Algorithmus, Jagdinstinkt und Heiliger Geist – Wer bestimmt, was Deutschland denkt?

Dritte Ausgabe von „Horch amol” bringt Redaktionsleiter und Influencer-Pfarrerin ins Gespräch

von links: PZ-Redaktionsleiter Andreas Sichelstiel, Moderator Frank Wüst, Pfarrerin Dr. Tia Pelz, Annemarie Wiehler vom Organisationsteam

Lauf an der Pegnitz. Wer entscheidet eigentlich, welche Nachricht uns morgens am Frühstückstisch erreicht – und welche nicht? Dieser Frage ging die dritte Auflage der Gesprächsreihe „Horch amol” nach, zu der die Evangelische Kirchengemeinde Lauf und der CVJM beim Wollner in den Wintergarten nach Heuchling eingeladen hatten. Vor gut gefüllten Tischen diskutierten Andreas Sichelstiel, Redaktionsleiter der Pegnitz-Zeitung, und Pfarrerin Dr. Tia Pelz, die als „Pfarrerin von nebenan” auf Instagram rund 30.000 Menschen erreicht, unter der Moderation von Frank Wüst (CVJM). Schnell wurde klar: Die Antwort auf die Titelfrage ist komplizierter – und ehrlicher –, als man erwarten würde.

Zwei, die entscheiden – und es zugeben

Sichelstiel macht keinen Hehl daraus: Am Ende entscheide er mit seinem neunköpfigen Team in der täglichen Redaktionskonferenz, was in die Zeitung kommt. Nicht der Bürgermeister, nicht der Verleger. Dabei helfen zunehmend Daten: Nicht nur Klickzahlen, sondern vor allem die sogenannte „Media Time” – wie lange Leser tatsächlich an einem Text dranbleiben – dient als Kompass. Trotzdem: „Wir machen auch bewusst Dinge, die nicht gut geklickt werden, einfach weil wir es wollen.”

Pelz, die von der bayerischen Landeskirche für ihre Arbeit als Teil des „Seeleute”-Teams bezahlt wird, genießt eine andere Freiheit: „Die Frage, wer entscheidet, was ich mache? Ja, ich.” Was sie postet, sei sehr persönlich, aber nie privat – ein Unterschied, den viele nicht verstehen würden. Ihren Weg in die sozialen Medien fand sie nach dreieinhalb Jahren als Gemeindepfarrerin in der Bay Area, wo zwei Drittel der Gemeinde sonntags im Gottesdienst saß. Zurück in Nürnberg-Ziegelstein, vor 40 bis 50 von 3.000 Gemeindegliedern, stellte sie fest: „Der Gemeindebrief? Steht drin, weiß aber keiner.”

Zwischen Jagdinstinkt und Verantwortung

Am lebendigsten wurde der Abend, als es um die Spannung zwischen Reichweite und Haltung ging. Sichelstiel schilderte seine jahrelange Recherche zum Schadstoff PFOS im Birkensee – eine Geschichte, die Behörden mauern ließ, Anwälte auf den Plan rief und am Ende doch „nicht so goutiert wurde draußen”. Trotzdem hält er sie für eine der wichtigsten seiner Karriere. Und er erzählte von einem erschossenen Asylbewerber am Laufer Bahnhof, dessen Geschichte die Redaktion bewusst differenziert aufarbeitete – gegen den Strom der Empörung und trotz übelster Kommentare auf Facebook.

Pelz kennt die Schattenseiten der Sichtbarkeit ebenso. Wenn der Instagram-Algorithmus ihre progressiv-theologischen Beiträge in konservative Bubbles spült, werde sie „als Hexe beschimpft, die man verbrennen soll”. Ihre Strategie: schnell blocken, manchmal mit Ironie reagieren – und weitermachen. Denn auf der anderen Seite stehen Nachrichten wie die eines jungen Mannes, der vor zehn Jahren aus dem Irak floh und sie über Instagram kontaktierte, weil er mehr über den Glauben erfahren wollte. „Dafür lohnt es sich.”

