Predigt von Pfarrer Hanstein, 10.7.22, Fallen, Wendungen und doppelte Böden in Joh 8 – Jesus und die Ehebrecherin

(Hier auch auf Youtube – es gilt das gesprochene Wort!)

Joh 8 Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde NGÜ

2Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.

3Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte.

4Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?«

6Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.« 8Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde.

9 Von seinen Worten getroffen, verließ einer nach dem anderen den Platz; die ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch da stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten.

10 Er richtete sich auf. »Wo sind sie geblieben?«, fragte er die Frau. »Hat dich keiner verurteilt?« – 11»Nein, Herr, keiner«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!

Liebe Gemeinde,

nach diesem spannenden Evangelium erwartet ihr jetzt einiges. Einen guten Tatort am Sonntag Morgen. Sex and Crime. Vielleicht auch überraschende Bekenntnisse von mir als Pfarrer zum Thema Sexualität und Ehe, am besten auf Youtube abrufbar für die Ewigkeit  … aber da meine Frau es sehen könnte … 😊 Vielleicht auch eine saftige Geißelung des modernen Lebens, auch klerikal “Sodom und Gomorrha” genannt: Ehebruch, Scheidungen, Abtreibungen, Missbrauch, oder auch nur kirchliche Hochzeiten ohne Mitgliedsschein wie von unserem ach so konsequenten FDP-Vorsitzenden auf Sylt …

Aber da sind eure Erwartungen etwas hoch. Wer im Glaushaus sitzt … Noch mehr: ich würde das Thema verfehlen. Denn im Vers 6 steht:

6 Mit dieser Frage wollten sie (Schriftgelehrte und Pharisäer) Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können.

Der Ehebruch und die beschämte, vermutlich spektakulär halbnackte Frau, die beim Ehebruch ertappt worden sein soll – das ist nur das erste Steinchen, der ins Rollen kommen soll. Die Lawine soll anschließend Jesus mitbegraben. Wir werden sehen, dass dieses Evangelium mit mehrfachen überraschenden doppelten Böden gestaltet ist, ganz wie ein richtiger guter Film.

Also nicht so primitiv wie die Sendung „Vorsicht Falle!“ warnt – Schutz vor Neppern, Schleppern, Bauernfängern; sondern mit Haken und Ösen. Ich hoffe, ihr könnt folgen.

2Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.

3Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte.

4Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?«

Jesus sitzt mit dem Volk im Tempel und lehrt. Er ist bereits berühmt und berüchtigt. Ein C-Promi. Sein Wort gilt schon etwas. Damals unterrichteten die Theologen fast ausschließlich mit Frage und Antwort. Viele trauten sich nicht zu fragen, denn mit jeder Frage kann man sich auch blamieren – wobei jeder selbst den Weisesten mit Fragen überfordern kann, getreu dem Motto: Ein Narr kann 1000 mehr Fragen stellen als ein Weiser beantworten kann.

Zurück zur Szene. Wir befinden uns im Tempel mit Jesus und vielen Menschen, die ihn befragen und zuhören. Ein großes Durcheinander von Menschen, die ein Ritual suchen, die nur beten möchten, Touristen, die die größte Baustelle der damaligen Welt sehen möchten sowie Lehrern, die gleichzeitig als Seelsorger und Richter fungieren.

Zu diesem Jesus kommt nun eine spezifische Gruppe: Pharisäer und Schriftgelehrte – Ich sehe demanch keinen Mob, der Lynchjustiz üben möchte, keine primitiv-islamische Taliban, die ihre Rückständigkeit mal wieder ausleben möchten, ich sehe keinen wütenden Ehemann, kurz vor einem Ehrenmord – sondern: Männer, die eine Frau benutzen, um Jesus eine Falle zu stellen. Sie bringen diese unbekannte Frau vor Jesus, um ihn äußerste Verlegenheit zu bringen:

»Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?«

Was sagen wir dazu?

Im Strafgesetzbuch der Bundesrepublik konnte Ehebruch mit bis zu einem halben Jahr Gefängnis bestraft werden. Bis zur Abschaffung 1969 wurden immerhin 1600 Menschen deswegen verurteilt.

Gut – zu Jesu Zeiten sah das anders aus. Die Todesstrafe war eher theoretisch für jüdische Gerichten ausgeübt worden, weil das in vielen Jahrzehnten selten vorkam. Außerdem galt das jüdische Recht nur für “kleine” Vergehen. Die römischen Besatzer hatten sich das „ius gladii“, die Kapitalverbrechen mit Todesstrafe vorbehalten. In welche Falle sollte Jesus also gehen?

Ich denke, sie erwarteten nicht von ihm, dass Jesus den Richter spielen sollte. Sie haben nur gefragt: „Was sagst du dazu?“ Sie hätten auch fragen können: Willst du Richter sein? Denn jedes Urteil durfte damals nur gesprochen werden, wenn es Ankläger und Richter gab. Verteidiger waren erst Jahrhunderte später vorgesehen … die Richter hatten also eine hohe Verantwortung. Sie mussten auch die Verteidiger ersetzen.

Jesus wird also öffentlich nur um Rechtsberatung gebeten. Gleichzeitig steht Jesus im Ruf, ein Gesetzesbrecher zu sein. Speisegesetze, Sabbatgesetze, alle möglichen Gesetze hat er und seine Jünger schon übertreten. Weil plakativ gesagt – das Gesetz um des Menschen gemacht wurde und nicht umgekehrt.

Nochmal: Welche Falle wird ihm also gestellt? Ich denke, er sollte sich blamieren. Mit Drehungen und Wendungen sich in den komplizierten Gesetzen verfangen, bei der Befragung Zeugen und das Volk vor den Kopf stoßen und am Ende könnten die Schriftgelehrten und Pharisäer sagen: So einem Wirrkopf glaubt ihr? Der hat doch nichts drauf! Im schlimmsten Fall: ein Abtrünniger, er weicht von der Lehre ab – darauf stand übrigens erst recht die Todesstrafe!

Ihr wisst ja längst wie die Geschichte ausgeht.

Sehen wir genauer hin. Was sagt Jesus?

Erst einmal lange nichts. –

Nichts sagen ist auch etwas sagen, lehrt uns der Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick. Die gespannte Stille. Nicht immer gleich antworten, würde ich mir hinter die Ohren schreiben, der ich die Unart habe, oft Menschen zu unterbrechen, wenn ich glaube, dass ich weiß, was sie sagen wollen. Erst einmal sacken lassen. Stille in so einem aufgeheizten Atmosphäre kühlt auch ab. Immer mehr Menschen kommen und fragen sich, was da los ist. Schon weil da wahrscheinlich eine attraktive halbnackte Frau im Tempel zu sehen ist.

Vielleicht deshalb sieht Jesus nicht hin. Er möchte sie nicht beschämen, nicht ausziehen mit seinen Blicken, es reicht, was er hört. Die Justizia hat ja bekanntlich die Augen verbunden. Nicht weil sie blind ist, wie manche behaupten, sondern weil sie sich von dem äußeren Anschein nicht blenden lassen soll. Das Wort ist entscheidend, in jedem Gerichtsprozess gilt bis heute nur das gesprochene, nicht das geschriebene – besser nur das gehörte Wort. Deshalb dauern Gerichtsprozesse so lange, weil hunderte von Seiten öffentlich verlesen werden müssen.

Jesus schweigt. Und schreibt. Das einzige Mal, das wir hören, das Jesus schreibt! Wie Sokrates hat er kein einzigen geschriebenen Text hinterlassen, sondern nur im Hören und Reden gelebt, in Fragen und Antworten und Zeichenhandlungen… So ein Zeichen ist jetzt sein Schreiben.

