Evensong-Musik zur Nacht

Der Projektchor der Johanniskantorei veranstaltet am Samstag, 15. Oktober 2022, um 19 Uhr ein Konzert mit dem Titel „Evensong“ in der Johanniskirche in Lauf. Der „Evensong“ kommt aus der anglikanischen Tradition und verbindet Elemente aus Vesper und
Komplet zu einem gesungenen Abendlob. Er bezeichnet ein gemeinsames Abendgebet, das anglikanische gottesdienstliche Musik, aber auch freie Gesänge, Anthems und Motetten enthalten kann. An diesem Konzertabend werden sowohl festliche als auch meditative Chorwerke zu hören sein. Die Klavierbegleitung übernimmt Pianistin Elena Ovsienko.

Zur Aufführung kommen unter anderem Kompositionen von Johann Sebastian Bach, John Rutter und Matthias Nagel. Die musikalische Gesamtleitung hat Silke Kupper, die Liturgie hält Pfarrerin Nikol-Eryazici.
Das Konzert beginnt um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht.

Herzliche Einladung zum Mitsingen!

Projekt “Evensong” der Johanniskantorei startet am Mittwoch, 14. September um 20.00 Uhr in der Johanniskirche

Genau Sie brauchen wir noch! Wollten Sie nicht schon lange (wieder) in einem Chor mitsingen, aber haben bisher noch nicht die Zeit dafür gefunden? Die Johanniskantorei probt ab dem 14. September 2022 Werke von Barock bis Moderne. Wir proben jeden Mittwoch von 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr in der schönen Johanniskirche und freuen uns auf neue MitsängerInnen.  

Wichtig: Man muss keine Chorerfahrung mitbringen! 

Am Samstag, 15. Oktober wird um 19.00 Uhr in der Johanniskirche das Erprobte im Evensong erklingen. Bitte eine kurze Anmeldung bei Kantorin Silke Kupper Tel.09123/ 962931 oder

Ich freue mich auf Sie!

Silke Kupper 

ZUSAMMEN:HALT  Ökumenische FriedensDekade 2022

Vom 6. bis 16. November ist das Evang.-Luth. Dekanat Hersbruck das diesjährige Schwerpunktdekanat der Bayerischen Evangelischen Landeskirche für die Ökumenische Friedensdekade 2022 (www.friedensdekade.de).

Der zentrale Eröffnungsgottesdienst der Ökumenischen FriedensDekade findet am 6. November um 10.30 Uhr in der Christuskirche Lauf statt. Diesen Gottesdienst können Sie auch live auf „Youtube C1 Lauf“  verfolgen.

Bildrechte Ökumenische FriedensDekade e.V.

Frieden ist in diesem Jahr sicher ein besonders großes Thema, nicht nur in der Ukraine und anderen Regionen der Welt ist Friede insbesondere mit dem Thema Krieg verbunden. Gleichzeitig ist Friede aber weitaus mehr.

Er fehlt so oft in unseren Familien, in den Medien, in den Schulen und an unseren Arbeitsstätten, zwischen den Religionen.

Friede ist literarisch, musikalisch und in den bildenden Künsten vielfältig zum Thema gemacht. Friede kann gefordert und gefördert, besprochen und diskutiert, erstritten und erbeten werden.

Unter dem diesjährigen Motto „zusammen:halt“ wollen wir den vielfältigen Zugängen zum Thema Frieden einen besonderen Rahmen geben und eine Plattform für Begegnungen schaffen.

In den folgenden zehn Tagen bis Buß- und Bettag wird in zahlreichen Veranstaltungen deutlich, wie Friedensarbeit als Querschnittsaufgabe kirchlichen Handelns wahrgenommen wird.

Alle Veranstaltungen bei uns und im Dekanat finden Sie hier:

www.lauf-evangelisch.de/Friedensdekade2022

Friedensgebet der Religionen am Samstag 12. November in Lauf  

Beginn 17 Uhr in der Johanniskirche Lauf

Nach längerer Coronapause findet in diesem Jahr wieder das Friedensgebet der Religionen statt. Ein Krieg in Europa, Krisen und Klimakatastrophe machen so deutlich: Frieden und Zukunft können wir nur im Miteinander erreichen. Abgrenzungen und Überhöhungen, sei es im nationalen oder religiösen Sinn, führen in die Irre. Wir setzen auf: Zusammenhalt – ich + du = wir

Christen verschiedener Konfessionen in Lauf, Muslime und Juden wollen gemeinsam um den Frieden beten und den Zusammenhalt fördern. Das Vokalensemble St. Otto, sowie Nalan und Suleyman Benger werden das Gebet musikalisch begleiten.

Nach dem Gebet sind wir in der Laufer Moschee zur Begegnung bei Essen und Trinken eingeladen.

Am Abend des Buß- und Bettages wird um 18.00 Uhr in der Stadtkirche Hersbruck den Abschluss der Friedensdekade gefeiert.

Zum Plakat von Katherine Feldmann aus Berlin: Es zeigt eine Gruppe von Menschen, die durch leichte Verfremdung in ihrer Vielschichtigkeit und Unterschiedlichkeit gekennzeichnet sind. Kernbotschaft des Bildes: Wir sind aufgefordert, in unserer Vielfalt – egal welchen Glaubens wir sind oder welche Hautfarbe wir haben – gemeinsam für eine friedliche Welt und gegen Ausgrenzungen zum Beispiel aufgrund von Rassismus einzutreten.

Orgelmusik zur Marktzeit

Samstags, 11.00 Uhr in der Johanniskirche

Dieses Jahr startet endlich wieder ab Mai die Konzertreihe Orgelmusik zur Marktzeit. In der Zeit des hektischen Einkauftreibens bietet sich in der schönen Johanniskirche die Möglichkeit der inneren Einkehr und Besinnung. Die Orgelmusiken werden von Kantorin Silke Kupper und vielen in Lauf bekannt und geschätzten Gästen an dem für seine Stilreinheit und Klangschönheit gerühmten Instrument gespielt. Eine Besonderheit ist in diesem Jahr: Die letzte Orgelmusik wird in der Kirche in Güntherbühl erklingen.

