Die Macht des Gekreuzigten – Predigt von Pfarrer Jan-Peter Hanstein am 11.7.2021 im Livestream-Gottesdienst St. Jakob, Lauf

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Matth. 28

Predigt auf Youtube [Es gilt das gesprochene Wort…]

Abb aus dem Buch Tom Hollands: Herrschaft – wie der Westen entstand

Liebe Gemeinde,

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Was ist das für ein Satz. Gehen wir mal weg von dem für die Konfirmation vielleicht auswendiggelernten Text. Fühlen ganz frisch. Versetzen wir uns in die Jünger, die die letzten Worte Jesu hören. Sein Vermächtnis. Die Worte, die alles zusammenfassen, sind nicht ohne den zu denken der da spricht: Gerade noch war Jesus gefoltert und geschunden gestorben. Totgemacht, toter als der Tod. Und jetzt steht er wieder auf diesem Berg bei dem Evangelisten Matthäus. Diesem namenlosen Berg in seiner Heimat, auf dem er versucht wurde, auf dem er die berühmteste Rede der Weltgeschichte hielt – die „Bergpredigt“, dem Berg der Verklärung, auf dem er schon fast in den Himmel aufgenommen wurde.  Und sagt gezeichnet aber strahlend:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Mit wichtig – in unserem Text heißt es so schön menschlich: die Jünger fielen vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Selbst in so einem Moment glauben nicht alle! Denn zweifeln können wir alle: Macht, Gewalt – die gehörtdoch eigentlich einem Emperor, dem Kaiser. Dem Cäsar, der in einem Feldzug wie gegen die Gallier, ein Million getötet hat und eine andere Million in die Sklaverei geschleift hat. das war keine Witzfigur wie in ASTERIX … Oder wenigstens einem System wie dem Raubtierkapitalismus, der die Superreichen feiert. Die Bezos, Gates, Zuckerbergs dieser Welt, die andere herausdrängen, sich die Rechte sichern, sie multiziplieren und sich Staaten kaufen können, wenn sie wollen.

Die Macht, denken wir – die gehört doch einem Pilatus, demStatthalter, der die pax romana, den Frieden Roms aufrechterhält, indem er einen Unschuldigen wie Jesus kreuzigen lässt in dem sicheren Wissen: dieser wird es nicht einmal in eine Fußnote in der Weltgeschichte schaffen.

Aber auch als Historiker und Philosoph, als Agnostiker und Naturwissenschaftler muss man anerkennen. Dieser Jesus hat es geschafft:

Heute sind zwischen 2-3 Milliarden der Weltbevölkerung christlich. Manches Mal habe ich den Eindruck, nicht wegen der europäischen Missionare sondern trotz ihrer … In Afrika sind selbstbewusste Kirchen, die die Herablassung Europas nicht verstehen. Aus Südkorea werden mehr Missionare entsandt als aus jedem anderen Land der Welt. Im pseudokommunistischen China, das seine totalitäre Seite unter Xi Jinping immer mehr zeigt, wurden in den letzten 20 Jahren ohne wesentliche ausländische Unterstützung von 20 Millionen auf 100-130 Millionen Christen heute. Das Kreuz Jesu ist zu dem bekanntesten Markenzeichen der Welt geworden.

Haben Sie sich auch schon einmal die Frage gestellt:

Wie konnte der Gekreuzigte zu dieser Macht werden?

Der berühmte Historiker und Tom Holland trug da schon den Gedanken an das Buch mit sich herum: Dominion: The Making of the Western Mind.  Herrschaft – wie die westliche Mentalität entstanden ist.

Jahrzehnte war er fasziniert von Macht. Als Junge wandte er sich vom Glauben ab, weil die Dinosaurier nicht in das enge religiöse Weltbild passten, indem er erzogen war. Und von den blutgierigen riesigen Jägern wandte er sich der Geschichte der grausamsten Herrscher und Tyrannen zu, die ihn faszinierten.

Die Großreiche der Gegner Israels interessierten ihn mehr als dieser Gekreuzigte

Nietzsche und dessen Willen zur Macht und zur unbedingten Beherrschung schien ihm eher der Schlüssel zur macht zu sein. »Kämpfe immer tapfer und sei anderen überlegen.«[51]  aus der Ilias.

Aber Tom Holland wurde auch nachdenklich. Warum kannte fast niemand mehr außer ein paar Griechischlehrern die Heldentaten eines Alexander oder eines Attila? Warum sind fantastische Großreiche und Imperien längst Geschichte, während der Galiläer Jesus von seinem Berg immer noch eine unglaubliche Wirkung entwickelt?

Tom Holland stellte auch fest, dass der liberale Agnostizismus, dem er im Glauben an die Wissenschaft anhing, auch nur ein Glauben war, der ihm in Momenten der Entscheidung auf Leben und Tod, im Sterben für etwas nicht weiterbrachte und selbst die universalen Menschenrechte schienen ohne den Glauben an einen Gott, der die Welt und die Menschen liebt, ebenso ohne Begründung zu sein.

»Du hast gesiegt, bleicher Galiläer«, schrieb der viktorianische Dichter Algernon Charles Swinbourne, womit er die apokryphe Klage des Julian Apostata wiederholte, des letzten heidnischen Kaisers von Rom: »Die Welt ist grau geworden unter deinem Atem.« Instinktiv stimmte Tom Holland ihnen zu.

Wie konnte der Gekreuzigte zu dieser Macht werden?

Diese Frage trieb ihn um. Da unternahm Tom Holland eine Reise in den Irak, um dort einen Film zu machen. Sindschar ist eine Stadt, die, als er sie besuchte, direkt an der Grenze zum Islamischen Staat lag. Sie war dessen Kämpfern nur wenige Wochen zuvor wieder entrissen worden. 2014, als der Islamische Staat Sindschar erobert und besetzt hatte, war es die Heimatstadt vieler Jesiden gewesen, einer religiösen Minorität, die beim Islamischen Staat als Teufelsanbeter galten. Ihr Schicksal war grauenvoll gewesen, genau wie das jener Personen, die sich den Römern widersetzt hatten. Männer wurden gekreuzigt; Frauen wurden versklavt. Wenn man inmitten der Ruinen von Sindschar stand und wusste, dass nur drei Kilometer flachen, offenen Geländes entfernt genau die Leute saßen, die solche Gräueltaten begangen hatten, dann konnte man nachvollziehen, wie in der Antike der Gestank der Hitze und der Leichen einem Eroberer als sicheres Kennzeichen seiner Macht und seines Erfolges dienen konnte. Kreuzigung war nicht nur eine Bestrafung. Es war ein Mittel, sich Überlegenheit zu verschaffen: eine Überlegenheit, die bei den Unterworfenen nacktes, tiefstes Grauen hervorrief. Das Grauen vor der Macht war der Maßstab für Macht. So war es immer gewesen, und so würde es immer bleiben. So war die Welt.“

Mit diesem Geruch von Verwestem in der Nase und einem erschütterten Weltbild kehrt er zurück und schreibt in 750 Seiten eine sehr persönliche Geschichte des Christentums – pointiert von Cäsar über Gestalten wie Bonifatius und Abelard, Darwin  bis hin zu dem Künstler Otto Dix und Himmler zu den unterschiedlichen Entscheidungen, die Merkel und Orban 2015 in der Flüchtlingsfrage trafen, die sich beide in christlicher Tradition wähnten.

Am Ende erzählt Tom Holland von seiner alleinstehenden Patentante und stellt fest: „Vielleicht wurde die Weltgeschichte mehr auf dem Schoß von Frauen geschrieben als von Weltherrschern.“ Er staunt: Dass es diese Menschen immer noch gibt. Die lieben und barmherzig sind. Und sich eher an dem Bergprediger Jesus orientieren als an dem Augustus. Die sich der Angst vor Leid und Schmerz nicht beugen. Die größere Macht als das Grauen ist schließlich die Liebe. Christen haben das immer verstanden.

Tom Holland weiß auch:

Viele Christen werden und wurden in dieser Zeit allerdings selbst zu Handlangern des Grauens. Als ständige Drohung lag ihr Schatten über den Schwachen; sie verursachten Leid und Verfolgung und Sklaverei. Doch die Maßstäbe, nach denen sie deswegen verurteilt werden, sind ihrerseits christlich; heute werden überall ihre Denkmäler als Sklavenhalter gestürzt.

Ich – Jan-Peter Hanstein – warte auf die Zeit, in der auch endlich die schrecklichen Hindenburgs und Bismarcks, die Friedrich Wilhelms und andere Große aus unseren Straßennamen verschwinden und wir ihre Bronzedenkmäler einschmelzen, um daraus leichte und wunderbare Kunstwerke der Barmherzigkeit zu machen. Wegen mir auch Kruzifixe. Oder die Pieta von Käthe Kollwitz, als Mutter mit ihrem gim Weltktieg I getöteten Sohn auf dem Schoß! Auf jeden Fall Denkmäler der Opfer und nicht ihrer Schlächter!

Auch wenn die Kirchen in Europa leerer werden, sieht es nicht so aus, als würde sich an diesen Beurteilungs-Maßstäben so schnell etwas ändern.  

»Was schwach ist vor der Welt, hat Gott erwählt, dass er zuschanden mache, was stark ist.«

TOM HOLLAND schreibt, oder besser er bekennt: „Christ sein bedeutet zu glauben, dass Gott Mensch wurde und einen so schrecklichen Tod erduldete wie kaum ein anderer Sterblicher. Deshalb bleibt das Kreuz, dieses uralte Folterwerkzeug, was es immer war: das angemessene Symbol der christlichen Revolution. Es ist die Kühnheit, in einem gequälten, zu Tode geschundenen Leichnam die Herrlichkeit des Schöpfers des Universums zu erkennen, die mit größerer Gewissheit als alles andere die schiere Befremdlichkeit des Christentums und der Zivilisation, die aus dem Christentum entstand, erklären kann. Heute ist diese Befremdlichkeit so einflussreich und lebendig wie eh und je. Sie drückt sich in der großen Bekehrungswelle aus, die sich im Laufe des letzten Jahrhunderts in Afrika und Asien ausbreitete; in der Überzeugung von Millionen und Abermillionen Menschen, dass der Atem des Heiligen Geistes gleich einem lebendigen Feuer noch immer über der Welt weht; und in Europa und Nordamerika in den Einstellungen vieler weiterer Millionen, die nie auf die Idee kämen, sich als Christen zu bezeichnen. Sie alle sind Erben derselben Revolution: einer Revolution, die als ihr feuerflüssiges Herz das Bild eines an einem Kreuz zu Tode gefolterten Gottes hat.

Tom Holland endet:

Darauf hätte ich zweifellos schon früher kommen können.

Ich muss zugeben. Holland holt weit aus, wahrscheinlich zu weit für die meisten Leser. Trotzdem meine Empfehlung: Herrschaft – wie die westliche Mentalität entstanden ist.

Es geht um die größte Geschichte aller Zeiten. Der Geschichte Jesu und seinen Jüngern. Diese Geschichte ist größtenteils unsichtbar. Aber sie wiederholt sich in jeder Taufe. In jeder Konfirmation. In der Hoffnung jeder Patin oder jedes Paten, die dafür beten, dass ein Kind diese Liebe erfährt. Eine Konfirmandin, die glaubt, ist mächtiger als der tote Cäsar. Der glaubende Jugendliche, der/die einst vielleicht selbst diesen Ruf hört und aufbricht. Nicht mit einer Botschaft. Sondern mit Leib und Leben diesen Gekreuzigten bezeugt. mit “Jünger” ist das schon besser übersetzt von Luther als mit “Schüler”, weil es diese tiefe Verbindung ausdrückt. Mir gefällt in der Übersetzung Bibel in gerechter Sprache – da steht:  um mit anderen zu lernen.

Im neuen Gemeindebrief, im BLICK in der Sommerausgabe haben wir das Thema Kirchengemeinde Lauf weltweit in den Blick genommen: ich war überwältigt, wieviele Patenschaften und Partnerschaften MitarbeiterInnen dieser Gemeinde schon über Jahrzehnte pflegen: in den Kongo nach Im Hospital der Christusträger Vanga. Hier auf Youtube findet ihr das tolle Benefizkonzert von Christoph Zehnder als Dankeschön an die Basarfrauen – aber auch der Kreativshop mit Jujuj in Argentinien, Wantoat Papua-Neuguinea,  Haiti, Serbien. Ich grüé alle, die von dort aus zusehen!

Aus unserer Gemeinde sind Menschen ausgesendet worden in Gebiete von Zentralasien. Um zu unterstützen, zu lernen, auf eine ganz bescheidene Weise sich darunter stellen bis die Menschen dort fragen: Warum tust du das eigentlich? Und wir bei ihrer Rückkehr noch mehr lernen: – Dass dieser eine Name – Jesus – über allen Namen ist – und vor allen anderen schon da ist. Bis an die Enden der Welt. Diese Macht Jesu schafft erst die eine Welt in allen Völkern. Das ist niemals unumstritten. Immer umkämpft und umliebt. Ohnmächtig mächtiger als alles andere. Immer wieder sind wir auf der Suche. Glauben ist keiner Statistik erfassbar und von keinem anderen messbar. Die Jünger und die Gemeinden sind so schwach und doch so hoffnungsvoll. Niemals fertig, niemals zu Hause. Unterwegs – unterwegs durch die Zeiten – nur auf seinem Ruf und seinem Befehl. Des Gekreuzigten und Auferstandenen. Der lebt, damit wir auch leben. Der sagt:

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

AMEN.

Zitate aus: Tom Holland, Herrschaft – wie der Westen entstandt

“Der Auferstandene selbst reißt die Seinen aus der träumerischen Spekulation über das Weltende heraus und stellt sie unter seinen Befehl.” 6. Sonntag nach Trinitatis Mt 28. HJ Iwand, Predigtmeditationen S.27ff, 16-20.