KI als Werkzeug, nicht als Autor

Beide nutzen Künstliche Intelligenz – und beide ziehen klare Grenzen. Bei der Pegnitz-Zeitung baut KI inzwischen Zeitungsseiten, prüft Rechtschreibung und kann Texte kürzen. „Aber im Impressum stehe ich, nicht die KI”, betont Sichelstiel. Pelz lässt sich aus einer sechsstündigen Predigtvorbereitung in 30 Sekunden Instagram-Slides generieren, geht aber immer noch selbst drüber. Generische KI-Texte von Kolleginnen erkennt sie sofort: „Diese Halbsätze mit Punkt am Ende.”

Überschriften, Clips und der Kampf um Aufmerksamkeit

Aus dem Publikum kam engagierte Kritik an reißerischen Überschriften und die Sorge über Filterblasen und Bot-Netzwerke. Sichelstiel räumte ein, dass Online-Logiken auf den Print durchschlagen, verteidigte aber den Grundgedanken: „Eine Überschrift ist das Eingangstor.” Pelz pflichtete bei: „Das muss knallen, sonst kommt der tolle Inhalt nicht zu den Leuten.” Dass dabei das Bild noch vor der Überschrift entscheide, ob ein Artikel gelesen wird, darüber waren sich beide einig. Überhaupt verschiebt sich die Arbeit massiv ins Visuelle: Wo zur Kommunalwahl früher ein Bericht am nächsten Morgen reichte, produzieren Redaktionen heute Reels aus dem Rathaus. „Ich habe manchmal das Gefühl, wir brauchen eigentlich Fernsehleute”, gesteht Sichelstiel, „und keine Leute mehr, die nur schreiben können.” Viele Redakteure kämen aber genau aus dem Schreiben – und liebten es. Die Printqualität leide, wenn die Kapazität ins Bewegtbild fließe. Auch Pelz bestätigt: Bei Instagram entscheide die erste Folie, das erste Bild, die ersten Sekunden eines Videos. 15-Sekunden-Clips würden massenhaft abgespielt, ab einer Minute sinke die Reichweite rapide.

Auch die schwindende Kommentarkultur in Tageszeitungen wurde im Publikum beklagt. Ob es nicht Mut brauche, sich als Zeitung klar zu positionieren – gerade wenn in den sozialen Medien ohnehin so schlecht kommentiert werde? Sichelstiel gab offen zu: Für einen klugen Kommentar brauche man oft mehr Zeit als für den Artikel selbst. „Früher saßen in der Politikredaktion kluge Männer, die den ganzen Tag Zeit hatten, sich gewichtige Gedanken zu machen. Das haben wir heute nicht mehr.” Die verdichteten Arbeitsabläufe ließen kaum Raum, und zugleich traue man sich kaum noch, wenn jede Meinungsäußerung sofort zum Shitstorm einlade. Pelz sieht ihre Rolle da anders: Sie sei erkennbar subjektiv, stehe für eine offene progressive Theologie und kommentiere bewusst auch Missstände in der eigenen Kirche. „Ich finde es großartig, dass meine Landeskirche mich dafür bezahlt, sie zu kritisieren. Das ist Freiheit.”

Kein Handy vor 14 – eine Pfarrerin gegen den Strom

Blick ins Publikum. Alle vier Bürgermeisterkandidaten befanden sich im Publikum: Nina Bezold, Thomas Lang, Erika Vogel und Daniel Illauer.

Ein Publikumsbeitrag lenkte den Blick auf die junge Generation. Pelz erzählte von ihrer Zeit in der Bay Area, dem Herzen des Silicon Valley: Ausgerechnet dort, wo die Technologie entsteht, herrschte unter den Eltern Konsens – kein Smartphone vor 14, keine Tablets in der Schule, keine Screen Time. „Die Leute, die diese Technologie bauen, geben sie ihren Kindern nicht.” Zurück in Deutschland setzten sie und ihr Mann das konsequent um: Ihre fast zwölf- und dreizehnjährigen Kinder haben als Einzige in der Klasse kein Handy. „Sie überleben es.” Auch ihre handyfreie Konfirmandenzeit funktioniere prächtig – die einzigen, die murrten, seien die Kolleginnen und Kollegen, nicht die Jugendlichen. „Die reden plötzlich miteinander.”

Wer bestimmt nun – Algorithmus oder wir?

Und wer bestimmt nun, was Deutschland denkt? „Der Algorithmus bei Facebook”, sagt Sichelstiel nüchtern – weil er Emotionen belohne, nicht Information. Pelz kontert mit einem anderen Akzent: Nicht das Gleichdenken sei das Ziel, sondern Medienkompetenz. „Wir müssen uns klarmachen, wer welche Interessen hat.”

