Samstag, 14.11. I 17.30 Uhr I Johanniskirche / Ditib-Moschee
Grenzen überwinden
Wir leben gerade in einer Zeit, die viele verunsichert und Angst macht – Kriege, die uns plötzlich wieder so nahekommen, die unglaublich schnelle Veränderung vom industriellen in das digitale Zeitalter, Wohlstandsverlust, drohende Klimakatastrophe uvm. Unsere Antwort in solchen Zeiten ist oft, dass wir versuchen uns zu schützen, indem wir Grenzen hochziehen, äußere, aber auch innere.
Als Christen, Muslime, Juden kommen wir zusammen und erleben, wie wohltuend es ist, Grenzen zu überwinden, sich neugierig zu begegnen und wahrzunehmen, was uns – auch in unserer Unterschiedlichkeit – gemeinsam bewegt und vereint.
Wir wollen in diesem Friedensgebet darüber nachdenken, welche Grenzen wir zwischen uns erleben und wie wir Grenzen überwinden können, so dass mehr Frieden im Kleinen wie im Großen möglich wird.
Das Friedensgebet wird von einem multireligiösen Team zusammen mit Schülerinnen und Schülern vorbereitet und wird musikalisch begleitet vom Vokalensemble St. Otto und dem Jugendchor der Evangelischen Kirchengemeinde und der Musikgruppe „Dostluk“ (Freundschaft).
Samstag 14.11. 2026 – Beginn: 17.30 Uhr in der Johanniskirche, anschließend Abend der Begegnung in der Laufer Ditib-Moschee (dort ist auch eine Moscheeführung möglich).
Freitag, 13. November I 19.00 Uhr I Gemeindehaus Christuskirche
Mehr als 40 Jahre lebten Menschen ihren Glauben in einem Land, das es heute nicht mehr gibt. Sie lebten trotz oft widriger Umstände Kirche, erlebten Umbruch und Aufbruch. Welche Impulse kann es aus diesen Erfahrungen für Kirche, Glauben und Leben heute geben?
Ort: Gemeindehaus Christuskirche Lauf, Martin-Luther-Straße 15 Referenten: Dorit und Michael Steeger (Lauf), lebten in der DDR, seit Jahrzehnten ehrenamtlich in evangelischer Kirche engagiert
Eintritt: Erwachsene 20€. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren 5€.
Karten online oder im Pfarramt oder an der Abendkasse.
Internationale Klasse in St. Jakob. Der 4. Klavierabend mit Kilian Langrieger in der Reihe passion::piano in St. Jakob verspricht große musikalische Kontraste, technische Brillanz und tiefe emotionale Spannung. Er zeigt die ganze Bandbreite des Klaviers von barocker Struktur bis spätromantischer Expressivität. Das Programm dauert 90 Minuten zuzüglich der Pause.
Programm:
Sergej Rachmaninoff: Klaviertranskription der 3. Violinpartita von Bach.
Robert Schumann: „Geistervariationen“
Frédéric Chopin: Polonaise-Fantaisie
Felix Mendelssohn Bartholdys Fantasie op. 28
Beethovens Klaviersonate Nr. 31 op. 110
Den Auftakt des Abends bildet eine besondere Begegnung über die Jahrhunderte: Zwei Großmeister verschmelzen zu einer farbenreichen, doch charaktertreuen Einheit – heiter, klar und virtuos.
Darauf folgt mit Robert Schumanns „Geistervariationen“ ein Werk von ergreifender Tiefe: Schumanns letztes vollendetes Klavierstück, entstanden in den von Krankheit und Verzweiflung geprägten Monaten vor seiner Einweisung. Vier Variationen, die sich wie ein innerer Kreislauf um ein Thema drehen und sich am Ende ätherisch verabschieden.
Frédéric Chopins Polonaise-Fantaisie aus seiner späten Schaffensphase bildet das Herzstück des ersten Teils: ein episodenhaftes, nostalgisches Werk, das wie eine musikalische Erinnerung an Polen, an Liebe und Hoffnung klingt.
Nach der Pause erklingt Felix Mendelssohn Bartholdys Fantasie op. 28, die „Schottische Sonate“ – ein junges, hochvirtuoses Werk, inspiriert von seiner Schottlandreise, in dem sich Harmonie, Klang und dramatische Entwicklung auf einzigartige Weise verbinden.