(ursprünglich Trinitatis 1945/46)

Kreuzigung des Petrus, Carravaggio um 1600

[Scan der Fraktur durch Google Lens. Einzelne Scanfehler können noch vorhanden sein. Heraushebungen und Zwischenüberschriften von JPH. Vorbereitung auf den Gottesdienst im Livestream am 11.7.2021 auf Youtube C1 Lauf ]

In der liberalen Theologie ist unsere Stelle immer wieder auf ihre historische” Echtheit hin in Zweifel gezogen worden, den Hauptanstoß bildeten der Missionsbefehl und die trinitarische Formel. Man fragte, hat die Urgemeinde in Fragen der Heidenmission nicht gerade umgekehrt gedacht? hat nicht darum Paulus seine spannungsvollen Auseinandersetzungen mit den Uraposteln gehabt? Man wies darauf hin, dass die trinitarische Formel bei der Taufe nicht auftritt, dass vielmehr durchweg ,,auf den Namen Jesu” getauft wird (Act 2,38; 8, 16; 19,5), und man sah gerade in dem Ausgang des Ganzen, in der Verheißung des Naheseins bis an der Welt Ende einen Umschwung in der eschatologischen Erwartung. Hier schreibt ein Mann, der nicht mehr die Erwartung des nahen Endes mit dem ältesten Urchristentum teilt, sondern ein Glied der zweiten Generation, die schon einen lebhaften Eindruck davon hat, dass der Herr verzieht und wohl noch lange verziehen wird. Vielleicht muss die Kirche sich noch auf lange Zeit in der Welt einrichten” (J. Weiß). Wir könnten aber auch gerade umgekehrt argumentieren. Ist nicht die Erwartung des nahen Endes gerade die menschlich natürliche Stimmung der ersten Generation, Acta 1,7f. Niemand weiß die „Stunde“ (Mt. 24,36), sie kommt wie ein Dieb in der Nacht (1. Thess. 5,1 f.), gerade die Ausrichtung der Botschaft, die Mission der Welt ist Ausbruch ihrer Nähe (so schon bei Johannes dem Täufer, bei Jesus selbst Mt.3,2; 4,17; 12,28) ist Ausdruck des Wissens, solange es Tag ist. Gerade in der Missionierung der Welt wird die Nähe der kommenden Gottesherrschaft aktuell. Insofern werden wir gerade umgekehrt unsere Stelle lesen müssen, nämlich so, dass der Auferstandene selbst die Seinen aus der träumerischen Spekulation über das Weltende herausreißt und unter seinen Befehl stellt. Das Wirken der Kirche erfolgt unter diesem, sie immer wieder von dem Absturz in diese Frage (Richtest du jetzt dein Reich auf? Acta 1, 7) zurückreißenden Befehlswort des Herrn. Die Weltmission der Kirche steht unter dem Zeichen der Tatsache, dass mächtiger als die Zeichen und Erwartungen des nahen Weltendes der Befehl des lebendigen und in ihr gegenwärtigen Herrn ist. [2]

Wir stehen heute in einer ganz ähnlichen Situation. Weithin lähmt die Erwartung des nahe bevorstehenden Endes das Heraustragen der Botschaft, darum die Bemühung, in frommen Kreisen zusammenzubleiben (in Jerusalem das Ende abzuwarten!), darum die Preisgabe der „Welt“ als einer endgültigen verlorenen, endgültig den Dämonen preisgegebenen Angelegenheit. So war es ja schon in den letzten Jahren des Krieges und des überhandnehmenden Terrors. Dahinein trifft dieses Wort. Und es steht immer wieder da, in seiner stolzen, apodiktischen, nur noch Anbetung oder Zweifel auslösenden Autorität. Es ist in der Tat ,,letztes“ Wort. Es gibt darauf keine Antwort mehr. Es gibt nur noch Gehorsam oder Entweichen. Ende aller menschlichen „Einrede“ (Hebr. 6, 16) ist die feierliche Verheißung des Herrn. Ich bin bei euch. Das ist es, woran sich die Apostel zu halten haben, nicht sein Der ziehen“. Wenn heute die Kirche in ähnlicher Lage steht, wenn immer wieder diese Frage auftaucht, ob es nicht besser sei, sich auf sich selbst zurückzuziehen, sich auf den kommenden Tag durch Sammlung des Restes zu rüsten, wenn dies sich andeutet in all den Bestrebungen, kultischer, liturgischer, ordensmäßiger Observanz, dann ist das genau so zu begreifen, wie jenes Haften an Jerusalem, aber der ausgestreckte Befehlsstab des Herrn weist an die „Enden der Welt“, weist nicht nach Israel zurück, sondern weist uns an die Völker“ und legt mit ,,Lehren“ und Taufe“ unser diesbezügliches Arbeiten eindeutig fest.

„Wohl zögert die Urgemeinde mit der Mission“- schreibt Schniewind zur Stelle-, „weil die Botschaft an die Völkerwelt nach allen Erwartungen des AT zur Vollendung der Weltzeit gehört; und die Frage ist nur diese, ob die Vollendung der Weltzeit schon mit Jesu Auferstehung anhebt, oder ob die Gemeinde auf seine Wiederkunft vom Himmel her warten solle, bis die Botschaft über die ganze Erde hin ergeht. Und nun beschreibt die Apg., wie die Urgemeinde durch die Verfolgung und durch besondere Weisungen des Auferstandenen in die Weite gedrängt wird.“ Damit dürfte nun auch das fachliche Anliegen, das die liberale Kritik unserer Stelle gegenüber hatte, geklärt sein. Es geht nicht um die Einschränkung des Judentums zur Weltreligion (in der Eschatologie ist der Universalismus immer heimisch gewesen – Schlatter), sondern es geht darum, dass mit dem Kommen Jesu, mit seinem Tod und seiner Auferstehung nun tatsächlich der neue Aon anbricht und dass die Jünger Träger, Botschafter dieses Einbruchs der Gottesherrschaft sind. ,,In caelo autem et in terra potestas data est, ut qui ante reganat in caelo, per fidem credantium regnet int terris“ (Hieronymus). Zu V.18 vgl. Dan. 7,14. Fast wörtliche Übernahme.

Zum-Schüler Machen

Wäre damit erst einmal das Dass der Weltmission deutlich, und zwar so, dass wir nicht in erster Linie heute an die Arbeit auf dem Missionsfeld bei dem Ausdruck „Völker“ zu deuten hätten, sondern an die Welt im Unterschied zu Israel, zu Jerusalem, zur “Kirche“, so wird ebenso wichtig sein, dass wir uns das Wie dieser Arbeit aus dem Text deutlich machen lassen. Jesus gibt eine bestimmte Marschroute mit. Zunächst steht da der Befehl des „Zum-Schüler Machens“, also unter den Ruf-des Herrn Stellens (vgl. Mt. 13,52). Hierzu müsste man eigentlich den Artikel von Rengstorf im Wörterbuch zum NT über ,,mathetes“ lesen können, der ausgezeichnet ist und an dem man lernen kann, worin dies zum Jünger machen“ besteht. Jedenfalls nicht mit Hilfe eines Traditionsprinzips“. Die erste christliche Generation und das neue Testament stehen jeglichem Traditionsprinzip griechischer oder rabbinischer Prägung fern. Jesus ist für die Jünger nicht der Rabbi, sondern der Meister. Die verstünden ihn als den Herrn. Sie übermitteln nicht einen” Lehrstoff“, sondern sind ,,Augenzeugen“, die eine Geschichte“, vornehmlich die Leidensgeschichte“, berichten und benennen. Im christlichen Credo ist ihr „Zeugnis“ beschlossen, nicht in der Tradierung der Worte und Ideen“. So erscheinen in den Evangelien Jesu Jünger nicht als seine Tradenten, sondern als seine “Zeugen“ (Rengstorf). So ja auch Apg. 1,8. Das erste, was befohlen ist, ist also der Zeugendienst vor aller Welt (vgl. Joh. XIV, 8).

Gott selbst tauft

Das zweite ist die Taufe auf den Dreieinigen Gott. Es dürfte darin deutlich werden, wie konstitutiv diese beiden Momente im Handeln Kirche sind, von Gott her die Offenbarung, vom Menschen her die neue Geburt. Das Bekenntnis zum Dreieinigen Gott, das ist die Scheidegrenze, die den Gottesbegriff der Christen von dem Gott und den Göttern der Heiden unterscheidet. Darin kommt nur begrifflich, also lehrmäßig und explizit, zum Vollzuge, was ja schon in der Taufe auf den Namen Jesu“ drinliegt. Jede Taufe auf den Namen Jesu bedeutet, dass hier der Eine Sohn Gottes erschienen ist, der selbst Geist ist und den Geist Gottes schenkt, dass hier Gott selbst gegenwärtig ist, und wirft, tötet, lebendig macht“ (vgl. Taufe und Geist Mt.3, 11; Apg. 2, 38; 10, 44; 1. Kor. 6, 11 etc.) (Schniewind). Hätte wohl die Christenheit einschl. bestimmter Theologen und Bischöfe sich je so irreführen lassen können von der Religion der nationalsozialistischen Ideologie, wenn sie das noch gewusst hätte. Es geht hier nicht um eine Formel, es ist wirklich die “Epiphanie“ (Luther) Gottes, aber es geht auch um eine Formel, besser um ein explizites Bekenntnis, und darum ist die Taufformel dogmatisch unabänderlicher Bestand. Gott ist das Subjekt der Offenbarung, und diese Offenbarung ist der sich über dem Täufling auftuende Himmel. ,,Denn hie ist Gott Vater, Son und heiliger Geist selbst, der das teuffet und badet. Darumb muss auch das wert so trefftig ſein, das es den Menschen ganz new mache“ (Luther in einer seiner vielen Taufpredigten WA 49, 131, 25 Wäre es nicht sehr lehrreich, wenn man einmal die Hauptstücke aus diesen sonst nicht leicht zugänglichen Taufpredigten im Druck vereinigte?). Darum ist eben nicht der taufende Pfarrer, nicht das Amt der Rechtsgrund der Taufe, sondern, wie schon Augustin nicht müde wird, zu betonen, der, auf dessen Namen der Mensch getauft wird (vgl. 1. Kor. 1, 13). ,,Der diener muss zwar da sein, seine hand und mund dazu reichen, Aber ich sol mich nicht lassen weisen auff den sichbarn, sondern auff den unsichtbarn Teuffer, der die Tauffe gestiftet und geordnet hat, Auff den sol ich sehen, Gott gebe, der Diener sey, wie er wölle“ (ebenda). Das Sakrament der Taufe hat sein Gewicht in dieser Einsetzung und in diesem Handeln Gottes mit dem Menschen. Gerade darum, weil gilt: opera trinitatis ad extra sind indivisa, erfolgt die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Darin sind wir von Gott selbst umschlossen, aufgenommen in das Innen seiner Offenbarung. Ich kann das Eine – nämlich den einen Gott nicht denken, –  ohne von den Dreien umleuchtet zu sein. Ich kann die Drei nicht unterscheiden, ohne alsbald auf das Eine geführt zu werden“ (Gregor von Nazianz, aus Barth, KD 1. Aufl. S. 165).

Taufe auf den Namen ist die Mitte

Freilich wird man auch das andere zu beachten haben, dass auszugehen ist bei dem Namen Jesus. Der ist die Mitte. Darum ist die trinitarische Formel nur die Entfaltung dessen, was mit der Taufe auf den Namen Jesu Christi sachlich und begrifflich gesagt ist: ,,In Christi enim nomine subsuditur qui unxit et ipse qui unctus est et ipsa unctio in qua unctus est“ (Irenäus, Barth S. 151). Das Bekenntnis zu Vater, Sohn und Geist ist von den ersten Anfängen an in der Christengemeinde lebendig“ (Schniewind). 2. Kor. 13, 13; Eph. 4,4; 1. Petr. 1, 2; 1. Kor. 12,4; Apg. 2, 38 ff. etc. Das Dogma von der Trinität ist also nicht etwa erst eine spätere Eintragung oder Verzeichnung in die im NT bezeugte Offenbarung, sondern es anerkennt die Wirklichkeit Gottes, so wie er selbst sie in seiner Offenbarung erweist und bestätigt“ (Barth). Eng zusammen mit der Ersehung des Geheimnisses der Trinität und damit allererst der Möglichkeit von Offenbarung durch einen rationalen, mystischen, deistischen, jedenfalls heidnischen Gottesbegriff und der daraus resultierenden Unkräftigkeit des Zeugnisses” der Kirche an die Welt hängt nun auch das andere, die Verlegung der neuen Geburt aus der Taufe weg an irgendeine andere Stelle, in das Erleben, Er fahren, in die moralische Erneuerung etc. Die Taufe ist Sündenvergebung, und als solche Sterben und Auferstehen. Don der Taufe her habt ihr euch als Christen in eurer „Existenz” zu verstehen, und zwar nur von hier her. In die Kirche wird man eben nicht geboren”, sondern ,getauft”. Geboren wird man höchstens in die Landeskirche”, aber niemals in die Kirche Jesu Christi. Und hier liegt der zweite Punkt des Abweichens in den verflossenen Tagen. So wie der natürliche “Gott an die Stelle des sich selbst offenbarenden” trat, so der natürliche Mensch unter und hinter den Christenmenschen”, der deutsche Christ”, wobei man ganz deutlich heraushören konnte, was hier Substanz und was Akzidenz ist. Das Evangelium von Trinitatis sollte so verkündigt werden, dass deutlich würde, wo wir zur Umkehr gerufen sind, theologisch und christlich existenziell, beides in einem, sie müsste einschlagen wie ein Donnerschlag in diese unsere verkehrte Richtung des Deutens und Wesens.

Denn das ist doch wohl zu bedenken, dass Jesus das Wie, die Art und Weise unserer Zeugenschaft an diese beiden Punkte, an Offenbarung und Taufe, bindet und nicht will, dass wir unter Umgehung dieser Hauptposition, an der die Entscheidung nach seiner Weise zu fallen hat, die Welt mit anderen Mitteln zu missionieren bzw. zu ködern suchen. Nun sucht man nichts anderes an den Haushaltern über den Geheimnissen Gottes- und das auch unsere Wiedergeburt, als dass sie treu erfunden werden. Hier steht und fällt die Kirche.

Lehret sie halten – „der Christ macht neue Dekaloge” (Luther)

Erst danach kommt, als drittes, das lehret sie halten, alles was ich euch aufgetragen habe”, die eigentliche Tauflehre von Hebr. 6, die Unterweisung! Und zwar Unterweisung im Sinne der echten Paraklese, des halten-Lehrens, der ,,tertius usus legis”, dessen, was Luther meint, wenn er sagt, „der Christ macht neue Dekaloge”. Man kann das auch die Kampfordnungen des neuen Christenstandes nennen. Christentum in der politischen, wirtschaftlichen, geistigen Situation heute. Die Gemeinden haben einen Anspruch, ein Wort darüber von uns zu hören, Weisungen zu erhalten, aus denen deutlich wird, der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk gewichen”. Aber so notwendig dieses Dritte ist, es muss immer drittes bleiben. Die Hauptpartie ist Röm. 1-11, erst dann kommt die Paraklese. Erst dann kommt die eigentliche Überlieferung” der Regeln und Weisungen Jesu. Und so gestellt, wird und muss sie denn auch kommen. Nicht als Ethik, sondern als Lehre, zu halten, was der Herr seinen Aposteln aufgetragen hat”. Zum Begriff “halten” vgl. 1. Joh. 5,18; Joh. ,51; 14, 15; 21; 23 etc.

Theologischer Impuls zur Klimakrise – Miriam Eryazici

Impuls anlässlich Watch and Talk “nur noch kurz die Welt retten”

Es geht heute um nicht weniger als die ganz großen ethischen und politischen Themen – um eine globale und alles entscheidende Jahrhundertaufgabe!

Zugleich steckt für mich persönlich hinter der Klimakrise auch eine tiefe Glaubensfrage: Die Frage, die bereits der Psalmbeter aus Psalm 8 stellt: „Was ist der Mensch, dass du Gott, seiner gedenkst?“. So sagt unser Verhalten in Bezug auf diese Welt und unser Verständnis von Natur sehr viel darüber aus, wer wir eigentlich sind.