Denn ich glaube Jesus mimt das Schreiben. Mimen heißt, er ahmt es bedeutungsvoll nach. Schriftgelehrte und Pharisäer sind da, die jedes Wort auswendig kennen.

Aber er ist vertieft wie einer, der nur schreiben will. Der nichts entscheiden muss, nur treu ist. Der schreibt sein Leben lang. Einfach die Tora abschreibt. Wie die tausenden von Mönchen, die tausende von Abschriften angefertigt haben.

Erst als es nicht mehr anders geht, richtet er sich auf, reckt sich und wagt einen Satz, der die ganze Tora zusammenfasst. Verifiziert vom jahrelangen Lesen der heiligen Worte, Murmeln und Schreiben. Redet als einfacher Schreiber, nicht wie ein Schriftgelehrter, seine Worte geben wieder, was er gelesen und verstanden hat, das ist seine einzige Vollmacht. Er spricht und interessiert sich nicht für die Folgen. Beugt sich wieder über die Worte, die ihm vorgesprochen werden und die seine Hand aufschreibt, bis seine Augen sie erfassen, die leuchtende Schrift sein Inneres erhellt und er versteht.

Diesen einen Satz “Wer ohne Sünde ist…”

Das genügt, er kann wieder weiterschreiben, er ist nicht verantwortlich für das, was geschehen wird. Die Ältesten gehen als erstes, einer nach dem anderen verschwindet. Nur sie weiß nicht, wohin. Bis er endlich auftaucht, aufrichtet und sich zu erkennen gibt. Das Spiel ist zu Ende.

So weit so einfach. Aber ich habe euch ja interessante Wendungen versprochen.

Nun ist Zeit zu bekennen, dass vielleicht manche von euch, die immer treu in ihren alten Bibel mitlesen, den Bibeln, in denen sie viele Anmerkungen, Lebensereignisse geschrieben haben – es könnte passieren, dass nun jemand diese seine eigene Bibel hochhebt und empört ruft: Herr Pfarrer Hanstein, diese Geschichte ist in meiner Bibel gar nicht drin!

Andere sagen: Und bei mir nur mit eckigen Klammern und der Anmerkung: diese Perikope ist in den ältesten Handschriften nicht zu finden und ist erst später eingefügt worden.

Vollkommen richtig. Ich lege heute mit hoher Wahrscheinlichkeit den jüngsten Text der Bibel aus. Geschrieben Jahrhunderte nach den anderen neutestamentlichen Texten. Auch innerliche Gründe sprechen dafür: Bei Johannes hätte Jesus sonst gewiss eine lange Rede gehalten.

Seltsam ist, Jesus schreibt in den Sand. Wie als würden die späten Verfasser uns darauf hinweisen, dass nicht der bleibt, der schreibt, sondern der, über den geschrieben wird …

Anmerkung: in diesem Tempel gibt es keine Steine, die geworfen werden könnten. Und es gibt auch keinen Sand. Vielleicht etwas Staub, aber da wird gleich ein Beflissener kommen und fegen, damit das Heiligtum blitzblank ist.

Nein, wir glauben nicht an die Schrift, wir glauben nicht an die historische Methode, dass das Älteste das Richtigste ist, so wichtig es ist, zu kennen, wie sich etwas zugetragen und entwickelt hat. Sonst müssten wir ja steinzeitliche Gesetze ausführen oder eben die 10 Gebote, die ein Nomadenstamm von 4000 Jahren entwickelt hat. Wir müssten Menschen töten, wegen absurdester abergläubischer Vergehen, die wir heute dann doch lieber psychiatrisch behandeln lassen.

Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben auch nicht nachgefragt: Wo steht das geschrieben? Sondern sie haben begriffen, dass Jesus die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit Gottes in diesen Worten perfekt zusammengefasst hat wie in dem Doppelgebot der Liebe, das ihnen bekannt war.

Die Ältesten gingen zuerst weg. Die „Presbyteroi“ auf griechisch. Die Gemeindeältesten mit Anspielung auf den Kirchenvorstand, aber auch die Ältesten, die so viel Lebenserfahrung hatten, dass sie wussten, was für Sünden sie begangen hatten, die ihnen jede Autorität zu richten nehmen würde.

Jesus fordert sie auf: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Ein gewagtes Spiel. Er weiß, dass der erste Stein die anderen nach sich ziehen würde. Der erste Stein ist der schwerste.

Er kennt das Mobbing, er kennt die Zusammenrottungen von selbstgerechtesten Menschen im Internet und auf Facebook, die am liebsten vernichten, spalten und ungestraft mit Steinen werfen, oft ohne ihr absurdes Tun zu bemerken. 

VORSICHT FALLE!

Jesus rettet. Er wirft mit einem Satz ein Netz aus wie der liebende Ehemann in Werner Bergengruens Geschichte von einer Ehebrecherin. Er rettet vielleicht ein Familie. Einen Ehemann, der gar nicht befragt wurde, Kinder, die auf ihre Mutter warten und weinen. Er rettet die Würde einer Frau, deren Leben ein paar skrupellose Meinungs-Macher gefährden, nur um Jesus eine Falle zu stellen.

Jesus entgeht den Netzen der Verfolger, den Fallstricken, den üblen Nachreden und den Scherbengerichten. Er, der selbst richten könnte – nicht nur über diese arme Frau, sondern über einen jeden, der da ihn fragt: Was sagst du dazu. Auch über jeden von uns, die schon wieder die Steine in der Hand haben und mal wieder einen Shitstorm auslösen wollen. Oder aus politischen und scheinbar religiösen Machtgründen wieder Frauen Rechte und Würde nehmen wollen. Wenn Vergewaltigungen und Missbrauch auf dem Rücken von Frauen und Mädchen ungestraft bleiben und sie sogar mit den Konsequenzen leben sollen. Seht die Waisenhäuser in Rumänien an und dann wisst ihr wohin das alles führt. Aber das wäre noch eine ganz andere Predigt.

“Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein.” Wenn du den Stein schon in der Hand hast – baue mit anderen ein Haus oder lege ihn auf ein Grab eines Menschen, den du verehrst, wie die Juden es tun. Gut, dass es nicht wirklich ein Grab Jesu gibt, sonst gäbe es dort nicht nur die gigantische Grabeskirche, sondern einen Steinberg, der bis zum Himmel reicht. Jesus lebt – durch diesen einen Satz.

Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein.

Ein toller Satz. Jesus hat alles gesagt, was wir wissen müssen, jetzt müssen wir es nur noch tun. Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.

AMEN.

Der angekündigte Abschied von Pfarrer Thomas Hofmann aus Lauf, erläutert von Pfarrer Hanstein

Stellungnahme der evangelischen Kirchengemeinde Lauf zu dem angekündigten Stellenwechsel von Pfarrer Thomas Lauf

Pfarrer Thomas Hofmann hat am vergangen Sonntag, den 8.7. per Videobotschaft angekündigt, die Pfarrei Nikodemuskirche in seiner Heimatstadt Bayreuth zu übernehmen. Pfarrer Hofmann folgt einem Ruf des dortigen Kirchenvorstands aus eigener Initiative, die von dem Landeskirchenrat so bestätigt wurde. Als Kirchenvorstand haben wir keine Möglichkeit mehr, darauf Einfluss zu nehmen. Diese Veränderung nach fast 20 Jahren hochengagierten Dienstes weckt starke Anteilnahme nicht nur bei Gemeindegliedern. Jetzt ist es noch nicht an der Zeit, all seine Arbeit zu würdigen – schließlich werden wir ihn und seine Familie erst im Frühjahr Mitte 2023 in allen Ehren verabschieden. Bis dahin möchte er möglichst ungestört seinem Pfarrdienst ausüben.