Samstag, 7.5.                   KMD Reinhold Schelter (Wunsiedel)

Samstag, 14.5                  Thomas Witschel (Erlangen)       

Samstag, 21.5.                 Silke Kupper (Lauf)

Samstag, 28.5.                 Markus Kumpf (Heilsbronn)                  

Samstag, 4.6.                   Dekanatskantor Andreas Schmidt (Erlangen)

Samstag, 11.6.                 Thomas Greif (Rummelsberg)

Samstag, 18.6.                 KMD Karl Schmidt (Hersbruck)

Samstag, 25.6.                 Silke Kupper (Lauf) in der Kirche Güntherbühl

Versöhnung – im Strafvollzug?

Fastenpredigt von Katharina Leniger am 27.03.2022 in der Johanniskirche in Lauf an der Pegnitz

Katharina Leniger (links) wurde von Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici begrüßt. Die Stadtstreicher umrahmten den Gottesdienst.

Woran denken Sie, wenn Sie heute Morgen an Versöhnung denken?

Ich merke, es fällt mir gerade schwer, an Versöhnung zu denken, ohne dass meine Gedanken abschweifen zu den unzähligen Konflikten, die gerade in der Welt toben, obwohl – oder gerade weil – sie meilenweit von „Versöhnung“ entfernt sind. Es kommen mir Bilder und Szenen in den Kopf, wo Versöhnung so dringend nötig wäre und doch unerreichbar scheint: Der zerstörerische, wahnsinnige Krieg in der Ukraine, der allen Beteiligten so ungeheuer großen Schaden zufügt. Der Umgang mit Hass innerhalb der Gesellschaften: Querdenker gegen die Politik, Kämpfer:innen für die selbst definierte Freiheit gegen das „Team Vorsicht“. Es kommen mir auch Konflikte innerhalb meiner, der katholischen Kirche in den Sinn, Menschen, die sich um die Bewahrung der Rechtgläubigkeit sorgen und diejenigen, die versuchen, dabei nicht das Bunte des Menschlichen und die Menschen selbst außen vor zu lassen. Daneben die unzähligen, so sehr Gequälten, denen Gewalt in Institutionen geschehen ist, die seelischen, körperlichen oder spirituellen Missbrauch ertragen mussten und immer wieder neu verletzt werden durch das Handeln und Nicht- Handeln der Täter oder denen, die lieber die Institution als die Menschen schützen. Es gäbe noch viele weitere Beispiele zu nennen.

So unterschiedlich diese beschriebenen Brandherde sind: Wenn ich an Versöhnung denke, wird mir unwohl. Wie soll das denn angesichts des Leids und der Schuld möglich sein? Ist Versöhnung da nicht der blanke Hohn? Nicht ein Griff nach den Sternen? Wäre es nicht schon mal genug, wenn endlich Ruhe einkehren würde, ein Status Quo, in dem man die andere Seite leben lässt, statt sie zu quälen, zu missionieren, Rache zu nehmen? Dieses Unwohlsein lässt sich nicht so schnell wegwischen, es gehört zu diesem Thema wohl unweigerlich dazu. Versöhnung klingt erst einmal nach einer „schönen neuen Welt“. So einfach ist es nicht.

Ich habe noch eine zweite Frage an Sie (anstrengend, ich weiß). Woran denken Sie, wenn Sie an Gefängnisse denken?

Vielleicht kennen Sie Bilder aus der Zeitung oder dem Fernsehen, Gitter vor Fenstern, abgeschlossene Türen, volltätowierte junge Männer. Viele von Ihnen werden wahrscheinlich noch in keinem Gefängnis gewesen sein. Das Gefängnis ist ein Ort, der in unserer Gesellschaft verborgen ist und den man nicht so leicht verstehen, nicht „begreifen“ kann. Folglich ist es auch mit viel Mühe verbunden, den dort Inhaftierten, den Bediensteten, dem Alltag näher zu kommen.

Wenn es Ihnen geht wie mir vor dem Beginn meiner Doktorarbeit, dann denken Sie womöglich, dass es Gefängnisse braucht, denn es braucht ja in einer Gesellschaft etwas, das wartet, wenn eine Person sich nicht an Recht und Gesetz hält oder andere verletzt. Diese Begründung ist keineswegs falsch. Es ist in einem demokratischen Staat essenziell, zu begründen, warum der Staat Menschen die Freiheit entzieht: Mit der Freiheitsstrafe soll Schuld ausgeglichen und ein begangenes Unrecht gesühnt werden. Im Blick auf die Zukunft sollen weitere Gewalttaten präventiv verhindert und die Tatverantwortlichen resozialisiert werden. Es sind also mindestens zwei Perspektiven, die staatliches Strafen rechtfertigen: Schuldausgleich für die Tat in der Vergangenheit und Prävention für die Zukunft. Das alles passiert zwischen dem Staat, vertreten durch die Justiz, der den Rechtsbruch ahndet, und der tatverantwortlichen Person. Sie merken schon: Staat und Täter – die geschädigte Person spielt hier keine Rolle, allenfalls als Nebenkläger:in. Das hat gute Gründe, denn wenn Opfer die Strafhöhe bemessen, ist das womöglich befriedigend für sie, aber überhaupt nicht mehr gerecht. Es ist eine große zivilisatorische Errungenschaft, dass Taten von unabhängigen Gerichten verurteilt werden, denn ein gerechtes Verfahren verhindert im schlimmsten Fall Blutrache oder Lynchjustiz.