Das Spannende an diesem Psalm ist, dass die Frage nicht einfach so abstrakt gestellt wird, also: was ist der Mensch eigentlich? Sondern sie ist an Gott gerichtet. Gott – wer sind wir eigentlich in deinen Augen? Und vor allem wer sollen wir eigentlich sein?

Der Psalmbeter fragt dies voller Gefühle, wenn er schreibt:

„Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: 5 was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? 6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. 7 Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan.“ (Ps 8)

Das ist wahrhaftiges Staunen! Es ist wie der Blick aus Kinderaugen, die in dieser Welt so viel mehr sehen als oft die Erwachsenen. Es ist das Loblied auf die Schöpfung. „Lobe den HERRN, meine Seele!“(Ps103), „HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ (Ps 104)

Angesichts des mit abertausenden funkelnden Sternen bedeckten Himmels, komme auch ich bei Lagerfeuernächten ins Be-wundern. Wenn wir so staunen, haben wir plötzlich ein anderes Verständnis der Welt. Dann ist die Welt nicht unser Besitz oder der Raum, in dem es einzig darum geht, dass wir Menschen ihn zu nutze machen können. Sondern dann sehen wir: Das ist Gottes Welt! Seine Schöpfung. Dann sind wir auch schon mittendrin im Bekenntnis und Lobgesang. Denn es geht hier nicht um eine abstrakte Welt, um ein Objekt, das wir in Zahlen und Fakten oder Kausalzusammenhängen beschreiben könnten. Sondern es geht um unser ganzes Dasein und ein Wirklichkeitsverständnis.

Diese wunderbare Schöpfung beschreibt die Bibel gleich zu Beginn in ihren Schöpfungsgeschichten: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.”(Gen 1,1) So schafft Gott die Welt, vom Licht bis hin zu den Landtieren und den Menschen, einfach aus dem Nichts, weil Gott es so möchte.

Das ist Gottes gute Ordnung. Ein System im Gleichgewicht. Wenn man sich mit einem Ökosystem näher beschäftigt, kann man nur erahnen, wie unfassbar diese Systeme aufeinander abgestimmt sind.

Was aber haben wir Menschen damit zu tun?

Die Bibel beschreibt das bildlich: Der Mensch heißt auf Hebräisch „Adam“ Das kommt von „adamah“ – Erdboden. Wir sind also vom Staub von der Erde. Lebendig gemacht durch den eingehauchten Atem Gottes (Gen2,7). Und wir werden auch wieder zu Staub werden.

Wir sind Teil des Beziehungsnetzwerkes der Schöpfung, Teil dieser Gemeinschaft. Wir stecken mittendrin und können uns nicht daraus flüchten durch unsere scheinbare geistige Erhabenheit oder den Erfindergeist, der uns scheinbar von der Tier- und Pflanzenwelt unterscheidet, aber in Wirklichkeit zu Katastrophen wie Fukushima geführt hat.

Im Schöpfungsbericht wird das auch dadurch deutlich, dass der Mensch mit den Landtieren am selben Tag geschaffen wird (Gen1,24ff.). Wir SIND also Natur, wir besitzen sie nicht. Die Natur ist kein Objekt. Sondern wir BRAUCHEN sie, weil wir sie selbst sind. Und – die Natur ist sehr wertvoll. Alles von Gott Geschaffene ist sehr wertvoll.

Die Bibel will uns damit gleich zu Beginn klar machen: Wir sind nicht Schöpfer dieser Welt, wir können unseren Turm nicht bis in den Himmel bauen (Gen11). Sondern Gott hat alles geschaffen! Und wir sind seine Geschöpfe als Teil des Ganzen, von dem Gott sagt: „es ist alles sehr gut!“ (Gen1,31)

Wir Menschen sind eben nicht grenzenlos und haben alle Möglichkeiten der Welt offen. Sondern wir sind begrenzt, sterblich, vulnerabel, alle eingeschränkt, wir sind aufeinander angewiesen, auf die wunderbare Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt. Und v.a. sind wir in all unserem Leben und Tun auf Gott verwiesen.

Wer sind wir Menschen also? In der 1. Schöpfungsgeschichte heißt es dazu: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.“ (Gen1,26)

Sind wir damit die Krone der Schöpfung als Abschluss von Gottes Werken? Das würde verkennen, dass der krönende Abschluss der siebte Tag – der Sabbat ist, welcher einlädt, Gott und seine Werke zu bestaunen.

Wir sind nicht die Krönung, aber wir haben eine bestimmte Verantwortung von Gott geschenkt bekommen: den Herrschaftsauftrag. Herrschen meint hier nicht alle begrenzten Ressourcen ausnutzen und ausbeuten. Denn Gott sieht in allem Leben einen Eigenwert. Sondern Herrschen heißt, Gottes Stellvertreterinnen sein. So ist es unsere Verantwortung, für unsere Mitschöpfung zu sorgen und sie zu bewahren: beim Erhalt unserer Wälder und dem Schutz von altem Saatgut angefangen, bis hin zur Bewahrung von Gletschern, bedrohten Vogelarten und Insekten.

UND wir haben eine Verantwortung für alles menschliche Leben, was nach uns kommt, wenn wir selbst längst wieder Staub sind. Nächstenliebe heißt nicht mehr nur der Mensch direkt neben mir. Wir leben auch in einer globalen Verantwortung. Und in einer überzeitlichen für die Kinder unserer Kindeskinder, also alle Generationen nach uns. – Dabei darf man nicht vergessen, um welche Menschen es besonders geht: denn die Klimakrise verschärft schwelende soziale Konflikte und die Schere von Arm-Reich ins unermessliche. Wir sind vor allem für besonders vulnerable Gruppen verantwortlich: Wohnungslose-Geflüchtete-Kinder-Sozialbenachteiligte, die Liste ist lang. So hängt unsere Welt als Beziehungsnetzwerk aufs Engste zusammen: auf der einen Seite der Welt: Konsum, bodenloses Wirtschaftswachstum und der Gebrauch von lebensvernichtenden Techniken – auf der anderen Seite: Flucht, Artensterben, Überflutung. Alles hängt zusammen.

Sind wir dieser Verantwortung gewachsen? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe! Und – ich staune! Denn viele Menschen haben die Verantwortung längst verinnerlicht. Und: Gott hat uns viel mitgegeben, damit wir die Verantwortung auch tragen können. Trost ist mir, dass die Schöpfung nicht abgeschlossen, sondern ein Begriff der Verheißung ist. Das wissen wir durch Christus. Daher muss uns nicht nur die Angst leiten, sondern die Hoffnung. Die Dankbarkeit und das Staunen der Psalmbeter, mit dem der erste Schritt schon getan ist:

Wunderbar sind deine Werke, Gott; das erkennt meine Seele! (Ps139,14) Amen.

Theol.Cand. Miriam Eryazici

Geistesgaben im Dienst – 1. Kor 12. Ökumenischer Predigttausch Pfingstmontag 2021, Jan-Peter Hanstein in St. Otto, Lauf

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes <des Vaters>und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit <uns> allen! (2.Kor.13,13)

Liebe Schwestern und Brüder,

danke, dass ich hier und heute predigen darf. Viele unserer gemeinsamen Festen und Veranstaltungen vor Ort sind ausgefallen. Und ich stehe hier als Repräsentant und Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde, die oft andere Entscheidungen in der Krise getroffen hat als ihr hier in St. Otto. Besonders schmerzhaft die Absage unserer gemeinsam geplanten Gottesdienst an Heilige Abend 2020 auf dem Marktplatz. Das erste Mal in der Geschichte von Lauf Ökumenischer Gottesdienst am dem höchsten Feiertag der Deutschen – Heilig Abend. Wir Evangelischen haben für uns die Entscheidung getroffen, unter den besonderen Umständen des Lockdowns nicht mitmachen zu können, so gerne wir gewollt hätten.

Und glaubt mir: ich habe selbst niemals eine für mich schwierigere Entscheidung getroffen. Wenn ich mitteile, was ich daraus gelernt habe, überrascht euch das und mich vielleicht auch. Zum ersten Mal habe ich als Evangelischer die Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, „Nein“ sagen zu müssen. Und ohne euch als Katholiken zu nahe zu treten – sonst ist es ja immer umgekehrt. Wir Evangelischen drängen und bitten und betteln – ein bisschen Abendmahl beim ökumenischen Kirchentag, ein bisschen Bewegung in der Ämterfrage und gerade die Rolle bei Frauen und Männern – und die Spitze der katholischen Kirche, die Bischöfe und vor allem Rom sagen – NEIN.

Im Vorfeld des ökumenischen Kirchentages 2021 hat wieder das Abendmahl in den Medien alle anderen Themen überlagert. Es wurde nicht davon gesprochen, dass eh fast alles online geschehen muss, nicht über die Einigung auf gemeinsame Ziele – sondern: Nein, Abendmahl und Eucharistie kann nicht gemeinsam gefeiert werden, aber immerhin – ganz Neu: Auch ihr Evangelischen seid herzlich eingeladen. Autsch. Da war doch was… Bin ich heute eingeladen? Und wenn ja, darf ich unter diesen Bedingungen mitfeiern oder schaue ich zu?

Die lange Zeit von Corona hat uns ökumenisch gesehen nicht nähergebracht, so ist zumindest meine Einschätzung. Zeit, einen Schritt zurückzugehen und unsere Visionen zu überprüfen.

Paulus schreibt nach Korinth. In der Großstadt existiert eine Gemeinde, die längst so groß geworden ist, dass sie in verschiedene Gruppen und Bewegungen zerfallen ist. Es stellt sich die Frage, ob bei so vielen Verschiedenheiten überhaupt noch von einer Gemeinde gesprochen werden kann. Paulus schreibt in seinem ersten Brief:

Der eine Geist und die vielen Gaben 1. Kor 12 EÜ

1 Auch über die Gaben des Geistes πνευματικῶν möchte ich euch nicht in Unkenntnis lassen, meine Brüder und Schwestern. 2 Als ihr noch Heiden wart, zog es euch, wie ihr wisst, mit unwiderstehlicher Gewalt zu den stummen Götzen. 3 Darum erkläre ich euch: Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet. 4 Es gibt verschiedene Gnadengaben χαρισμάτων, aber nur den einen Geist.

Es ist erstaunlich, wie klar Paulus in einer vollkommen konfusen Situation ist, wie er theologisch die teils rätselhaften Phänomene in der Korinth erklärt und einordnet.

Ein Pfingsten hat sich ereignet in Korinth, dass Menschen vollkommen überwältigt sind von der neuen Freiheit. Alle reden durcheinander, die Zunge gelöst, manche in eigenen Sprachen, Streit bricht aus über die Wunder und die Kräfte. In unser bürgerlichen Kirche würden wir uns erschreckt und ratlos über die Hysterie abwenden. Vielleicht sogar diese Menschen bekämpfen, die so von sich und dem Geist eingenommen sind. In der Reformationszeit traten diese Wirkungen auf. Luther wusste genau, wie gefährlich es werden konnte für die ganze reformatorische Bewegung, wenn sie in diese Ecke gestellt werden könnte und bekämpfte selbst die Schwärmer und Pfingstler unbarmherzig und tödlich. Auch eine große Schuldgeschichte auf evangelischer Seite, aber der Macht-Missbrauch der Gaben des Geistes und Massenhysterie wie in Münster ließen den Oberen damals keine andere Wahl. Auch wenn sie oft im eigenen Interesse über das Ziel hinausgeschossen sind und der Geist auf Jahrhunderte gedämpft war. Auch der Geist der Revolution…

Aber Paulus hatte nur seinen Schreibgriffel.

1) Redender Gott

Er stellt zuerst fest:

Klar, dass ihr überwältigt seid. Früher waren eure Götzen stumm. Jetzt seid ihr dem lebendigen Gott begegnet und dieser redet mit euch im Geist!

Für mich die erste Erkenntnis: Gott redet. Auch jetzt. Auch heute. Vielleicht sogar durch mich. Ich habe versucht, zu hören was der Geist uns sagen möchte. Ich habe lange gezögert, diese Predigt so niederzuschreiben. Es ist nicht alles festgefügt. Gottes Wort schafft Neues!

2) Jesus ist der Herr

Paulus zieht Grenzen: Gottes Geist kann nicht sagen, dass Jesus nicht der Herr ist. Und jeder der bekennt, dass Jesus der Herr ist, spricht dieses im Geist.

Er verwendet wirklich den einfachen Namen Jesus, er meint den Jesus, wie er wirklich gelebt hat als Mensch, was er gesagt hat, wie er gestorben und auferstanden ist und zum Herrn wurde. KYRIOS ist in diesem Fall noch stärker als der Titel Christus. Kyrios wurde für Gott selbst verwendet!

Davon kann der Geist nicht abweichen. Sonst ist es nicht der Geist Gottes. Jeder der glaubt, empfängt dankbar die Gabe des Geistes.

Also: Gott ist lebendig und spricht und wirkt durch seinen Geist. Der Geist ist der Geist Jesu!

Paulus schreibt weiter:

4 Es gibt verschiedene Gnadengaben χαρισμάτων, aber nur den einen Geist.

5 Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. 6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. 7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

3) zum Nutzen aller

Die Geistesgaben, die Wirkungen ist keine spektakuläre Spielerei, sondern sollne den anderen nützen! Das ist die dritte Bedingung.

8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem anderen durch denselben Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, 9 einem anderen in demselben Geist Glaubenskraft, einem anderen – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, 10 einem anderen Kräfte, Machttaten zu wirken, einem anderen prophetisches Reden, einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede, einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen. 11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

4) jetzt erst beschreibt Paulus den Reichtum von Geistesgaben – er nennt sie „Charismatoi“ – Geschenke aus Gnade.

Es gibt nicht einfach weise Menschen, die Autorität besitzen, sondern einfach eine Gabe Worte zu finden, die andere als „weise“ also hilfreich empfinden.

Dann gibt es diejenigen die ihre Kenntnisse gut vermitteln, andere die stark glauben und andere aufrichten, Menschen, die Kranke versorgen und heilen, – alles der eine Geist: Machttaten, Prophetie, Geisterunterscheidung, Zungenrede und deren Übersetzung.

11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

Und wir staunen.

Ich möchte euch heute an Pfingsten 2021 aufrufen und fragen. Was ist deine Gabe Gottes? Was hat dir Gott geschenkt? Was sagen andere, was du besonders gut kannst? Jeder und jede, die hier sitzen und hören hat eine besondere Gabe. Vom Geist Gottes für andere. Denkt darüber nach, werdet euch klar!

11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

Meine Gabe ist, glaube ich, gar nicht so sehr schön und eindrücklich predigen zu können, meine Begabung ist, verschiedenste Menschen in einem Team zusammenzuhalten und anzuleiten. Zumindest sagt man mir das nach. Auch wenn da oft was schief geht.

Überlegt – was ist eure Gabe, die ihr in den Dienst für andere stellt!