Pfarrer Hofmann erklärt auch seine Motivation zu wechseln. Seine Begründung lässt aber Gemeindeglieder mit weiteren Fragen zurück, die ich beantworten möchte. Ich schreibe als Kollege von Thomas Hofmann und als Sprecher des Kirchenvorstands Lauf, nicht als Dienstvorgesetzter. Das ist Dekan Schäfer in Hersbruck.

Wie kam es zu diesem Wechsel durch die Landesstellenplanung?

Verschiedentlich wurde in unserem Gemeindejournal „Blick“ wie auch in Zeitung und Medien über die „Landesstellenplanung“ der evangelischen Kirche Bayern berichtet.

Wir gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Die Evangelisch-Lutherische Landessynode in Bayern ist unser Kirchenparlament, in dem VertreterInnen der Kirchengemeinde, der Werke und der Angestellten der Landeskirche demokratisch Beschlüsse fassen. Sie müssen sich mit den Realitäten in Bayern befassen und darauf reagieren.

Geburtenstarke Jahrgänge von evangelischen Mitgliedern sterben und ebenfalls geburtenstarke Jahrgänge von Pfarrern gehen zunehmend in Pension. Dazu kommen zur Zeit viele Austritte und wir verlieren so ca. 1% der Mitglieder im Jahr. Eine Gemeindestelle versorgt durchschnittlich 1700 Mitglieder. In dichter mit Evangelischen besiedelten Gebieten und großen Kirchengemeinden wie Nürnberg wird mit zwei- bis dreitausend Mitgliedern pro Pfarrstelle gerechnet. Da die Landestellenplanung bisher nur alle 10 Jahre erfolgte, wird 2024 wieder angepasst. Die Mitgliederveränderungen sind in Bayern örtlich sehr verschieden. So wachsen in Ober- und Niederbayern manche Gemeinde stark durch Zuzug von jungen Familien und die Kirche in Bayern hat dort in den letzten 10 Jahren 9 neue Kirchen gebaut. Die Veränderung des PfarrerInnen-Nachwuchses verhält sich ähnlich dem allgemeinen Fachkräftemangel und ist in keiner Weise mit dem Priestermangel in der katholischen Kirche vergleichbar. 

Die Landesstellenplanung 2024 kürzt moderat 10% der Stellen und reagiert damit auf Mitgliederschwund und verfügbaren Personal. Die Synode beschließt weist jedem Dekanat ein Stellenkontingent aus Pfarrstellen und Diakonen- bzw. Gemeindepädagogen zu.

Auch die gemeindeübergreifenden Dienste wie Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Kirchenmusik und Seelsorge sind in diesem Pool enthalten. In Lauf von 5 auf 4 gekürzt – eine halbe Pfarrstelle und eine halbe Diakonenstelle. Wer nachrechnet, kommt auf 20% und nicht 10% Kürzung. Das liegt am Plan des Dekanatsausschusses: gemeindeübergreifende Dienste wie die Jugendarbeit wurden verstärkt, daher werden die Kirchengemeinden 20% gekürzt.

Unser Kirchenvorstand hat dafür gekämpft, dass Lauf weniger gekürzt wird und damit argumentiert, dass die Kirchengemeinde mit Kirchenmusik, sozialen Einrichtungen und auch der Christuskirche weit über das Stadtgebiet hinauswirkt. Der Dekanatsausschuss hat aber umgekehrt argumentiert, dass Lauf organisatorisch sehr gut aufgestellt ist und schon längst in dieser größeren Einheit Synergieeffekte nutzen kann, die andere Kirchengemeinde in neuer Zusammenarbeit erst erreichen müssen. Unser Erfolg ist in diesem Prozess sogar ein Nachteil. Wir unterlagen im Dekanatsausschuss mit 2:13 Stimmen.

Pfarrer Hofmann ist in seiner Bekanntgabe darauf eingegangen, warum von vier Pfarrern mit teilweise ebenfalls langen Dienstzeiten ausgerechnet er wechseln muss. Die Kürzung erfolgt nach Kirchengemeindeordnung und nicht nach Verhalten, Erfolg oder Sozialpunkten wie in Firmen. Die Pfarrstellen wurden von 1-5 aufgebaut, die 5. Pfarrstelle haben wir vor 20 Jahren verloren, nun wird seine 4. Stelle halbiert.

Die Landeskirche sieht auch nicht gerne, dass „reiche“ Kirchengemeinden wie Starnberg oder vielleicht auch Lauf eigene Stellen finanzieren – die dort angestellten Pfarrer fehlen dann woanders. Auf Dauer ergibt das ein erhebliches Ungleichgewicht. Außerdem verlässt kaum ein beamteter Pfarrer diesen privilegierten Status. Befristete Stellen anderer Berufsgruppen wie Musiker oder Pädagogen sind leichter anzustellen und zu finanzieren. Das wird durchaus schon angedacht.

Ich möchte auch auf einen wichtigen theologischen Grund eingehen, warum Pfarrer kein Job wie jeder andere ist. 

1) Als PfarrerInnen werden wir berufen – d.h. von der Kirche und von Gott in die Gemeinden gesendet. Genau auf diesem Weg ist  Pfarrer Hofmann vor fast 20 Jahren als junger Mann in die Kirchengemeinde gekommen und verlässt sie auf diese Weise wieder. Thomas Hofmann geht der evangelischen Kirche in Bayern als guter Pfarrer nicht verloren – er folgt dem Ruf in die Nikodemuskirche nach Bayreuth und wird dort seine Sendung fortsetzen. Die Gemeinde dort freut sich darüber, während wir natürlich traurig sind.

2) Normalerweise wechseln PfarrerInnen nach dem Pfarrerdienstgesetz alle 10 Jahre die Gemeinde. Durch besondere familiäre Gründe können es 15 Jahre werden. PfarrerInnen haben die Aufgabe Menschen allein auf Christus ausrichten und nicht auf sich selbst.

Außerdem sind die neuen Impulse wichtig, die PfarrerInnen und andere Hauptamtliche aus ihren vorherigen Erfahrungen an anderen Orten mitbringen. Deswegen müssen PfarrerInnen verschiedene Stationen durchlaufen und ihre vertrauten Stellen immer wieder verlassen, um neue Erfahrungen mit Gott zu machen. Jesus ist da sogar Bayern zu klein, wenn er sagt: „Gehet hin in alle Welt …“ (Mt 28)

3) Bekannt ist:  “PfarrerInnen kommen und gehen – die Gemeinde bleibt.” Pfarrer Hofmann hat die Kirchengemeinde Lauf und besonders den C1-Gottesdienst mitaufgebaut, damit Menschen sich auf Gott verlassen. Glauben wird immer auch von Menschen vermittelt. Aber Jesus Christus bleibt, auch wenn diese Menschen uns verlassen.

Der Kirchenvorstand Lauf wird zusammen mit den Hauptamtlichen in Ruhe reagieren und in absehbarer Zeit eine neue 0,5 Stelle ausschreiben. Das Profil Christuskirche bleibt ein wichtiges Projekt der Gesamtgemeinde.