Den Abschluss bildet Beethovens Klaviersonate Nr. 31 op. 110, eine der späten, besonders introspektiven Sonaten: ein Werk voller innerer Kämpfe, das sich im Finale zu einem zutiefst lebensbejahenden, hoffnungsvollen Schluss erhebt.
Kilian Langrieger, 1999 geboren, begann mit sechs Jahren Klavier zu spielen und war als Regensburger Domspatze früh auf der Bühne. Sein Studium am Konservatorium „F. A. Bonporti“ in Trient schloss er mit Bestnote ab; seither gewann er zahlreiche Preise bei „Jugend musiziert“ und internationalen Wettbewerben. 2024 erhielt er den Jugendkulturpreis des Landkreises Regensburg, seit 2025 studiert er im Master an der Hochschule für Musik und Theater München und wird u. a. vom Deutschlandstipendium und von „Yehudi Menuhin Live Music Now“ gefördert.
Langriegers Programme bestehen fast ausschließlich aus Werken am oberen Ende des pianistischen Schwierigkeitsspektrums – Repertoire, das man von internationalen Konzertpianisten erwartet. Sein typischer Programmbogen führt von Bach über Mozart zu großen romantischen und spätromantischen Werken (Schumann, Chopin, Brahms, Scriabin, Beethoven) und endet oft mit einer nachdenklichen, modernen Zugabe.
Sonntag 8.11.2026, 19 Uhr, St. Jakob, Breslauer Str. 21, Lauf
Eintritt: Erwachsene 20€. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren 5€.
Karten online oder im Pfarramt oder an der Abendkasse.
Sonntag, 08.11. | 17.00 Uhr | Kirche in Offenhausen
Ein unvergessliches Erlebnis
Sefora Nelson zählt zu den bekanntesten Künstlerinnen der christlichen Musikszene. Dass die Singer-Songwriterin ihr Publikum regelmäßig mitten ins Herz trifft, liegt nicht zuletzt daran, dass sie außergewöhnlich authentisch und ehrlich aus dem Leben erzählt. Die Tatsache, dass die italo-deutsche Künstlerin Musik und Theologie studiert hat, gibt ihren Werken und Auftritten eine besondere Substanz, Tiefe und Vielfalt. Zu den insgesamt fünf deutschsprachigen Bestseller-Soloalben brachte die sprachbegabte Künstlerin in den letzten Jahren auch Alben auf Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch heraus. Natürlich dürfen sich die Menschen auf Seforas Konzerten, neben allem Neuen, auch immer wieder auf beliebte und bekannte Songs, wie ‘Lege Deine Sorgen nieder’ sowie auf Ausschnitte aus ihren drei Büchern zu den bedeutenden Bibelstellen „Psalm 23“, „Vater unser“ und „1. Korinther 13“ freuen. Kurz: Ein Abend mit Sefora Nelson ist unvergesslich – von schwäbisch witzig bis italienisch charmant. Denn die internationale Persönlichkeit beherrscht neben vielen weltlichen Sprachen vor allem eine: die Sprache des Herzens.
Vorverkaufsstellen im Hammerbachtal: Fa. Raum in Offenhausen, Erikas Schmankerlladen in Engelthal, Hauenstein-Krügel in Henfenfeld oder online über die Homepage www.seforanelson.com
Am 8. November um 17 Uhr in der Kirche in Offenhausen
Ticketpreis: 19,- € im Vorverkauf (Abendkasse 21,- €)
Ermäßigung für Kinder, Schüler, Studenten und Menschen mit Behinderung (ab GdB 50): 17,- € Vorverkauf (Abendkasse 19,- €)
Sonntag, 1. November I 19.00 Uhr I Gemeindezentrum St. Jakob
Musik bei Kerzenschein
Kostbarkeiten für Violine und Klavier
Am Sonntag, den 1. November 2026 um 19 Uhr findet im Gemeindezentrum St. Jakob ein Kammermusikabend mit Werken für Violine und Klavier statt.
