Predigt am Karfreitag 2022 – Pfarrer Jan-Peter Hanstein zu Joh 19

Das Evangelium nach Johannes 19,16-30

Kruzifixus blickt auf den Trubel unter seinem Kreuz bei einem Oratorium in der Johanniskirche Lauf

16 Da überantwortete Pilatus ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, 17 und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben:

Jesus von Nazareth, der Juden König.

20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.

30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Joh 19

Liebe Gemeinde,

Vorgestern erhielt ich eine Sprach-Nachricht aus dem Kindergarten Arche Noah.

“Herr Pfarrer, was steht auf dem Schild über dem Jesus am Kreuz in der Johanniskirche?”

„Jesus von Nazareth, der König der Juden.“ „Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.“ Heißt es bei Johannes. Was hat das zu bedeuten – das fragt sich schon ein 4-5 Jähriges Kind. Und wir heute auch.

Über dieses Schild gab es auch damals eine große Diskussion unter den verschiedenen Beteiligten. Die Hohenpriester verlangten von Pilatus, dass die Inschrift abgenommen werden müsse oder geändert wird. Ein Fragezeichen sollte dazu kommen, wie in einer Boulevardzeitung ein zweifelhafter Titel „er habe gesagt, dass er der König der Juden sei…“

Pilatus antwortete mit dem Sprichwort gewordenen Satz: „Quod scripsi, scripsi. Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“

Von Anfang an wird der Sinn von Jesu Passion und Opfer verschieden bewertet:

Die Gefangennahme, Folterung und Hinrichtung von Jesus ist politischer Mord in Tateinheit mit religiösen Motiven. Glauben, Politik, Freiheitsliebe, Erlösungssehnsucht gehen Hand in Hand. Das war schon immer so. Das ist auch heute noch so:

7 Wochen Passion – 7 Wochen Krieg

Sieben Wochen dauert in unserer Kirche traditionell die Passionszeit, in der wir die Leiden Jesu „bedenken“. 7 Wochen dauert der Krieg in der Ukraine schon an. Wir nehmen so nah und direkt wie nie zuvor an diesem Krieg teil. Nehmen Flüchtlinge auf, versorgen dieses Land mit Nahrung und Waffen.  Wir feiern am Sonntag Jesu Auferstehung. Aber der Krieg in der Ukraine geht in seine entscheidende Phase. Die Brutalität wird zunehmen. Die Verluste auch auf beiden Seiten und dazwischen wehrlos die Zivilbevölkerung, Frauen, Kinder und kranke und ältere. Millionen sind geflüchtet. Millionen sind geblieben.

Der Krieg in der Ukraine ist keine neue Anfechtung. Es gab all die Jahre irgendwo Krieg. Auch weisen manche darauf hin, das mehr Menschen auf der Welt an Corona gestorben sind als durch den Krieg in der Ukraine bisher.

Aber noch nie ging uns ein Krieg so viel an! Auch wenn schon bisher unsere Freiheit am Hindukusch in Afghanistan verteidigt wurde, wie der frühere Verteidigungsminister Struck einmal sagte. Syrien war für uns mehr ein Bürgerkrieg, obwohl dort Mächte wie USA, Russland, Türkei, Irak und Iran sich stellvertretend auf syrischen Boden bekämpften. Selbst hunderttausende von Flüchtlingen bei uns fochten uns 2015 nicht an. 

Aber jetzt kann jeder von uns in einem Tag an die ukrainische Grenze fahren und viele tun das ja auch, um zu helfen. Umgekehrt: Flüchtlingskinder, die gerade noch zur Schule gingen, sind am nächsten Tag bei uns und bringen ihr Notebook für den Fernunterricht mit.

War schon durch Corona trotz Distanz unsere Solidarität gefordert, so wird erneut unsere Opferbereitschaft auf die Probe gestellt. Die Spendenbereitschaft wächst enorm. Ich danke besonders für die vielen Spenden für die Tafel in Winnyzja. Aber auf Öl und Gas aus dem Land des Angreifers Russland verzichten? Das wird schon schwerer – höchstens im Sommer…

7 Wochen sind um seit dem 24. Februar – und jetzt Ostern

Wir feiern übermorgen jetzt Ostern. Was soll ich tun? Kriegspredigten halten mit dem auferstandenen Gekreuzigten?