Wir sind Pfarrer Thomas Hofmann dankbar, dass er in seinem persönlichen Statement auf alle diese Faktoren hingewiesen hat. Thomas Hofmann hat für sich und unsere Kirchengemeinde in einer schwierigen Situation eine gute Lösung gefunden. Für persönliche Gespräche stehen Ihnen die PfarrerInnen und der Kirchenvorstand Lauf gerne zur Verfügung

Geschäftsführender Pfarrer Jan-Peter Hanstein

Pfarrer Thomas Hofmann: Abschied, aber erst 2023

Es fällt mir nicht leicht, es heute öffentlich zu machen: Die Stellenkürzung trifft mich, überraschend steht schon eine Stellenperspektive fest, doch lasst uns dieses gemeinsame Dreivierteljahr vor unserem Wechsel zum 2023 Gott und den Menschen dienen – und weiterhin!
Jetzt also ist es offiziell: Wie bereits berichtet, wird unsere Laufer Kirchengemeinde im neuen Landesstellenplan nicht nur von 1,0 auf 0,5 Diakonenstelle, sondern auch von 4,0 auf 3,5 Pfarrstellen gekürzt bzw. den Mitgliederzahlen angepasst.

Wen trifft es?

Zum einen kürzt die Landeskirche laut Dekan Tobias Schäfer „von hinten“, also im Laufer Fall an „meiner“ vierten der sonst gleichrangigen vier Pfarrstellen. Zum anderen sind Pfarrer Reuß und Pfarrerin Nikol-Eryazici zum Stichtag über dem Alter der (normalen) Versetzbarkeit, und Kollege Hanstein ist kürzer in Lauf als ich. Daher trifft die Stellen-Halbierung mich (Thomas Hofmann), nach mittlerweile gut 19 Jahren in Lauf.  Spätestens 30.06.2024 muss der neue Landesstellenplan umgesetzt sein, doch sollte man nicht bis zum „Ende der Ausbau-Strecke“ warten.

Welche Alternativen wurden überdacht?

  1. Das Dazu-Nehmen einer anderen halben Pfarrstelle (ob in einer anderen Gemeinde, Schule oder Seelsorgebeauftragung) hätte bedeutet, dass ich nur noch mit der Hälfte meiner Arbeitszeit in Lauf hätte arbeiten können. Dies wäre vielen Laufern schwer vermittelbar gewesen und mit realistisch „zwei ¾-Stellen“ bei meinem Anspruch an mich selbst kräftemäßig nicht „gesund“ bzw. ratsam.
  2. Mehrmals haben mir wohlhabende Mitchristen eine Spenden-Finanzierung der fehlenden halben Stelle an die Kirche angeboten und hätten diese auch verlässlich ermöglicht. Doch wollte ich nicht in den Ruf geraten, dass Menschen für „mich“ Geld sammeln. Zudem: falls kein Laufer Pfarrkollege wechselt, wäre die Spendenfinanzierung ja bis zu meinem Ruhestand nötig gewesen; und wenn in fünf bis zehn Jahren eine weitere halbe Stelle gekürzt würde, Geld für eine GANZE Pfarrstelle.
  3. So blieb mir nur die Lösung, mich langfristig nach einer anderen Gemeinde umzusehen. Ohne Selbstmitleid, aber mit Schmerz muss sich unsere Familie mit dem Gedanken an unsern Abschied von Lauf auseinandersetzen. Eine Pfarrstelle zu finden, war mir nie bange. Zahlreiche Tipps über vakante oder freiwerdende Stellen, die mich in der Nähe halten wollen, nehme ich als Kompliment.

Wann und wohin?

Hatte ich auswärtige Anfragen stets abgelehnt, kam in diese Situation der Ruf und die Bitte einer Kirchengemeinde meiner Heimatstadt, ob ich nach der baldigen Pensionierung des Noch-Inhabers die 1,0-Pfarrstelle übernehmen möchte. Weil sowohl Kirchenvorstand als auch Dekan und Regionalbischöfin nach meiner Einwilligung einstimmig die Besetzung durch mich ohne Ausschreibung beantragten, hat die Pfarrstellen-Kommission des Landeskirchenrats am Montag, 27.06. beschlossen:
Ab 1. September 2023 (!) soll ich anfangen in der Bayreuther Nikodemuskirche.
Nur wegen des Ausschreibungsverzichts ist die Perspektive so ungewöhnlich frühzeitig bekannt und erlaubt noch die Fortsetzung von Laufer Aufgaben sowie eine Fortbildungs- und Zwischenphase ab Frühjahr 2023 nach dann 20 Jahren in Lauf.

Menschlich kam uns der Gedanke: WENN schon ein Stück weg von unserm geliebten Lauf und engen Glaubensgeschwistern, dann in die Nähe unserer alten Eltern und Freunde. Doch weiß ich mich auch im Gebet, durch Winke und Verheißungen Gottes auf diesen Weg geführt, so wie 2003 hierher nach Lauf.

Ohne (zu viel) Wehmut durchstarten!

Doch NOCH BIN ICH DA! – und werde noch meinen aktuellen Konfi-Jahrgang 2023 konfirmieren. Ich lade Sie und Euch ein, dass wir noch eine gesegnete Zeit miteinander er-beten, nutzen, manche Kreise und Dienstgruppen selbstständiger machen und so vorbereiten auf die kommende Zeit. Nicht in voreilender Kürzung von Angeboten, sondern mit kostbaren Monaten voller Gemeinschaft mit Gott und mit Menschen, die uns sehr wichtig sind – und bleiben.

Bitte beten Sie mit um Gottes Führen für unsere Laufer sowie die dortige Gemeinde, auch für uns als Familie. Auch, dass die vielfältigen Aufgaben durch eine geeignete Person auf der dann halben Pfarrstelle, anteilig durch das ganze Pfarrteam sowie durch Euch engagierte Ehrenamtliche in gute Hände kommen.

Jetzt (und sicher noch öfter mal) traurig – aber noch einmal getrost in Lauf durchstartend,
Ihr/Euer Pfarrer und Glaubensbruder Thomas Hofmann mit Familie

Ein Stellungnahme von Pfarrer Jan-Peter Hanstein zu dieser Nachricht finden Sie hier.

Abschluss der Predigtreihe

“Gottes Gabe, Feindes Fallstrick”: zum Guten oder Unguten können wichtige Lebensfaktoren für uns werden! – Auch den vierten und letzten Teil dieser Gottesdienstreihe von Pfarrer Thomas Hofmann über “Ernährung und Konsum” können Sie nach-erleben durch Ihren Klick HIER.

Die vorausgegangenen drei Folgen finden Sie, wenn Sie auf das gewünschte Thema klicken:

1. Geld und Besitz

2. Körper und Sex

3. Wissen und Macht

Bibellesen über 1. Joh. 2, 1-17: Was Gott von uns will

Was will Gott für unser Leben als Glaubende? Das lesen wir heute im 2. Teil unserer Reihe über die Johannesbriefe. Kommen Sie zu der Andacht um 19.00 Uhr ins Gemeindehaus Christuskirche oder sehen Sie es online mit bzw. danach durch einfachen Klick HIER.