In stimmungsvollem Kerzenlicht musizieren Heidi Braun (Violine) und Elena Ovsienko (Klavier) die Sonate h-Moll von J. Seb. Bach BWV 1014, eines der frühesten Werke dieser Gattung, in der beide Instrumente als völlig gleichberechtigte Partner agieren, feinsinnig ausdrucksvoll und schwungvoll polyphon.
F. Schubert´s Sonatine a-Moll op. 137 ist ein Musikstück, das einerseits eindeutig klassischen Charakter hat, aber harmonisch wirkungsvolle romantische Elemente beinhaltet.
Schließlich erklingt von J. Brahms die Sonate A-Dur op. 100, ein blühendes, cantables Werk, das in einem kreativen Sommer am Thuner See entstanden ist.
Herzliche Einladung!
Karten zu 12 €, Schüler und Studenten 8 € an der Abendkasse
Gemeinsam durch den Advent – Der Lebendige Adventskalender 🌟
Im letzte Jahr haben wir als CVJM die Aktion das erste Mal in Lauf angeboten. Wir Gastgeber habe hier viele positive Begegnung gehabt und werden diese Aktion auch in diesem Jahr wieder organisieren.
Beim Lebendigen Adventskalender treffen sich Menschen an den 24 Tagen bis Weihnachten zu kurzen adventlichen Abendimpulsen. Eingeladen sind vor allem die Nachbarschaft, aber auch Freunde, Bekannte und alle Interessierte.
Der Lebendige Adventskalender – Ablauf und Gestaltung
Man kommt vor geschmückten Fenstern, Haustüren, Garagentoren, in Einfahrten, Gärten oder Carports zusammen. Das „Adventstürchen“ besteht aus der Gestaltung eines realen Fensters (Fensterflügel könnten wieder gestellt werden.) oder einer anderen sichtbaren Fläche, auf der die jeweilige Datumszahl und, wer möchte, Dekoration angebracht ist.
Die Treffen finden jeweils um 18.00 Uhr statt.
Mit dem Eintreffen der Gäste begrüßen die Gastgeber die Anwesenden und leiten durch eine kleine Feier (Dauer ca. 15 – 20 Minuten). Die Inhalte sind frei gestaltbar: Meist gehören ein Lied oder mehrere Lieder, eine Geschichte oder ein besinnlicher Impuls sowie ein Gebet oder Segenswort dazu.
Schön ist es, wenn im Anschluss noch Zeit bleibt, um bei (warmen) Getränken und Gebäck oder kleinen Speisen miteinander ins Gespräch zu kommen und die Begegnung ausklingen zu lassen.
👉Als Gastgeber in diesem Jahr mit dabei sein: 💫
Eine Anmeldung als Gastgeber ist bis Sonntag, 25. Oktober 2026 hier möglich:
Weiter Infos zum Ablauf der Gesamtaktion erhalten die Gastgeber per Mail Anfang November.
Bei der Teilnahme als Gastgeber am lebendigen Adventskalender ist man mit der Bekanntgabe seiner Adresse auf Plakaten, Handzetteln und CVJM- und Churchpool-App einverstanden.
Die Werbung für die Kalenderstation erfolgt über Handzettel und Plakate, persönliche Einladung, sowie über die CVJM- und Churchpool-App.
☎️ Kontakte und Infos zum „Lebendigen Adventskalender“:
Ansprechpartnerin: Karin Kempf, Tel. 09123 74165,
Weitere Ansprechpartnerinnen: Ines Heller, Silke Baum, Resi Stübinger
Gemeinsam haben sie sich im Rahmen einer Pilgerreise des Evangelischen Bildungswerkes NAH auf den Weg gemacht: Zwölf Pilgerinnen und Pilger, begleitet von Günther Sternberg und Annette Scherer. In sieben Tagen pilgerte die Gruppe die ersten rund hundert Kilometer auf dem wohl bekanntesten Jakobsweg, dem Camino Francés. Vom Startpunkt im französischen Ort Saint Jean Pied de Port ging es über die Pyrenäen nach Spanien und dort bis Estella. Die Reise stand unter dem Leitgedanken „Aufbrechen und den eigenen Weg finden“. Durch den äußeren Prozess des Gehens wurden innerliche Prozesse in Gang gesetzt. Impulse der Pilgerbegleitenden luden dazu ein, dem eigenen Leben auf die Spur zu kommen und abendliche Austauschrunden boten Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Übernachtet wurde bewusst in einfachen Herbergen, um sowohl auf dem Weg als auch in der Unterkunft Raum für Begegnungen mit Pilgernden aus aller Welt zu ermöglichen. Nach einer bewegenden Woche und vielen Anregungen im Gepäck trat ein Teil der Gruppe wieder die Heimreise an, während zwei weitere Pilgernde der Gruppe sich entschieden haben, ihren Weg gleich noch fortzusetzen. Aus der Kirchengemeinde Lauf pilgerte Pfarrer Jan-Peter Hanstein mit.