Bücher statt Bubbles

Zum Schluss gaben beide ihren persönlichen Tipp: Sichelstiel empfahl, bewusst in fremde Bubbles zu schauen und mit Menschen zu reden, die man sonst nicht trifft. Pelz zitierte eine Freundin: „Leaders are readers” – und plädierte für eine halbe Stunde Buch am Abend, weil dort das Denken anders angeregt werde als im Takt der Algorithmen.

Die nächste „Horch amol”-Veranstaltung ist für den Herbst geplant.

Text und Bilder Jan-Peter Hanstein mit Unterstützung von Claude AI und Transkript mit MS Copilot AI.

#verständigungsort

Gemeinsam wachsen – Ehe leben mit Gott

Ein offener Ehe-HauskreisHerz, geformt aus Händen und im Format eines Herzens, mit einem Fragezeichen und einem Ausrufezeichen

Unsere Ehe, als Mann und Frau, ist ein Abenteuer, das Gott mit uns schreibt. Im Ehe-Hauskreis möchten wir Raum schaffen, um dieses Abenteuer bewusst zu gestalten – mit Gott im Zentrum.
Wir treffen uns in zwangloser Atmosphäre, um über Themen des Ehealltags zu sprechen, biblische Impulse aus dem Buch „Liebe und Respekt“ zu hören und füreinander zu beten.
Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um echtes Miteinander, gegenseitige Unterstützung und geistliches Wachstum.
Paare aller Altersstufen sind einmal im Monat herzlich eingeladen.

Gemeindehaus Christuskirche, 1. Stock, Martin-Luther-Str. 15

Die nächsten Treffen sind (jeweils Donnerstag, 19:30–21:00 Uhr):

  • 19. März 2026
  • 30. April 2026
  • 28. Mai 2026
  • 25. Juni 2026
  • 23. Juli 2026
  • 3. September 2026
  • 1. Oktober 2026
  • 12. November 2026
  • 10. Dezember 2026

Kontakt:
Barbara und Günter Schlegl, Tel.: 09123 3837

Liebe und Respekt

eine Buchempfehlung

Nicht nur für unseren Ehe-Hauskreis “Gemeinsam wachsen” empfehlen wir dieses Buch von Emerson Eggerichs.
Wir können es auch uneingeschränkt für jede Partnerschaft empfehlen, die eine biblische und geistliche Perspektive sucht.

Ihr Team Herzenssache

ISBN 9783865914927

Ökumenische Alltagsexerzitien 2026

ab Dienstag, den 24.02. I 19.00-21.00 Uhr I Pfarrzentrum St. Otto

Gestalten Sie die Fastenzeit ganz bewusst und gönnen Sie sich Zeit für sich und mit Gott!

Die ökumenischen Alltagsexerzitien stehen 2026 unter dem Motto „Wagemut“. Wir nehmen uns täglich ein wenig Zeit für die Impulse aus dem Exerzitienbuch und treffen uns einmal pro Woche zum Austausch.

Die Gruppentreffen in Lauf sind jeweils am Dienstag, 19.00 im Pfarrzentrum St. Otto, Ottogasse 10

24.02./03.03./10.03./17.03./24.03.

Wir laden Sie schon jetzt wieder ganz herzlich dazu ein!

Das Team der Alltagsexerzitien

Gertrud Bohrer – Josefa Peter – Holger Wielsch

Nächste Wanderung der Wandergruppe

Freitag, 20.03. I 9.00 Uhr I Treffpunkt Parkplatz Bitterbachhalle

Am Freitag, den 20.3. 26 ist es wieder soweit mit unseren Wanderungen!

ACHTUNG
Diesmal treffen wir uns an der Bitterbachhalle Daschstr.
am Parkplatz zur gewohnten Zeit um 9.00 Uhr

Bitte nicht vergessen mitzubringen: Gute Laune und schönes Wetter!

LG eure Wanderführer
Herbert und Birgit ❣️

Südafrika – Szenen aus einem gebeutelten Land

Dienstag, 12. Mai 2026 I 19.30 Uhr I Christuskirche

Franz Wiehler lädt am 12. Mai zu einem Vortrag über Südafrika
in die Christuskirche ein.

