Christuskirche Lauf: Volle Kirche, viele Ehrenamtliche, gut geklicktes Online-Angebot. Ein Artikel im SONNTAGSBLATT

SONNTAGSBLATT BAYERN, Timo Lechner

So geht Kirche der Zukunft. abgerufen am 10.9.2022

Es gibt Gemeinden, die modernisieren ihre Kirche aufwendig, um möglichst viele Menschen zu erreichen. In der Laufer Christuskirchengemeinde sind die Leute aber schon da: Bei fast jedem Gottesdienst predigt Pfarrer Hofmann vor vollem Haus.

Tauffest 2019 in der Christuskirche

In der Christuskirche “links der S-Bahn” spielt sonntags keine Orgel, sondern eine Band. Liedtexte werden auf eine Leinwand gebeamt.

Jahrzehnte bevor der Reformprozess “Profil und Konzentration” von der Landessynode für die evangelische Kirche in Bayern beschlossen wurde, hat man sich in Lauf an der Pegnitz bereits auf den Weg gemacht und Profile für die Kirchen festgelegt.

Im Falle der Christuskirche ist klar: Hier spielt sonntags keine Orgel, sondern eine Band. “Gesangbücher bleiben auch draußen, Liedtexte werden auf eine Leinwand gebeamt”, erklärt Pfarrer Jan-Peter Hanstein, der seit sieben Jahren Pfarramtsleiter in Lauf ist.

Rund 30 Ehrenamtliche helfen bei einer Veranstaltung mit

Eine Tradition, die schon kurz nach der Weihe der Kirche am 1. Advent 1971 ihren Anfang genommen hat und die seither gepflegt wird. “Es ist eine echte Mitmach-Kirche, und das seit mittlerweile drei Generationen”, meint Hanstein. Die Gemeinde sei dabei eng verzahnt mit dem CVJM Lauf, der vorwiegend mit den regelmäßigen “Lighthouse”-Gottesdiensten Akzente setzt. Gemeinsam stellt man bei Veranstaltungen zeitweise um die 30 Ehrenamtliche, die während der Feier als Lektoren oder Fürbittgestalter, Musiker oder Techniker dienen, den Kirchenkaffee oder manchmal das Mittagessen im angeschlossenen Gemeindezentrum vorbereiten.

Aus einem Pool von rund 150 Personen, die teils auch unterschiedliche Aufgaben begleiten, lässt sich schöpfen. Jane Dubrikow ist Teil des Kreativ-Teams, das die Gottesdienste mit vorbereitet. “Die Themen sind aktuell und lebensnah, man kann sich als junger Erwachsener gut damit identifizieren”, sagt die 31-Jährige, die gleich nach der Konfirmation hier “hängen geblieben” ist. Viele kämen auch durch Angebote wie Hauskreise oder Alpha-Kurse wieder in die Gemeinde und bringen sich ein.

Bis zu 6.000 Klicks für die Online-Gottesdienste während Corona

Schon 2018 begannen Überlegungen, die Fassade und deren Fenster zu sanieren und auch innen mit neuer Licht- und Klangtechnik und einer Fußbodenheizung den zeltförmigen Bau auf Vordermann zu bringen. Es sei klar gewesen, dass dies eine lohnenswerte Investition in die Zukunft ist, erklärt Pfarrer Hanstein. Corona bremste Anfang 2020 das Gemeindeleben wie allerorts aus, sorgte allerdings auch für einen gehörigen Digitalisierungsschub. Gottesdienste wurden fortan live auf Youtube gestreamt und erreichten bis zu 6.000 Klicks.

Lighthouse Gottesdienst für jüngere Menschen

Wenn die Kirchengemeinde in den kommenden Monaten viel Geld in die Hand nehmen will, um die Kirche für die kommenden Jahrzehnte technisch fit und weiter attraktiv zu machen, dann kommt nicht nur die alte Ölheizung raus und eine Fußbodenheizung rein, die über eine Wärmepumpe angesteuert wird. Allein rund 100.000 Euro sollen für Netzwerk- und Videotechnik, Saallicht und Akustikplatten ausgegeben werden. Man will den Kirchenraum auch für größere Zusammenkünfte nutzen und anderen innerhalb der politischen Gemeinde zur Verfügung stellen.

Von einem entsprechenden Antrag zur finanziellen Förderung, der von der bayerischen Landessynode im Herbst behandelt werden soll, erhofft sich der Pfarrer einiges. Allerdings könne er auch auf den Rückhalt der Gemeinde bauen. “Wir sind wohl die einzige Gemeinde in Bayern, die 2021 mehr Spenden als vor Corona erhalten hat.”

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Timo Lechner Redakteur Nürnberg | Kirche, Religion, Soziales, Kultur

ZUSAMMEN:HALT  Ökumenische FriedensDekade 2022

Vom 6. bis 16. November ist das Evang.-Luth. Dekanat Hersbruck das diesjährige Schwerpunktdekanat der Bayerischen Evangelischen Landeskirche für die Ökumenische Friedensdekade 2022 (www.friedensdekade.de).

Der zentrale Eröffnungsgottesdienst der Ökumenischen FriedensDekade findet am 6. November um 10.30 Uhr in der Christuskirche Lauf statt. Diesen Gottesdienst können Sie auch live auf „Youtube C1 Lauf“  verfolgen.