Hoffnung und Mut machen, um die Kampfmoral hochzuhalten? Gegen die Gewalt von Putins Russland, der bei maximaler Eskalation durch Vakuumbomben, Chemiewaffen und sogar mit einem Atomschlag mit Hyperschallraketen droht? Ich gebe zu, dass ich für mich nicht garantiere stillzuhalten, wenn Putins gesammelte Kräfte in wenigen Tagen nun mit massierter Gewalt dieses Mal vielleicht hunderttausende töten werden. Das werden wir West-Europäer irgendwie doch eingreifen werden und müssen. Und ich habe wie ihr alle Menschen guten Willens sehr viel Angst davor. Wir sind nicht Jesus. In Verantwortung der Freiheit und Gerechtigkeit, als Bürger der EU haben wir andere Voraussetzungen und werden wir auch andere Entscheidungen als Jesus treffen müssen. Auch um uns und unsere Mitmenschen zu verteidigen, ohne darin das letztgültige Heil der Welt zu sehen.

Heute an Karfreitag, da werden wir Christen aufgerufen durch allen zweifelhaften und wechselhaften politischen Erscheinungen hindurchzublicken. Der Vorhang zerreißt und viele Lebenslügen werden aufgedeckt.

II Wir werden gefragt: Worauf setzt du?

Worauf setzt du?

1) Auf Bequemlichkeit und Wohlstand für diesen europäischen Teil der Welt – von dem so viele ausgeschlossen werden? Nur keine Unruhe – das sind die besorgten Seelsorger und Taktiker, die Hohenpriester. Aber auch viele von Jesu Jüngern. In der Ukraine hat sich schon lange vor dem Krieg die orthodoxe Kirche gespalten in eine russische und eine ukrainische Kirche, die sich nun genauso feind sind. Das Christentum allein hat noch nie zum Frieden gereicht. Das ist wieder eine große Enttäuschung.

2) Oder setzt du auf die totale Gewalt? Dass Putin sich durchsetzen wird wie die römische Weltmacht, weil sie unerschrocken für den Erhalt ihrer Macht Millionen von Menschenleben zerstören und opfern kann? Dann gehörst du zu den Statthalter Pilatus und seinen Söldnern, Häschern und Verrätern des Imperiums.

3) Oder setzt du auf den Herodes, Realpolitiker wie aus dem sozialdemokratischen Lehrbuch? Dann gehörst du zu den zögerlichen Politikern, die lieber abwarten, bis der Sturm vorüber ist und sich so lange wie möglich neutral verhalten. Nur keinen Anstoß erregen. Die Drecksarbeit andere erledigen lassen. Ein paar Waffen hinschaffen, aber mehr nicht.

Am Karfreitag wird unsere Ohnmacht deutlich. Aber anderes auch:

Weil Jesus stirbt, zeigt sich das Unrecht der totalen Macht. Pilatus ist schuldig an diesem Mord. Bis heute wiederholen wir es anklagend im Glaubensbekenntnis: gelitten unter Pontius Pilatus! Es gibt keine Entschuldigung für Pilatus, keine für Putin! Wenn er sich nicht vor dem Strafgerichtshof in Den Haag verantworten muss, dann vor Gottes Gericht!

Wie Jesus stirbt, zeigt sich auch der Egoismus der religiösen Institutionen. Auch der heute christlichen. Jesus gehört keiner Religion an und keiner Konfession. Denn in Jesus erscheint in seiner Hingabe eine Macht, die gibt, die leben schafft und nicht zerstört, die liebt über den Tod hinaus. So ist Gott. Er opfert sich und stirbt dafür. Deshalb ruft er: „Es ist vollbracht.“

Wer ist dieser Jesus? Was sage ich den Kinder in der KITA?

