Unser Ukraine-Projekt “Tafel in Winnyzja” prominent vorgestellt von Landesbischof Bedford-Strohm auf der Landessynode in Geiselwind

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm auf der Frühjahrsynode 2022

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm berichtete heute morgen der Landessynode über die aktuelle Situation in der Ukraine. Großartig, dass er auch unser Tafel-Projekt in Winnyzja erwähnt. Auf S.5 seines Berichtes schildert er seine Eindrücke:
“Auch unsere Kirchengemeinden hier in Bayern engagieren sich schon jetzt an vielen Stellen für die Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. Ein Pfarrer in Lauf liest im Gottesdienst die Predigt von Larissa Kostenka vor, der Kollegin in Winnyzja, einer 350.000 Einwohner zählenden Universitätsstadt in der Zentralukraine. Welch ein Zeichen: Das Wort Gottes zu uns gepredigt, direkt aus den Kriegsgebieten! Zusammen entwickeln sie den Plan und setzen ihn um, ein Café in der Nähe anzumieten, den Pächter als Koch und Projektleiter einzustellen und warmes Essen anzubieten und das Projekt im Wesentlichen mit Spendengeldern aus der Kirchengemeinde Lauf zu finanzieren.
Jetzt können einen Monat lang jeden Tag 50 Menschen versorgt werden. Täglich posten die Laufer auf einer Homepage Bilder aus dem Partnerschaftsprojekt, so dass die Gemeinde mitverfolgen kann, wie ihr Geld verwendet wird und wie es den Menschen in der ukrainischen Gemeinde geht. … “


Danke für den Hinweis von Christian Simon.
Hier die erwähnte Predigt vom 20.3.mit Vorstellung von Pfarrerin Larissa Kostenka

tafelwinnyzja #prayforpeace

Hier der Beircht des Landesbischofs. Ukraine Teil 2, S.5

predigt Larissa Kostenka an Lätare: 2 Korinther 1,3-7 “Durch Leiden zum Trost…”

4 Großer Fastensonntag 2 Korinther 1,3-7 “Durch Leiden zum Trost…”

Lesungen: – 2 Kor 1,3-7- Joh 12,20-26

Ich habe festgestellt, dass kleine Kinder, wenn sie sich schlecht fühlen und verletzt sind, wenn sie krank sind, Schutz bei den Menschen suchen, die ihnen nahe stehen. Auf ihre Mutter, ihren Vater, ihre Großmutter, auf die sie vertrauen und die sie trösten werden. Auch wir suchen, wenn es uns besonders schlecht geht, eine Hand, die wir auf die brennende Wange legen, und finden, um den Schmerz zu lindern, den gleichen Trost – sogar in der Nähe dieser Hand – in der Stille.

Als ob der Apostel Paulus diesen Schmerz, diese Einsamkeit eines müden und nach Trost suchenden Herzens in uns hören würde, schreibt er in unserem heutigen Brief ein herzliches Loblied auf “Gott, der tröstet”:

 3Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,4 der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir auch die trösten können, die in irgendeiner Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem Gott uns selbst tröstet.5 Denn wie die Leiden Christi in uns zunehmen, so wächst auch unser Trost durch Christus.6 Wenn wir trauern, so trauern wir um euren Trost und euer Heil, das durch das Ertragen derselben Leiden, die wir ertragen, vollendet wird.7 Und unsere Hoffnung auf euch ist unerschütterlich. Wir sind getröstet um eures Trostes und eures Heils willen, weil wir wissen, dass ihr an unseren Leiden und an unserem Trost teilhabt.    (2. Korinther 1,3-7)

 Zehnmal wiederholt Paulus in einem so kurzen Abschnitt dieses Wort: “Trost”. Und wohlgemerkt, diese Worte sind nur der Anfang seines Briefes, seines zweiten Briefes an die armen Korinther, die es so schwer haben, in der Lehre Christi zu wachsen. Später wird er sie vehement anprangern und die Übel dieser Kirche schonungslos aufdecken, aber er beginnt mit dem Wort “Trost”. Jede Bitterkeit und jede Strafe hat ihren Ursprung in der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, eines Gottes, der uns, wie die Korinther, für die Ewigkeit erwerben möchte.