Annette Scherer Bildrechte Günther Sternberg
Das erste Foto zeigt die Gruppe am Startpunkt in Saint Jean Pied de Port – Foto: privat
Das zweite Foto entstand beim Aufbruch am frühen Morgen in den Pyrenäen – Foto: Günther Sternberg
19.03.26 | Dritte Ausgabe von „Horch amol” bringt Redaktionsleiter und Influencer-Pfarrerin ins Gespräch
HORCH AMOL – Gespräche im Wirtshaus
Lauf an der Pegnitz. Wer entscheidet eigentlich, welche Nachricht uns morgens am Frühstückstisch erreicht – und welche nicht? Dieser Frage ging die dritte Auflage der Gesprächsreihe „Horch amol” nach, zu der die Evangelische Kirchengemeinde Lauf und der CVJM beim Wollner in den Wintergarten nach Heuchling eingeladen hatten. Vor gut gefüllten Tischen diskutierten Andreas Sichelstiel, Redaktionsleiter der Pegnitz-Zeitung, und Pfarrerin Dr. Tia Pelz, die als „Pfarrerin von nebenan” auf Instagram rund 30.000 Menschen erreicht, unter der Moderation von Frank Wüst (CVJM). Schnell wurde klar: Die Antwort auf die Titelfrage ist komplizierter – und ehrlicher –, als man erwarten würde.
Zwei, die entscheiden – und es zugeben
Sichelstiel macht keinen Hehl daraus: Am Ende entscheide er mit seinem neunköpfigen Team in der täglichen Redaktionskonferenz, was in die Zeitung kommt. Nicht der Bürgermeister, nicht der Verleger. Dabei helfen zunehmend Daten: Nicht nur Klickzahlen, sondern vor allem die sogenannte „Media Time” – wie lange Leser tatsächlich an einem Text dranbleiben – dient als Kompass. Trotzdem: „Wir machen auch bewusst Dinge, die nicht gut geklickt werden, einfach weil wir es wollen.”
Pelz, die von der bayerischen Landeskirche für ihre Arbeit als Teil des „Seeleute”-Teams bezahlt wird, genießt eine andere Freiheit: „Die Frage, wer entscheidet, was ich mache? Ja, ich.” Was sie postet, sei sehr persönlich, aber nie privat – ein Unterschied, den viele nicht verstehen würden. Ihren Weg in die sozialen Medien fand sie nach dreieinhalb Jahren als Gemeindepfarrerin in der Bay Area, wo zwei Drittel der Gemeinde sonntags im Gottesdienst saß. Zurück in Nürnberg-Ziegelstein, vor 40 bis 50 von 3.000 Gemeindegliedern, stellte sie fest: „Der Gemeindebrief? Steht drin, weiß aber keiner.”
Zwischen Jagdinstinkt und Verantwortung
Am lebendigsten wurde der Abend, als es um die Spannung zwischen Reichweite und Haltung ging. Sichelstiel schilderte seine jahrelange Recherche zum Schadstoff PFOS im Birkensee – eine Geschichte, die Behörden mauern ließ, Anwälte auf den Plan rief und am Ende doch „nicht so goutiert wurde draußen”. Trotzdem hält er sie für eine der wichtigsten seiner Karriere. Und er erzählte von einem erschossenen Asylbewerber am Laufer Bahnhof, dessen Geschichte die Redaktion bewusst differenziert aufarbeitete – gegen den Strom der Empörung und trotz übelster Kommentare auf Facebook.