Der Justizvollzug wiederum ist die Institution, die die verhängte Freiheitsstrafe vollzieht – der Name sagt es bereits. Für den Vollzug selbst stellt sich demnach nicht die Frage, warum gestraft wird, sondern vielmehr die, wie das Urteil der Justiz vollzogen wird. Der Justizvollzug straft selbst nicht mehr, denn das ist durch den Freiheitsentzug bereits erledigt. Er darf auch gar nicht mehr zusätzlich strafen. Die Ziele bzw. Aufgaben des Justizvollzugs regelt das

Strafvollzugsgesetz, das in jedem Bundesland etwas unterschiedlich ist, aber dennoch zwei Pole hat: Die Resozialisierung der Tatverantwortlichen und die Sicherheit der Allgemeinheit.

Ich mag es nicht zu kompliziert werden lassen, aber das ist schon eine Herausforderung für das Gehirn. Man schließt Menschen aus der Gesellschaft aus, um sie letztlich wieder in die Gesellschaft zurückzuführen. Sie sollen zu einem Leben in sozialer Verantwortung und ohne weitere Straftaten befähigt werden, eben resozialisiert werden, indem sie von jeglicher sozialen Einbindung in ihr Umfeld gelöst werden. Ein Beispiel für diese paradoxe Situation: In Bayern stehen den Inhaftierten monatlich insgesamt zwei Stunden Besuchszeit zu, manchmal auch drei, um den Rückhalt und die Verbindung zu ihren Freund:innen und Verwandten nicht zu verlieren. Sie haben schon richtig gehört: Zwei bis drei Stunden im Monat. Telefonate oder gar Internetzugang sind in aller Regel in Bayern nicht vorgesehen, wobei die Corona-Pandemie hier einiges verändert hat. Häufig bleibt als Kontaktmöglichkeit der gute alte Brief. Lange konnte ich mir nicht vorstellen, was das wohl heißt, überhaupt isoliert zu sein, bis die Corona-Pandemie kam. Ich weiß nicht, wie eine solche Situation zu ertragen ist, ohne unmittelbaren Kontakt zu denen zu haben, die mir am Herzen liegen.

Dem Vollzugsziel der Resozialisierung gegenüber steht die Sicherheit. Sicherheit will die Verteidigung vor einer vermutlichen und in der Zukunft liegenden Verletzung erreichen. Und so ist sie ein Phänomen, mit dem nie „fertig“ werden kann, sie lebt von einer Bedrohung, die noch unbekannt, allenfalls prognostizierbar ist. Und damit ist mit ihr wahnsinnig gut Politik zu machen, weil sie mit Angst verknüpft ist. Ein Altbundeskanzler sagte doch vor vielen Jahren, man solle Straftäter wegsperren – für immer. Und manch eine:r wird bei sich gedacht haben, dass das wohl viele Probleme lösen würde.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass der Wunsch, alle Menschen, die gegen Gesetz und Ordnung verstoßen haben und verurteilt wurden, für immer hinter Gitter zu sperren, nicht nur menschenunwürdig ist, sondern auch teuer und unrealistisch. Und trotzdem ist es bequem, diese Menschen nicht zu sehen und die Augen davor zu verschließen, dass sie irgendwann zurückkehren. Neue Justizvollzugsanstalten entstehen häufig außerhalb der Stadt, in Würzburg liegt die JVA im Industriegebiet. Die Gesellschaft sichert sich ab mit hohen Mauern oder vielen Kilometern Feld und Wiese um die Inhaftierten herum. Die meisten Menschen kommen jedoch statistisch irgendwann wieder zurück in unsere Gesellschaft, auch wenn der so genannte „Drehtüreffekt“ – raus aus der Anstalt und direkt wieder hinein – häufig ist.

Die Logik einer JVA, das wollte ich deutlich machen, folgt also vornehmlich dem Spagat zwischen Resozialisierung und Sicherheit. Auch wenn sich die im Gefängnis tätigen Mitarbeitenden noch so sehr um die so genannte „Behandlung“ bemühen, wird die Institution immer mit dem Bedürfnis nach Ordnung und Sicherheit entgegenhalten. Dies ist auch der Überforderung geschuldet, die die Unterbringung von Menschen mit weitestgehend schwierigen sozialen Hintergründen und Biographien mit sich bringt. Jedes stumpfe Messer wird da zur Gefahr und ich kann das Bedürfnis nach Ordnung auch irgendwie verstehen, denn es gibt in Gefängnissen wohl nichts, was es nicht schon gegeben hätte. Schlicht muss man aber feststellen: Man schließt drei Schlupflöcher und es öffnen sich fünf neue. Sicherheit im Gefängnis ist eine Sisyphusarbeit.

Das ist die rechtliche und institutionelle Seite einer JVA. Für die Menschen, die „drinnen“ leben, stellen sich ganz andere Fragen. Außer Arbeit, dem Hofgang, einem kleinen Plausch mit den Kolleg:innen, Sport, vielleicht dem Gang zur Bücherei bleibt im Haftalltag nicht viel übrig, mit dem man sich ablenken kann. Neben der Beschäftigung mit ihrer Vergangenheit, ihren eigenen Verletzungen, Schulden, körperlichen Problemen, Süchten, Ängsten, schwierigen Beziehungskonstellationen, kommt da immer wieder die Frage auch nach den Personen auf, die Schaden genommen haben. Ein Inhaftierter sagte einmal in einer Dokumentation: „Es ist, als würde uns ein Seil mit einem Knoten in der Mitte verbinden. Je mehr wir uns streiten und an beiden Enden ziehen, desto fester wird der Knoten. Und plötzlich haben wir keine Chance mehr, uns voneinander zu lösen.“