 3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und der Gott allen Trostes,4 der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit auch wir fähig sind, die zu trösten, die in irgendeiner Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem Gott uns tröstet.

 Das ist die erste Lektion des heutigen Tages: Bevor Gott uns in Bedrängnis und Leid stürzt, bereitet er uns darauf vor. Er erzählt uns von dem Trost, den er für uns bereithält.

 5 Denn wie sich die Leiden Christi in uns vervielfältigen, so vervielfältigt sich auch unser Trost durch Christus.

 Seit mehr als zwanzig Jahren diene ich in der Kirche und habe zusammen mit meinen Gemeindemitgliedern verschiedene Phasen unseres kirchlichen Lebens durchlaufen. Dabei ist mir ein Muster aufgefallen: Wenn unser Glaube nicht auf die Probe gestellt wird, werden wir selbstgefällig und brauchen Gott immer weniger. Und wozu brauchen wir Gott, wenn wir nur am Sonntag im Gottesdienst von ihm erfahren und selbst dann nichts Wichtigeres zu tun haben, als zur Liturgie zu gehen? Nein, wir haben genug Schwierigkeiten und Probleme, aber die haben nichts mit Gott und unserem Glauben zu tun. Unsere Kinder sind krank, wir haben kein Geld, keine Arbeit, und wir rennen herum wie die Eichhörnchen im Laufrad, auf der Suche nach Medikamenten, nach einem Teilzeitjob, nach einem neuen Job, und reduzieren unsere Zeit für das, was der Kirche, Gott und dem Gebet am wichtigsten ist… Und dann wird unser Glaube immer kleiner, bis er sich in der Hektik des Tages völlig auflöst. So gehen Sie und ich durch die Lektionen der korinthischen Kirche, Lektionen, dass Trost nur für diejenigen willkommen ist, die durch Bedrängnisse gegangen sind und ihre Knie gebeugt haben, die verstanden haben, dass der Weg zur Überwindung von Krisen darin besteht, auf Gott zu vertrauen – der gnädig und vergebend ist.

Wir können das Evangelium nur verstehen und annehmen, wenn wir durch das Gesetz gehen, das brennt und schmerzt.                                                   Nur wenn wir diese Lektion, die Lektion des Gesetzes, lernen, beginnen wir zu verstehen, dass das Leid kein Fluch ist, sondern ein Weg zur Besserung, und indem wir am Leben der Leidenden teilhaben, verbinden wir uns mit den Wunden Christi. Und indem wir an seinem Leiden und Sterben teilhaben, haben wir auch an seiner Herrlichkeit und Auferstehung teil.

 6 Wenn wir trauern, dann trauern wir um euren Trost und euer Heil, das durch das Ertragen derselben Leiden, die auch wir ertragen, erlangt wird.7 Und unsere Hoffnung auf euch ist unerschütterlich. Wir sind getröstet um deines Trostes und deines Heils willen, weil wir wissen, dass du sowohl an unserem Leid als auch an unserem Trost teilhast.

 Jeder fragt sich, wo und wann Sie Trost gefunden haben und wer Sie ermächtigt hat, darüber zu sprechen.

Der Apostel zeigt uns heute in seinem Brief, dass er sie in seinem Leben erworben hat. Man kann es auch so ausdrücken:

Mein eigenes Leben, all die Lasten meines Lebens, die Wunden meiner Seele, die körperlichen Leiden, die unheilbaren Krankheiten, mit denen ich leben muss, meine Ängste und Sorgen, die Probleme mit meinen Lieben, meine Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit – all das verbindet mich mit Christus, der so tief gelitten hat wie die meisten von uns. Vor allem heute, wo Krieg im Land herrscht, Menschen sterben, Städte zerstört werden, Menschen alles zurücklassen und aus ihren Orten fliehen müssen.