Der heutige Text ist aus dem 1. Johannesbrief, Kap. 2, 1-17:

1 Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. 2 Und er selbst ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 3 Und daran merken wir, dass wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten. 4 Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht. 5 Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. 6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll so leben, wie er gelebt hat.
7 Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt. 8 Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. 9 Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis. 10 Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall. 11 Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.
12 Liebe Kinder, ich schreibe euch, dass euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen. 13 Ich schreibe euch Vätern; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch jungen Männern; denn ihr habt den Bösen überwunden. 14 Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr habt den Vater erkannt. Ich habe euch Vätern geschrieben; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich habe euch jungen Männern geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen überwunden. 15 Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. 16 Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. 17 Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

Die Livestreamer der Kirchengemeinde – Lebensader in der Corona-Pandemie

Es gibt eine Werbekampagne der Bundesregierung während der Corona-Pandemie, in der gefragt wurde, was man während dieser Krise getan habe. Wenn mich das jemand fragen würde, dann antwortete ich: „Wir haben Livestreams von Gottesdiensten gemacht!“ Und wenn mir das jemand Anfang 2020 gesagt hätte, dann hätte ich ihn nicht ernst genommen…


Was braucht man also für einen Livestream? Bei uns in der Gemeinde war das ein technik- und medienbegeisterter Pfarrer, der schon kurz vor Beginn des ersten Lockdowns den Anstoß gab, Gottesdienste live im Youtubekanal zu übertragen. Dazu kam ein medienbegeisterter Ehrenamtlicher mit seinem Sohn, die, zunächst noch etwas ablehnend, diesen Gedanken aufgriffen und zur Tat schritten. Und schließlich waren wir in Lauf in der glücklichen Situation, über eine Kirche zu verfügen, die mit einem Audio- und einem Videomischpult ausgestattet war und in der die Lieder während des Gottesdienstes schon seit langem mit einem PC eingeblendet wurden. Halt, aber da fehlen doch noch die Kameras, wird der ein oder andere einwerfen. Ja, glücklicherweise fand sich ein Kamerateam, das gerade „arbeitslos“ und bereit war, seine professionellen Kameras nicht nur zur Verfügung zu stellen, sondern sie auch gleich zu bedienen.
Und so konnten die Livestreams dann starten… Das hört sich im Nachhinein sehr einfach an – war es teilweise auch – technische Feinheiten lasse ich mal weg. Unsere Gemeinde war auf diese Weise in der Lage, wöchentlich über vier Monate hinweg Gottesdienste live in HD-Qualität zu übertragen, die mit der Homepage der Gemeinde verlinkt waren und so mehrere hundert „Gottesdienstbesucher“ erreichten. Aktuell hat der erste gestreamte Gottesdienst vom 22.3.2020 über 5000 Aufrufe bei Youtube – so viele Personen hätten wir in einem Gottesdienst in keiner unserer Kirchen begrüßen können. Für den Kindergottesdienst drehte ein Team eigene Filme, die parallel zum oder nach dem „Erwachsenengottesdienst“ angeschaut werden konnten.

Aber natürlich gab es auch so etwas wie „Abnutzungserscheinungen“: Irgendwann musste die Gemeinde eigene Kameras anschaffen, was dank großzügiger Spenden möglich war. Das größere Problem war aber die Belastung der Mitarbeiter, denn Woche für Woche einen Livestream aufzunehmen, dem auch noch eine Probe am Samstag vorausging, geht irgendwann an die Substanz. Und da erst komme ich ins Spiel, denn nach den Sommerferien wurde ein zweites Team aufgebaut, das auch hauptsächlich aus Ehrenamtlichen besteht und seit Ende September 2020 aus einer weiteren Laufer Kirche im zweiwöchigen Wechsel mit dem anderen Team Livestreams sendet. Wir profitierten enorm von den Erfahrungen des „Ursprungsteams“, das dieses auch in vollem Umfang weitergab, sodass wir nicht bei Null starten mussten. Hinzu kommen begeisterte junge Leute, die jede Woche mit riesigem Engagement dabei sind und dabei helfen, Gottesdienste mit Bild und Ton zu übertragen. Wobei sich der „gute“ Ton fast schon als das größere Problem darstellt… Wie nimmt man den Ton einer Geige ab? Wie stellt man eine mehrköpfige Band coronakonform auf? Mit welchen Instrumenten haben wir es beim nächsten Gottesdienst überhaupt zu tun? Und wie viele Personen singen eigentlich? Hier hat sich eine gründliche Planung als beste Grundlage herauskristallisiert. Schon zur Probe am Samstag liegt ein relativ detaillierter Ablaufplan vor, sodass jeder Teilnehmer weiß, wo er wann sein muss, wann welches Lied kommt oder welcher Text als Epistel gelesen wird. Denn sowohl Liedtexte als auch die Lesungen werden natürlich im Bild auch eingeblendet. Aber auch bei der Kameraführung und beim Videoschnitt müssen Regeln für das „gute Bild“ beachtet werden, damit niemand abgeschnitten ist oder auf dem Bild zu klein erscheint. Nach ungefähr 50 Livestreams hat sich mittlerweile eine gewisse Routine eingespielt, was aber nicht bedeutet, dass besondere Gottesdienstformen auch wieder besondere Herausforderungen darstellen.
Auch die musikalische Gestaltung der Streaming-Gottesdienste hat sich im Laufe des Jahres verändert: Durften zu Beginn nur Hauptamtliche wegen der strengen Coronaauflagen musizieren, gestalten nun auch wieder Ehrenamtliche die Gottesdienste mit. Es wird rege zwischen Bandmusik und klassischer (Kirchen-) Musik abgewechselt, sodass die große Bandbreite der Laufer Kirchenmusik im Kleinen dargestellt werden kann. Profi-Musiker erhalten während der Pandemie Auftrittsmöglichkeiten und werden damit finanziell unterstützt und auch die einzelnen Gottesdienstprofile der Großgemeinde sind spürbar. Natürlich fordern die Proben (sowohl als Ensemble/Band plus Technikproben) den Musikern im Stream enorm viel Zeit ab, doch es ist gerade während aller Beschränkungen wunderbar live musizieren zu dürfen. Gott sei Dank verfügt unsere Kirchengemeinde über sehr gute Technik und Ehrenamtliche zum professionellen Mischen und Abnehmen eines guten Tons!
Auch wenn ich mir bewusst bin, dass Livestreams besonders in Bezug auf das Erleben der Gemeinschaft im Gottesdienst ihre Nachteile haben, haben sie aber auch eindeutige Vorteile: Dadurch, dass wir die Kamera nicht einfach mitlaufen lassen, sondern dass der Gottesdienst auf die Aufnahmen zugeschnitten ist, erreichen wir, dass der Zuschauer sich unmittelbar angesprochen fühlt, da er ja förmlich persönlich vom Pfarrer in seinem Wohnzimmer angesprochen wird. Hinzu kommen spezielle Kameraperspektiven, die Bilder ermöglichen, die ein „normaler Gottesdienstbesucher“ von seinem Platz in einer der hinteren Bänke gar nicht wahrnehmen kann. Und schließlich sind Einblendungen von Bildern oder Texten definitiv am Bildschirm besser erkennbar, als wenn sie per Beamer an die Wand geworfen werden. Ein weiterer großer Vorteil des Livestreams ist außerdem, dass so auch „große Gottesdienste“ möglich waren, die in Präsenz zu Coronazeiten nicht möglich gewesen wären. Ich denke hier besonders an die Abschiedsgottesdienste von David Geitner oder von Friederike Hoffmann. So konnten an diesen Gottesdiensten viel mehr Menschen teilnehmen, als es coronabedingt in der Kirche der Fall gewesen wäre. Und ihnen allen steht die Livechat-Funktion zur Verfügung, um so noch persönliche Wünsche und Grüße weiterzugeben.
Was bleibt als Fazit: Ein großer technischer Aufwand, der auch die Mitarbeit von vielen Ehrenamtlichen erfordert; der aber gleichzeitig das Potenzial bietet, junge Menschen an die Mitarbeit in der Kirchengemeinde heranzuführen. Die Chance, selbst etwas Neues zu lernen und die Chance, das Wort Gottes auf einem neuen Weg unter die Menschen zu bringen. Letztendlich auf diesem Wege als Kirchengemeinde für die Gemeindemitglieder da zu sein, auch wenn jeder Einzelne für sich alleine zu Hause sitzt.