Nachdem ich drei Jahre im Großraum Johannesburg gelebt habe, möchte ich Eindrücke aus dem faszinierenden Südafrika teilen, das in etlichen Disziplinen Weltrekordhalter ist, darunter in so traurigen Kategorien wie der größten Ungleichverteilung zwischen Arm und Reich oder der höchsten Jugendarbeitslosigkeit. Wie spiegeln sich diese Umstände im täglichen Leben der Menschen, wie gehen sie damit um und – am wichtigsten was macht dennoch viel Hoffnung für Südafrika, so dass Menschen, die dieses spannende Land kennen, es unisono als “einfach wunderbar” bezeichnen?

Vortrag von Franz Wiehler
Gemeindehaus Christuskirche, Martin-Luther-Str. 15
Dienstag, 12. Mai, um 19.30 Uhr

Brunch & Talk in Juni: Thema: „Familien unter Druck“

Sonntag, 14.06. | St. Jakob | 9.30 Buffet, 10.30 Talk

Gottesdienst mit Buffet und Podiumsgespräch im Gemeindezentrum St. Jakob zum Thema:

Familien unter Druck

Was brauchen Eltern, was brauchen Kinder?

Wir wollen der Frage nachgehen, was sich in den letzten Jahrzehnten für Familien verändert hat – zum Guten wie zum Schlechten. Wir wollen die Gründe benennen, die zu diesen Veränderungen geführt haben. Wir wollen fragen, was Kinder brauchen, damit sie (wieder) echte Quality-Time erleben können, und was Familien nach innen stärken kann. Und es wird darum gehen, was Eltern sich von der Gesellschaft und vom Staat wünschen. Als Gäste am Podium erwarten wir die Diplom-Psychologin und Autorin Julia Tomuschat und den Soziologen Hendrik Meyer.

Ort: Gemeindezentrum St. Jakob, Breslauer Str. 21

Zeit: Sonntag, 14.06.2026, ein köstliches Frühstücksbuffet wird um 9.30 Uhr eröffnet. Der Talk beginnt um 10.30 Uhr.

Das Ev. Familienhaus e.V. sorgt für die Kinderbetreuung.

“Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin”

20.11.25 | Ein Gespräch mit Soldaten und Kriegsdienstverweigerern

HORCH AMOL – Gespräche im Wirtshaus

Zum Zweiten Mal wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe „VerständigungsOrte“ von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Lauf und dem CVJM Lauf ins Wirtshaus zum „Wollner“ in Heuchling eingeladen. Diesmal ging es um das hochaktuelle Thema „STELL DIR VOR ES IST KRIEG UND KEINER GEHT HIN“.

Der Wollner war brechend voll. Über 80 Interessierende hatte das Thema angelockt. Sie erlebten einen spannenden Abend voller kontroverser Gedanken und fairer Debatten. Es wurde leidenschaftlich über die Themen Wehrpflicht, Pazifismus und Friedensicherung in einer Welt voller Spannungen mit vier eingeladenen Gästen und dem Publikum diskutiert. Professionell moderiert wurde der Abend von Christian Kempf vom CVJM. An einem Wirtshaustisch saßen die vier Gäste und der Moderator. Auf einem weiteren, freien Stuhl konnten im Wechsel Gäste aus dem Publikum Platz nehmen.

Einführungsrunde

Die vier eingeladenen Diskussionsgäste hatten Gelegenheit, kurz ihren Hintergrund sowie ihre Haltung zum Thema darzustellen.

Christian H. Werner (45) ist Familienvater, gläubiger Katholik und Reserveoffizier. Er hat sich vorübergehend freiwillig zur Bundeswehr gemeldet und ist derzeit Kompanie-Chef der Panzerbrigade 45 „Litauen“. Er bringt Erfahrung aus Ehrenämtern ein. Seine Haltung begründet er damit, dass es die aktuelle geopolitischen Lage erforderlich mache, unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zu schützen und zu verteidigen. „Aus Freiheit erwächst Verantwortung.“

Leon Utz (27) ist als Oberleutnant aktiver Soldat auf Zeit, absolviert gerade die Ausbildung zum Jugendoffizier und befasst sich mit sicherheitspolitischer Bildung. Er ist 2017 als Gebirgsjäger zur Bundeswehr gekommen. Er schätzt die Bundeswehr als Ort, an dem junge Menschen Führungsverantwortung übernehmen und sich persönlich weiterentwickeln können.