 Die unglaubliche Botschaft des Evangeliums ist diese: Gott liebt uns mehr als das Leben. Gott ist bereit zu sterben und uns seine Ewigkeit zu schenken. Dies widerspricht jeder Logik und allem, was wir im Gesetz über Gott erfahren haben, aber es ist der einzige Weg aus der Trauer zum Trost, von der Erkenntnis unseres Schmerzes und unserer Sündhaftigkeit zu seiner Heilung und Vergebung. Aus dem heutigen Text geht hervor, dass unser Gott dort ist, wo das Leid und das Bedürfnis nach Trost sind. Es ist Gott, nicht unser eigenes Handeln, der uns von der Sünde befreit. Und es ist dieser Gedanke, der uns in dieser Zeit der Passion Hoffnung und Freude gibt.

Um die Freude an der Gesundheit zu erkennen, muss man eine schwere Krankheit erleiden. Um zum Leben zu gelangen, müssen wir durch den Tod gehen…

 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

 Und während sich die Fastenzeit ihrem Höhepunkt, der Karwoche, nähert, beginnen wir besser zu sehen. Im Erniedrigten sehen wir das Triumphierende, im Kreuz das Werkzeug des Sieges, im Unbedeutenden und Einfachen, wie Brot und Wein, sehen wir das große Sakrament der Gegenwart des Herrn selbst, der versprochen hat, uns bis ans Ende unserer Tage nicht zu verlassen oder aufzugeben. Und im Licht dieser Gegenwart verstehen wir – nur hier, am Altar, erreicht sein Trost seinen Höhepunkt, mehr werden wir in dieser Welt nicht haben. Hier reicht er uns beim eucharistischen Mahl die Hände, hier legt er uns die Nahrung des Baumes des Lebens in den Mund, als Vorwegnahme des ewigen Mahls in seinem Haus, wo unser Leben nicht mehr aus Schmerz und Leid bestehen wird, sondern ewigen Trost und volle Liebe findet…

Amen

Und der Friede Gottes, der über allen Verstand hinausgeht, möge unsere Herzen und Gedanken in Jesus Christus, unserem Herrn, bewahren.

Bringt ein Lobopfer dar, denn es ist Gott wohlgefällig.

*** Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) ***

Bücher und ein neuer Herd

22.03.2022 Winnyzja.

Ein Tag Arbeit ist getan. Gestern Abend ist der Elektroherd kaputt gegangen, er konnte unsere Mengen nicht bewältigen. Gestern habe ich einen deutschen, aber keinen neuen, für 4800 UAH mit Lieferung bestellt, das sind etwa 145 Euro.
Ich habe gerade das Geld bekommen, ich habe für morgen 800€ und für übermorgen 400€ bestellt. Der Kauf wurde heute getätigt, morgen werden wir mehr bestellen.

Ein paar Fotos vom Essen, und zum Nachtisch bekommen die Kinder nicht nur Süßigkeiten, sondern zeigen auch eifrig ihre Talente.  Unser Artem aus Mariupol hat mich heute mit seinen sportlichen Leistungen überrascht. Die Idee der Odessa-Gemeinde mit einer Bibliothek am Fenster kam mir gestern in den Sinn, und heute gefällt den Geflüchteten schon die Bibliothek auf dem Tisch. Jetzt wollen sie bei diesem schönen Wetter unbedingt im Park lesen. Außerdem wird jeder aufgefordert, einen Pfennig für Gemüse für das Projekt zu spenden.

Was alles am 22.3. geschah.

Kinderspielplatz Judorolle

#tafelwinnyzja

„So ein Mittagessen konnten wir schon lange nicht mehr in Ruhe essen“ – 19.03.2022.