Die Gabe zu leiten, erwähnt Paulus übrigens bewusst nicht unter den Geistesgaben. Seine Gaben sind demokratisch verteilt. Leiten ist keine Gabe sondern ein Dienst διακονιῶν – Luther übersetzt mit Amt. …

Nach dem Bild vom Leib Christi schreibt er und wiederholt er:

27 Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm. 28 So hat Gott in der Kirche die einen erstens als Apostel eingesetzt, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Machttaten zu wirken, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede.

Also neben den Gaben für alle gibt es die eingesetzten Apostel, Propheten und Lehrer. Leider scheint Paulus wirklich nur Männer diese Ämter geben zu wollen. Gerade in Korinth scheint er persönliche Probleme mit geistbegabten und vorlauten Frauen gehabt zu haben, deshalb ist er situationsbezogen polemisch im 1.Korinther 11:5 (Luther drastisch Übersetzung 1912)

Ein Weib aber, das da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt, denn es ist ebensoviel, als wäre es geschoren. Ich lasse euch aber wissen, daß Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt; der Mann aber ist des Weibes Haupt; Gott aber ist Christi Haupt.

1Kor 14,34 Das Weib schweige in der Gemeinde. Wollen sie etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern übel an, in der Gemeinde zu reden.

Das klingt zunächst einmal danach, dass Ihr Katholiken recht habt, dass Frauen nicht die höchsten Weihen der Kirche erhalten können. So steht es tatsächlich da. Für mich ist Paulus im Eifer des Gefechts weit über das Ziel hinausgeschossen, weit hinter seinen sonstigen Erkenntnissen zurückgeblieben. Es muss dort Frauen gegeben haben, die ihn so sehr angefochten haben, dass er prinzipiell geworden ist. Wir Evangelischen reden ganz nüchtern von den nützlichen Charismen für alle und den Menschen, die geprüft, gewählt und schließlich auf Zeit eingesetzt werden. Männer und Frauen. Ordination statt Weihe. Die Unterschiede evangelisch und Katholisch in dieser Frage empfinde ich schon als Anfechtung und schmerzhaft.

Ich möchte das illustrieren am Arbeitsrecht:

Ich bin ja auch Vorgesetzter von ca. 200 Angestellten in Kirchengemeinde und verschiedensten Werken. Wenn hier jemand sagen würde, eine Frau wäre für eine bestimmte Aufgabe nicht geeignet, allein weil sie eine Frau ist, wäre diese Bemerkung ein Grund für eine sofortige und fristlose Entlassung.  

Klar könnte ich hier sagen, dass es verschiedene Konfessionen geben muss wie verschiedene Geistesgaben. Aber ich glaube nicht, dass der Geist so wirkt. Das hat mehr mit menschlichen Traditionen und Machtverhältnissen zu tun.

Habe ich von meiner Vision erzählt? Ich dachte als junger Theologe, dass ich es erleben würde, dass evangelisch und katholisch sich zusammentun würden, eine Kirchenleitung bilden, Caritas und Diakonie sich zusammenschlössen und wir einfach zwei verschiedene Riten in den Gottesdiensten feiern könnten – so wie ich die Anglikaner erlebt habe: „high church“ – hochkirchlich liturgisch und „low church“ – unliturgisch modern mit Betonung auf Predigt. Ich dachte als junger Mann, wenn die Katholische Kirche ein ökumenisches Konzil ausrufen würde und auf ein paar besonders katholische Attribute verzichten würde wie die Unfehlbarkeit des Papstes, dann stände einer gewissen Einheit auf Dauer nichts im Wege. Wir Evangelischen hätten keinen Grund mehr zu protestieren. Ich dachte wie viele andere, dass wir uns aufeinander zu bewegen würden. Aber jetzt mit 54 Jahren bin ich ziemlich ernüchtert. Es gibt neben dem ökumenischen Bewegung eben auch eine sehr menschliche Art sich gegeneinander zu profilieren.

Wenn wir Evangelischen euch Katholiken drängen und sagen: Wie ist das mit den Frauen als Priesterinnen – dann sagen sie zu Recht: Evangelisch gibt’s schon. Lasst uns unseren Weg.

Und wenn die Katholiken sich von machen evangelischen Gottesdiensten abwenden, weil die Sprache geschwätzig wird  und die Liturgie peinlich formlos, dann sagen wir Evangelischen: na und? Die einzig wahre Liturgie habt ihr, aber lasst uns halt experimentieren und Neues ausprobieren.

Ich weiß nicht, ob ich richtig liege: wenn wir heute nach 100 Jahren Ökumene immer noch evangelisch und katholisch sind, dann sind wir es trotzdem und gerade deshalb bewusst. Ich fürchte, in vielem liegen wir sogar weiter auseinander, als wir es noch vor Jahrzehnten waren. Diese Dynamik der Profilierung gegeneinander liegt in einer aufgeregten Zeit, in der Konflikte wesentlich eher berichtet werden als Einigungen und liebevolle Handlungen.

Ich gebe zu, dass dieser Gedanke für mich sehr ernüchternd ist. Ich nicht weiß, was im Kern der Ökumene wirklich unsere Ziel sein soll. Aber eines weiß ich:

Bei aller Vielfalt der Gaben und Ernsthaftigkeit der Dienste, dem Überschwang und der Nüchternheit, das 12. Kapitel im ersten Korintherbrief bleibt ein Übergangskapitel. So wie unsere neuen konfessionellen Abgrenzungsbewegungen im 21. Jahrhundert ein Übergang sein werden. Vielleicht müssen die beiden alten Streithähne Evangelisch und Katholisch schrumpfen, an Macht und Einfluss verlieren und Gott schafft etwas ganz Neues durch den Geist Jesu ….

Paulus steuert auf das nächste Kapitel zu mit den Worten:

29 Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Machttaten zu wirken? 30 Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle übersetzen?

31 Strebt aber nach den höheren Gnadengaben! Dazu zeige ich euch einen überragenden Weg:

Und es folgt das wunderbare Kapitel 13:

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

Wenn ich heute im Einfluss eines sehr protestantischen aufbegehrenden Geistes stand, dann war das noch nicht der Geist Jesu. Bei allem was wir glauben und Tun – ohne die Liebe ist alles nix!

Ich danke für die geschwisterliche Liebe, die vieles im Innern zusammenhält, die uns verbindet über schmerzhafte konfessionelle Grenzen hinweg. Lasst und den Geist nicht dämpfen, denn mit Liebe wird Gott uns und unsere Kirchen und auch unsere Gemeinde in Lauf erhalten und jeden Tag neu schaffen. Denn es ist Gottes Geist, der alles bewirkt. In diesem Geist feiern wir gemeinsam Pfingsten. Und ich hoffe, dass ich trotz allem, was ich heute gesagt habe, wiederkommen darf …

AMEN

Pfingstpredigt 2021 von Pfr. Jan-Peter Hanstein, Johanniskirche Lauf

Steine und Geister

1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.  2 Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst.  3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel  4 und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.

5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.

 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.

 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!

8 So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen.

 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.

Gen 11,1-9

(wie schnell getippt, gesprochen ist nicht geschrieben …)

Liebe Gemeinde

Letztes Jahr habe ich gedacht: Corona ist Anti-Pfingsten! Die Menschen bleiben möglichst zu Hause, bewegen sich vorsichtig in der Öffentlichkeit. Die Grenzen der Länder sind dicht, der Austausch und das gegenseitige Besuchen wurde angehalten. Nicht der Geist verbreitet sich weltweit, sondern das COVID19 Virus mit rasender Geschwindigkeit.

Heute hören wir die Geschichte vom Turmbau zu Babel auch als Antigeschichte, oder?

1) Der Turmbau von Babel geht um die Unterscheidung der Geister: Den Einen Geistes Gottes, von den anderen Geistern.

2) Der Turmbau von Babel ist keine Fabel, kein Märchen, keine historische Erinnerung sondern ein Gleichnis, atmet denselben Geist prophetischer Erzählungen wie die Gleichnisse Jesu.

3) Die heutige Predigt ist Teil 1: Der eine Geist. Morgen am Pfingstmontag Teil 2 – werde ich in der katholischen Kirche St.Otto die Fortsetzung predigen:  die vielen Gaben des einen Geistes.

1. Blick in die Schreibwerkstatt

Wenn es nur um die Unterscheidung von Stein und Geist ginge wäre es einfach. Wenn der andere Geist leicht erkennbar wäre, wäre es einfach. Da schauen wir den SchreiberInnen der Bibel einmal in die Werkstatt.

a) Der Schlüssel ist, dass sie den Ort Babylon nennen. Damit geben sie das Signal: Wir die wir schreiben, wir sind Teil der Arbeiter an diesem Turm, wir Juden, die verschleppt worden sind aus Israel. Wir haben aufbegehrt gegen den Einheitsstaat Babylon, wollten mit Ägypten den Aufstand wagen gegen die gnadenloser Unterdrücker und sind schrecklich gescheitert. Jerusalem zerstört, die Führungsschicht als Geiseln in Babylon.

b) Das neubabylonische Reich hatte nicht dazugelernt. Sie versuchten ein Reich zu bilden mit einer Einheitskultur, einer Sprache, einer Herrschaft, einer Religion. Später die Perser wollten es besser machen, zerstören das berühmte Heiligtum in Babylon und riefen ein Zeitalter der Toleranz unter ihrer Führung aus. Die Griechen unter Alexander wollten dagegen wieder dominieren. Alexander versuchte sogar diesen Turm wieder aufzubauen, aber scheiterte durch seinen frühen Tod.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist also subversiv – und prophetisch. Denn zu der Zeit des babylonischen Exils galt dieser Turm schon als Weltwunder. 100m hoch auf einer Grundfläche von ein Hektar. Klar wurde daran immer gebaut, wie heute am Kölner Dom. Aber das Heiligtum war in Betrieb, die Dominanz durch überlegene Baukultur jederzeit vorführbar.

Wie sieht die Analyse aus?

2. Die Noachiten

Das Volk, das den Turm baut, sind in der Geschichte die unmittelbaren Nachkommen Noahs! Das waren auch „Materialisten“, die durch den berühmten Schiffbau der Arche überlebt haben. Übrigens mit Abmessungen und Verhältnissen, die dem Tempel in Jerusalem glichen. Klar – ein Volk der Macher und Techniker. Wenn sie ein Heiligtum, bauen, dann zu ihrem eigene Ruhm – Macht und schiere Größe. Und zur Sicherheit. Keine Flut mehr soll den Turm vernichten? Und auch heute noch haben diese Noachiten Nachfahren: China mit seinem wahnsinnigen Projekt der chinesischen Mauer, die neureichen Staaten in Arabien und Asien, deren Türme nun bei über 500m angelangt sind. Es wurde ausgerechnet, dass der Turm von Babel umgerechnet 5mrd€ kosten würde – aber um in den Himmel zu kommen, waren ganz andere Beträge notwendig: der Wettlauf auf den Mond und die Raumfahrt kostete Billionen und Gagarin konnte nach seinem ersten Flug um die Erde beiläufig berichten. Gott habe ich dort oben nicht gesehen …

Das sind die Nachkommen Noahs, die diesen Turm bauen in Einheitsstaaten und Ideologien. Das Judentum konnte das schon immer nüchtern sehen. Durch die Mauern hindurch – prophetisch: diese Türme werden verlassen, die Projekte nie abgeschlossen, aber hinter dem schönen Schein stehen die Toten und Unterdrückten. Wie hinter dem unvollendeten Reichsparteitagsgelände das KZ Hersbruck mit tausenden Toten mit in einer wunderschönen Landschaft, in der wir gerne herumwandern. Und natürlich hatte Hitler mit seiner Megastadt GERMANIA den Traum eine 10 mal größere Kuppel wie den Petersdom zu bauen.

3. Das Gericht Gottes ist die Unterscheidung … Geist Gottes. Geist der Menschen.

So einfach.

Die Vielfalt der Kulturen ist uns nun gegeben. Was geschieht nun an Pfingsten? Die Geburt der einen wahren richtigen Weltreligion des Christentums – der einen wahren Kirche?

Genau zu Pfingsten erscheint eine Rezension in den Nürnberger Nachrichten über die Gottesherrschaft der deutschen Missionare in Neuguinea und ihre Anfälligkeit für den Nationalsozialismus. Ein kleiner Hinweis – wie weit die Macht des Christentums reichte und reicht.

Die Kirche war oft genug ein Projekt wie der Turmbau zu Babel. Die Wahrheit der Religion sollte sich an Macht Größe und Erfolg zeigen. Die größeren Kirchtürme, die eindrucksvolleren Kunstwerke, beeindruckend und einschüchternd mit dem Verbund von Königen von Gottes Gnaden und ihren Soldaten.

An diesen Weltkirchen und ihrem Wettlauf um die Weltmacht zwischen Westen und Osten, schließlich Katholisch und Evangelisch und dem Islam wird das Gericht Gottes vollzogen. Sie verstehen sich nicht und sie kämpfen gegeneinander und töten sich. Projekt Babel muss scheitern.

Die Unterscheidung der Geister ist eine unglaublich mächtige und schwierige Angelegenheit. Wir danken diese Geschichte den Juden und schon an so einer kleinen Geschichte von 10 Versen sehen wir, wie wichtig die Juden sind. Sie sind das Salz in der Suppe. Die bilden die Differenz. Eine wahre Kirche ohne Juden kann es nicht geben. Und der aufkommende Judenhass in der Corona-Krise und um die Kämpfe in Israel zeigen, dass wieder etwas in eine grundfalsche Richtung läuft.

Im Umgang mit dem Impfstoff gegen Corona wird sich auch wieder der Geist zeigen:

Der menschliche Geist, der mit der Macht über den Impfstoff andere ausbeutet und unterdrückt, wie Russland, die überall ihren Impfstoff Sputnik anpreisen und verkaufen für gute Devisen und Einfluss, aber nicht daran denken, ihr eigenes Volk zu schützen, aber auch der Egoismus USA‘s, die nach Exportverboten und Selbstbedienung großzügig die Freigabe der Patente fordern. Immerhin konnte sich die EU auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Aber entscheiden wird sich der Kampf gegen das Virus in der übrigen Welt. Wenn wir da nicht genauso alle Kräfte und unser Vermögen uneigennützig einsetzen, wird auch dieser Turm zusammenbrechen. Das Impfprogramm kann im Geist Gottes betrieben werden – kleinteilig für alle, oder im Geist der Menschen: großspurig als Allmacht weniger, die auf die Gebote Gottes spucken und sagen werden wie Mose: Wir haben das Wasser aus dem Fels geschlagen … Es geht nicht um eine Menschheit, sondern deine Menschheit! Herr!

4. Prophetisch, richtend. Unterscheidend: das dritte Pfingsten …

Der Geist Jesu. Wie in seinem Gleichnis vom eigensüchtigen Kornbauern, dem Gott sagt: Du Narr! Heute wird deine Seele von dir gefordert werden.

So fährt Gott hinab, um das Türmchen der Weltherrschaft überhaupt sehen zu können. Feiner Humor der biblischen Erzähler. Ernste Worte:

Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.

Die Strafe Gottes ist eher Barmherzigkeit. Diese Werk der Menschen soll nicht vollendet werden in seiner Maßlosigkeit und Zerstörung, der Grausamkeit und Dummheit.