Im Vollzug gibt es keine Begegnung zwischen denen, die wir Täter oder Opfer nennen. Das ist als Problem erkannt worden und es wird inzwischen versucht, die Ebene zwischen Tatverantwortlichen und Geschädigten in den Vollzug mit hineinzunehmen: Den Geschädigten steht eine Auskunft darüber zu, wann die tatverantwortliche Person entlassen wird oder Ausgang hat. Inhaftierte nehmen an Programmen teil, die sie mit der Situation von Geschädigten konfrontieren, so genannten Opferempathieprogrammen. Es gibt Projekte für den so genannten Täter-Opfer- Ausgleich – ebenso während allen Phasen des Strafprozesses und auch während der Inhaftierung. Es geht darum, dass der Konflikt, die geschädigte Beziehung zwischen den Beteiligten gelöst werden kann, nicht nur auf gerichtlicher

Ebene. Die Betroffenen sollen direkt oder indirekt einen Ausgleich, eine Entschuldigung, eine Wiedergutmachung durch die Tatverantwortlichen erhalten. Auch das ist schwer vorstellbar und eine echte Zumutung. Und doch gibt es Untersuchungen und Erkenntnisse, dass solche Verfahren positive Effekte hatten: einen Dialog, eine Annäherung, ein tieferes Verständnis füreinander und in gelungenen Fällen weniger Angst und mehr Befreiung – auf beiden Seiten.

Was dem Gefängnis und dem ganzen Justizsystem allerdings im Großen und Ganzen fehlt, sind Orte, in denen Begegnungen und Dialog, soziales Lernen und Aushandeln möglich sind. Das gilt generell, aber insbesondere für die Begegnung zwischen den Beteiligten an einer Straftat. Es braucht viel Zeit, geschultes Personal, Räume und den politischen Willen, wirklich mit den Menschen zu arbeiten und sie nicht als Objekt der Behandlung zu begreifen. Straffälligkeit ist kein medizinisches Problem, dass man durch Behandlung heilen könnte. Leiden lindern können nur die Beteiligten selbst und zu einem anderen Menschen erziehen kann man sie schon gar nicht. Von Versöhnung will ich hier noch gar nicht sprechen.

Womöglich ist Ihnen deutlich geworden, dass Justizvollzugsanstalten eher nicht zu den Orten gehören, an denen ein geschützter Dialog so einfach möglich ist. In meiner Doktorarbeit versuche ich dennoch, diese beiden unvereinbar scheinenden Dinge zusammen zu bringen: Versöhnung und Gefängnis. Mir ist bewusst, wie voraussetzungsreich und gefährlich dieses Unterfangen ist. Der Justizvollzug ist ein Ort der Täter. Was bedeutet das für die Opfer? Wie kann man sicherstellen, dass Gespräche freiwillig und nicht mit dem Ziel einer Hafterleichterung geführt werden? Wie kann man verhindern, dass erneute Verletzungen, so genannte Reviktimisierungen stattfinden? Trotz dieser Bedenken versuche ich zu benennen, was es braucht, damit derartige Begegnungen und Aufarbeitungsräume ermöglicht werden können.

Grundlage eines Konfliktes ist ja, dass ein Mensch und damit eine Beziehung zwischen Menschen zutiefst verletzt wurde. Es sind Verletzungen entstanden, die zu besonderen Bedürfnissen geführt haben und passende Reaktionen oder Antworten erfordern. Es ist für mich als Außenstehende und Nicht-Betroffene nicht vorstellbar oder zu formulieren, was diese Bedürfnisse der Geschädigten, aber auch die der Tatverantwortlichen sind. Deshalb wird der Konflikt wieder in die Hände der Beteiligten zurückgegeben, wenn diese das möchten und können. Zuerst steht also die Freiwilligkeit aller Beteiligten und damit die Autonomie, also die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit, die unbedingt geschützt werden müssen. Die Beteiligten sagen, was sie brauchen und das ist in jedem Fall zu achten. Es muss in jedem Augenblick und von jeder Partei möglich sein, den Prozess zu unterbrechen oder abzubrechen. Nur wenn beide Seiten ihre je eigene subjektive Wahrheit, ihre Erlebnisse und Gefühle in geschütztem Rahmen erzählen können, ist ein erstes Verstehen und Aufeinander Zugehen möglich. Ohne Frage ist dieses Öffnen gefährlich, denn es macht anfällig für Verletzungen und viele geschädigte Menschen können nur schwer ertragen, sich ein weiteres Mal angreifbar zu machen.

Manchmal reicht es schon, wenn das Gegenüber erkennt, welchen Schaden er oder sie angerichtet hat. Manchmal hilft eine Erklärung der eigenen Not oder der Umstände, ohne die eigene Verantwortlichkeit dadurch zu schmälern. Eine Entschuldigung kann ungemein befreiend sein, insbesondere, wenn sie angenommen werden kann. Womöglich ist auch eine symbolische oder tatsächliche finanzielle Wiedergutmachung oder eine Hilfeleistung denkbar oder das Versprechen des Tatverantwortlichen, in eine andere Stadt zu ziehen, wenn er freikommt. Von Ferne sind manche Aushandlungen fast rührend marginal und doch helfen sie beiden Seiten, den beschriebenen Knoten zu lösen. Sie helfen, sich nicht immer weiter auseinander zu bewegen, sondern gemeinsam das Seil in einer Bewegung aufeinander zu so weit zu lockern, dass ein Öffnen des Knotens möglich ist.

In allen Fällen ist eine weitgehend neutrale Instanz, eine vermittelnde Person, sinnvoll, die ihrerseits keine Ansprüche geltend macht und allparteilich ist. Vielmehr ist jedes Ergebnis gut, was für die Beteiligten aus freien Stücken funktioniert.