Pelz kennt die Schattenseiten der Sichtbarkeit ebenso. Wenn der Instagram-Algorithmus ihre progressiv-theologischen Beiträge in konservative Bubbles spült, werde sie „als Hexe beschimpft, die man verbrennen soll”. Ihre Strategie: schnell blocken, manchmal mit Ironie reagieren – und weitermachen. Denn auf der anderen Seite stehen Nachrichten wie die eines jungen Mannes, der vor zehn Jahren aus dem Irak floh und sie über Instagram kontaktierte, weil er mehr über den Glauben erfahren wollte. „Dafür lohnt es sich.”
KI als Werkzeug, nicht als Autor
Beide nutzen Künstliche Intelligenz – und beide ziehen klare Grenzen. Bei der Pegnitz-Zeitung baut KI inzwischen Zeitungsseiten, prüft Rechtschreibung und kann Texte kürzen. „Aber im Impressum stehe ich, nicht die KI”, betont Sichelstiel. Pelz lässt sich aus einer sechsstündigen Predigtvorbereitung in 30 Sekunden Instagram-Slides generieren, geht aber immer noch selbst drüber. Generische KI-Texte von Kolleginnen erkennt sie sofort: „Diese Halbsätze mit Punkt am Ende.”
Überschriften, Clips und der Kampf um Aufmerksamkeit
Aus dem Publikum kam engagierte Kritik an reißerischen Überschriften und die Sorge über Filterblasen und Bot-Netzwerke. Sichelstiel räumte ein, dass Online-Logiken auf den Print durchschlagen, verteidigte aber den Grundgedanken: „Eine Überschrift ist das Eingangstor.” Pelz pflichtete bei: „Das muss knallen, sonst kommt der tolle Inhalt nicht zu den Leuten.” Dass dabei das Bild noch vor der Überschrift entscheide, ob ein Artikel gelesen wird, darüber waren sich beide einig. Überhaupt verschiebt sich die Arbeit massiv ins Visuelle: Wo zur Kommunalwahl früher ein Bericht am nächsten Morgen reichte, produzieren Redaktionen heute Reels aus dem Rathaus. „Ich habe manchmal das Gefühl, wir brauchen eigentlich Fernsehleute”, gesteht Sichelstiel, „und keine Leute mehr, die nur schreiben können.” Viele Redakteure kämen aber genau aus dem Schreiben – und liebten es. Die Printqualität leide, wenn die Kapazität ins Bewegtbild fließe. Auch Pelz bestätigt: Bei Instagram entscheide die erste Folie, das erste Bild, die ersten Sekunden eines Videos. 15-Sekunden-Clips würden massenhaft abgespielt, ab einer Minute sinke die Reichweite rapide.
Auch die schwindende Kommentarkultur in Tageszeitungen wurde im Publikum beklagt. Ob es nicht Mut brauche, sich als Zeitung klar zu positionieren – gerade, wenn in den sozialen Medien ohnehin so schlecht kommentiert werde? Sichelstiel gab offen zu: Für einen klugen Kommentar brauche man oft mehr Zeit als für den Artikel selbst. „Früher saßen in der Politikredaktion kluge Männer, die den ganzen Tag Zeit hatten, sich gewichtige Gedanken zu machen. Das haben wir heute nicht mehr.” Die verdichteten Arbeitsabläufe ließen kaum Raum, und zugleich traue man sich kaum noch, wenn jede Meinungsäußerung sofort zum Shitstorm einlade. Pelz sieht ihre Rolle da anders: Sie sei erkennbar subjektiv, stehe für eine offene progressive Theologie und kommentiere bewusst auch Missstände in der eigenen Kirche. „Ich finde es großartig, dass meine Landeskirche mich dafür bezahlt, sie zu kritisieren. Das ist Freiheit.”
Kein Handy vor 14 – eine Pfarrerin gegen den Strom
Ein Publikumsbeitrag lenkte den Blick auf die junge Generation. Pelz erzählte von ihrer Zeit in der Bay Area, dem Herzen des Silicon Valley: Ausgerechnet dort, wo die Technologie entsteht, herrschte unter den Eltern Konsens – kein Smartphone vor 14, keine Tablets in der Schule, keine Screen Time. „Die Leute, die diese Technologie bauen, geben sie ihren Kindern nicht.” Zurück in Deutschland setzten sie und ihr Mann das konsequent um: Ihre fast zwölf- und dreizehnjährigen Kinder haben als Einzige in der Klasse kein Handy. „Sie überleben es.” Auch ihre handyfreie Konfirmandenzeit funktioniere prächtig – die einzigen, die murrten, seien die Kolleginnen und Kollegen, nicht die Jugendlichen. „Die reden plötzlich miteinander.”