Wir kommen nicht darum, das Gericht Gottes zu sehen, das über solchen Projekten vollzogen wird. Die Diversität und Vielfalt der Sprachen und damit der Völker ist ein weiterer Eingriff Gottes in die Welt der Menschen, raffinierter und nachhaltiger als die Sintflut. Eine Wirkung des Geistes Gottes … Gott lernt dazu. Die Menschen sollen sich nicht mehr ohne weiteres verstehen und sich einig sein – vor allem nicht um gegen Gott wie Gott sein zu wollen. Denn erzählt wird ja von den Noachiten, die  leider auch Kinder Adam und Evas, die dafür anfällig waren und Nachfahren Kains, dem Brudermörder, der nicht zufällig als Stadtgründer berühmt geworden ist.

Gott fuhr hernieder heißt es.

Und dann: . 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!
8 So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.

Ein zweites Mal fährt hernieder der Geist Gottes, nach dem Wehen des Geistes bei der Schöpfung. Eine Art urzeitliches Pfingsten. Aber der Geist Gottes, der über solche Menschen ausgeschüttet wird, bewirkt zuerst Zerstreuung, Verteilung über die ganze Welt. Eine erste Mission – sie sollen über die ganze Erde verteilt leben.

Pfingsten: die Sprache ist verwirrt. Babelbabbel. Balal. Wortspiele. Für die jüdischen Erzähler ein Segen. Inder Vielfalt können sie untertauchen, überleben. Länger als alle anderen Völker und Sprachen. Festgeschrieben durch das Wort Gottes und den Bund.

Und das dritte Pfingsten, lange vorhergesagt. Da wird wieder der Geist Gottes ausgeschüttet und bewirkt die Predigt vom Geist Christi, da versteht sie jeder in seiner Sprache. Aber das Wunder überzeugt nicht alle. Auch hier wieder Spaltungen, Trennungen. Keine Beginn einer neuen totalen Religion des Geistes. Nur eine Übersetzung. Die Botschaft muss gehört werden. Verstehen alleine reicht nicht.

Und so bleibt das große Fest Pfingsten auch „kleinteilig“. Demütig. Aber doch so groß, dass ich 2 Predigten brauche 😊 … über die Konsequenzen und die Gaben des Geistes Gottes dann morgen in St. Otto.

AMEN

Den Lebensdurst stillt Gottes Geist – Predigt Exaudi 2021

Der heutige Sonntag vor Pfingsten lässt uns nach dem Heiligen Geist dürsten und flehen. ER stillt allen Lebensdurst, auch für ermattete und fast vertrocknete Seelen. Sehen und hören Sie die Predigt, die Pfarrer Thomas Hofmann in der Johanniskirche gehalten hat – klicken Sie einfach HIER.

Der Bibeltext zum Nachlesen, Jesus auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem:

37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.
39 Das sagte er aber von dem (Heiligen) Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Paulus in Athen, Apg 17. Predigt zum Nachlesen von Pfarrer Jan-Peter Hanstein im Livestreamgottesdienst St. Jakob an Jubilate 25.4.2021

Liebe Gemeinde,

Paulus in Athen…

So beginnt kein Witz, sondern eine ernsthafte Erzählung von Lukas in seiner Apostelgeschichte.

Paulus in Athen – ca. 500 Jahre nach Sokrates Tod. Ein halbes Jahrtausend. Genauso lang wie Luther 1521 in Worms, als er dem Kaiser ins Angesicht gesagt haben soll: Hier stehe ich und kann nicht anders.

Paulus auf dem Areopag. Andreas Felger, Johanniskirche Lauf

Athen zu Pauli Zeiten ist in einem ähnlichem Zustand wie Wittenberg heute. Längst hat es die politische und geistige Bedeutung verloren. Noch vor kurzem bröckelte es überall. In der Schloßkirche, in der Universität, die einmal die größte Europas gewesen ist.

Ein paar Lutherfanatiker verwirrten verirrte Touristen aus den lutherischen Missionsländern, die sich fragten, was um Gotts Willen  mit diesem Ort geschehen ist: das Gedenken an die Reformation wird für Touristen aufgehübscht, ohne dass nur irgendeiner noch weiß, dass das mal eine Sache auf Leben und Tod gewesen ist.

Paulus also in diesem musealen bröckelnden Athen, zurückgeblieben hinter den Weltstädten Ephesus und Korinth mit ein paar verwirrten Philosophen. Stoiker und Epikureer, schreibt Lukas. Hier geht es um Weltanschauungen – die Stoiker sind sozusagen die damaligen Veganer, Spaßbremsen, die mit nichts ihren Körper verunreinigen wollen, während die Epikureer die Grillfraktion* sind: die Steaks können gar nicht groß genug sein und das Bier muss in Strömen fließen bei jedem bisschen Sonnenschein.

Und bei diesen Pseudophilosophen beliebiger Couleur jetzt also Paulus – das wird nicht lustig, ahnen wir. Paulus ist ja ein Aufrührer, einer wo auch immer er auftaucht, die öffentliche Ordnung gestört hat und sogar den Frieden der Religionen mit seinem heiligen Ernst. Er wird sogar eingeladen von den Akademikern auf dem Forum, dem Areopag. Sie sind gierig nach Neuem, aber vergessen das Neue schon über dem nächsten Trend, der einen nach dem anderen jagt.

Hören und lesen wir Paulus und ich zeige euch dabei gleichzeitig das neueste Glasfenster aus der Johanniskirche von Andreas Felger. Wenn ihr nicht in die Kirche kommen könnt, kommt die Kirche eben zu euch …

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben:

Dem unbekannten Gott.

Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

Apg 17,22-23

Wir ahnen es, eine große Rede wird folgen. Paulus hat ja diesen nachgeborenen Philosophen unglaublich voraus, so viel mehr als sie ahnen:

Paulus ist weitgereist – er kennt die griechische Welt genauso wie die jüdische Diaspora, er ist römischer Staatsbürger und als Pharisäer Christ geworden. In ihm ist alles angelegt: die leidvolle Erfahrung einer Flüchtlingsfamilie – seine Familie wurde bei der römischen Eroberung von Galilea vertrieben. Sie fanden neuen Heimat in der Diaspora, in der kleinasiatischen griechischen Kolonie Tarsus, mit den gleichen Göttern, Stadien, Akademien wie in Athen, nur alles eine Nummer kleiner. Paulus heißt eigentlich “Scha’ul = Saul”. Nach diesem unglücklichen König Saul haben nur fromme Juden ihre Kinder genannt – die den hebräischen Namen liebten: Scha’ul, der Erwünschte. Dieser Saulus wurde schon früh auf griechisch “der Kleine =Paulus“ genannt, denn er war klein von Gestalt. Er war ein Wunschkind, lernte zuerst Zeltmacher und durfte dann studieren mit dem neu erworbenen Reichtum der Eltern – ähnlich wie Luther, dessen Vater sich vom Bergmann wie auch immer zum Bergwerkbesitzer emporgearbeitet hatte. Jede Stufe war für den jungen Martin ein neues Bildungsabenteuer – bis hin zum Lehrstuhl als Professor. Paulus studierte am Ende in Jerusalem und hasste fanatisch die Christen und verfolgte sie. Bis er bekannterweise auf wundersame Christ geworden war. In Antiochien, der drittgrößten Stadt der damaligen Welt, lernte und arbeitete er 14 Jahre in der christlichen Gemeinde mit, bis sie ihn und Barnabas in die Welt mit Segen und Auftrag in die Welt schickten.

Paulus auf dem Areopag, Mittelteil

Aber jetzt seht, wie Felger Paulus gestaltet. Sieht er nicht aus wie ein Mönch, eben wie dieser kleine Mönch aus Wittenberg? Er trägt eine weißgraue Kutte mit Kapuze und es scheint mir, als hätte er diese ausrasierte Tonsur, diese altmachende Halbglatze der Mönche, die MANN eigentlich erst im fortgeschrittenen Alter von allein bekommt … Felger sieht also Luther in der Tradition des Paulus. Oder umgekehrt 🙂 Er zeigt an diesem Altar vorbei nach oben. Der Altar ist zweigeteilt.

Unten grau griechisch mit der Aufschrift AGNOSTO THEO.

Oben aus Lehmsteinen wie ein Opferaltar. Da oben links – glaube ich zu erkennen – steht auf Hebräisch Ki. Das universale hebräische Fragewort: Wer, wenn, wie, was – ist Ki. Paulus sagt: Ihr Griechen huldigt dem unbekannten Gott. Ihr jüdischen Brüder – dem rätselhaften Stammesgott, dessen Namen niemand aussprechen soll. Eure Altäre sehen aus wie Grabsteine, auf die ihr auch noch andere Steinchen legt zum Gedenken. Aber wo ist euer lebendiger Glaube? Und mit dem Selbstanspruch des ausgesandten und beauftragten Völkerapostels sagt Paulus:

“Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.”

Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. Wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.

Apg 17, 24-28

Paulus kennt seine Griechen. Ihre rationalen Zweifel an der Götterwelt. Ihre Vorliebe für den Logos, die Vernunft gegenüber einer unübersichtlichen und als unlogisch ja unmoralisch empfunden Götterwelt. Musste nicht Sokrates an dieser Stelle den Giftbecher trinken, weil er mit seinem Denken als Gotteslästerer verurteilt worden war, der das Wahre dem Schönen und das Eine dem vielfältigen Schein vorgezogen hatte?

Paulus auf dem Areopag, oben

Paulus zeigt auf dem Bild von Felger vorbei, auf die himmlischen Kräfte, ganz in weiß mit diesem einen vollkommenen Kreis, von dem alles ausgeht…

Er knüpft geradezu synkretistisch an, an diesem unbekannten Gott, an der Sehnsucht der Griechen, den Ursprung zu ergründen, den Beginn der Naturwissenschaften, wie alles entstanden ist aus einem Prinzip, in den Anfängen. Gottes des Himmels und der Erden. [NB: Schlimm, dass der Spitzbogen auf den Postkarten unserer Kirchengemeinde von dem Fenster abgeschnitten wurde, war halt nicht rechteckig genug …  aber ohne diesem lichten Himmel verstehen wir nix in der biblizistisch gedeuteten Geschichte von dem gebildeten Lukas. Ich habe hunderte IKarten wegwerfen lassen …]

Und die Griechen bisher nicken verständnisvoll. Klar – es kann nur einen Gott geben. Warum das ganze Durcheinander von Zeus und seinen Halbgötzen. Lasst uns schon aus Vernunft an einen Gott glauben, der diesen ganzen Pantheon von Göttern wie Marionetten bedient. Eine Wahrheit, eine Kraft, ein Geist, der in allem wirkt und der nicht in irrationalen Opferkulten und wahnsinnig aufwendigen Tempeln und Kirchen sich aufhält, sondern in der freien Luft der Gedanken sich bewegt. Gut spricht der Kleine, denken sie bis hierher.  Wir sind göttlich ….

Und Paulus fährt fort

Denn in ihm leben, weben und sind wir. Wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber, gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden ihren Sinn ändern.

Apg 17,28-30

Jetzt bindet Paulus oder Lukas seinen rhetorischen Sack langsam zu! Die Zeit der Unwissenheit ist zu Ende gegangen. Die Aufklärung ist da. Aber es bleibt nicht Wissen allein, sondern auch eine Lebensänderung, eine Sinnesänderung METANOIA , eine Umkehr wird kommen. Und es wird den Sophisten etwas mulmig. Was kommt da konkret auf uns zu? Was wird er für diese Erkenntnis verlangen? Welche Konsequenzen hat das? Und wir ahnen – mit Logik hat das nichts mehr zu tun, sondern mit Glauben.

Die Kraft, in unserem Leben etwas zu ändern, ist noch niemals aus der Rationalität gekommen. Sondern aus Liebe oder Mitleid.

Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiter hören. So ging Paulus von ihnen. Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Apg 17,31-34

Ihr Lieben. Paulus in Athen. Luther in Worms. So beginnt kein Treppenwitz der Geschichte. Sondern es geht um Leben und Tod. So ernst heute?

Entschuldigt mich. Ich hätte euch lieber wie so einige heute aus Ratlosigkeit von der schönen farbigen Sonne heute morgen gepredigt. Hätte euch erzählt von den Kirschblüten vor meinem Fenster. Den Narzissen im Garten und in den Parks. Von der wunderbaren Kraft des Frühlings, die jedes Jahr neu uns trunken macht und seltsame Dinge mit den Verliebten anstellt. Der Sonntag heißt doch JUBILATE. Jubelt! Preiset! Singt!!

Und doch bleibt mir angesichts der Situation, in der sich unsere Welt befindet, dieser Jubel im Hals stecken.

Aber jetzt geht es um das Gericht, die Gerechtigkeit und es wird tödlich ernst. Und Gott hat jedermann den Glauben angeboten, indem er diesen Mann, dessen Namen Paulus nicht ausspricht, von den Toten auferweckt hat. Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,

die Freude in uns, die der Glaube an den Auferstandenen schenkt ist soweit weg von der Freude über ein bisschen heile Welt bei uns.

Ich war am Donnerstag mit meinem Sohn in der Notaufnahme im Klinikum Süd. Nichts Schlimmes. Der kleine Finger bei seinem Baupraktikum durch jugendlichen Leichtsinn von einem geworfenen Backstein gequetscht. Aber als wir da so saßen vor diesen Schiebetüren, begann es mir peinlich zu werden. Aber es war heilsam für mich. Wie tapfer mein Sohn diesen Schmerz trug. Als wüsste er was kommen würde. Dass nämlich ein gleichaltriger 16-jähriger an uns vorbeigeschoben wurde, schwerstverletzt von einem Motorradunfall. Als die Ärzte seinen Finger zunähten, hörte er in allem die Betroffenheit der Station, des behandelnden Chirurgen, der gleich mit der Kripo über die schweren Verletzungen reden musste, und er erzählte mir, wie besorgt und warmherzig sich alle in diesem Raum Sorgen machten, ob der Junge überleben würde.  Er hat seinen Finger darüber fast vergessen. Ich war stolz auf ihn, dass er das so einordnen konnte. Der Unterschied zwischen einer lästigen Lappalie und der Lebensgefahr.

Auf Leben und Tod geht es. Deshalb juble ich euch nicht von meinen wunderbaren Spaziergängen in den Kirschblütenhängen vor.

Zwischen Paulus und den Sophisten Athens ist der Unterschied so groß wie der eines Notfallteams, die unter größtem Ernst und Einsatz sich um das Leben jedes Einzelnen bemühen und dem Zynismus eines Schauspielers, der glaubt, weil er in der Tatortserie den Pathologieprofessor spielt, wüsste er etwas von der Mühe dieser Lebensretter. Das ist der Unterschied vom Glauben und nur ungefähr Wissen.