Winnyzja bleibt gerade Friede und Sonne verlässlich. Für diejenigen, die ein neues Zuhause, eine neue Unterkunft suchen.

Ich habe heute gehört: “Wo sollen wir denn sonst hingehen, wenn die Winnyzjaner uns schon so herzlich willkommen heißen. Und so ein Mittagessen konnten wir schon lange nicht mehr in in Ruhe essen.” Zeugnis zu diesem Foto in meinen Posts. Es gibt neue Leute, aber es gibt auch regelmäßige Gäste. Man kann sich es gar nicht vorstellen: ich gehe ins Cafe, und von allen Seiten Grüße und Dankbarkeit. Aus diesem Grund lohnt es sich, das zu tun, was wir begonnen haben, für all das Gute. Danke an alle, die finanziell unterstützen, die ständig bei der Arbeit sind, die kommen, nur um zu helfen.

Heute hat unser Star Artyom ein Gedicht geschrieben, das seinen Freunden aus Mariupol gewidmet ist …

#tafelwinnyzja

17.3. JEDER TAG IST ANDERS: NEUE MENSCHEN, NEUE SCHICKSALE – Gott macht mich stark

Heute erzähle ich von dem 11-jährigen Jungen Artyome aus Mariupol: Vor diesen Ereignissen hat er ein Lied geschrieben, mit dem er beim Wettbewerb auftreten sollte. Dies hat er heute bei uns im Speisesaal gesungen und Applaus bekommen.

Und eine weitere Geschichte von der Mutter einer jungen Witwe, deren Ehemann Andrej vor 9 Tagen in Tschernihiv getötet wurde. Sie ist mit zwei Kindern, 13 und ca. 2 Jahre alt, zu uns in Winnyzja angekommen. Sie ist von Tränen erstickt, sie weiß nicht, was sie als Nächstes tun soll. Wir haben mit ihr direkt im Saal gebetet und Gott gebeten, Andrej bei sich aufzunehmen. Wir haben versucht, Antworten auf die Fragen der Kinder zu finden, warum Putin alt und lebendig ist, aber der Vater jung gestorben ist. Ich habe das gerade mit Dunkelheit und Licht verglichen. Papa ist jetzt ihr Schutzengel fürs Leben.

Während dieser Zeit, in der ich mit den Menschen arbeite, stärkt Gott mich, Gott macht mich stark. Gott spendet durch sein Wort und das Werk des Heiligen Geistes Worte des Trostes.

In dieser Zeit, in der ich mit Menschen arbeite, stärkt Gott mich, macht Gott mich stark.  Gott gibt durch sein Wort und das Wirken des Heiligen Geistes Worte des Trostes.

Donnerstag, 17.3.2022.

#tafelwinnyzja

Update Dienstag 15.3.: Wieder 50 Flüchtlinge versorgt

#tafelwinnyzja

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Hilfsprojekt der evangelischen Kirchengemeinde im Radio!

Ukraine Hilfsprojekt „Tafel Winnyzja“ der Kirchengemeinde Lauf wird ausgestrahlt am 13.3. auf ANTENNE BAYERN in der Sendung „Servus Sonntag“ von 6:00 bis 9:00 Uhr. Ein Beitrag erstellt von Christine Büttner.

Antenne Bayern

https://www.antenne.de/programm/sendungen/schoenes-wochenende/die-kirche-am-sonntag-mit-den-themen-der-kirchenredaktion/

#tafelwinnyzja

Außerdem wird ein längerer Radiobeitrag ausgestrahlt auf 986 Charivari in Nürnberg in der Sendung “Vitamin C” am 13.3. von 9 bis 10 Uhr.