Es wurde vermutlich mehr als deutlich, dass nach meiner Erfahrung mit dem Justizvollzug meine Zweifel daran immer größer werden, dass es innerhalb von Gefängnissen möglich sein wird, in großem Stil Dialogräume zu etablieren. Es liegt mir auch nicht, christlichen Zuckerguss über komplizierte Themen zu gießen und ihre Widerständigkeit damit zuzudecken. Trotzdem glaube ich, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, wie Schritte in diese Richtung gegangen

werden können, und dass es sich insbesondere aus einer theologischen Perspektive lohnt. Ich glaube tatsächlich, dass darin ein Funke einer Frohen Botschaft liegen kann, die es rechtfertigt, dieses Thema nicht nur als Vortrag, sondern als Predigt in einem Gottesdienst vorzutragen.

In der Vergangenheit haben Projekte der so genannten Restorative Justice, der wiederherstellenden Gerechtigkeit, erstaunliche Erfolge verzeichnen können. Desmond Tutu, anglikanischer Bischof in Südafrika, hat mit Nelson Mandela die so genannten Wahrheits- und Versöhnungskommissionen gegründet, um die Gewalttaten der Apartheit aufzuarbeiten. Es ging um hunderte Fälle von Folter und die grausame Ermordung von Schwarzen und Weißen. Die Spirale des Hasses und der Gewalt drohte immer weiterzugehen. Die Idee war, durch die ungeschönte Erzählung aller Betroffenen, die Wahrheit, und Ausgleichszahlungen sich von der Tabuisierung und gegenseitigen Schuldzuweisung zu entfernen. Und trotz der Ungeheuerlichkeit der Taten und dem unendlichen Leid der Betroffenen war es in vielen Fällen möglich, dass sich verfeindete Menschen wieder begegnen und annähern konnten.

Antrieb für Tutu war zuallererst die Zuwendung zu den Menschen und die Gewaltlosigkeit. Für ihn hieß Christ zu sein immer auch politisch zu sein und sich bei Ungerechtigkeiten einzumischen. Für ihn war klar, dass das, was passiert ist, nicht vergessen werden kann und darf. Vielmehr lag ihm daran, in der Erinnerung Brücken zwischen Menschen zu bauen, damit sich derartige Grausamkeiten und Konflikte nicht wiederholten und Heilung möglich werden kann.

Für mich als Theologin ist sein Charisma, aber insbesondere sein stetiges Ankämpfen gegen übergroße Windmühlen ein enormer Antrieb. Es geht darum, den und die Einzelne als Mensch im Blick zu haben, mit den Ressourcen und nicht nur den Defiziten. Ein Mensch, der zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde, ist mit gutem Grund ein verurteilter Straftäter. Und doch liegt mir daran, diesen Menschen um seinetwillen, aber auch um der Gesellschaft Willen nicht abzuschreiben. Das darf die Betroffenen nicht ausklammern: Verletzungen bedürfen zunächst einer Versorgung der Wunde; Verletzte wiederum bedürfen, dass man sich ihrer annimmt und mit ihnen gemeinsam herausfindet, was ein Stück zu ihrer Heilung betragen kann.

Die christliche Botschaft ist dabei eine wichtige Ressource, die ermutigt, niemanden aufzugeben – weder die Verurteilten, noch die Verletzten. Natürlich muss ich mir anhören, dass realistisch betrachtet viele Fälle nicht gelöst werden können. Und doch ist jeder Fall, in dem es gelingt, ein großer Erfolg. Und häufig sind auch kleine Schritte, das Nachdenken und Umdenken durch einen Brief beispielsweise, schon lebensverändernde Ereignisse. Eine christliche Kernbotschaft ist für mich auch, dass im Kleinen häufig die größten Dinge passieren können.

Nicht zuletzt ist es für mich auch eine politische Frage, denn es ist wichtig, dass sich Christ:innen an die Seite derer stellen, die gesellschaftlich keine Lobby haben. Dies gilt für Inhaftierte, aber auch für diejenigen, die zum Opfer geworden oder gemacht worden sind. Ihnen Handlungsfähigkeit über ihr eigenes Leben zurückzugeben, halte ich für entscheidend, damit sie ihr Leben wieder selbständig gestalten können. Nicht umsonst sind Empowerment und Hilfe zur Selbsthilfe zwei wichtige Prinzipien von dialogischen Aufarbeitungsverfahren.

Wenn ich mir die heutigen Lesungstexte und den Predigttext ansehe, ist es eine große Herausforderung eine Brücke zu schlagen. Die Zusage des Trostes des Paulus an die leidenden Korinther kann ich in für die Auseinandersetzung gut brauchen. Aber das Samenkorn, das sterben muss, um zu leben, bereitet mir großes Kopfzerbrechen. Alle wollen Jesus sehen, weil er Lazarus auferweckt hat. Und dann macht er so eine Ansage: Hängt nicht am Leben, sondern setzt es auf’s Spiel. Für Menschen nach Gewalttaten ist das wohl nur schwer zu ertragen. Aber womöglich ist seine Botschaft, die Angst anzunehmen und loszulassen – und nach den Sternen zu greifen. In der Komfortzone passiert Versöhnung jedenfalls nicht.

Wir haben darum und dafür gesungen, wonach ich mich sehne: „The kingdom of God is justice and peace“, „Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist. Komm, Herr, und öffne in uns die Tore Deines Reiches.“

Ich glaube, dass mit jedem Versuch, Verständnis und Annäherung zwischen den Beteiligten von Gewalt zu stiften, ein Schritt hin zu Versöhnung und Gerechtigkeit und damit zum Frieden getan ist. Die Bitte an Gott, in uns, in jedem Einzelnen von uns, diese Tore zu öffnen, stärkt mich, trotz aller Hindernisse und Unwägbarkeiten diesen Weg weiterzugehen und daran festzuhalten, dass ein besseres Morgen möglich ist.

“Die Meinen haben es getan!” 2. Fastenpredigt 2022

Pfarrer i.R. Gottlob Heß zitierte am 20.3.2022 in seiner sehr persönlichen erzählenden, berührenden Fastenpredigt: “Versöhnung in Europa” das Klagegebet des Aachener Bischofs Klaus Hemmerle (1929-1994), das 1988 – für den 50. Jahrestag der Pogrom-Nacht des Jahres 1938 – geschrieben wurde:

„Man hat meinem Gott das Haus angezündet und die Meinen haben es getan.