Der Unterschied zwischen Glauben und nur Wissen zu meinen ist so groß wie die von dem Feuilletonisten, der eine Glosse schreibt und dem Pfarrer, der zu Hause sitzt und nicht weiß, was er den Eltern predigen soll, dessen Kind sich umgekommen ist. Und auch wenn er es nicht weiß, meldet er sich nicht krank, sondern geht hin, steht bei, weint innerlich mit und kommt leer und traurig nach Hause.

Die Predigt vom Gekreuzigten und den Auferstandenen ist ernst. Und jubeln werden wir erst, wenn wir hindurch sind.

Andreas Felger, mitte-unten

Wir befinden uns in einer Pandemie, die ohne unser Bemühen und allergrößte Vorsicht, dem Mitwirken aller, ohne Probleme auch bei uns hunderttausende Tote kosten kann. Dem Virus fällt das ganz leicht. Und ich möchte nicht hören, dass das dann doch nur 2% von 80 Millionen seien …  Ich vermisse bei all dem Gejammer und den Satiren von unterbeschäftigten Staatsschauspielern, von aufmerksamkeitssüchtigen Politikern, von gelangweilten Journalisten und ermüdeten Hedonisten klare Signale, dass sie um diesen Ernst der Lage wissen. Ansonsten sollen sie bitte ihren Mund halten.

Aber einige glauben. Das macht Hoffnung. Dass sind die Blumen der Gemeinde. Dionysios und Damaris, In den blauen Gewändern. Über den Tontöpfen mit Wasser, das Jesus zu Wein gemacht hat. Unter Einsatz seines Lebens.

Vor dem zweiten Weltkrieg hatte an dieser Stelle eine Glasmalerei „Lasset die Kinder zu mir kommen“ gehangen. So unbedeutend, dass nicht einmal eine Fotografie überliefert ist. Die einzige Bombe, die die Laufer Altstadt eher zufällig getroffen hat, hat dieses Fenster zerstört. Aber eine tiefgläubige Frau aus der Gemeinde wollte es wiederhaben. Lange wurde um das Thema gerungen. Es sollte ernsthaft ausdrücken, auf welchen Glauben wir getauft werden. Auf das Sterben und Auferstehen des Jesus Christus. Wie wir zu diesem Glauben kommen. [mehr über diese Frau steht das im BLICK Juni/Juli 2021)

Zu dieser tiefen Freude. Wasser der Taufe neben dem alten Ölbaum, der sich von grün zu blau färbt. Darüber die Toten unter dem zum Grabstein gewordenen Altar. Abstrakt sind die Fensterkreuze. Aber die Kreuze in den Gesichtern der Hörenden. Diese sind wichtiger als das verordnete Kreuz in einem Amt. 

Dionysios und Damaris. Die ersten namentlich genannten aus Athen. Aus einem Saulus wurde einmal Paulus, und nun diese zwei. Aus den Glaubenden der ganzen Welt, die sich miteinander verbinden, entsteht eine große Kraft zum Leben.

Das ganze Bild. Jesus wird in ihrem Haus sein. „Jesus in my House“, singen jetzt gleich die Mädchen Lina und Magdalena. Von dem Areopag in ein einfaches Wohnhaus. Die Sklaven werden befreit. Männer und Frauen sind gleichgestellt von dem einen Gott. Der alte baum treibt neue Blätter und Früchte aus. Der Gott Israels führt in die Freiheit. Darüber sollt ihr singen und jubeln. Darüber freuen wir uns. In allem Elend. In aller Not. Das ist das Neue, weswegen Paulus unterwegs ist. Diese Botschaft geht weiter. Immer weiter. Auch wenn manche es schon uralt und altmodisch finden in ihrer Sucht nach dem immer Neuen. Einer nach dem anderen wird erfasst, gerettet und hilft mit.

Das macht Jesus – in meinem Haus und in mir.

Und der Friede Gottes, der größer ist als unser Meinen und Verstehen, erfülle euch in dem Geist Jesu!

AMEN

Literatur: Wolfgang Feneberg: Paulus der Weltbürger; Ton Veerkamp, Die Welt ist anders

*Zuschrift von Dr. Sandermann: “Die grillwütigen Epikureer sind aber etwas schlecht weggekommen. Schon Epikur musste sich Zeit seines Lebens gegen die von seinen Widersachern gestreuten Gerüchte zur Wehr setzen: ‘Wenn ich nun erkläre, dass die Freude das Ziel des Lebens ist, dann meine ich damit nicht die Lüste der Schlemmer, noch die Lüste, die im Genießen selbst liegen, wie gewisse Leue glauben, die meine Lehre nicht verstehen, sie ablehnen oder böswillig auslegen. Ich verstehe unter Freude: keine körperlichen Schmerzen leiden und in der Seele Frieden haben’ (Epikur, Brief an Menoikeus). In den “kyriai doxai” heißt es in Nr. 5: ‘Man kann nicht in Freude leben, ohne mit Vernunft, anständig und gerecht zu leben; man kann aber auch nicht vernunftvoll, anständig und gerecht leben, ohne in Freude zu leben. Wem aber die Voraussetzungen zu einem vernunftvollen, anständigen, gerechten Leben fehlen, der kann auch nicht in Freude leben’. ” Vielen Dank für den Hinweis!

Der Beweis des Geistes und der Kraft. Vom Glauben Hebr 11+12 Palmsonntag 2021, Jan-Peter Hanstein, Lauf.

Lessing, 1760 gemalt von Johann Eberhard Ihle.  Quelle: Jan Großmann

Liebe Gemeinde,

stellen wir uns vor: hier neben mir sitzt ein Mann in weißer Perücke, lässt listig seine Augen in die Runde schweifen, mustert jeden einzelnen anwesenden Gottesdienstgast, lächelt, erhebt sich. Erst denke ich, das ist einer meiner Vorgänger, die da an der Wand in der Stadtkirche hängen, barock aussehende würdige Pfarrer – bis er ans Ambo tritt und zu lesen beginnt:

»Wenn ich zu Christi Zeiten gelebt hätte, so würden mich die in seiner Person erfüllten Weissagungen allerdings sehr aufmerksam auf ihn gemacht haben. Hätte ich nun gar gesehen ihn Wunder tun, hätte ich keine Ursache zu zweifeln gehabt, dass es wahre Wunder gewesen. so würde ich allerdings so viel Vertrauen gewonnen haben, dass ich willig meinen Verstand dem seinigen unterworfen hätte, dass ich ihm in allen Dingen geglaubt hätte….

Aber ich, der ich in dem 18. Jahrhundert lebe, in welchem es keine Wunder mehr gibt, – wenn ich anstehe, noch jetzt auf den Beweis des Geistes und der Kraft etwas zu glauben, was ich auf andre meiner Zeit angemessenere Beweise glauben kann, woran liegt es? Daran liegt es, dass dieser Beweis des Geistes und der Kraft jetzt weder Geist noch Kraft mehr hat, sondern zu menschlichen Zeugnissen von Geist und Kraft herabgesunken ist.“

Der Mann mit der Perücke faltet sein Manuskript zusammen und setzt sich, er ist kein Theologe, er ist Bibliothekar. Sein Name ist Lessing, Gotthold Ephraim Lessing steht jetzt vor uns, und was er liest, hat er im Jahre 1777 an den Herrn Direktor Schumann zu Hannover geschrieben: Und was würde ich in wohlgesetzten Worten antworten?

»Sehr geehrter Herr Bibliothekar, wir danken Ihnen, dass Sie sich die Mühe nahmen, uns hier zu besuchen. Und ich darf lhnen gewiss im Namen aller Anwesenden sagen, wie sehr wir uns durch Ihren Besuch geehrt fühlen. Ihre Worte haben gewiss alle sehr beeindruckt. Allerdings, Herr Bibliothekar, muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass wir Christen eben nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare schauen. Und drum, Herr Lessing, sollten Sie sich einmal unsere Predigt anhören über den Text aus Hebr 11,1 – der Definition des Glaubens: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.«

Lessing antwortet: »Gewiss, lieber Herr Pfarrer Hanstein, ich zweifle ja nicht, dass Sie sehr schön und rührend über die Seligen, die nicht sehen und doch glauben, zu predigen wüssten! Aber was soll dann ich Unseliger? Ich bin kein Gotteskind. Ich bin ein Zweifler. Ich muss schauen. Bin ich darum ewig verloren?«

Liebe Gemeinde, mit diesen Worten Lessings sind wir mitten in unserer Zeit.

Welche Rolle spielt Glauben, wenn nur Sehen Beweis ist? Wenn alles was ist, evident werden muss, um das Recht zu haben, zu existieren?

Wir Kinder der Neuzeit wollen schauen, wollen sehen. Hören allein genügt nicht. Was der Verfasser des Briefes an die Hebräer schreibt, erscheint uns doch nur ein perfekter Zirkelschluss – also ein Fehlschluss – als perfekter Gegensatz von Glauben zum Wissen. Wissen ist Sehen und Glauben ist eben nichtsehen … sprichwörtlich.

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich liebe Lessing! Damals war Lessing ein kleiner Bibliothekar, umgeben von mächtigen Geistesfürsten und Lessing jederzeit gefährdet zum Gotteslästerer erklärt zu werden und seine Existenz zu verlieren. Aber alle seine rechtgläubigen orthodoxen Gegner wie Schumann und Hauptpastor Goeze und viel andere mehr sind vergessen. Lessing dagegen ist moderner denn je. Als Philosoph blieb er Dramendichter. Theologie trieb er nur nebenbei, um die Aufklärung voranzutreiben. Dabei hatte er ein überlegendes umfassendes Wissen auch um die antike Kirche. Das Gezänk seiner Zeit war ihm zuwider. Seine Polemik war gefürchtet und konnte vernichten. Sein Untersuchung das „Testament des Johannis“ hatte ein einfaches Ergebnis: Johannes Botschaft war: Kinderlein, liebt einander! Das war von der gleichen Klarheit wie auch seine berühmte Ringparabel von den wahren Religionen mit den drei ununterscheidbaren Ringen: Ihre Wahrheit ist nicht einfach gegeben, sondern erweist sich immer neu durch das Leben ihrer Besitzer, also der Gläubigen.

Und jetzt sehen wir, dass der Hebräerbrief und seine Definition von Glauben nicht weit weg ist von Lessings eigenen Ansichten. Hört:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen,

was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.«

Hier steht nicht: Glauben ist eine Form des Festhaltens wider besserem Wissen gegenüber aller Vernunft. Das wäre ja Wahnsinn. So würde sich Glauben in Terror verwandeln, der durch nichts und niemanden widerlegbar wäre. Lessing kannte diesen Absolutismus, der einen unfreien Glauben verteidigte zur Unterdrückung der Menschen.

Nein, so nicht – sondern: Glauben erweist sich in der Zuversicht. Glauben ist Hoffnung, die trägt, die rettet und unser Leben zu formen vermag. Glauben ist die Kraft, die unser Wissen verwirklicht. Glauben ist Tun und Liebe ist der einzige Beweis, den wir als Christen leisten können und er braucht jeden Augenblick meines ganzen Lebens.

Beispiele gefällig? Vielleicht schaut ihr genauso müde wie Lessing, wenn ich euch jetzt von Abraham erzählen werde und Sarah … Sind wir jetzt im Kindergottesdienst, werden einige denken. Und doch: Lassen wir den Hebräerbrief reden mit seiner wunderbaren Skizze der „Heilsgeschichte“ Durch den Glauben – dia pistis …

8 Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde,

an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte;

und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen

im Land der Verheißung wie in einem fremden Land

und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob,

den Miterben derselben Verheißung.

10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat,

deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

11 Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war,

Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters;

denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte.

12 Darum sind auch von dem einen,

dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden

wie die Sterne am Himmel

und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählig ist.

Hebr 11

Abraham und Sarah lebten wie aus ihrer Welt herausgefallen, als Fremdlinge. Aber sie sahen ihren Sohn Isaak und die Sterne am Himmel. Diese Verheißung konnte nur wahr werden, weil sie geglaubt haben. Obwohl da Irrwege waren und Zweifel. Sarah über die Engel lachen musste und Abraham vor Ungeduld mit der Hagar einen anderen Sohn zeugte. Abraham, der Isaak geopfert hätte. Und der Briefschreiber erzählt von Jakob, Josef, Mose, David und den Propheten. Und endet:

39 Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt,

40 weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden.

Und nun kommen tatsächlich wir ins Spiel. Es genügt nicht, dass sie da in der Bibel stehen, richtig oder falsch, es genügt nicht, die alten Geschichten zu erzählen – Weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden. Steht im Hebräerbrief:

1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben,

lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt.

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.

Hebr 12

Lieber Lessing, du hast recht. Gar nichts bewiesen ist, wenn wir nicht wirklich ablegen, was uns beschwert. Wenn wir nicht wirklich anderen vergeben und uns selbst. Lieber Lessing – du willst die Versöhnung sehen. Wie ich. Dass Gräben überwunden werden. Nicht einfach historische oder angeblich philosophische wie zwischen Glauben und Wissen. Wir sind in der Passionszeit. In der Pandemie mehr denn je in Leidenszeit.

Wir sehen den Virus nicht und viele glauben den Wissenschaftlern nicht. Und diejenigen, die glauben, verstehen oft nicht die Gefahr. Ein Jahr schon lernen wir Monat und Monat dazu. Eiserne Kanzlerinnen leisten Abbitte und gestandene Ministerpräsidenten sind am Rande des Nervenzusammenbruchs. Auch wir in der Kirche können uns nicht entziehen. Was ist in dieser Situation richtig? Was ist falsch? Die Sterne verdunkeln sich immer wieder, die Verheißung, dass wir gemeinsam überwinden, rückt in weite Ferne.

Versteht ihr? In dieser Situation sind wir verbunden mit den urchristlichen Gemeinden, an die sich der Verfasser des Hebräerbriefes richtet. Sie haben unter der Verfolgung nicht einfach Überwindung erlebt, sondern Zerfall und Verrat. Es war überhaupt nicht klar, wer oder was sich durchsetzen würde. Ferner denn je rückte die Verheißung der Erlösung. Wir fragen uns, wie sie es geschafft haben, im Glauben zu überleben. Und was es auf sich hat mit der Stadt Gottes. Von der Abraham schon träumte.

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,

2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens,

der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete

und die Schande gering achtete

und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

3 Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat,

dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Hebr 12

Auch Jesus hatte die Dinge nicht mehr in der Hand, als er nach Jerusalem kam. Als er auf den Esel steigt für seinen bemerkenswerten Einzug in Jerusalem, liegt vor ihm diese Kar-Woche mit all den Begegnungen und Abschieden, den vielen letzten Malen, dem letzten Abendmahl, dem Verrat und dem Verhör, dem Urteil und der Hinrichtung. Eine Woche in engster Gemeinschaft und größter Einsamkeit. In größtem Glauben und tiefsten Zweifeln. Was am nächsten Sonntag sein wird, weiß Jesus nicht. So wenig wie wir.

Aber er geht diesen Weg. Er ist bereit, ganz aus dem Versprechen Gottes zu leben und weit entfernt davon, die Dinge selbst beeinflussen zu können. Wir wissen alles, was zu tun ist. Nun müssen wir es noch tun. Erleiden. Kämpfen.