Bist du der König der Juden? Bist du der Christus, der Erlöser der ganzen Welt? „Wo bist du, Trost der ganzen Welt“. Was würdest du Jesus von Nazareth tun? -> Jesus würde auch heute nichts anderes tun, als was er getan hat. Gottes Liebe und Macht verkündigen und eher dafür getötet werden als selbst zu töten.

Erschütternd finde ich es, wie noch der sterbende Jesus die Menschen unter seinem Kreuz zueinander führt. Zu Johannes sagt er – das ist deine Mutter. Und zu Maria: das ist dein Sohn. Danach stirbt er mit den Worten. „Es ist vollbracht!“

Wir sind nicht Jesus. Sein Opfer genügt. Aber wir Christen werden aneinander gewiesen, sollen die Zurückgebliebenen aufnehmen wie einen eigenen Sohn, wie die eigene Mutter. Eine neue Gemeinschaft entsteht. In ihr leben, glauben und sterben wir. Auch an diesem Osterfest 2022.

AMEN

Russisch

Дорогие прихожане,

Позавчера я получил голосовое сообщение из детского сада “Ноев ковчег”.

“Отец, что написано на табличке над изображением Иисуса на кресте в церкви Святого Иоанна?”.

“Иисус из Назарета, Царь Иудейский”. “И написано было на еврейском, латинском и греческом языках”. Говорит Джон. Что это значит – вот что спрашивает себя 4-5-летний ребенок. И так же мы делаем сегодня.

В то время было большое обсуждение этого знака среди различных участников. Первосвященники потребовали от Пилата, чтобы надпись была снята или изменена. К нему должен был быть добавлен знак вопроса, как к сомнительному заголовку в бульварной газете “он говорил, что он царь иудейский…”.

Пилат ответил фразой, ставшей пословицей: “Quod scripsi, scripsi”. То, что я написал, я написал”.

С самого начала значение страсти и жертвы Иисуса оценивается по-разному:

Захват, пытки и казнь Иисуса – это политическое убийство в сочетании с религиозными мотивами. Вера, политика, любовь к свободе, жажда искупления идут рука об руку. Так было всегда. Так происходит и сегодня:
7 недель страстей – 7 недель войны

Традиционно период Страстей в нашей церкви длится семь недель, в течение которых мы “размышляем” о страданиях Иисуса. Война в Украине длится уже семь недель. Мы участвуем в этой войне так близко и непосредственно, как никогда раньше. Мы принимаем беженцев, снабжаем эту страну продовольствием и оружием. В воскресенье мы празднуем воскресение Иисуса. Но война в Украине вступает в решающую фазу. Жестокость будет возрастать. Жертвы также были с обеих сторон и между беззащитными гражданскими лицами, женщинами, детьми, больными и престарелыми. Миллионы людей бежали. Миллионы остались.

Война в Украине – это не новый вызов. Все эти годы где-то шла война. Некоторые также отмечают, что на сегодняшний день в мире от короны умерло больше людей, чем от войны в Украине.

Но никогда еще война не волновала нас так сильно! Хотя наша свобода уже была защищена в Гиндукуше, в Афганистане, как однажды сказал бывший министр обороны Штрук. Для нас Сирия была скорее гражданской войной, хотя такие державы, как США, Россия, Турция, Ирак и Иран, воевали друг с другом на сирийской земле по доверенности. Даже сотни тысяч беженцев с нами не бросили нам вызов в 2015 году.

Но теперь любой из нас может доехать до украинской границы за день, и многие делают это, чтобы помочь. И наоборот, дети-беженцы, которые только что пошли в школу, на следующий день приходят к нам, приносят свои тетради для дистанционного обучения.

Если наша солидарность уже была поставлена под сомнение Короной, несмотря на расстояние, то наша готовность идти на жертвы снова подвергается испытанию. Желание жертвовать очень сильно растет. Я особенно благодарен за многочисленные пожертвования в продовольственный банк в Виннице. Но обойтись без нефти и газа из страны-агрессора России? Это будет сложнее – максимум летом…
С 24 февраля прошло 7 недель – и вот уже Пасха.