Und ab Sonntag wird er auch im Podcast zuhören sein
https://open.spotify.com/show/7cjIP47vsxOaQfsYBgpbni

Schöne Grüße von Jasmin Kluge
Redakteurin
evangelische Funk-Agentur Nürnberg

“Nehmt Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten auf”

27.2.2021 Krieg in der Ukraine #stopwarinukraine

In der von Russland angegriffenen Ukraine wohnen auch evangelisch-lutherische Christen, die dem russischen Angriff standhalten. Über die aktuelle Lage spricht Dariusz Bruncz von ewangelicy.pl. mit Bischof Pavlo Shvarts, dem Landesbischof der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU). 26.02.2022 evangelisch.de Dariusz Bruncz Krieg und Frieden

Die Evangelische Kirchengemeinde Lauf arbeitet gerade daran, wie die kleine lutherische Gemeinde in der Großstadt Winnyza unterstützen kann. Winnyza liegt westlich von Kiew. Viele Vertriebene stranden hier auf der Durchreise. In Kürze mehr.

© Dariusz Bruncz, ewangelicy.pl. Von links: Jerzy Samiec, Leitender Bischof von der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, und Bischof Pavlo Shvarts, Landesbischof der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU). Quelle evangelisch.de

Dariusz Bruncz: Herr Bischof, wo halten Sie sich derzeit auf?

Pavlo Shvarts: Gerade bin ich in der Nähe von Kharkiv. Ich bin gerade aus der Stadt zurückgekehrt, nachdem ich meine Frau und die Kinder bei Verwandten in Sicherheit gebracht hatte. Ich konnte nicht nach Kharkiv zurückkehren, weil sich die Stadt unter ständigem russischen Beschuss befindet. 

Wie sieht die Lage in Ihrer Kirche aus?

Shvarts: Unsere Kirchengemeinden befinden sich in unterschiedlichen Situationen. In Kharkiv, wo ich ja auch Gemeindepfarrer bin, sind ein paar Menschen geflohen, aber die meisten verbleiben in der aktiven Kriegszone. Russische Einheiten haben uns umkreist und ihre Panzer fahren Richtung Berdjansk. In manchen Orten ist es immer noch relativ ruhig, aber was uns jetzt Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass sich die meisten unserer Kirchengemeinden im Osten und Süden des Landes befinden, wo gerade der Krieg tobt. Unsere Gläubigen bleiben mehrheitlich in ihren Ortschaften. Manche können nicht fliehen, weil sie beispielweise Familienangehörige unter ihrer Obhut haben, die nicht imstande sind, eine weite und anstrengende Reise auf sich zu nehmen. Was uns übrig bleibt, ist die Aufrechterhaltung unserer Kontakte, das Gebet und die Koordinierung humanitärer Hilfe. 

Haben Sie irgendwelche Meldungen über Opfer unter Ihren Kirchenmitgliedern oder über die Zerstörung von Kirchen?

Shvarts: Bis zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch keine. Am Donnerstag, am ersten Tag des russischen Angriffs, ist hier Panik ausgebrochen – ich spreche hier über Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Inzwischen ist es einigermaßen ruhiger geworden, insofern man überhaupt von Ruhe in einer solchen Situation sprechen darf. 

Kharkiv liegt sehr nah an der russischen Staatsgrenze und die meisten Stadtbewohner sind russischsprachig. Wie ist die Stimmung der lokalen Bevölkerung? 

Shvarts: Es gibt zwar hier und da Meinungsverschiedenheiten, aber dieses Mal erfreut sich Russland – milde ausgedrückt – keiner großen Sympathie wie zuvor. Natürlich, viele Menschen verbinden beziehungsweise verbanden viele Kontakte, aber es ist schwierig von einer “Freundschaft” zu reden, wenn sie heute mit der Trajektorie ballistischer Raketen, Bomben und dauerndem Beschuss zum Ausdruck gebracht wird. Dieser Aggressionshagel bewegt Menschen zum Umdenken und gleichzeitig stärkt er den Zusammenhalt der ukrainischen Gesellschaft in ihrem Kampf um ihr Vaterland. 

“Sprecht laut über die Sünde des Krieges und nicht über irgendwelchen imaginären Frieden”

Herr Bischof, was können wir als evangelische Kirchen in Europa tun? Wie können wir helfen? 