Man hat es denen weggenommen, die mir den Namen meines Gottes schenkten – und die Meinen haben es getan.

Man hat ihnen ihr eigenes Haus weggenommen – und die Meinen haben es getan.

Man hat ihnen ihr Hab und Gut, ihre Ehre, ihren Namen weggenommen – und die Meinen haben es getan.

Man hat ihnen das Leben weggenommen – und die Meinen haben es getan.

Die den Namen desselben Gottes anrufen, haben dazu geschwiegen – ja, die Meinen haben es getan.

Man sagt: Vergessen wir’s und Schluss damit.

Das Vergessene kommt unversehens, unerkannt zurück. Wie soll Schluss sein mit dem, was man vergisst?

Soll ich sagen: Die Meinen waren es, nicht ich? – Nein, die Meinen haben so getan.

Was soll ich sagen? Gott sei mir gnädig! Was soll ich sagen?

Bewahre in mir Deinen Namen, bewahre in mir ihren Namen, bewahre in mir ihr Gedenken, bewahre in mir meine Scham:

Gott sei mir gnädig“.

Bischof Klaus Hemmerle (1929-1994), 1988

Kurzer Rückblick auf das Wirken von Pfarrer Heß in Lauf: (Quellen von Uschi Höcht)

Im Februar 65 wurde Pfr. Gottlob Heß als (noch lediger) Pfarrer auf die 2. Pfarrstelle von Dekan Jäger eingeführt. Er wohnte in der Mühlgasse 11, da das Pfarramt umgebaut wurde und das Büro ins 2. Pfarrhaus umgesiedelt war.
Damit gab es in Lauf vier Sprengel und vier Pfarrer (Richter, Heß, Herold, Albrecht) , die über viele Jahre sehr gut zusammenarbeiteten und auch geistliche Gemeinschaft pflegten, zusammen mit ihren Ehefrauen. Gottlob Heß blieb 24 Jahre in Lauf. Seine Schwerpunkte:

Christus lieb machen:

Ökumene – Gespräche und Ökumenische Gottesdienste, später die ökumenischen Bibelwochen, bei denen Heß auch als Referent dabei war. Besuch der Katecheten in Benediktinerabteil 1973. Ein neuer Weg und großer Schwerpunkt von Pfarrer Heß damals: Gründung von Hauskreise. Auch wurde 1968 der erste ökumenischerBuß-und Bettag in Lauf von ihm initiiert.

Ehe und Familie waren ihm sehr wichtig – Intensive Kontakte zu familiy life mssion (Ehepaar Trobisch) Familienwochenende, Familienfreizeiten im Sommer und im Winter.

Konfirmandenarbeit unter Einbeziehung von Ehrenamtlichen

Begegnung mit evangel. Kommunitäten wurden durch Golo ermöglicht: u.a. Christusbruderschaft Selbitz, Gnadenthal, Ökumenisches Lebenszentrum Ottmaring, Christusträger, OJC, etc. 

Im Juli 1989 verließ Pfr. Gottlob Heß mit seiner Familie Lauf und wurde geistlicher Leiter des Ökumenischen Lebenszentrums in Ottmaring

Sein Nachfolger wurde Pfr. Richard Schuster. Heß selbst sage damals: “Die Boten kommen und gehen. Die Botschaft bleibt.”

Seine Botschaft ist unter uns lebendig geworden!

(Pfarrer JP Hanstein)

1. Wie geht Versöhnung auf jüdisch – Dr. Axel Töllner – Fastenpredigten Johanniskirche 2022

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

Dr. Axel Töllner

solange ich denken kann, ist einer meiner Lieblingschoräle Nun danket all und bringet Ehr von Paul Gerhardt. Besonders mag ich daran, dass er den ganzen Menschen und die ganze Welt mit Leib und Seele im Blick hat.

1. Und werf all Angst. Paul Gerhardt und Prophet Micha

Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin.

Besonders ermutigend finde ich das Bild, dass Gott all das, was das Leben schwer macht, nicht einfach nur von Schultern nehmen soll. Nein, er soll es kraftvoll wegschmeißen, all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe werfen, auf Nimmerwiedersehen dorthin, wo der Boden viele tausende Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Und dass das wirklich alle Lebensbereiche umfasst, das macht Paul Gerhardt in der nächsten Strophe klar:

Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land; er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand.

In diesen Tagen, in denen mir das Herz so schwer ist wie Ihnen sicherlich auch, wenn ich die Bilder aus der Ukraine sehe und an die Menschen dort denke, dann hilft es mir, zu diesen Worten Zuflucht zu nehmen. Paul Gerhardt hat sie in einer von einem annähernd Dreißigjährigen Krieg verheerten Zeit gedichtet. Und wenn ich heute all die vom Krieg gezeichneten Menschen sehe, dann helfen mir die alten Worte aus Psalmen und Chorälen:

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme. Ja, bitte wirf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin.

2. Rosch Haschana und Jom Kippur

Als ich vor knapp 30 Jahren als Student nach Jerusalem kam, bin ich auf besondere Weise dem Bibeltext begegnet, den Paul Gerhardt hier nachgedichtet hat.