Diakon Siegfried Laugsch (74) engagiert sich in der kirchlichen Friedensarbeit und war hauptamtlich in der Begleitung von Kriegsdienstverweigerern tätig. Er ist der Überzeugung,  dass Konflikte regelbasiert und ohne Waffen gelöst werden müssen. „Wer das Schwert führt, wird durch das Schwert umkommen.“

Magnus Nockemann (21) ist ehrenamtlich im CVJM Lauf aktiv und sagt: „Ich würde nicht zur Bundeswehr gehen“. Er sieht seinen Beitrag zur Gesellschaft nicht in der Waffe, sondern im Stärken demokratischer Werte. „Wir sind keine Feiglinge – wir riskieren unser Leben für den Frieden.“

Gibt es aktuell eine akute Bedrohungslage?

Ein Gast aus dem Publikum setzte sich an den Wirtshaustisch und ergriff das Wort. Er sei lange Zeit davon ausgegangen, dass die Bundeswehr unnütz sei. Er stellte sich die Frage, warum es eine Armee in Friedenszeiten brauche? Aber mit dem Angriffskrieg Putins auf die Ukraine habe sich seine Meinung geändert. Er sehe jetzt angesichts der Bedrohungslage ebenfalls die Gefahr für unsere freiheitliche Werteordnung. Es entstand eine lebhafte Diskussion. Laugsch meinte, „der Russe stehe nicht vor unserer Tür“ und die Bedrohungslage sei nicht so relevant, wie sie in den Medien dargestellt werde. Utz bezog sich auf Erkenntnisse der Nachrichtendienste, die darauf hinweisen, dass Russland auf eine Kriegswirtschaft umgestellt habe und sich befähige, im Jahre 2029 Nato-Staaten angreifen zu können. Auch die heute schon existierende hybride Kriegführung mit Drohnen, Cyber-Angriffen und gezielter Destabilisierung stünden damit im Zusammenhang. „Wir befinden uns nicht mehr im Frieden, sondern in einer multipolaren Welt voller Risiken“, so Werner.

Ist Abschreckung das richtige Mittel der Wahl?

„Wir müssen verteidigungsfähig sein, um uns nicht verteidigen zu müssen“, sagen viele Politiker. Es wurde, auch mit Gästen aus dem Publikum darüber diskutiert, ob Abschreckung als Mittel zum Friedenserhalt geeignet ist. Utz und Werner bejahten diese Frage und wiesen auf die Notwendigkeit hin, den Frieden durch Bündnisse zu sichern. Angesichts der Entwicklung in der Nato sei dabei Europa besonders wichtig. Laugsch widersprach dem und verwies auf die Friedenslogik. Danach solle anders als beim Konzept der Sicherheitslogik der Wille zum Frieden durch Alternativen zur Rüstung und zu militärischen Drohpotenzialen erreicht werden.

Kann die Friedensbewegung das Problem lösen?

Kontrovers wurde über das Konzept der Friedensbewegung diskutiert, die sich für regelbasierte politische Konfliktlösungen, Diplomatie und Abrüstung einsetzt. Auch die Initiative „Sicherheit neu denken“ kam zur Sprache. Die Initiative verfolgt, so Laugsch, die Idee, dass Deutschland und Europa bis 2040 militärische Aufrüstung zugunsten ziviler Sicherheitsstrategien überwinden sollten. Dies umfasse die Förderung nachhaltiger Entwicklung und gerechtes Wirtschaften sowie Sicherheitsgarantien durch die Vereinten Nationen. Nockemann und Vertreter der Friedensbewegung kritisierten die „Kriegslogik“ und die wirtschaftlichen Interessen hinter Rüstung. Sie setzten auf zivile Verteidigung und gesellschaftliche Resilienz statt militärischer Eskalation.

Auch die aktuelle Denkschrift der Evangelischen Kirche Deutschlands wurde angesprochen, die den Einsatz militärischer Mittel als „ultima ratio“ legitimiert, um Menschen vor Gewalt zu schützen. Werner und Utz pflichteten dem bei und warnten davor „Putin Tor und Tür zu öffnen“.

Fazit

Die Diskussionen auf hohem Niveau, mit guter Gesprächskultur und tiefen Einblicken machte deutlich, dass es einfache Antworten nicht gibt. Aber alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, den Frieden und unsere Werteordnung unbedingt erhalten zu wollen. Aber das „Wie“ war umstritten!