Shvarts: Nehmt Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten auf und bietet ihnen seelsorgerlichen Beistand an. Betet und sprecht laut über die Sünde des Krieges und nicht über irgendwelchen imaginären Frieden, der gemeinsame Schuld beider Seiten vorgaukelt. Darüber hinaus brauchen wir auch finanzielle Unterstützung für Lebensmittel, Medikamente, Hygieneprodukte und die Ausstattung von Notunterkünften. 

Haben Sie irgendwelche Signale von russischen Lutheranern bekommen?

Shvarts: Nur ganz spärliche. Das waren meistens private Mitleids- und Betroffenheitsbekundungen und Versicherungen, dass man für uns bete. Russische Lutheraner können nicht öffentlich Flagge zeigen, sonst müssten sie mit Repressionen rechnen. Wahrscheinlich ist es aber auch so, dass die meisten Schweigenden unter dem Einfluss der Regierungspropaganda stehen.  

Was werden Sie in den nächsten Stunden und Tagen tun?

Shvarts: Das Übliche. Ich werde mit Menschen sprechen und versuchen, sie zu trösten und ihnen zuzuhören. Ich werde auch mit ihnen beten und notfalls auch beim Transport von Lebensmitteln nach Kharkiv aushelfen. Hinzu kommen noch Hausbesuche von meinen Gemeindemitgliedern. Mit den meisten Menschen haben wir einen guten Kontakt durch die Mitglieder des Kirchengemeinderates. Ich werde mich auch darum bemühen, mich mit unseren anderen Gemeinden und Freunden in der Ukraine und im Ausland auszutauschen. Kurz gesagt: ich werde nichts Großes leisten. Ich werde einfach helfen, soweit ich kann. 

Das Gespräch wurde am 25.02.2022 gegen 21 Uhr geführt. Die Krisenklage in der Ukraine ist dynamisch. 

evangelisch.de dankt ewangelicy.pl für die Kooperation.

Autor:in Dariusz Bruncz

Dariusz Bruncz

Dariusz Bruncz ist Portalleiter und Mitbegründer von ekumenizm.pl, der ökumenischen Informationswebseite, sowie Projektleiter von ewangelicy.pl, dem publizistischen Internetauftritt der Evangelisch-Augsburgischen (Lutherischen) Kirche in Polen.

Auf dem Schachbrett der Sorgen und Chancen

Erster Entwurf zur Landesstellenplanung ab dem Jahr 2024 im Dekanat Hersbruck steht – Personalmangel als große Herausforderung

Auf dem Pfarrkonvent in Bad Alexandersbad

Dahinter steckt der so genannte Landesstellenplan der bayerischen Landeskirche. “Alle zehn Jahre wird damit das in Bayern zur Verfügung stehende Personal auf die Dienststellen verteilt”, erklärt Schäfer. Bislang sei es so gewesen, dass die Verantwortlichen in München bemessen hätten, auf wie viel Pfarrstellen eine Kirchengemeinde Anspruch hat. Das habe aber unweigerlich zu Verteilungskämpfen unter den Pfarreien geführt: “Warum müssen wir ein Viertel der Stelle abgeben, wo wir doch gute Arbeit machen?” Die Gemeinden hätten sich dadurch bewertet und ungerecht behandelt gefühlt, weiß Schäfer.

Mit diesem Herangehen ist aber jetzt Schluss, was Schäfer “sehr vernünftig” findet: “Die Landeskirche will nun nicht mehr festschreiben, wie viel Anrecht eine Kirchengemeinde auf einen Pfarrer hat, denn sie hat ja keinen Einblick in die Arbeit vor Ort.” Auch Faktoren wie Kindergarten oder die Anzahl kirchlicher Immobilien fallen nicht mehr ins Gewicht. Den aktuellen Berechnungen lagen die Gemeindegliederzahlen sowie die Fläche des Dekanats zugrunde. Ab Juni 2024 hat der Kirchenbezirk 23,5 Pfarrstellen, 3,5 Diakone und 1,5 Kirchenmusiker für seine 30 Kirchengemeinden zur Verfügung.