Wir haben uns auf die Hohen Feiertage vorbereitet, mit denen im September oder Oktober das jüdische Jahr beginnt. Rosch Haschana, das Neujahrsfest, und zehn Tage später Jom Kippur, der Versöhnungstag. Das jüdische Jahr beginnt mit Besinnung und Umkehr. IN Jerusalem habe ich unter den biblischen Texten für diese Zeit die Sätze am Ende des Prophetenbuchs Micha entdeckt, die so kraftvoll von Gottes Barmherzigkeit erzählen. Seither gehören sie für mich zu den Worten der Bibel, die mir besonders kostbar sind:

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Liebe Gemeinde,

wo ist solch ein Gott, der seine Gerechtigkeit immer wieder zurückstellt, weil ihm seine Gnade wichtiger ist? Wo ist solch ein Gott, der seinen Zorn immer wieder versenkt in einem Meer der Barmherzigkeit? Wo ist solch ein Gott, der seinem Volk Israel immer wieder seine Treue beweist? Wo ist solch ein Gott, der diese Treue in seinem Sohn und Christus Jesus bestätigt?

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade?

Das Staunen darüber bestimmt eigentlich jeden Tag im Leben eines religiösen jüdischen Menschen und die täglichen Gebete. Und ganz besonders bestimmt es den Anfang des jüdischen Jahres. Das neue Jahr beginnt mit Buße und Versöhnung, und die Worte des Propheten Micha bringen den Grundton dieser Zeit zum Klingen.

Unser Vater, unser König, sei uns gnädig und erhöre uns, denn wir haben keine Werke, erweise uns Barmherzigkeit und Huld und rette uns.

So heißt es in einem der Gebete, die zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur in den Synagogen gebetet werden. In verschiedenen Variationen bringen die Gebete und Bekenntnisse dieser Zeit diesen Grundgedanken zum Ausdruck. Er durchzieht ja schon wie ein roter Faden die jüdische Bibel, die wir Christen als unser Altes Testament heilighalten. Der Prophet Micha greift diesen Faden auf und erinnert mit seinen Worten an zahlreiche Psalmenundan die Geschichte von der Barmherzigkeit, Gnade, Geduld und Treue Gottes mit seinem Volk Israel, allen Verfehlungen zum Trotz.

Am jüdischen Neujahrsfest gibt es den Brauch, zu einem fließenden Gewässer zu gehen und Brotkrumen oder anderes aus den Taschen zu schütteln und ins Wasser zu werfen, damit es die Brösel wegträgt und in die Tiefen des Meeres versenkt, wie Gott die Sünden versenkt. Und dabei spricht man die Verse des Propheten Micha.

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt

Am Schabbat zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur erklingen Michas Worte wieder – als besondere Prophetenlesung. Und am Nachmittag von Jom Kippur werden sie nach dem Jonabuch noch einmal gelesen.

Das eint uns, Juden und Christen: Wir wissen, dass wir vor Gott nichts vorzuweisen haben, und verlassen uns darauf, dass Gott sich treu bleibt und seine Güte alle Morgen neu ist. Ich habe noch im Religionsunterricht gelernt und bei vielen gelehrten Theologen gelesen, dass Juden sich mit eigenen Leistungen Gottes barmherzige Liebe erarbeiten wollten. Doch schon, wenn ich mich mit dem Anfang des jüdischen Jahres beschäftige, dann lerne ich:

In Wahrheit ist es ganz anders im Judentum. Einzig Gottes Großzügigkeit schafft den Raum für Versöhnung. Er beharrt nicht auf seinem Recht, weil kein Mensch perfekt ist, sondern Fehler macht, irrt, schuldig wird:

Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

3. Gottes Großzügigkeit hat Folgen

 Für religiöse jüdische Menschen ist klar: Gott erwartet von uns, dass wir diese Versöhnung nicht als unseren Privatbesitz betrachten und ansonsten gleichgültig gegenüber uns unseren Mitmenschen leben.

Gottes Großzügigkeit hat Folgen. Die jüdische Lehre stellt unmissverständlich klar:

Der Versöhnungstag schafft alles aus der Welt, was zwischen Gott und Mensch steht. Aber das, was jemand an seinem Mitmenschen verfehlt hat, das müssen die beiden miteinander klären. Und das bedeutet: Wer an einem anderen Menschen schuldig geworden ist, muss ernsthaft Reue zeigen, sich aussprechen und versöhnen. Wer andererseits verletzt wurde, soll sich ein Beispiel an Gott nehmen und nicht auf seinem Recht beharren, sondern dem Menschen großzügig gegenüber sein, der seine Schuld eingesteht.

Als frommer Jude hat auch Jesus in der Bergpredigt dieses Prinzip bekräftigt: Niemand soll etwas im Tempel opfern, wenn er oder sie an einem Mitmenschen schuldig geworden ist. Jesus stellt klar:

In diesem Fall lass deine Opfergabe vor dem Altar liegen. Geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder oder deiner Schwester.

Und im Vater Unser lehrt er uns zu beten: … und vergib uns unsere Schuld, wie auch wie vergeben unseren Schuldigern.

4. Christliche und die jüdische Lehre/Praxis von der Buße und Umkehr

Bei vielen deutschen christlichen Theologen habe ich in der Zeit nach 1945 gelesen:

Ja, wir wissen, dass wir schuldig geworden sind, aber das ist eine Sache zwischen uns und Gott, und das gehört nicht an die Öffentlichkeit und nicht in die Ohren anderer Menschen.

Nein, so eben nicht!

Es ist wichtig, dass wir miteinander reden, dass wir unsere Schuld gegenüber denen bekennen, an denen wir schuldig geworden sind. Das ist nichts, was wir nur mit Gott oder in uns selbst ausmachen können.

Für die Versöhnung ist es zentral, die eigene Schuld gegenüber denen zu bekennen, die davon betroffen sind, und zwar ohne Ausflüchte zu nehmen, ohne irgendwas zu beschönigen.

In dieser Konsequenz sind sich die christliche und die jüdische Lehre von der Buße und Umkehr eigentlich im Grundsatz einig. Gottes Gnade ist ein Geschenk, aber sie ist keine billige Gnade, sondern Gott „wartet auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten“, so sagt es Dietrich Bonhoeffer.