Annemarie Wiehler, Mitveranstalterin von „HORCH AMOL“ bedankte sich bei den vier Diskussionsgästen für die eingebrachten Perspektiven und Antworten und beim Publikum, das sich eingebracht und zugehört und hat.

Text: Hans Dieter Munker
Foto: Annemarie Wiehler        

“Ist das noch meine evangelische Kirche?”

22.05.25 | Mit der Präses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland Anna-Nicole Heinrich und dem Theologieprofessor Dr. Ralf Frisch

Mit der Veranstaltungsreihe ´VerständigungsOrte der Evangelischen Kirche Deutschlands` (EKD) wurde bei uns ein neues Format ausprobiert. Unter dem Motto „HORCH A MOAL“ hatte unsere Kirchengemeinde und der CVJM ins Wirtshaus eingeladen.

Beim „Wollner“, dem „Heuchlinger Wohnzimmer“ gelang es eine fränkische Wirtshausatmosphäre zu schaffen. Rund 80 Besucher waren da, um die Diskussion über das Thema „Ist das noch meine evangelische Kirche?“ zu verfolgen oder selbst mitzureden.

Prominente Gäste am Wirtshaustisch

Die Präses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland Anna-Nicole Heinrich und der Theologieprofessor Dr. Ralf Frisch saßen am Wirtshaustisch. Sie diskutierten miteinander und mit Gästen aus dem Publikum. Moderiert hat Pfarrerin und Kirchenrätin Mirjam Elsel. Die Gäste kamen nicht nur aus unserer Kirchengemeinde, sondern auch von auswärts. Es war ein Wirtshaustisch aufgebaut, an dem die prominenten Gäste saßen. Am Tisch waren weitere Stühle frei, die im Wechsel Gäste aus dem Wirtshaus eingenommen hatten.

Fragen zum Aufwärmen

Nach der Begrüßung durch Diakon David Geitner und Christian Kempf vom CVJM stellte die Moderatorin Fragen, die von den Gästen bei Zustimmung durch Hand heben beantwortet werden konnten. So zum Beispiel „Ist Ihnen der Glaube an Gott wichtig?“ oder „Sind Christen bessere Menschen?“ Nach der Frageaktion begann eine muntere Diskussion.

Hat unsere Kirche ein Identifikationsproblem?

Frisch wünscht sich eine Kirche, in der man nicht nur „anders“, sondern sogar „anders, anders“ sein könne. Man müsse „den Mumm haben, anders zu denken und zu provozieren“. Er kritisierte den Moralismus in unserer Kirche, „der sich dadurch auszeichnet, dass Letztinstanzen sagen, was sich eigentlich gehört“. Er erlebe eine gewisse „Glaubensscham“ und sprach von einem Identifikationsproblem, bei dem es den Menschen oft schwerfalle, über den Glauben zu sprechen.

Heinrich hob hingegen hervor, dass es in unserer Kirche sehr wichtig sei, ins Gespräch zu kommen und sich in Glaubensfragen auszutauschen. Man müsse die Menschen ermutigen, über ihren Glauben zu sprechen. Man müsse erzählen, was uns im Glauben trägt. Sie erlebe in Gesprächen – auch mit Menschen, die nicht christlich sind – offene Herzen.

Braucht unsere Kirche ein Markenzeichen?

Frisch kritisierte das fehlende Kreuz im Logo des künftig erscheinenden neuen evangelischen Gesangbuches. Das Kreuz sei ein zentrales Symbol und Markenzeichen der Kirche, was nicht fehlen dürfe. Heinrich vertrat die Auffassung, dass nicht immer ein riesiges Kreuz in den Kirchen hängen müsse. Man könne, wenn man danach suche, Kreuze an vielen Stellen in der Kirche entdecken, wie oben an der Decke, in Gemälden oder im Taufbecken. Nach einem Beitrag eines Gastes aus dem Publikum setzte sich die Diskussion fort, bis zur Frage „Ist der Christus am Kreuz noch unser Markenzeichen oder den Menschen nicht mehr zumutbar?“

Diversität und Schubladen

Bei der Diskussion über unterschiedliche Meinungen in unserer Kirche waren sich beide einig, dass es Vielfalt geben müsse. Auch Schubladen seien möglich, wie zum Beispiel die eher konservativen oder die eher fortschrittlichen Christen. Kirche müsse ein Ort sein, „an dem Menschen miteinander reden, wo andere das nicht mehr können“. Das erfordere Mut: „Andere sollen sehen, was uns trägt, wenn wir von Gott erzählen“, so Heinrich.