Doch das wird noch weniger werden, ist sich Schäfer bewusst. “Daher müssen wir schauen, wo und wie wir die verfügbaren Kräfte am besten einsetzen können und Strukturen schaffen, die Flexibilität für den Einsatz der Mitarbeitenden ermöglicht.” Damit beschäftigen sich Dekanat und Kirchengemeinden seit Jahresanfang in einem transparenten Prozess aus Dekanatssynode, Regionalgesprächen vor Ort, Pfarrkapitel und Vertrauensleute-Ausschuss.

Bei diesen diversen Zusammenkünften wartete Schäfer mit dem “Planspiel 2035” auf. “Anhand der vorliegenden Prognosen haben wir mal überschlagen, wie viel Personal und Geld wir 2035 im Dekanat noch haben werden.” 14,5 Pfarrer, drei Diakone und einen Kirchenmusiker. Doch woher rührt dieser starke prognostizierte Personalmangel? “Eigentlich hat man vor 30 Jahren, in den fetten Jahren, Fehler gemacht, weil damals viele Pfarrer nicht übernommen wurden.” Auch die frühere sicherste Bank für den Nachwuchs, die vielköpfige Pfarrfamilie, gebe es nicht mehr, denkt Schäfer.

Hirte in der Balance

Dazu kämen auch gesellschaftlicher Wandel und die Frage nach Anerkennung sowie Karriere: “Der Flaschenhals wird schnell sehr dünn.” Die Strukturen seien nicht mehr attraktiv für junge Pfarrer; es brauche ein neues Rollenverständnis, ist er überzeugt: “Die jungen Leute wollen nicht mehr der gute Hirte sein, der 24 Stunden für seine Schäfchen da ist.” Work-life-balance, Zeit für Kinder und die Angst vor Überforderung spielten da eine Rolle. Daher sei es wichtig, die äußeren Formen von Kirche zu überdenken und zu transformieren: “Die Tradition wächst aus dem Glauben und nicht umgekehrt.”

Der Landeskirche scheint die Lage bewusst; sie peilt laut Schäfer die nächste Landesstellenplanung bereits in fünf statt zehn Jahren an. Darauf wollen Schäfer & Co. vorbereitet sein: Auf einer Karte des Dekanats sollten die Teilnehmer die 19 Figuren sinnvoll verteilen. “Allen wurde die Dramatik deutlich, wie wenig Hauptamtliche dann noch übrig bleiben.” Elf verschiedene Versionen nahm Schäfer von den Treffen mit. “Es kann nicht die eine perfekte Lösung geben, sondern es geht ums Teilen und Vernetzen, und da setzt jeder andere Schwerpunkte und Kriterien an.”

“Teampfarrämter schaffen Zeit für Gestaltung und neue Formen “

Dekan Tobias Schäfer:

Aus allen Vorschlägen und Gesprächen entstand nun ein erster Entwurf für eine zukunftsfähige Verteilung der Stellen in Form von Regionenbildung beziehungsweise Teampfarrämtern und der Stärkung von dekanatsweiten Diensten in den Bereichen Jugendarbeit, Kirchenmusik und Erwachsenenbildung. “Das Konzept, das bis Weihnachten in verschiedenen Runden auf Gemeinde- und Dekanatsebene diskutiert wird, wurde vom Dekanatsausschuss mit 14:2 Stimmen verabschiedet”, erzählt Schäfer – weil dieses Gremium, das im Sommer 2022 den finalen Plan beschließen wird, “viel Potenzial darin sieht”.