Послезавтра мы празднуем Пасху. Что мне делать? Проповедовать военные проповеди с воскресшим распятым?

Давать надежду и мужество для поддержания боевого духа в бою? Против насилия путинской России, которая угрожает вакуумными бомбами, химическим оружием и даже ядерным ударом гиперзвуковыми ракетами в случае максимальной эскалации? Я признаю, что не могу гарантировать, что смогу сохранять спокойствие, когда объединенные силы Путина будут убивать, возможно, сотни тысяч с массовым насилием, на этот раз через несколько дней. Мы, западноевропейцы, будем и должны как-то вмешаться. И как все вы, люди доброй воли, я очень боюсь этого. Мы не Иисус. В ответственности за свободу и справедливость, как у граждан ЕС, у нас другие условия, и нам придется принимать другие решения, чем Иисусу. А также для защиты себя и своих ближних, не видя в этом конечного спасения мира.

Сегодня, в Страстную пятницу, мы, христиане, призваны смотреть сквозь все сомнительные и изменчивые политические явления. Занавес сорван, и многие лживые факты жизни разоблачены.
II Нас спрашивают: На что вы ставите?

На что вы ставите?

1) О комфорте и процветании для этой европейской части мира, из которой так многие исключены? Только не волнуйтесь – это заинтересованные пасторы и тактики, первосвященники. Но также и многие ученики Иисуса. В Украине задолго до войны православная церковь раскололась на русскую и украинскую, которые сегодня одинаково враждебны друг другу. Одного христианства никогда не было достаточно для мира. Это еще одно большое разочарование.

2) Или вы делаете ставку на тотальное насилие? Что Путин будет господствовать, как римская мировая держава, потому что он может бесстрашно уничтожать и жертвовать миллионами человеческих жизней ради сохранения своей власти? Тогда вы – один из правителей Пилата и его наемников, приспешников и предателей империи.

3) Или вы ставите на Ирода, реального политика прямо из социал-демократического учебника? Тогда вы относитесь к нерешительным политикам, которые предпочитают подождать, пока буря пройдет, и оставаться нейтральными как можно дольше. Только не обижайтесь. Позвольте другим делать грязную работу. Получите там несколько единиц оружия, но не более того.

В Страстную пятницу наше бессилие становится очевидным. Но и другие вещи тоже:

Поскольку Иисус умирает, открывается несправедливость полной власти. Пилат виновен в этом убийстве. И по сей день мы обвинительно повторяем это в Символе веры: “Пострадал при Понтии Пилате! Нет оправдания Пилату, нет оправдания Путину! Если он не должен отвечать перед уголовным судом в Гааге, то перед Божьим судом!

То, как умирает Иисус, также показывает эгоизм религиозных институтов. Даже те, которые сегодня являются христианами. Иисус не принадлежит ни к одной религии или деноминации. Ведь в Иисусе, в Его преданности, проявляется сила, которая дает, которая создает жизнь и не разрушает, которая любит превыше смерти. Вот каков Бог. Он жертвует собой и умирает за это. Вот почему Он восклицает: “Свершилось”.

Кто этот Иисус? Что я скажу детям в КИТА?

Ты Царь Иудейский? Ты Христос, Спаситель всего мира? “Где ты, утешение всего мира”. Как бы вы поступили с Иисусом из Назарета? -> Иисус сегодня не сделал бы ничего другого, кроме того, что Он сделал. Провозгласить Божью любовь и силу и скорее быть убитым за это, чем убить себя.

Меня потрясает то, как умирающий Иисус все еще ведет людей друг к другу под своим крестом. Иоанну он говорит: “Это твоя мать”. И Марии: это твой сын. Затем он умирает со словами. “Все готово!”

Мы не Иисус. Его жертвы достаточно. Но мы, христиане, направлены друг к другу, должны принимать тех, кто остался, как родного сына, как родную мать. Возникает новое сообщество. В нем мы живем, верим и умираем. Также на эту Пасху 2022 года.
АМЕН

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