Der angekündigte Abschied von Pfarrer Thomas Hofmann aus Lauf, erläutert von Pfarrer Hanstein

Stellungnahme der evangelischen Kirchengemeinde Lauf zu dem angekündigten Stellenwechsel von Pfarrer Thomas Lauf

Pfarrer Thomas Hofmann hat am vergangen Sonntag, den 8.7. per Videobotschaft angekündigt, die Pfarrei Nikodemuskirche in seiner Heimatstadt Bayreuth zu übernehmen. Pfarrer Hofmann folgt einem Ruf des dortigen Kirchenvorstands aus eigener Initiative, die von dem Landeskirchenrat so bestätigt wurde. Als Kirchenvorstand haben wir keine Möglichkeit mehr, darauf Einfluss zu nehmen. Diese Veränderung nach fast 20 Jahren hochengagierten Dienstes weckt starke Anteilnahme nicht nur bei Gemeindegliedern. Jetzt ist es noch nicht an der Zeit, all seine Arbeit zu würdigen – schließlich werden wir ihn und seine Familie erst im Frühjahr Mitte 2023 in allen Ehren verabschieden. Bis dahin möchte er möglichst ungestört seinem Pfarrdienst ausüben.

Pfarrer Hofmann erklärt auch seine Motivation zu wechseln. Seine Begründung lässt aber Gemeindeglieder mit weiteren Fragen zurück, die ich beantworten möchte. Ich schreibe als Kollege von Thomas Hofmann und als Sprecher des Kirchenvorstands Lauf, nicht als Dienstvorgesetzter. Das ist Dekan Schäfer in Hersbruck.

Wie kam es zu diesem Wechsel durch die Landesstellenplanung?

Verschiedentlich wurde in unserem Gemeindejournal „Blick“ wie auch in Zeitung und Medien über die „Landesstellenplanung“ der evangelischen Kirche Bayern berichtet.

Wir gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Die Evangelisch-Lutherische Landessynode in Bayern ist unser Kirchenparlament, in dem VertreterInnen der Kirchengemeinde, der Werke und der Angestellten der Landeskirche demokratisch Beschlüsse fassen. Sie müssen sich mit den Realitäten in Bayern befassen und darauf reagieren.

Geburtenstarke Jahrgänge von evangelischen Mitgliedern sterben und ebenfalls geburtenstarke Jahrgänge von Pfarrern gehen zunehmend in Pension. Dazu kommen zur Zeit viele Austritte und wir verlieren so ca. 1% der Mitglieder im Jahr. Eine Gemeindestelle versorgt durchschnittlich 1700 Mitglieder. In dichter mit Evangelischen besiedelten Gebieten und großen Kirchengemeinden wie Nürnberg wird mit zwei- bis dreitausend Mitgliedern pro Pfarrstelle gerechnet. Da die Landestellenplanung bisher nur alle 10 Jahre erfolgte, wird 2024 wieder angepasst. Die Mitgliederveränderungen sind in Bayern örtlich sehr verschieden. So wachsen in Ober- und Niederbayern manche Gemeinde stark durch Zuzug von jungen Familien und die Kirche in Bayern hat dort in den letzten 10 Jahren 9 neue Kirchen gebaut. Die Veränderung des PfarrerInnen-Nachwuchses verhält sich ähnlich dem allgemeinen Fachkräftemangel und ist in keiner Weise mit dem Priestermangel in der katholischen Kirche vergleichbar. 

Die Landesstellenplanung 2024 kürzt moderat 10% der Stellen und reagiert damit auf Mitgliederschwund und verfügbaren Personal. Die Synode beschließt weist jedem Dekanat ein Stellenkontingent aus Pfarrstellen und Diakonen- bzw. Gemeindepädagogen zu.

Auch die gemeindeübergreifenden Dienste wie Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Kirchenmusik und Seelsorge sind in diesem Pool enthalten. In Lauf von 5 auf 4 gekürzt – eine halbe Pfarrstelle und eine halbe Diakonenstelle. Wer nachrechnet, kommt auf 20% und nicht 10% Kürzung. Das liegt am Plan des Dekanatsausschusses: gemeindeübergreifende Dienste wie die Jugendarbeit wurden verstärkt, daher werden die Kirchengemeinden 20% gekürzt.