Wer bestimmt nun – Algorithmus oder wir?
Und wer bestimmt nun, was Deutschland denkt? „Der Algorithmus bei Facebook”, sagt Sichelstiel nüchtern – weil er Emotionen belohne, nicht Information. Pelz kontert mit einem anderen Akzent: Nicht das Gleichdenken sei das Ziel, sondern Medienkompetenz. „Wir müssen uns klarmachen, wer welche Interessen hat.”
Bücher statt Bubbles
Zum Schluss gaben beide ihren persönlichen Tipp: Sichelstiel empfahl, bewusst in fremde Bubbles zu schauen und mit Menschen zu reden, die man sonst nicht trifft. Pelz zitierte eine Freundin: „Leaders are readers” – und plädierte für eine halbe Stunde Buch am Abend, weil dort das Denken anders angeregt werde als im Takt der Algorithmen.
Die nächste „Horch amol”-Veranstaltung ist für den Herbst geplant.
Text und Bilder Jan-Peter Hanstein mit Unterstützung von Claude AI und Transkript mit MS Copilot AI
Woher nehmen Menschen Zuversicht, die allen Grund hätten zu verzagen? Judit Herbst, Geschäftsführerin der Diakonie Unteres Pegnitztal, erzählt in ihrer Fastenpredigt über Jeremia 17 von Tiefwurzlern — Menschen, die wie Bäume am Wasser auch in Dürrezeiten grün bleiben und anderen Schutz und Halt geben. Mit zwei berührenden Lebensgeschichten und dem Gospelsong „Hold on a little while longer” im Ohr wird der Sonntagsname „Bereit zum Dienst” ganz konkret und persönlich. Hier zum Nachhören und Nachlesen.
„Doch Segen soll über alle kommen, die allein auf mich, den Herrn, ihr Vertrauen setzen. Sie sind wie Bäume, die am Wasser stehen und ihre Wurzeln zum Bach hin ausstrecken. Sie fürchten nicht die glühende Hitze. Ihr Laub bleibt grün und frisch. Selbst wenn der Regen ausbleibt, leiden sie keine Not. Nie hören sie auf, Frucht zu tragen.“ Jeremia 17,7-8
Judit Herbst und Pfarrer Thomas Reuß beim anschließenden Kirchencafe im Johannissaal
Predigerin Judit Herbst, Geschäftsführerin der Diakonie Unteres Pegnitztal
Eine Frau sitzt am Küchentisch. Sie ist alleinerziehend. Das jüngere ihrer zwei Kinder geht jetzt in die erste Klasse. Abends, wenn die Kinder eingeschlafen sind, ist ihr Tag noch lange nicht zu Ende. Sie schafft Ordnung in der Wohnung. Sie plant die nächsten Tage. Essen, Einkäufe, Termine der Kinder. Eigene Termine hat sie kaum. Ihre Kinder sind nicht so einfach, würden manche sagen. Ihr Verdienst als Pflegekraft ist gut, trotz Teilzeit. Aber Wohnen, Lebensmittel, Schulsachen und Geschenke, das alles kostet.
Er ist alt, manche würden sagen steinalt. Das Haus verlässt er nicht mehr so oft, Kontakte hat er nur noch wenige. Das Leben ist beschwerlich geworden, sein Gedächtnis lässt nach, das schmerzt. Er will nicht, dass seine Bekannten ihn so sehen. Früher war er Personalleiter einer Firma in der Stadt, angesehen und wichtig, aber jetzt …
Ich hoffe sehr, dass Ihr Leben leichter und unbeschwerter ist als das dieser bei den Menschen. Seid getrost und unverzagt, Zuversicht in bewegten Zeiten, das ist die Überschrift, die dieses Jahr über den Fastenpredigten steht. Seid getrost, Seid zuversichtlich, nicht verzagen. Es wäre einfach, dies der Mutter mit der großen Verantwortung und dem älteren Herrn zuzurufen. Aber in manchen Momenten ist das schwer, ist das wirklich viel verlangt.