Kirche und Politik?

Ein nächster Gast aus der Kommunalpolitik stellte die Frage, „wie politisch darf unsere Kirche sein?“ „Jesus war politisch, er war da, wo die Menschen waren, vor allem die Schwachen“, sagte Heinrich. Einig war man sich, dass Christen sich in der Gesellschaft engagieren sollten und es für die Kirche wichtig sei, mit der Politik klug und umsichtig im Gespräch zu bleiben.

Zuviel Strukturen und zu wenig Seelsorge?

Zwei Gäste, die nicht unserer Gemeinde angehören, stellten kritische Fragen. Einer sagte, er könne sich nicht mehr wiederfinden in der Kirche, in der er lange ehrenamtlich tätig gewesen sei. Die Kirche beschäftige sich zu viel mit sich selbst und habe zu wenige Kontakte zu den Gemeindegliedern. Die Kirche solle sich weniger um die internen Strukturen, sondern um die Seelsorge kümmern. Der Gast fragte, warum so viele Menschen aus der Kirche austreten, und ein weiterer Gast: „Wozu braucht es uns noch?“

Heinrich wies darauf hin, dass Entscheidungen zu Strukturen, die Mitarbeitende und Liegenschaften betreffen, „von oben“ getroffen werden müssten. Sie sei aber davon überzeugt, dass dennoch viele Entscheidungsspielräume vor Ort gegeben seien. „Die Kirche hat mehr als ein Wohlfühlprogramm zu bieten, die hat Hoffnung zu verkünden“, ergänzte Frisch. Heinrich meinte: „Dazu braucht es Identifikationsfiguren, die überzeugt ihren Glauben und ihre Beziehung zu Gott leben“.

Fazit

Diakon Geitner fasste die Veranstaltung zusammen: „Wir haben Klartext gesprochen und gerungen“. Es stünden die Fragen im Raum „Was heißt es heute als Christ zu leben und wie sieht die Zukunft der Kirche aus?“

Auszeichnung für Engagement

Das Wagnis dieses innovativen Formats zahlt sich aus: Das Vorbereitungsteam um David Geitner und Christian Kempf mit Pfarrer Jan-Peter Hanstein, Annemarie Wiehler, Joachim Wartha und Fritz Blanz erhält den Ehrenamtspreis der Diakonie Bayern. Die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 28. Oktober bei der Mitgliederversammlung der Diakonie Bayern in Nürnberg überreicht.

Text: Hans Dieter Munker
Bilder:  Christian Kempf      

Traumjob für Leseratten zu vergeben

Hilfe bei der Ausleihe in der Bücherei St. Jakob

Die Bücherei im Gemeindezentrum St. Jakob ist freitags von 8:30 bis 9:30 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15:00 bis 17:30 Uhr geöffnet. Bevor die Kinder Freitag früh in die Kindergartengruppe gehen, kommen viele Eltern gerne mit den Kleinen noch bei uns zur Buchausleihe vorbei. Dienstag- und Donnerstagnachmittag schauen viele Familien und auch erwachsene Leser bei uns rein, um sich mit Lesefutter einzudecken. Da ist´s manchmal ganz schön turbulent.

Aber strahlende Augen, wenn der „Buch-Schatz“ gefunden wurde, erhellen selbst den trübsten Tag. Und für diese Stunden wünschen wir uns IHRE Unterstützung. Wir haben keinen schwierigen PC, wir arbeiten noch althergebracht mit Leserkarte und Stempel. Da stürzt kein Programm ab, da vertauscht man eher mal eine Buch- oder Leserkarte. Und das klärt sich wieder. Am wichtigsten ist die Freude an Büchern und am Umgang mit Menschen.

Wenn wir mehrere Personen für die Unterstützung gewinnen könnten, wäre jede/r einmal im Monat dabei. – In den Ferien ist die Bücherei geschlossen.

Bei Interesse: Zu den Öffnungszeiten vorbeikommen oder telefonisch bei Dagmar Brandt – 09123 / 987563 – melden. Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Bücherei-Team St. Jakob