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens,

So ist Glauben. Und so vollendet er sich. Fremd geworden ist uns die vertraute Welt. Wie Fremdlinge im eigenen Land.

Der alte Lessing schaut uns an, sehnsüchtig, neugierig. Gar nicht mehr der Wissenschaftler. Sondern der Mensch Gotthold Ephraim. Was ist jetzt mit dem Beweis des Geistes und der Kraft? Sind wir bereit ihn anzutreten, mit unserem eigenen Leben? Ohne uns geht es nicht weiter –

Vielleicht erinnern wir uns, an Sara und Abraham, an Jesus, wie sie anfingen und schließlich vollendet wurden. Über uns Himmel, Wolken und Sterne. Der Mond des Nachts. In uns eine feste Zuversicht wie ein Fixstern auf das, was wir hoffen. Ein Nicht-Zweifeln an dem, was wir nicht sehen. Aber wollen, dass es kommt. Nicht matt werden und den Mut nicht sinken lassen. Denn Glauben ist gemeinsam weitergehen. Ohne uns bleibt die Wahrheit tot.

Weil Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat:

Hebr 11,40

Nur mit uns wird diese Geschichte ihr gutes Ende finden.

In Christus Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.

Amen

4.Fastenpredigt “Was bleibt.” St. Jakob Lauf 14.3.2021 von Pfarrer Armin Langmann. Text der Predigt

Gottesdienst auf unserem Youtube C1 Kanal

Liebe Gemeinde, was bleibt?

Hannes Wader hat mit dem Lied„Heute hier, morgen dort“ seit 1972 jedes Konzert begonnen. Es ist ein Volkslied geworden. Es endet mit den unvergesslichen Zeilen: „So vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, wie es war“.

Er hat damit ein Lebensgefühl getroffen, das viele Menschen für sich auch so empfunden haben. Gelegentlich hat man „schwere Träume“, weil sich dauernd alles ändert. Doch prinzipiell hat man aufgehört, nach „Gestern und Morgen“ zu fragen. „Hab es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt.“, Mit dem stetigen Wandel muss der Mensch klarkommen. Denn „Es bleibt nichts, wie es war!“

Heraklit von Ephesos (griechisch Ἡράκλειτος ὁ Ἐφέσιος Hērákleitos ho Ephésios, latinisiert Heraclitus Ephesius; * um 520 v. Chr.; † um 460 v. Chr.) war ein vorsokratischer Philosoph aus dem ionischen Ephesos.

Neu war diese Erkenntnis nicht. Schon der griechische Philosoph Heraklit wusste: panta rhei – alles fließt „Alles ist in Bewegung, nichts bleibt stehen.“ „Niemand kann zweimal in denselben Fluss steigen, ob wir wollen oder nicht.

Zweieinhalbtausend Jahre nach dem Tod des Philosophen gilt immer noch: Man muss beweglich und schnell sein, denn „starr und langsam“ teilen im Zeitalter von Globalisierung und Internet die Gesellschaft. Innovation hat Vorrang vor alten Zöpfen.

Der Mensch muss sich auf neue Herausforderungen einstellen. Es braucht nachhaltige Antworten auf gesellschaftliche Probleme. Statische Regeln reichen nicht.

Die Frage „Was bleibt?“ stellt sich nicht nur am Ende des Lebens. Auch um die alltäglichen Dinge zu bewältigen, braucht man gute Regeln, Werte und Maximen.

Wie in jenem Pfarramtsbüro, wo ein Mitarbeiter vor Jahren die eingehende Post und die eingehenden Telefonanrufe nach zwei Maximen geordnet und abgearbeitet haben soll:  Er hatte zwei Stapel: Rechts kam
„1. Das haben wir schon immer so gemacht!“ und links
„2. Das war ja noch nie da!“

Jeder Mensch sucht Orientierung und braucht Regeln für den Umgang mit Leben und Tod, Glück und Leid, Liebe und Krieg, Finden oder Verlieren. Das kann man bis zu den ältesten Höhlenmalereien zurück verfolgen. Menschen hielten in Bildern und Geschichten fest, was sie bewegt hat: Freude und Gefahr, Glück und Erfolg, Saat und Ernte, Arbeit und Mühe, Essen und Trinken, Hungern und satt sein, Fest und Feier, Musik und Tanz, Wasser und Wein, Liebe und Glück, Kindheit und Alter, Essen und Trinken, Abschied und Tod.

In der Bibel ist das Gleichnis vom Weinberg so ein Bild, so eine Geschichte. Sorge und Pflege des Weinbergs wurden sogar ein Modell, das anschaulich machen will, wie Gott sich um sein Volk müht und wie wir anvertraute Aufgaben erfolgreich übernehmen oder sträflich vernachlässigen.

Was bleibt ist die Erinnerung an süße und saure Trauben, gut instand gehaltenes Werkzeug, der reparierte Zaun, die neuen Schläuche für neuen Wein und die bewährten Krüge für den alten. Die Erinnerung an Fleiß und Umsicht. Das Ringen um Grenzen und Werte, Lohn und Erfolg. Der Widerstand gegen Faulheit, fehlendes Engagement, mir-doch-egal-Haltung, Betrug, Rausch, Trunkenheit, Aggressivität, zwischenmenschliche Störungen. All das, Lob und Kritik bleiben am Beispiel des Weinbergs im Gedächtnis. Der Prophet Jesaja tobt, wenn er an den „Weinberg Israel“ denkt:

„Ich suchte Gerechtigkeit und fand bei euch Schlechtigkeit! Ich wartete auf Rechtsspruch und siehe da war Rechtsbruch“! – (Jes 5,7)

Jesaja denkt an die zerplatzten Träume, die zerbrochenen Hoffnungen, die mit Füßen getretenen Regeln vom guten Leben. Er sieht im Weinberg ein Abbild der korrupten Gesellschaft, wo keiner dem andren trauen kann; wo Spenden und Stiftungen zur Geldwäsche dienen, wo die Not von Flüchtlingen und die Abhängigkeit von Drogen, ja selbst der Einsatz für Heilmittel und medizinische Schutzmasken für schmutzige Geschäfte genutzt werden. Der Mensch bleibt korrumpierbar, ob es um Autos oder Fußball geht. Geblieben ist Rechtsbruch statt Rechtsspruch. Geblieben ist, dass die Leute mit einem Schulterzucken reagieren. „Naja, so schlimm wird’s schon nicht sein!“

Diese Haltung wollte auch Johannes der Täuferändern, dessen Predigt das Neue Testamentvor die Predigt Jesu stellt.

„Ihr falschen Schlangen, wer hat euch denn versprochen, dass ihr dem himmlischen Zorn entkommen werdet? Es wird euch nichts nützen, wenn ihr erklärt, dass ihr von Abraham abstammt! Jeder Baum, der keine Frucht bringt, wird abgeholzt und verbrannt werden. Ändert euch! Tragt dazu bei, dass die Welt besser wird: Wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso!“(Lk 3,7-11)

Liebe Gemeinde, – so ist es bis heute geblieben!– Des ham mir scho immer so g‘macht! Mir sind alte Jakober oder Johanniser…“ „Schon immer“ ist eine beliebte Ausrede oder Begründung, ja Maske, nicht nur beim Karneval in Venedig, Veitshöchheim, Mainz und Köln. Doch die Ausgangslage für die Kirche, nach dem Vorbild von Jesaja und Johannes dem Täufer tätig zu werden und Kritik zu äußern, ist ungünstig. Sie habe ein Glaubwürdigkeitsproblem, sie würde Wasser predigen und Wein trinken, heißt es.

Die Fastenpredigt auf dem Nockherberg dürfen nur Schauspieler oder Comediens halten, aber keine Pfarrer. Nur der Hofnarr durfte am Hofe ungestraft die Wahrheit aussprechen. Für andere war das lebensgefährlich.

Was er meinte Johannes wohl mit der „Taufe zur Buße und Sündenvergebung“? „Buße“ zu predigen, kann für Prediger gefährlich werden. Seine Fasten-Predigt hat ihn den Kopf gekostet. Vielleicht sollten wir den Begriff „Buße“ doch von einer ganz anderen Perspektive aus betrachten.

Wenn im Fernsehen die Brüder Thomas und Alexander Huber von ihren Extrem-Klettertouren berichten, bin ich fasziniert. Nicht nur von wunderbaren Berg- und Naturaufnahmen, auch von ihrer Persönlichkeit. Für ein Leben am Limit braucht man eine innere Balance. Man muss fokussiert sein, dazu helfen innere Werte und absolutes Vertrauen in den Partner, auch Respekt vor der Schöpfung, nicht nur „Schneid“.

Die „Huber-Buam“ stehen für absoluten Körpereinsatz und hellwachen Verstand. Erfolg und Scheitern trennt oft nur eine Haaresbreite. Das mag wie eine Provokation des Schöpfers erscheinen. Da fragt mansich, was einem noch am Leben wichtig ist, der sich auf so ein Risiko einlässt?

Die beiden sind aber keine leichtsinnigen Draufgänger. Öfter schon mussten sie nach einem Jahr Vorbereitung wegen widriger Umstände abbrechen und umkehren!

Das war ein Kraftakt, kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Umdenken und bedeutet, dass sie über den Augenblick hinaus gedacht haben!

Was einem wichtig ist und wofür man lebt, das muss man wissen bevor und festhalten, wenn man hinaufsteigt. Das Ziel darf nicht etwas sein, wofür man irgendwann büßen muss.

Umkehren bedeutet – im originalsprachigen Griechisch – „über etwas hinausdenken“ und dann – „was ganz andres zu tun“ wie Hannes Wader gesungen hat.

Das Umdenken zu üben und zu trainieren, war dem Apostel Paulus sehr wichtig. Er war ein Protagonist für das Thema „Umkehren“. Im Römerbrief Kap. 12,Vers 1+2 schreibt er:

Ich ermahne euch, lebt so, dass Gott Freude daran hat! – Richtet euch nicht nach dem, was alle machen. Seid bereit für Veränderungen! Besinnt euch! Haltet nicht an überkommenen Traditionen fest. Prüft, was Gott von euch will! Dient Gott mit Herz und Verstand! Euer ganzes Leben soll ein vernünftiger Gottesdienst sein!“
Wir sehen, Paulus hatte den Schlüssel, ein gutes Konzept, eine Idee, warum es Sinn macht, was es nutzt und bringt!“

Hätte Paulus Bekehrung nur im Sinne von „zurück gehen“ verstanden, wäre alles beim Alten geblieben.

Liebe Gemeinde,
unser Leben und die Zukunft der Kirche hängen nicht davon ab, dass wir aus Prinzip alles immer gleich oder dauernd anders machen: Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Kirchweih, Fasching feiern, begehen, denken wie bisher, aber gute Gewohnheiten können helfen.

Ein Kollege hatte sich zur Regel gemacht, Vier Wochen nach einer Beerdigung einen Besuch bei den Hinterblieben zu machen. Er sagte, …weil wir lernen müssen, über die Krankheit, das Sterben und den Tod hinaus-zu -denken. – „Das darüber hinaus denken ist notwendig“ -Das ist eine Aufgabe, die man schon zu Lebzeiten lernen muss.

Jesus hat gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde gesät wird, bleibt es allein. Wenn es aber gesät wird, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren! Und wer bereit ist, es loszulassen, wird es finden. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Ihr werdet bei mir sein und ich bei euch. Das Trauern, Klagen und Sterben wird ein Ende haben. Das Reich Gottes steht vor der Tür. Es ist klein wie ein Senfkorn, wenn es gesät wird und wird groß wie ein Baum, dass die Vögel des Himmels unter seinem Schatten wohnen können. Diese Neue Welt Gottes steht euch offen!“ (Joh 12, 24-25.15,5. Offb 21,3-4; Mk 1,14; Mk 4,30-32 )“

Wer diese Gedanken in sein Herz und seinen Verstand hineinlässt, wird anfangen, über den status quo hinaus-zudenken, auf das Ziel des Lebens. Was für ein Gedanke! Wer sich über das Ziel klar geworden ist, kann entschei-den, regeln und dafür sorgen, was geändert werden und was bleiben soll.

Der berühmte Karl Valentin soll einmal auf dem Münchner Viktualienmarkt Passanten gefragt haben: „Entschuldigung, können Sie mir bitte sagen, wo ich hin will?“ – Sie lachen. Wie ist es ihm gegangen? Er wurde ausgelacht. – Ich meine, er wollte seinen Zuhörerinnen und Zuhörern sagen, dass es Zeit ist, mit dem Umdenken anzufangen. – Dass wir heute diesen Gottesdienst gemeinsam feiern, obwohl Sie gar nicht da sind und dass dieser Gottesdienst noch da sein wird, wenn wir selbst gar nicht mehr hier sein werden – das hätte Karl Valentin mit Sicherheit zu einer neuen Nummer inspiriert. –

Was bleibt? Jede Ausstellung endet. Jeder Gottesdienst endet mit dem Ausblick auf das große Ziel: „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.“ –
Eine Spur des Segens führt dorthin. „ADE! Geh mit Gott! Gott geht mit Dir!“

Laß mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr, von Dir lass mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr. Herr lass mich nur nicht wanken, gib mir Beständigkeit; dafür will ich Dir danken in alle Ewigkeit. Amen.  (Nikolaus Selnecker, 1572).

Predigt: Erste Fastenpredigt ” Was bleibt.” mit Dr. Edmund Sandermann, 21.2.2021, Koh 3

Erste Fastenpredigt ” Was bleibt.” mit Dr. Edmund Sandermann, 21.2.2021 auf Youtube

Was bleibt?

„Alles, was auf der Erde geschieht, hat seine von Gott bestimmte Zeit:

2geboren werden und sterben,

einpflanzen und ausreißen,

3töten und Leben retten,

niederreißen und aufbauen,

4weinen und lachen,

wehklagen und tanzen,

5Steine werfen und Steine aufsammeln,

sich umarmen

und sich aus der Umarmung lösen,

6finden und verlieren,

aufbewahren und wegwerfen,

7zerreißen und zusammennähen,

schweigen und reden.

8Das Lieben hat seine Zeit

und auch das Hassen,

der Krieg und der Frieden.“

Prediger 3, Verse 1 – 9

Beendet wird diese Aufzählung im Buch (Kohelet), Kapitel 3, Verse 1 – 9, hier zitiert nach der Bibelübersetzung „Die Gute Nachricht“, mit der Frage:

„9Was hat ein Mensch von seiner Mühe und Arbeit?“

Die Frage, die der Autor dieses Mitte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts entstandenen Textes, der sich selbst Kohelet nennt (übersetzt etwa „der Sammler“) und behauptet ein König der Israeliten gewesen zu sein, hier stellt, ist die Frage der heutigen Fastenpredigt: „Was bleibt?“

Es ist eine Menschheitsfrage, die Kohelet hier aufwirft, eine Frage, die die Menschen seit Jahrtausenden bewegt.

