten zu verzagen und zu jammern, tun es nicht. Menschen, bei denen alle Verständnis hätten, wenn sie sich beschweren würden über die Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Gesundheit, Chancen und Geld, tun es nicht. Gerade da sehe ich viel Zuversicht.

Ich kenne Menschen, die aus meiner Perspektive nichts umwirft. Sie haben eine besondere Standfestigkeit. Besonders große Zuversicht und viel Vertrauen. Sie sind nicht wie eine flachwurzelnde Fichte, die bei Dürre und Trockenheit, bei einem aufkommenden Sturm kapituliert. Sie kommen mir eher vor wie Tiefwurzler, tiefer im Boden verankert als der Durchschnitt. Nicht so leicht umzuwerfen, viel widerstandsfähiger. vielleicht wie eine Edelkastanie. Fest mit dem Boden verbunden, kann sie sich aus tieferen Erdschichten versorgen, nach oben hin ausladend und vielleicht einladend. Wenn ich an die tief wurzelnden, zuversichtlichen Menschen in meinem Umfeld denke, dann sind auch die besonders einladend. Sie sind in ihrer positiven Lebenseinstellung und in ihrem Gottvertrauen auch besonders ansteckend. Wie der Baum Schatten spendet, so sind es oft diese widerstandsfähigen Menschen, die den Leuten in ihrem Umfeld noch mehr geben: Schutz, Zuneigung, ein wirklich offenes Ohr für Sorgen und Nöte, vielleicht aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrung. sie haben besonders viel und ein besonderes Verständnis. In

Jeremia 17, Vers 7 bis 8 heißt es:

„Doch Segen soll über alle kommen, die allein auf mich, den Herrn, ihr Vertrauen setzen. Sie sind wie Bäume, die am Wasser stehen und ihre Wurzeln zum Bach hin ausstrecken. Sie fürchten nicht die glühende Hitze. Ihr Laub bleibt grün und frisch. Selbst wenn der Regen ausbleibt, leiden sie keine Not. Nie hören sie auf, Frucht zu tragen.“

 Der Bibelvers beschreibt einen Baum, der besonders widerstandsfähig ist. Und die Menschen, die allein auf Gott vertrauen, sind wie dieser Baum. widerstandsfähig, tief wurzelnd, sie breiten die Wurzeln in die richtige Richtung aus. Die Menschen, die auf Gott vertrauen, trotzen Hitze und Dürre.

Ja, das Leben hat immer wieder große Herausforderungen für uns. Wenn Alter oder Krankheit das Leben beschwerlich machen, ist es schwierig, den Kopf oben zu halten. Es ist schön, wünschenswert und bewundernswert, wenn Menschen es schaffen, allein auf Gott zu vertrauen. Einfach ist das nicht immer. Mit Krankheit, Alter, Leid und Schicksalsschlägen zu hadern, sie ungerecht zu finden, das ist menschlich. zu akzeptieren, wenn man Hilfe und Pflege braucht, zuzusehen, wie die sozialen Kontakte weniger werden, das sind typische und betrübliche Alterserscheinungen. Und hier gibt es auch Grund zur Zuversicht. Dabei geht es nicht darum, dass alle Schmerzen und Krankheiten, zack, verschwinden. Es geht um die Hoffnung und die Aussicht, dass es Hilfe gibt, Menschen, die im Ehrenamt, in Nachbarschaften, in Hilfsangeboten und in Kirchengemeinden Kontakt halten, die Begegnungen ermöglichen und die pflegerische, hauswirtschaftliche und soziale Bedürfnisse erfüllen. Wir brauchen Menschen, die körperliche und seelische Leiden lindern, mit Medikamenten, mit einem Lächeln und mit einem guten Wort. ‘Bereit zum Dienst’ steht über dem Sonntag. Diesen Dienst leisten Diakonie, Albrecht-Franz-Stiftung und so viele Gruppen und Einzelpersonen in und um Lauf. Diese Menschen sind bereit zum Dienst, sie sind bereit durch ihren Dienst Zuversicht zu vermitteln, Lasten abzunehmen oder mitzutragen. Sie bringen Trost. Durch sie, durch diese Menschen entsteht Begegnung. Sie hören zu, sie bauen auf und ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieser Dienstgemeinschaft sein darf.

Ich wünsche Ihnen, dass sie in ihrem Leben zuversichtlich und widerstandsfähig sind, dass sie ihre Wurzeln auch bei Lebensstürmen festhalten, dass sie sie mit viel Wasser und Kraft versorgen können. Ich wünsche Ihnen, dass sich in den Momenten, in denen Ihre Zuversicht schwächelt oder schwindet, dass sich dann Menschen an Ihre Seite stellen, in deren Windschatten sie auch getrost mal schwach sein dürfen.

Eine Frau sitzt am Küchentisch. Sie ist alleinerziehend. Das jüngere ihrer 2 Kinder besucht gerade die erste Klasse. Abends, wenn die Kinder eingeschlafen sind, ist ihr Tag noch lange nicht vorbei. Sie schafft Ordnung in der Wohnung. Sie plant die nächsten Tage: Essen, Einkäufe, Termine der Kinder. Eigene Termine hat sie kaum. Ihre Kinder sind nicht so einfach, würden manche sagen. Ihr Verdienst als Pflegekraft ist gut, trotz Teilzeit. Aber Wohnen, Lebensmittel, Schulsachen und Geschenke, das alles kostet. Und als sie abends an ihrem Küchentisch sitzt, gerade wieder eine Rechnung überwiesen hat, fällt ihr Blick auf die Karte am Kühlschrank. “Sei getrost und unverzagt”, steht in geschwungenen Buchstaben darauf. Dann greift sie zum Telefon. Sie ruft die Absenderin der Karte an, diese eine gute Freundin, die immer die richtigen Worte findet, um sie aufzubauen. Im Gespräch schafft sie es, sich wieder aufzurichten? Sie sitzt jetzt gerade am Tisch. Sie ist nicht nur aufgemuntert und aufgerichtet. Sie ist wieder ausgerichtet. Sie spürt: Ich darf stolz und selbstbewusst durchs Leben gehen. Ich bin wertvoll. Ich leiste Großes.

Er ist alt, manche sagen steinalt. Aus dem Haus kommt er nur noch selten. Kontakte hat er nur noch wenige. Das Leben ist beschwerlich geworden. Sein Gedächtnis lässt nach, das schmerzt. Er will nicht, dass seine Bekannten ihn so sehen. Früher war er Personalleiter einer Firma in der Stadt, angesehen und wichtig. Aber jetzt, manchmal sitzt er alleine in der Kirche, ganz still. wartend. Auf dem Weg nach Hause begegnet ihm heute eine Frau, bestimmt schon 50 Der alte Herr ist dankbar, dass sie sich gleich mit Namen vorstellt. Er erinnert sich an die Zeit, als sie Auszubildende in seiner Firma war. Sie tat sich schwer, hätte die Ausbildung fast abgebrochen, war leise und unsicher. jetzt strahlt sie ihn an. Sie erzählt, wie er sie damals geprägt hat, wie sie durch ihren damaligen Ausbilder Mut und Selbstvertrauen gefasst hat, wie groß sein Beitrag dazu war, dass sie über sich hinausgewachsen ist.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei allen Unruhen, Umbrüchen und Lebensstürmen, ihren Blick voll Vertrauen auf Gott richten können und wissen, dass sie dann auch diese Dürren überstehen.

Amen.

Predigerin Judit Herbst, Geschäftsführerin der Diakonie Unteres Pegnitztal

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