Unser Kirchenvorstand hat dafür gekämpft, dass Lauf weniger gekürzt wird und damit argumentiert, dass die Kirchengemeinde mit Kirchenmusik, sozialen Einrichtungen und auch der Christuskirche weit über das Stadtgebiet hinauswirkt. Der Dekanatsausschuss hat aber umgekehrt argumentiert, dass Lauf organisatorisch sehr gut aufgestellt ist und schon längst in dieser größeren Einheit Synergieeffekte nutzen kann, die andere Kirchengemeinde in neuer Zusammenarbeit erst erreichen müssen. Unser Erfolg ist in diesem Prozess sogar ein Nachteil. Wir unterlagen im Dekanatsausschuss mit 2:13 Stimmen.

Pfarrer Hofmann ist in seiner Bekanntgabe darauf eingegangen, warum von vier Pfarrern mit teilweise ebenfalls langen Dienstzeiten ausgerechnet er wechseln muss. Die Kürzung erfolgt nach Kirchengemeindeordnung und nicht nach Verhalten, Erfolg oder Sozialpunkten wie in Firmen. Die Pfarrstellen wurden von 1-5 aufgebaut, die 5. Pfarrstelle haben wir vor 20 Jahren verloren, nun wird seine 4. Stelle halbiert.

Die Landeskirche sieht auch nicht gerne, dass „reiche“ Kirchengemeinden wie Starnberg oder vielleicht auch Lauf eigene Stellen finanzieren – die dort angestellten Pfarrer fehlen dann woanders. Auf Dauer ergibt das ein erhebliches Ungleichgewicht. Außerdem verlässt kaum ein beamteter Pfarrer diesen privilegierten Status. Befristete Stellen anderer Berufsgruppen wie Musiker oder Pädagogen sind leichter anzustellen und zu finanzieren. Das wird durchaus schon angedacht.

Ich möchte auch auf einen wichtigen theologischen Grund eingehen, warum Pfarrer kein Job wie jeder andere ist. 

1) Als PfarrerInnen werden wir berufen – d.h. von der Kirche und von Gott in die Gemeinden gesendet. Genau auf diesem Weg ist  Pfarrer Hofmann vor fast 20 Jahren als junger Mann in die Kirchengemeinde gekommen und verlässt sie auf diese Weise wieder. Thomas Hofmann geht der evangelischen Kirche in Bayern als guter Pfarrer nicht verloren – er folgt dem Ruf in die Nikodemuskirche nach Bayreuth und wird dort seine Sendung fortsetzen. Die Gemeinde dort freut sich darüber, während wir natürlich traurig sind.

2) Normalerweise wechseln PfarrerInnen nach dem Pfarrerdienstgesetz alle 10 Jahre die Gemeinde. Durch besondere familiäre Gründe können es 15 Jahre werden. PfarrerInnen haben die Aufgabe Menschen allein auf Christus ausrichten und nicht auf sich selbst.

Außerdem sind die neuen Impulse wichtig, die PfarrerInnen und andere Hauptamtliche aus ihren vorherigen Erfahrungen an anderen Orten mitbringen. Deswegen müssen PfarrerInnen verschiedene Stationen durchlaufen und ihre vertrauten Stellen immer wieder verlassen, um neue Erfahrungen mit Gott zu machen. Jesus ist da sogar Bayern zu klein, wenn er sagt: „Gehet hin in alle Welt …“ (Mt 28)

3) Bekannt ist:  “PfarrerInnen kommen und gehen – die Gemeinde bleibt.” Pfarrer Hofmann hat die Kirchengemeinde Lauf und besonders den C1-Gottesdienst mitaufgebaut, damit Menschen sich auf Gott verlassen. Glauben wird immer auch von Menschen vermittelt. Aber Jesus Christus bleibt, auch wenn diese Menschen uns verlassen.

Der Kirchenvorstand Lauf wird zusammen mit den Hauptamtlichen in Ruhe reagieren und in absehbarer Zeit eine neue 0,5 Stelle ausschreiben. Das Profil Christuskirche bleibt ein wichtiges Projekt der Gesamtgemeinde.

Wir sind Pfarrer Thomas Hofmann dankbar, dass er in seinem persönlichen Statement auf alle diese Faktoren hingewiesen hat. Thomas Hofmann hat für sich und unsere Kirchengemeinde in einer schwierigen Situation eine gute Lösung gefunden. Für persönliche Gespräche stehen Ihnen die PfarrerInnen und der Kirchenvorstand Lauf gerne zur Verfügung

Geschäftsführender Pfarrer Jan-Peter Hanstein