Vor der eingangs zitierten Textstelle berichtet Kohelet davon, dass er seine Möglichkeiten als König voll ausgelebt habe; er habe umfangreiche Besitztümer erworben, Sklaven gekauft und sich einen Harem zugelegt habe, um Freude und Glück zu erfahren. Auch habe er nach Bildung und Wissen gestrebt, um sich in der Welt besser zurecht zu finden. Letztlich sei aber immer eine Frage unbeantwortet geblieben: „Was bleibt davon?“ Und Kohelet gibt selbst die Antwort: „Ein Windhauch“.

Unsere Lebenserfahrung ist, dass alles wird und – irgendwann – wieder vergeht. Alles hat seine Zeit, und die ist begrenzt.

Aber irgendetwas in uns Menschen will sich damit nicht abfinden, sehnt sich nach Beständigkeit und Bleibendem, ja nach Unendlichkeit. Aus dieser Sehnsucht heraus fragen wir: „Was bleibt?“. Es ist eine existenzielle, eine je individuelle Frage.

Die Frage „Was bleibt“ ist eine Frage, die nur vor dem Hintergrund der Zeitlichkeit und damit auch der Geschichtlichkeit des Menschen richtig verstanden werden kann. Sie setzt einen zeitlichen Horizont des Lebens voraus, ein zeitliches „Woher“, die Vergangenheit, aus der Bleibendes sich ergeben kann, ein zeitliches „Wo“, die Gegenwart, in der wir Dinge anfassen und festhalten können – so scheint es zumindest -, und ein zeitliches „Wohin“, die Zukunft, in die wir uns und die uns liebgewordenen Dinge hinüberretten wollen, in der wir uns und den Dingen Bestand geben wollen.

Es erscheint daher sinnvoll, der Ausgangsfrage unter den Gesichtspunkten: 1.„Was bleibt zurück?“, 2.„Was bleibt bestehen?“ und 3.„Was bleibt zutun und zu hoffen?“ nachzugehen.

1. „Was bleibt zurück?“ Die Frage kann in zweierlei Hinsicht verstanden werden. Zum einen als Frage nach dem, was wir von unserem bisherigen Leben zurücklassen müssen, können oder dürfen. Zum anderen als Frage nach dem, was von Vergangenem fortwirkt in unsere Gegenwart, gewissermaßen als aufbewahrter Bestand.

Zurück bleibt im ersten Sinne der gelebte Augenblick, das empfundene Erlebnis, das wir hatten, als wir es zum ersten Mal geschafft haben, allein Fahrrad zu fahren, das Gefühl beim ersten Kuss, die Umarmungen von geliebten Menschen, mit zunehmendem Alter auch unsere Lebenschancen, die ergriffenen und verpassten. Es bleiben zurück die Aktualität von Gewalterfahrungen und Missbrauch, die Frustrationen in der Pubertät, die unerfüllten Wünsche, die Versagensängste, die großen und kleinen Sünden.

An ihre Stelle treten die Erinnerungen, die guten wie die schlechten. Sie bleiben, manchmal überdeutlich, manchmal nur noch verschwommen; hin und wieder sind wir uns nicht einmal mehr sicher, ob uns diese Erinnerungen nicht trügen, ob wir etwas verdrängen oder beschönigen oder überbewerten. Aber es sind nur noch Erinnerungen. Auf das was war, können wir nicht mehr zugreifen, es gewissermaßen wieder zum Leben erwecken. Einen „Windhauch“ nennt Kohelet dies.

Ich denke, dass Kohelet hier zu kurz greift, wenn er das Vergangene, vor allem die vergangenen Freuden und das vergangene Leid, nur als „Windhauch“ bezeichnet. Unsere Geschichte, unsere Biographie, wirkt schließlich in uns fort. Sie ist ein entscheidender Teil unserer Identität.

Unsere Identität speist sich nämlich nicht nur aus unserer Körperlichkeit und unseren Namen, sondern auch und hauptsächlich aus unserer Lebensgeschichte, aus unseren Taten wie aus unseren Unterlassungen, den Möglichkeiten zur Entwicklung, die das Leben uns gab, und die wir ergriffen habe oder verstreichen ließen, ebenso wie aus allen Verwundungen und Beschwernissen, die zu ertragen waren, den körperlichen wie den seelischen. Was wir jetzt sind, ist das Ergebnis unserer Geschichten, unserer Biographien.

Wenn Menschen im höheren Lebensalter oftmals, wie wir sagen „in ihren Erinnerungen leben“, dann hat dies auch mit deren Wunsch nach Selbstvergewisserung zu tun. Es geht darum, in einer Lebensphase, in der vieles in Vergessenheit gerät. für sich zu wissen: „Wer bin ich?“.

Das was zu uns und zu unserem Leben gehört, verweist dabei immer auch auf unsere Gegenwart. Im Hier und Jetzt stehen wir auf dem Fundament unserer Lebensgeschichte. Was wir sind, sind wir geworden. Und was wir geworden sind, ist eine Mischung aus unabänderlichen Widerfahrnissen und unseren Entscheidungen, von Schicksal und Tat. Ist darauf die Frage „Was bleibt? gerichtet?

Natürlich gibt es auch materielle Güter, die uns für eine gewisse, unter Umständen längere Zeit zur Verfügung stehen. Wir fahren unser Auto für mehrere Jahre, haben vielleicht seit Jahren eine Eigentumswohnung oder ein Haus, ein Sparbuch, eine Rentenversicherung. Das bleibt, jedenfalls für eine gewisse Zeit. Aber fragen wir wirklich danach, wenn wir uns die existenzielle Frage stellen: „Was bleibt?“?

Auch Beziehungen könne Jahre und Jahrzehnte bestehen, manche sogar ein Leben lang. Aber selbst da ist jedem von uns klar: auch das bleibt nicht für immer. Die Frage nach dem Bleibenden ist wohl keine Frage nach dem unabänderlich Vergänglichen.

2. „Was bleibt bestehen?“

Erst einmal kann es sich allenfalls um das handeln, was jetzt (noch) da ist. Das Vergangene ist vergangen. Bestehen bleiben kann allenfalls das, was jetzt noch „gegenwärtig“ ist. Aber was ist diese Gegenwart?

Wenn etwas besteht, dann doch wohl das, was ich sehen, hören, anfassen kann. Das Bleibende ist doch das Immer-zur-Verfügung-Stehende, und wenn es so etwas überhaupt gibt, dann doch wohl im „Hier und Jetzt“, oder?

Aber das „Hier und Jetzt“, die Gegenwart, in der wir unsere Welt und alles darin mit allen Sinnen wahrnehmen und aufnehmen können, in der wir uns entscheiden und handeln können, das Heute ist morgen schon gestern – wie ein bekanntes Sprichwort lautet.

Die Geschichtlichkeit unseres Menschseins ist „ein immer auf dem Weg sein“. „Verweile doch, Du bist so schön“, wie Goethes Faust es erbittet, ist nur ein Wunsch, ohne die Möglichkeit der Erfüllung. In ihm drückt sich die Erkenntnis aus, dass nichts festgehalten werden kann. Nichts in der Gegenwart hat existenziellen Bestand. Das mag überraschen. Aber machen wir uns Folgendes klar.

Das Hier und Jetzt, liegt nur wenige Sekunden zwischen Vergangenheit und Zukunft, wie Psychologen meinen. Der Philosoph Ernst Bloch spricht sogar vom „Dunkel des gelebten Augenblicks“.

Das „Dunkel des gelebten Augenblicks“ fügt nach Bloch das, was aus der Vergangenheit geblieben ist und das, was zu tun und zu hoffen bleibt, zusammen, ohne dass wir es in diesem Moment unmittelbar begreifen können. Erst wenn das Jetzt zur Vergangenheit gerinnt, können wir es betrachten, beurteilen und verstehen.

Das „Jetzt“ ist kein Ort für Bleibendes, es ist ein Ort für Veränderung, gewollt oder nicht, zu kurz zum Verweilen. „Panta rhei“, „alles fließt“, wie dies der griechische Philosoph Heraklit bereits vor 2.500 Jahren formuliert hat.

Gerade im Jetzt, in der Gegenwart, wo wir die größte Stabilität vermuten, weil wir Dinge anfassen und festhalten, Menschen umarmen und lieben, aber auch verletzen und töten können, ist kein Bleibendes. Sobald wir uns des Geschehenden bewusst werden, uns ihm gedanklich zuwenden, ist es schon vergangen. Die Antwort auf die Frage „Was bleibt“ finden wir daher offenbar nicht in der Gegenwart.

3. „Was wird bleiben?“

Die Frage „Was bleibt“, verweist erstaunlicherweise und gegen jede Intuition auf das Zukünftige. Sie ist nicht sinngleich mit der Frage „Was ist da?“, sondern mit der Frage „Was wird bleiben?“

Wenn wir nach vorne schauen, drängt sich zunächst das unter Umständen harte Fundament des Vergangenen in den Blick. Es ist wie es ist und kann nicht mehr rückwirkend verändert oder verschoben werden. Als „Bleibendes“ ist es aber nur für unsere künftigen Lebens- und Handlungsmöglichkeiten von Bedeutung. Ein davon absoluter Wert kommt ihm dagegen nicht zu.

Als Ausgangspunkt vorwärts in unserer Lebensgeschichte begründet es Möglichkeiten für die Zukunft. Diese Möglichkeiten beinhalten einen mehr oder weniger offenen Entwicklungshorizont, und zwar sowohl aus guten als auch aus prekären Lebensumständen. Dies ist kein billiger Trost, sondern unsere menschliche Lebenswirklichkeit.

Was geblieben ist, das ist einerseits das Konkrete „Es ist wie es ist“. Wenn ich in der Vergangenheit geschlemmt habe, bleiben die überflüssigen Pfunde und der Bauch, wenn ich Suchtmittel genossen habe und süchtig geworden bin, bin ich es möglicherweise noch jetzt. Wenn ich gestern noch schön, reich, gesund und beliebt war, bin ich es wahrscheinlich auch heute noch; ebenso, wenn ich arm, krank und einsam war. Deswegen hat Kohelet keineswegs recht, wenn er meint, dass alles Vergangene nur ein „Windhauch“, nur „Schall und Rauch“ ist. Die Vergangenheit kann ein harter Boden sein, aber sie ist eben immer auch eine Startrampe.

Andererseits ist, auch wenn das Fundament aus Verletzungen, Ängsten, Süchten und persönlicher Schuld besteht, ein Start in die Zukunft in verschiedenen Richtungen möglich. Auch im Sinne dessen, was Christen Umkehr nennen.

Ich möchte dies anhand einer Geschichte aus der Bibel verständlich machen:

Schriftgelehrte und Pharisäer brachten eine Ehebrecherin zu Jesus, damit dieser ein Urteil über sie fällen solle. Nach jüdischem Gesetz stand die Todesstrafe auf ihr Vergehen. Jesus widersprach dem Gesetz nicht, forderte aber die aufgebrachte Menge mit den Worten heraus: „Der, der unter Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“. Daraufhin gingen bekanntermaßen alle unverrichteter Dinge davon. Nur die Frau blieb zurück mit Jesus. Mit ihrer Schuld, mit ihrer Vergangenheit, ihrem harten Fundament. Jesus sagte zu ihr: „Auch ich verurteile Dich nicht. Geh und sündige in Zukunft nicht mehr“.

Die biblische Sünderin wird höchstwahrscheinlich trotz dieses „Freispruches“ zunächst auch weiterhin mit der Verachtung und Ausgrenzung durch ihr soziales Umfeld zurechtkommen müssen. Es ist das hartes Fundament für ihr weiteres Leben. Aber was auch und vor allem bleibt, ist, dass sie die Chance hat, die Dinge neu und anders anzupacken, sich gegebenenfalls auch wieder Achtung und Anerkennung bei anderen zu verschaffen. Die Vergebung Jesu schafft einen unerwarteten Entwicklungsraum für die Frau, die nur kurze Zeit vorher sich sogar dem Ende ihres Lebens gegenübersah.

Was bleibt, ist daher eine Frage, die uns auf  die Perspektive in Richtung Zukunft verweist. Das Vergangene ist als Erlebnis vergangen, aber noch immer unser Fundament. Dieses Fundament, unseren Ausgangspunkt, können wir nicht mehr rückwirkend ändern, aber wie unsere Zukunft aussehen soll, können wir beeinflussen.

Die Gegenwart ist zwar die Zeit der Veränderung, die aber in Richtung der persönlichen Zukunft geplant und entworfen sein muss.

Wahr ist allerdings, dass einige dafür noch viele Lebenschancen und eine lange Lebenserwartung zur Verfügung haben, andere dagegen nur Weniges von beidem, im Einzelfall vielleicht sogar nur noch eine kurze Zeit zu leben.

Was bleibt, ist aber in allen Fällen die existenzielle Möglichkeit, jederzeit das Leben, solange es währt, neu ausrichten, und – aus christlicher Sicht – mit und bei Gott jeden Tag einen neuen Anfang wagen zu können. Nach christlicher Überzeugung bleibt vor Gott alles, was wir aus Liebe zu ihm und unsere Mitmenschen tun, für immer bestehen. Schätze im Himmel, die wir schon hier sammeln können, sagt Jesus. Was das ist, kann in jeder Lebenslage anders aussehen.

Habe ich noch viele Lebenschancen und bin bei guter Gesundheit kann ich noch vieles tun, was als Tat bleibt. Aber auch wenn ich nur (noch) wenige Möglichkeiten habe, kann ich Dinge tun, die etwas verändern. Ein Lächeln, ein gutes Wort und Verständnis für andere als eine Ermutigung für entmutigte oder Stärkung für verängstigte Mitmenschen.

Das bleibt, fließt selbst in das Fundament der dadurch aufgebauten und veränderten Menschen, in ihre Familien, ihr soziales Umfeld, vielleicht sogar der gesamten Menschheit ein, und in deren Erinnerung an einen liebevollen Menschen, der ihnen zur Seite stand und geholfen hat.

Alles andere können wir nicht festhalten, müssen es früher oder später loslassen. Reichtum, Einfluss, Geld, Ruhm und Ehre ohnehin. Ein „Windhauch“, wie Kohelet sagt.

Ich möchte daher einen Wechsel der Blickrichtung dahin vorschlagen, die Frage „Was bleibt?“ nicht rückschauend, sondern vorwärtsblickend zu stellen und zu beantworten.

Was für uns Christen und darüber hinaus für jeden Menschen, der sich für die Botschaft Jesu öffnen kann, zu guter Letzt bleibt, ist die Perspektive Ewigkeit, nach der sich alle Menschen sehnen. Nicht in vergangenem Reichtum oder Ruhm, nicht im Hier und Jetzt, sondern in bleibender Gemeinschaft mit Gott, unserem Schöpfer und Herrn. „Was bleibt, ist das Angebot Gottes, das Angebot, das Angebot der jederzeitigen Umkehr, der Vergebung für unsere Fehltritte und das Angebot bedingungsloser Liebe.

„Was bleibt?“ – Wir werden es herausfinden, wenn wir uns mit Gott auf den Weg machen.

Was bleibt?“ – Wir werden es nur herausfinden, wenn wir uns auf den Weg machen.

Amen