Es trennt uns, woran wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit festmachen – für jüdische Menschen ist die Zuwendung Gottes zum Volk Israel durch seinen Bund und die Erwählung zentral, für christliche Menschen die Zuwendung Gottes zur Gemeinschaft der Heiligen in seinem Sohn und Christus Jesus. Es trennen uns die Formen, die Formulierungen, mit denen wir unsere Sünde bekennen und unseren Glauben leben. Wir feiern unterschiedliche Feste, setzen verschiedene Akzente. Doch wir wissen beide, dass wir vor Gott am Ende nichts vorzuweisen haben, und wir vertrauen beide darauf, dass Michas Worte auch für uns wahr geworden sind und wieder wahr werden:

Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünde in die Tiefen des Meeres werfen.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten

Heiliger Gott,

in Deiner Gnade und Treue gegenüber Deinem Volk Israel zeigst Du, welch ein Gott Du bist. Dafür preisen wir Dich.

In Deinem Sohn und Christus Jesus hast Du bestätigt, was Du Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob, Lea und Rahel verheißen hast. Dafür rühmen wir Dich.

Zu Deiner Barmherzigkeit, Gnade und Geduld dürfen wir Zuflucht nehmen, dafür loben wir Dich.

Wir bitten Dich:

für alle Menschen, die in den Kriegen dieser Welt leiden, die sich verteidigen oder fliehen müssen und vor einer ungewissen Zukunft stehen. Besonders legen wir Dir die Menschen in und aus der Ukraine ans Herz,

für alle Menschen, die sich für Wahrheit, Recht und Mäßigung einsetzen und die sich mit Verhandlungen und Hilfeleistungen aller Art gegen Hass und für Versöhnung engagieren. Besonders legen wir Dir ans Herz die Journalistinnen und Journalisten, die Politikerinnen und Politiker, die Helferinnen und Helfer, die Menschen, die Verantwortung in Kirchen, Synagogen und religiösen Gemeinschaften übernehmen.

Wir bitten Dich auch

für diejenigen, die verstrickt sind in Schuld und Selbstgerechtigkeit. Besonders legen wir Dir die ans Herz, die noch nicht den Mut gefunden haben, ihr Herz und ihren Mund zu öffnen, um auf andere zuzugehen und ihnen offen ihre Schuld zu bekennen.

für diejenigen, die Gewalt erlitten haben, in Kirchen, religiösen Gemeinschaften, Familien oder anderswo. Besonders legen wir Dir die Frauen, Kinder und Männer ans Herz, die mit den Nachwirkungen an Leib und Seele kämpfen, die alleine dastehen und noch keine Gerechtigkeit erfahren haben.

Und wir bitten Dich

für die Menschen in unserer Nachbarschaft und in unseren Kirchengemeinden, die keinen Ausweg und keine Hoffnung sehen in ihren Ängste, ihrer Furcht, ihren Sorgen und ihrem Schmerz.

KASUALBITTEN

Was wir für uns selbst erbitten, erbitten wir mit den Worten, die Dein Sohn und Christus Jesus uns selbst gelehrt hat

Vater Unser

Magic acoustic Guitars

Sonntag, 20.02.2022 um 19.00 Uhr in der Johanniskirche Lauf mit 2G

Seit elf Jahren zelebrieren sie als Duo “Magic acoustic Guitars” pure meisterliche Spielfreude. Roland Palatzky und Matthias Waßer versprühen Harmonie zwischen Flamenco-Rhythmik mit druckvollem Barré-Akkordfundament und MultitechnikSoli, bei denen Waßers linke Hand wie eine aufgescheuchte Spinne über die 36 Bünde seines Griffbretts krabbelt. Seine Grifftechnik reicht bis in die oberen Lagen über das Schallloch hinaus, bis nahe an den Steg. Markantestes Stilelement der beiden Ausnahmegitarristen ist die percussive Deckenarbeit, bei der die Fingerknochen fantastisch effektiv auf die Hölzer der Edelinstrumente krachen und in eine einzigartige Klangsymbiose münden. Es wird geklopft, geschabt und gekratzt oder mit dem Violinbogen und Bottleneck gespielt. Von temporeich bis besinnlich werden alle musikalischen Register gezogen. Leichtfüßig und tänzerisch-elegant ist das musikalischer Klangzauber auf technisch allerhöchstem Niveau. Die einfallsreiche Programmgestaltung der beiden Profis erstreckt sich von zahlreichen hochkarätigen Eigenkompositionen über klassische Stücke wie Mozarts “Rondo a la Turca”, Jazzstandards wie “Sweet Georgia Brown” und Django Reinhardts “Djangos Tiger” bis hin zu Klassikern wie “Hotel California”, “Sultans of Swing” oder “Tears in Heaven”. “Magic acoustic Guitars” leben und lieben ihre Musik, geben den Melodien und Instrumenten mit ihrer absolut professionellen Virtuosität leidenschaftlichen Charakter. Das brachte dem Duo bei der Goldenen Künstler-Gala die Auszeichnung “Künstler des Jahres 2014” in der Sparte “Instrumentalisten” ein. Zahlreiche prominente Engagements und TV-Auftritte sind ein weiterer Beleg ihrer fesselnden Popularität, mit der sie ihr Publikum restlos in ihren Bann ziehen.

Karten im Vorverkauf zu 15,-€ (Schüler/Studenten 10,-€) bei Buchhandlung Dienstbier und im evangelischen Pfarramt und an der Abendkasse.

Es gelten die aktuellen Corona-Regeln für kulturelle Veranstaltungen: 2 G

Predigt über Jahreslosung

Die neue Jahreslosung 2022, Jesus Christus spricht: “Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.” (Joh. 6,37) In der heutigen Predigt legt Pfarrer Thomas Hofmann diese Einladung Jesu aus. Hören und sehen Sie sie nach durch Ihren Klick HIER.

Bildnachweis: (c) Stefanie Bahlinger, verlagambirnbach.de