Doch warum? Der Clou heißt Pfarreien- oder Regionenbildung. Ein Beispiel: Drei eigenständige Kirchengemeinden schließen sich zusammen und erhalten so zwei ganze Pfarrstellen. “Da kann sich der eine im Teampfarramt um die Geschäftsführung kümmern, der andere beispielsweise um die Konfi-Arbeit, was Zeit für Gestaltung und neue Formen schafft.” Eine Chance, findet Schäfer. Dazu gibt es für alle ein zentrales Pfarramt, wodurch sich die Sekretärinnenstunden und damit die Erreichbarkeit für die Gemeindeglieder insgesamt erhöhen, die Verwaltung sich aber verschlankt.

Im Högenbachtal mit Eschenbach, Hirschbach, Hartmannshof, Hohenstadt und Pommelsbrunn sei man gedanklich schon auf dem Weg, anderen Kirchengemeinden lege der Entwurf das ebenfalls nahe. “Wenn die Kirchenvorsteher das nicht wollen, dann müssen sie den Verteilungskampf untereinander austragen, aber das wird keiner wirklich wollen, wenn allen die Chance in der Regionenbildung klar ist”, betont Schäfer. Dennoch gebe es Hürden und berechtigte Bedenken, gibt der Dekan zu. “Schwierig wird es dort, wo sich Kirche sichtbar zurückzieht” – es also keinen Pfarrer und kein Pfarramt mehr gibt. Viele fragten sich auch, wie die Aufgaben überhaupt noch bewältigt werden sollen, ob es dann beispielsweise noch einen Frauenkreis vor Ort geben könne – ohne eigenen Pfarrer.

Wohl am größten sei die Angst davor, die Eigenständigkeit zu verlieren, hat Schäfer den Eindruck: “Es geht nicht um eine Fusion, sondern jede Gemeinde bleibt autark, nur der zuständige Pfarrer wohnt halt woanders.” Seine Erfahrung habe ihn gelehrt, dass Gemeinden in neuen Pfarreien meist zuerst sehr getrennt gearbeitet hätten, die Durchlässigkeit sich aber angesichts der wachsenden gemeinsamen Herausforderungen erhöht habe.

Form für Seelsorge

Einen weiteren Kritikpunkt am Entwurf kann Schäfer dagegen nachvollziehen: “Wir haben in diesem Entwurf keine Stellenanteile mehr für Seelsorge in Krankenhaus, Frankenalbklinik und Lebenshilfe Schönberg vorgesehen.” Er meint jedoch, dass die Seelsorge zum einen als Grundauftrag eines Pfarrers zum Schwerpunkt in der betreffenden Gemeinde gemacht werden könne oder auch über Beauftragungen laufen könne. “Da müssen wir noch nach der richtigen Form suchen.”

So wie die Pfarreibildung das Setzen von einzelnen Schwerpunkten in den Gemeinden erlaubt, so schafft sie laut Schäfer auch Verfügungsmasse für Dienste, die allen zugutekommen. “Dass wir neben Kirchenmusik, Fundraising und Erwachsenenbildung sogar eine halbe Stelle mehr für die Jugendarbeit im Dekanat haben – das stärkt unseren Entwurf.” Denn darum gehe es ihm zuallererst, “dass wir jetzt die richtigen Weichen stellen, dass auch in Zukunft noch Gemeindeleben vielfältig und bunt gestaltet werden kann und die Kirche wieder ein attraktiver Arbeitgeber für viele ist”.

Copyright (c) 2021 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 09.11.2021

Der Salvatorfriedhof – ein Streifzug durch die Jahreszeiten, Geschichte und Konzept heute

Eike Wagner von den Fränkischen Filmautoren hat den Salvatorfriedhof durch die Jahreszeiten hindurch begleitet und wunderbare Eindrücke mit seiner Kamera festgehalten. Zusammen mit der Geschichte des Friedhofs, der Darstellung des ökologischen Konzepts und einem Interview mit der zuständigen Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici ist ihm zusammen mit Elfi Kanzler ein beeindruckender Kurzfilm gelungen.