Heiko Brandt, Philipp Höcht, Silke Kupper

“Bei uns ist jeder Livestream wie Weihnachten!” –

Auswertung der Internetaktivitäten der Kirchengemeinde Lauf im Jahr 2020, besonders im Dezember 2020

Es war eine harte und schwere Entscheidung ds Kirchenvorstands, Gottesdienste zwecks Corona-Prävention abzusagen. Manche haben nachgeforscht und festgestellt, dass in Lauf seit Menschengedenken erstmal kein Gottesdienst zu Weihnachten in der Johanniskirche stattgefunden hat. Festzuhalten ist aber, dass wohl noch nie so viele Menschen unsere Gottesdienste gesehen und gehört haben wie in der Zeit des Lockdowns! 43 Livestream-Gottesdienste haben wir 2020 durchgeführt. 17 Online-Kindergottesdienste und eine ungezählte Zahl von Clips für Baustein-Familiengottesdienste und Adventskalender produziert.

Zum Nachrechnen: wenn unsere 43 Gottesdienste auf unserem Kanal C1 auf Youtube von durchschnittlich 1,-5 bis 2,0 Personen pro Gerät 15.250 Stunden angesehen worden sind, die Gottesdienste durchschnittlich 25 Minuten lang waren (weil längere Zeit nur die Predigten eingestellt worden sind), dann haben jeden Gottesdienst durchschnittlich 1250-1750 Personen (theoretisch) vollständig angesehen. Oder habe ich mich verrechnet? (Excel siehe ganz unten).

Bei uns in der KG Lauf war also jeder Livestream wie Weihnachten! Denn sonst rechneten wir im Schnitt mit 400 Besuchern in allen unseren Kirchen pro Sonntag – vor Corona. Eine satte Steigerung um mehr als 320-420%!

Aber glauben Sie uns: trotz allem würden wir allemal lieber wieder Gottesdienste richtig gemeinsam feiern können! Schön wäre es, wenn unsere Kirchenschwellen dann für die Menschen in Lauf durch die Livestreams noch niedriger geworden wären.

Im Einzelnen die Statistiken:

C1 im Advent/Weihnachten und Neujahr

Livestreams: Youtube C1 gesamt

Webseite lauf-evangelisch.de

Zugriffe nie unter 500 Aufrufe, Spitze über 3500

 „Flankierende Maßnahmen“: Adventskalender +

Newsletter

Abonnenten, Statistik

KG auf Facebook im Dezember 2020

5 Beiträge, 467 Seitenaufrufe, 890 Interaktionen, 8700 Reichweite,

Berechnung der vollständigen Gottesdienstansichten pro Gottesdienst!

Livestream-Gottesdienste der Kirchengemeinde Lauf

Wir sind dankbar, dass wir schon so viele eigene Onlinegottesdienste zusammen feiern konnten. Sie können sich die letzten Gottesdienste und Kindergottesdienste auf unserem YouTube-Kanal ansehen oder sich die Predigten noch einmal durchlesen. Und natürlich jeden Sonntag um 10:30 Uhr live mit dabei sein!


Die nächsten Gottesdienste
So, 2.10. 10:30-11:30 Uhr Erntedank-Gottesdienst mit Livestream
So, 9.10. 10:30-11:30 Uhr Gottesdienst mit Livestream
Sa, 29.10. 18-19 Uhr Gottesdienst im Livestream
So, 6.11. 10:30-11:30 Uhr Gesamtgemeindegottesdienst zur Eröffnung der Friedensdekade mit Livestream
Sa, 19.11. 18-19 Uhr Gottesdienst im Livestream

Laetare Christuskirche Lauf: „Ich will euch trösten wie eine Mutter“

Predigt zu Jesaja 66 am 22.3.2019 von Pfarrer Jan-Peter Hanstein

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.“

(Slavoj Žižek, März 2020)

Gnade und Friede sei mit euch, von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.

Wir beten in der Stille um den Segen des Wortes Gottes.

Erhör uns lieber Herr Gott!

Liebe Gemeinde,

Ich werde zur Zeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Die Antwort: vielleicht gar nicht. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Die Zeit wird sozusagen untreu. Ein Impuls verändert den gewohnten Lauf der Zeit. Wir erwarten immer, dass alles so bleibt wie es ist.  Aber dieser Einschnitt vergisst sich nicht mehr. So etwas nennen wir Epoche (von altgriechisch epoché „Haltepunkt, Abschnitt“.)

Eine Zeit des bangen Wartens. Die Welt scheint still zu stehen. Eine echte globale Katastrophe.

Wir müssen alles anhalten. Gleichzeitig rast die Entwicklung scheinbar ungebremst vorwärts. Fast täglich verdoppeln sich die Zahl der Neuinfizierten. Viele fühlen sich nach dieser Woche leer und erschöpft. Diese Phase kennen wir Pfarrer von der Begleitung von Trauernden. Die Leere kommt nach der Phase des Aktivismus, wenn unser Leben sich schicksalhaft wendet. Zuerst war da noch Hektik wie die Hamsterkäufe und die Organisation der veränderten Umstände und dann kommt die Leere. Halt. EPOCHE. Und wir beginnen uns zu fragen: wie wird es weitergehen?  

Wenn die Umstände Humor zuließen, würde ich sagen: Wir haben gerade eine Situation, wie sie sich gerade manche Christen vor allem Pfarrer gewünscht haben:

Absolute Stille in der Passionszeit. Kein Konsumrausch mit Eiern und Osterhasen. Noch nie bin ich so still zu einem Gottesdienst gefahren. Zu einer leeren Kirche.

Manche Menschen haben plötzlich unendlich viel Zeit, über sich und über ihr Leben nachzudenken.

Andere sind plötzlich systemrelevant: Pflegerinnen, Erzieherinnen, Verkäuferinnen! Frauen und Mütter. Ihre Männer können zu Hause bleiben, soweit sie nicht Polizisten, Feuerwehrleute oder Fernfahrer sind! All die Büro- und Bullshitjobs spielen jetzt in der Zeit der Bedrohung keine Rolle mehr. Vielleicht deutet sich hier schon eine Änderung an!

Manche Kollegen haben im Vorfeld zu mir gesagt:

Janosch, warum machst du das mit dem Gottesdienst-Streamen? Was soll der Stress?  Lass doch mal die Lücke offen. Wüstenzeit … Warum der  Anschein der Normalität? Halt doch mal den Mund. Lass Gott selbst reden. Hab Geduld. Alles entwickelt sich … 

Aber hier bin ich … Sorry. Warum sollen wir das Internet Amazon und den Pornos überlassen? Gottes Wort findet seinen Weg. Ich kann nicht anders… als heute und jetzt zu predigen. Mir kamen die vergangenen Tage unendlich lang, angefüllt und merkwürdig vor.

Denn die Welt, wie wir sie kennen, löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, der Umrisse wir vielleicht erahnen können. Und diese wichtige Erfahrung wird uns und unsere Kinder stärker und mutiger machen. Glaubt ihr das?

Dafür möchte ich eine geistige Übung anbieten.  

Ich möchte euch mitnehmen in die Welt der Bibel und der Propheten. Ich möchte euch mit einer Methode vertraut machen, die der Prophet Jesaja anwendet in Zeiten größter Not. Jahrtausende haben die LeserInnen aus der Erfahrung der Bibel gelernt. denn welches Volk kennt sich besser aus als Israel mit Krisen?  