Wenn ich mich bei den Menschen in meinem Umfeld umschaue, dann gibt es da ein paar Menschen, die besonders viel Zuversicht ausstrahlen. Kennen Sie auch solche Menschen, vielleicht am Arbeitsplatz, in der Familie, in Ihrem Freundeskreis oder in Ihrer Nachbarschaft? Vielleicht kennen Sie diese Menschen, bei denen man sich immer wieder fragt, woher nehmen Sie diese Zuversicht? Man könnte meinen, dass es besonders die Menschen sind, denen das Leben besonders wenig an Last gibt, die keinen Grund haben zu verzagen. Und aus meiner Erfahrung ist es genau andersherum: Die Menschen, die aufgrund von Schicksalsschlägen, Krankheiten, Belastungen nach unserer Meinung gutes Recht hätten zu verzagen und zu jammern, tun es nicht. Menschen, bei denen alle Verständnis hätten, wenn sie sich beschweren würden über die Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Gesundheit, Chancen und Geld, tun es nicht. Gerade da sehe ich viel Zuversicht.
Ich kenne Menschen, die aus meiner Perspektive nichts umwirft. Sie haben eine besondere Standfestigkeit. Besonders große Zuversicht und viel Vertrauen. Sie sind nicht wie eine flachwurzelnde Fichte, die bei Dürre und Trockenheit, bei einem aufkommenden Sturm kapituliert. Sie kommen mir eher vor wie Tiefwurzler, tiefer im Boden verankert als der Durchschnitt. Nicht so leicht umzuwerfen, viel widerstandsfähiger. vielleicht wie eine Edelkastanie. Fest mit dem Boden verbunden, kann sie sich aus tieferen Erdschichten versorgen, nach oben hin ausladend und vielleicht einladend. Wenn ich an die tief wurzelnden, zuversichtlichen Menschen in meinem Umfeld denke, dann sind auch die besonders einladend. Sie sind in ihrer positiven Lebenseinstellung und in ihrem Gottvertrauen auch besonders ansteckend. Wie der Baum Schatten spendet, so sind es oft diese widerstandsfähigen Menschen, die den Leuten in ihrem Umfeld noch mehr geben: Schutz, Zuneigung, ein wirklich offenes Ohr für Sorgen und Nöte, vielleicht aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrung. sie haben besonders viel und ein besonderes Verständnis. In
Jeremia 17, Vers 7 bis 8 heißt es:
„Doch Segen soll über alle kommen, die allein auf mich, den Herrn, ihr Vertrauen setzen. Sie sind wie Bäume, die am Wasser stehen und ihre Wurzeln zum Bach hin ausstrecken. Sie fürchten nicht die glühende Hitze. Ihr Laub bleibt grün und frisch. Selbst wenn der Regen ausbleibt, leiden sie keine Not. Nie hören sie auf, Frucht zu tragen.“
Der Bibelvers beschreibt einen Baum, der besonders widerstandsfähig ist. Und die Menschen, die allein auf Gott vertrauen, sind wie dieser Baum. widerstandsfähig, tief wurzelnd, sie breiten die Wurzeln in die richtige Richtung aus. Die Menschen, die auf Gott vertrauen, trotzen Hitze und Dürre.
Ja, das Leben hat immer wieder große Herausforderungen für uns. Wenn Alter oder Krankheit das Leben beschwerlich machen, ist es schwierig, den Kopf oben zu halten. Es ist schön, wünschenswert und bewundernswert, wenn Menschen es schaffen, allein auf Gott zu vertrauen. Einfach ist das nicht immer. Mit Krankheit, Alter, Leid und Schicksalsschlägen zu hadern, sie ungerecht zu finden, das ist menschlich. zu akzeptieren, wenn man Hilfe und Pflege braucht, zuzusehen, wie die sozialen Kontakte weniger werden, das sind typische und betrübliche Alterserscheinungen. Und hier gibt es auch Grund zur Zuversicht. Dabei geht es nicht darum, dass alle Schmerzen und Krankheiten, zack, verschwinden. Es geht um die Hoffnung und die Aussicht, dass es Hilfe gibt, Menschen, die im Ehrenamt, in Nachbarschaften, in Hilfsangeboten und in Kirchengemeinden Kontakt halten, die Begegnungen ermöglichen und die pflegerische, hauswirtschaftliche und soziale Bedürfnisse erfüllen. Wir brauchen Menschen, die körperliche und seelische Leiden lindern, mit Medikamenten, mit einem Lächeln und mit einem guten Wort. ‘Bereit zum Dienst’ steht über dem Sonntag. Diesen Dienst leisten Diakonie, Albrecht-Franz-Stiftung und so viele Gruppen und Einzelpersonen in und um Lauf. Diese Menschen sind bereit zum Dienst, sie sind bereit durch ihren Dienst Zuversicht zu vermitteln, Lasten abzunehmen oder mitzutragen. Sie bringen Trost. Durch sie, durch diese Menschen entsteht Begegnung. Sie hören zu, sie bauen auf und ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieser Dienstgemeinschaft sein darf.