Der Zukunftsforscher Matthias Horx, dem ich entscheidende Impulse verdanke, nennt diese Methode Re-Gnose*. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt, oder? Aber das ist wahre Prophetie, von der Zukunft auf unsere Zeit zu schauen. Da müssen wir hin! Denn diese neue Welt ist die Zukunft Gottes! (Allerdings ist diese Version die optimistischste von 4 Szenarien …)

Hört Jesaja, das 66. Kapitel: Verse 6-9 EINBLENDUNG

Hört ihr den Lärm in der Stadt? Er kommt vom Tempel her. Ich, der HERR, halte Gericht! Mein Vergeltungsschlag trifft alle meine Feinde. Kann eine Frau ein Kind gebären, noch ehe die Wehen über sie kommen? Wer hat so etwas schon gesehen oder davon gehört?

Kann ein ganzes Land an einem einzigen Tag zur Welt kommen? Wird ein Volk in einem Augenblick geboren?

Ja, Zion wird es so ergehen!

Kaum spürt sie die ersten Wehen – schon sind ihre Kinder da. Warum sollte ich diese Geburt erst einleiten und dann im letzten Moment noch verhindern? Meint ihr, ich verschließe den Mutterleib, damit das Kind nicht zur Welt kommt – ich, euer Gott?

Jes 66,6-9 HAT

Mitten hinein spricht Jesaja in die Urkatastrophe Israels: Die Zerstörung des Tempels, der totale Sieg Babylons. Das Triumphgeheul der Feinde. Die Schreie der Verletzten und Gefolterten, Jerusalem eingenommen und zerstört – und in diesem Moment, sagt Jesaja im rückblickenden Vorblick – wird ein ganzes Volk geboren in einer Blitzgeburt. Ein neues Volk ist geboren! Re-Gnose!

Viele Alttestamentler sind sich einig, dass es das Volk Israel nicht geben würde, ohne diese Katastrophe. Sie wären ein Volk mit Tempeln und wechselnden Göttern geblieben und untergegangen wie alle anderen Kulturen der Antike. Hebräisch hätten wir entziffern müssen wie die Hieroglyphen.So aber sehen sie in der Katastrophe Gott am Werk. Als Geburtshelfer. Und jeder, der bei einer Geburt dabei war, weiß, dass auch eine Blitzgeburt richtig weh tut.

Im Exil werden die Juden nicht müde, alles von diesem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu sammeln und zu beschreiben. Von dem Gott Moses, der gesagt hat:

ICH BIN, ICH BIN DER ICH SEIN WERDE, ICH BIN DA! Ich bin der Herr.

So eine Katastrophe erleben wir gerade. Klar. Das tut richtig weh. Ich muss das nicht beschreiben. Was das wirtschaftlich bedeutet für viele von uns. Und noch mehr, wie gefährdet die Gesundheit von vielen ist. Schaut hin, was geschieht! Die Corona-Zeit wird nicht vergessen werden.

Nach der Katastrophe: Die ganzen Apokalypse-Serien auf Netflix schaut kein Mensch mehr. Sogar die endlos brutalen finsteren Krimis haben ihren Höhepunkt überschritten. Prophezeie ich mal mit Matthias Horx…

Wir werden feststellen, dass man sogar Lösungen für das leidige Klopapier finden wird, nachdem der Ipad die Zeitung abgelöst hat …

Wir halten auch fest: Die ganze künstliche Intelligenz hat keinem Politiker helfen können, schwere Entscheidungen zu treffen und war grandios überschätzt worden.  

Ja es ist ernst. Wir werden Tote zu beklagen haben. Niemand weiß, wie viele. Wir Pfarrer stellen uns mental schon darauf ein. 

Wir sind mit einer Krankheit konfrontiert, für die wir noch kein medizinisches Mittel haben. Die Älteren und Vorerkrankten jeglichen Alters sind besonders gefährdet.

Ich finde es unglaublich ermutigend, dass dafür eine Gesellschaft anhält und sagt: Leben geht vor. Leben geht vor Wirtschaft. Leben geht vor Kalkulieren. Das ist zutiefst christlich. Unmögliches wird mit menschlichen Mitteln möglich gemacht. Das macht Mut! Vielleicht siond noch ganz andere Dinge möglich!

Sicher – vielleicht schon im Sommer werden wir vielleicht Medikamente und Impfungen haben und bis zum Ende nächsten Jahres ist dann Corona überwunden. Solange aber befinden wir uns in Gottes Hand.  

In Holland dagegen sagt ein Minister öffentlich:

Normalerweise zahlen wir für ein gewonnenes Lebensjahr in der Krankenversicherung bis zu 60.000€ – alles darüber ist zu teuer. Sie lassen es einfach laufen. Aber wer so rechnet, nimmt den Kauf von hunderttausenden Toten in Kauf. Liebe Gemeinde! – Gott schütze die Niederlande!

Wir aber in Deutschland wollen, dass das Leben Vorrang hat vor allem anderen. Wir fordern, dass mutige Entscheidungen getroffen wurden, die sich niemand jemals hat vorstellen können! Denn jedes Leben zählt!

Aber die Angst? Wenn wir die Krise überwunden haben, werden wir zurückblicken – REGNOSIS und sehen:   

Auch die Tage der Apokalyptiker sind gezählt: Apokalyptiker sind die, die jedes Mal das Ende der Welt heraufbeschwören. Die von der Angst der Menschen in der Zeit der Katastrophe zehren:

Ich möchte euch ein Erlebnis von den Ökumenischen Bibelabenden in Lauf 2020 erzählen. Ich begegnete nach dem Vortrag beim Stehimbiss zwei Männern. Ich frage, wie es ihnen gefallen hat. Ich spüre dass sie sehr erregt sind. Sie  beben vor Zorn auf ihrer Meinung nach zu laue Theologen, die das Gericht auslassen, weil durch diese Unterlassung so viele Menschen verloren gehen werden. Sie wollen Angst machen vor dem Gericht Gottes. Eine Lust auf Strafe, auf Zerstörung spüre ich in Ihnen. Solche Menschen sind mir unheimlich. Gerade weil sie sich auf Christus berufen.

Haben diese 2 Männer recht gehabt, die mir vielleicht gerade zuschauen! Würdet jetzt wirklich sagen: Corona ist jetzt das Gericht? Die Endzeit?  

Ich sage nein: Nein. So sieht Gottes Gericht nicht aus! Weil das Virus hauptsächlich, die Ärmsten, Ältesten und Schwächsten trifft. Das ist es noch nicht das Ende. Aber eine Katastrophe, biblisch eine Plage ist es schon!

Jesus sagt: (Wochenspruch – nehmt den mit auch wenn ihr alles andere vergesst!)

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn.

Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht.

Wie anders spricht Jesus als diese zornigen jungen Männer, wie liebevoll und abgeklärt.  Er setzt auf Veränderung statt Strafe! „Fürchtet euch nicht“ wiederholt er gegen die Angstmacher. Die Katastrophe geschieht außerhalb unserer technischen Möglichkeiten. Aber überwinden werden wir sie durch den Glauben und die Liebe! Auch das Weizenkorn muss hindurch den Tod zum Leben, um Frucht zu bringen.

Nicht Angst und Isolation, oder Strafe und Zorn. Sondern Vergebung und Solidarität … Und Jesus selbst sagt: “Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.”