Ich wünsche Ihnen, dass sie in ihrem Leben zuversichtlich und widerstandsfähig sind, dass sie ihre Wurzeln auch bei Lebensstürmen festhalten, dass sie sie mit viel Wasser und Kraft versorgen können. Ich wünsche Ihnen, dass sich in den Momenten, in denen Ihre Zuversicht schwächelt oder schwindet, dass sich dann Menschen an Ihre Seite stellen, in deren Windschatten sie auch getrost mal schwach sein dürfen.
Eine Frau sitzt am Küchentisch. Sie ist alleinerziehend. Das jüngere ihrer 2 Kinder besucht gerade die erste Klasse. Abends, wenn die Kinder eingeschlafen sind, ist ihr Tag noch lange nicht vorbei. Sie schafft Ordnung in der Wohnung. Sie plant die nächsten Tage: Essen, Einkäufe, Termine der Kinder. Eigene Termine hat sie kaum. Ihre Kinder sind nicht so einfach, würden manche sagen. Ihr Verdienst als Pflegekraft ist gut, trotz Teilzeit. Aber Wohnen, Lebensmittel, Schulsachen und Geschenke, das alles kostet. Und als sie abends an ihrem Küchentisch sitzt, gerade wieder eine Rechnung überwiesen hat, fällt ihr Blick auf die Karte am Kühlschrank. “Sei getrost und unverzagt”, steht in geschwungenen Buchstaben darauf. Dann greift sie zum Telefon. Sie ruft die Absenderin der Karte an, diese eine gute Freundin, die immer die richtigen Worte findet, um sie aufzubauen. Im Gespräch schafft sie es, sich wieder aufzurichten? Sie sitzt jetzt gerade am Tisch. Sie ist nicht nur aufgemuntert und aufgerichtet. Sie ist wieder ausgerichtet. Sie spürt: Ich darf stolz und selbstbewusst durchs Leben gehen. Ich bin wertvoll. Ich leiste Großes.
Er ist alt, manche sagen steinalt. Aus dem Haus kommt er nur noch selten. Kontakte hat er nur noch wenige. Das Leben ist beschwerlich geworden. Sein Gedächtnis lässt nach, das schmerzt. Er will nicht, dass seine Bekannten ihn so sehen. Früher war er Personalleiter einer Firma in der Stadt, angesehen und wichtig. Aber jetzt, manchmal sitzt er alleine in der Kirche, ganz still. wartend. Auf dem Weg nach Hause begegnet ihm heute eine Frau, bestimmt schon 50 Der alte Herr ist dankbar, dass sie sich gleich mit Namen vorstellt. Er erinnert sich an die Zeit, als sie Auszubildende in seiner Firma war. Sie tat sich schwer, hätte die Ausbildung fast abgebrochen, war leise und unsicher. jetzt strahlt sie ihn an. Sie erzählt, wie er sie damals geprägt hat, wie sie durch ihren damaligen Ausbilder Mut und Selbstvertrauen gefasst hat, wie groß sein Beitrag dazu war, dass sie über sich hinausgewachsen ist.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei allen Unruhen, Umbrüchen und Lebensstürmen, ihren Blick voll Vertrauen auf Gott richten können und wissen, dass sie dann auch diese Dürren überstehen.
Amen.
Predigerin Judit Herbst, Geschäftsführerin der Diakonie Unteres Pegnitztal