Re-Gnosis: Aus der Zukunft auf das Jetzt geschaut. Vergleichen wir mal unsere Ängste vor der Corona-Zeit! Wer erinnert sich jetzt noch an das Stürmchen namens Helga? Als fast die Welt unterging weil in Kitas und Schulen einen ganzen Tag ausfielen?

So ist Gott am Werk. Das ist Re-Gnosis.* Die Methode Jesaja, könnte ich auch sagen. Hören wir den Propheten weiter:

Wie er weit in die Zukunft schaut und mit wem er Gott vergleicht:

Gott spricht:

9 Warum sollte ich diese Geburt erst einleiten und dann im letzten Moment noch verhindern? Meint ihr, ich verschließe den Mutterleib, damit das Kind nicht zur Welt kommt – ich, euer Gott?

Nein – Freut euch mit Jerusalem! Jubelt über diese Stadt, alle, die ihr sie liebt! Früher habt ihr um sie getrauert, doch jetzt dürft ihr singen und jubeln vor Freude. Lasst euch von ihr trösten wie ein Kind an der Mutterbrust. Trinkt euch satt! Genießt die Pracht dieser Stadt!

12 Denn ich, der HERR, sage euch:

Frieden und Wohlstand werden Jerusalem überfluten wie ein großer Strom. Ich lasse den Reichtum der Völker hereinfließen wie einen nie versiegenden Bach. Und an dieser Fülle dürft ihr euch satt trinken.

In dieser Stadt werdet ihr euch wie Kinder fühlen, die ihre Mutter auf den Armen trägt, auf den Schoß nimmt und liebkost.

Jes 66 HAT

Was für wunderbare Worte. Das Bild: die schwere Geburt. Aber dann das Baby an der Brust der Mutter. Wie groß war die Angst vor der Geburt. Jetzt ist alles vergessen.

Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind.

Wir werden uns erinnern, vor was und wem alles wir Angst hatten in der Zeit vor Corona und über uns lächeln.Davor waren wir ein Volk von Angsthasen und Angstmachern. Winzige Details versetzte die Menschen in Panik. Aber seht genau hin.

In der physischen Isolation sind diejenigen die Solidarität zeigen und Barmherzigkeit so viel wichtiger und anerkannter, als die Hetzer, Spalter und Mäkler. Sie werden sich auflösen. Die einzige gute Nachricht:  AFD zum ersten Mal seit Jahren unter 10%! Trump hat endgültig ausgespielt!

Wenn wir diese Krise überstanden haben, dann werden wir Glück empfinden. Ich nenne das Glauben an Gott! Die Psychologen nennen es Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang. Wir haben es geschafft. Gemeinsam. Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung.

Überwinden heißt: Wir kommen damit zurecht – coping. Wie ein hungriges Baby schreit und wütet und dann die süße Muttermilch bekommt. Diese neue Welt zeigt uns Jesaja. Er blickt zurück aus der Zukunft – mitten im Lärm, in der Angst, in der Zerstörung, mitten in der Geburt. So etwas vermag der Glauben aus Gottes Wort. Das können wir erlernen von der unendlichen tausendjahre alten Erfahrung der Bibel mit unserem Gott.

Jesus sagt: Jetzt habt ihr Angst. Aber seid getrost. Ich habe die Welt für euch überwunden. Nikeka: ich habe gesiegt. Ich weiß nicht, ob das so kommt wie Jesaja es sagt.

Aber wenn Menschen auf den Balkonen sich schon ujetzt gegenseitig Lieder zusingen, dann habe ich keine Angst vor der Zukunft. Das sind Lieder der Freiheit mitten im Gefängnis der Isolation.

Ich glaube, dass die Methode Jesajas funktioniert, seine Prophetie der Rücksicht – der Re-gnosis: Weil wir Gottes Handeln schon kennen und erkennen. Sein Ziel ist nicht die Zerstörung sondern Bewährung in Liebe.  Wenn diese Leidenszeit, diese Passion ein Ziel hat, einen Sinn hat, dann den:  Wir sehen, was sich bewährt in der Zeit von Angst und Bedrängnis.

Wir fürchten jetzt den Tod von lieben Angehörigen, vielleicht gehört ihr selbst zur Risikogruppe. Eine Welt vergeht, wie wir sie kennen. Aber im Blick auf Gott und auf Jesus werden wir überwinden. Wir mögen physisch voneinander getrennt sein, aber emotional rücken wir einander näher. Auch als Kirchengemeinde Lauf. Es ist schwer, vor diesen leeren Stühlen zu predigen. Aber ich sehe euch vor Augen zu Hause. Allein oder mit Familie. In Krankenhäusern. Zu euch allen sagt Gott, der nicht zufällig wie eine Frau, wie eine Mutter geschildert wird:

13 Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind. Die neue Pracht Jerusalems lässt euch den Kummer vergessen. 14 Wenn ihr das alles seht, werdet ihr wieder von Herzen fröhlich sein, und neue Lebenskraft wird in euch aufkeimen wie frisches Gras.«

AMEN

Und er Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus!

*Begriff von Matthias Horx.

Evangelische Landeskirche in Bayern empfiehlt allen Kirchengemeinden dringend, bis auf Weiteres auf alle Gottesdienste zu verzichten

Stand 16.3.2020, 10:00 Uhr

Der Landeskirchenrat empfiehlt nach seiner heutigen Beratung allen bayerischen Kirchengemeinden dringend, bis auf Weiteres auf alle Gottesdienste zu verzichten. Das gilt auch für Konfirmationen, Trauungen und Taufen, mit Ausnahme von Bestattungen.

„Für uns Christen ist der gemeinsame Gottesdienst eine große Kraftquelle und Ermutigung. Doch in diesen Tagen bedeutet nach Aussage aller Fachleute jede Versammlung von Menschen eine zusätzliche Infektionsgefahr, die das Corona-Virus weiterverbreitet. In der aktuellen Situation gebietet die Nächstenliebe, zuerst an die besonders gefährdeten Kranken und Schwachen zu denken und Rücksicht auf sie zu nehmen. Darum bitte ich gemeinsam mit dem Landeskirchenrat alle Kirchengemeinden dringend, bis auf Weiteres keine Gottesdienste mehr zu feiern, sondern andere Formen des Gebets und der Verkündigung zu nutzen. Wir gehen auf das Osterfest zu, das für die Botschaft der Hoffnung steht. Wir werden die richtigen Formen finden, um genau jetzt diese so aktuelle Osterbotschaft gut vernehmlich weiterzugeben. Schon jetzt entwickeln sich viele gute Ideen dafür.“

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: bayern-evangelisch.de/corona

Der Landeskirchenrat empfiehlt, die traditionellen Gebetszeiten zu nutzen, zu denen täglich um 12 Uhr und um 18 Uhr die Kirchenglocken einladen. Viele Kirchengemeinden halten ihre Gotteshäuser geöffnet zum persönlichen Gebet und für seelsorgerliche Begleitung.

In Rundfunk, Fernsehen und Internet stehen täglich kurze Andachten und Gottesdienste zur Verfügung (z.B. die Mediathek des BR: https://www.br.de/mediathek/rubriken/religion-orientierung oder die Gottesdienste in ZDF und Deutschlandfunk: www.zdf.de/gesellschaft/gottesdienste

www.deutschlandfunk.de/kirchensendungen.915.de.html oder eine Zusammenstellung hier: https://www.evangelisch.de/inhalte/167178/14-03-2020/corona-wo-digitale-…

Die Telefonseelsorge steht jeden Tag rund um die Uhr für Gespräche zur Verfügung unter der Nummer 0 800 111 0111. Aktuelle Informationen finden Sie unter bayern-evangelisch.de/corona.