Bildrechte Ökumenische FriedensDekade e.V.

Frieden ist in diesem Jahr sicher ein besonders großes Thema, nicht nur in der Ukraine und anderen Regionen der Welt ist Friede insbesondere mit dem Thema Krieg verbunden. Gleichzeitig ist Friede aber weitaus mehr.

Er fehlt so oft in unseren Familien, in den Medien, in den Schulen und an unseren Arbeitsstätten, zwischen den Religionen.

Friede ist literarisch, musikalisch und in den bildenden Künsten vielfältig zum Thema gemacht. Friede kann gefordert und gefördert, besprochen und diskutiert, erstritten und erbeten werden.

Unter dem diesjährigen Motto „zusammen:halt“ wollen wir den vielfältigen Zugängen zum Thema Frieden einen besonderen Rahmen geben und eine Plattform für Begegnungen schaffen.

In den folgenden zehn Tagen bis Buß- und Bettag wird in zahlreichen Veranstaltungen deutlich, wie Friedensarbeit als Querschnittsaufgabe kirchlichen Handelns wahrgenommen wird.

Alle Veranstaltungen bei uns und im Dekanat finden Sie hier:

www.lauf-evangelisch.de/Friedensdekade2022

Friedensgebet der Religionen am Samstag 12. November in Lauf  

Beginn 17 Uhr in der Johanniskirche Lauf

Nach längerer Coronapause findet in diesem Jahr wieder das Friedensgebet der Religionen statt. Ein Krieg in Europa, Krisen und Klimakatastrophe machen so deutlich: Frieden und Zukunft können wir nur im Miteinander erreichen. Abgrenzungen und Überhöhungen, sei es im nationalen oder religiösen Sinn, führen in die Irre. Wir setzen auf: Zusammenhalt – ich + du = wir

Christen verschiedener Konfessionen in Lauf, Muslime und Juden wollen gemeinsam um den Frieden beten und den Zusammenhalt fördern. Das Vokalensemble St. Otto, sowie Nalan und Suleyman Benger werden das Gebet musikalisch begleiten.

Nach dem Gebet sind wir in der Laufer Moschee zur Begegnung bei Essen und Trinken eingeladen.

Am Abend des Buß- und Bettages wird um 18.00 Uhr in der Stadtkirche Hersbruck den Abschluss der Friedensdekade gefeiert.

Zum Plakat von Katherine Feldmann aus Berlin: Es zeigt eine Gruppe von Menschen, die durch leichte Verfremdung in ihrer Vielschichtigkeit und Unterschiedlichkeit gekennzeichnet sind. Kernbotschaft des Bildes: Wir sind aufgefordert, in unserer Vielfalt – egal welchen Glaubens wir sind oder welche Hautfarbe wir haben – gemeinsam für eine friedliche Welt und gegen Ausgrenzungen zum Beispiel aufgrund von Rassismus einzutreten.

Für Solidarität und Zusammenhalt jetzt!

Ein Aufruf von Kirchen, Diakonie und Wohlfahrtsverbänden in Deutschland

Einkommensschwache Haushalte leiden überproportional stark unter der rasanten Teuerung, was in vielen Fällen zu existenzbedrohenden Krisen führt.

hier ist der Aufruf zur digitalen Unterzeichnung auf Policat

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Deutschland und Europa stehen vor einer historischen Bewährungsprobe. Der brutale Angriffskrieg auf die Ukraine, der Klimawandel und das Artensterben, der Hunger in vielen Ländern des Südens, Covid-19 und weltweit gestörte Lieferketten – diese enormen Herausforderungen können wir nur gemeinsam bewältigen.

Eine der Konsequenzen der vielen Krisen ist eine Inflation mit dramatisch steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel und höchst unsozialen Folgen. Für den Zusammenhalt in unserem Land kommt es jetzt darauf an, zuerst die in den Blick zu nehmen, die auf Solidarität angewiesen sind: Menschen mit geringen bis durchschnittlichen Einkommen, Rentner*innen und Bezieher*innen von Transferleistungen. Sie brauchen nun umgehend eine Entlastung von der Inflation und den aus dem Ruder gelaufenen Energiekosten. Dabei sind besonders diejenigen in Mitverantwortung zu nehmen, die über große Einkommen und Vermögen verfügen.

Wir alle sind jetzt gefragt, unseren persönlichen Beitrag zum sozialen Frieden und zum Zusammenhalt in unserer Demokratie zu leisten. Starke Schultern können und müssen mehr tragen – das ist ein zentraler Grundsatz unserer sozialen Marktwirtschaft. Wir brauchen umgehend ein zielgenaues und wirksames Entlastungspaket für die, die bereits heute fast zwei Drittel ihres Einkommens für Lebensmittel, Energie und Miete aufbringen müssen. Gute Vorschläge dazu liegen bereits vor. Sie müssen jetzt politisch umgesetzt und gegenfinanziert werden von denen, die das leisten können und womöglich sogar von den diversen Krisen profitieren.

Unser demokratischer Sozialstaat mit seiner offenen Gesellschaft verspricht allen Bürgerinnen und Bürgern eine gerechte Teilhabe, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Dieses Versprechen ist wertlos, wenn es sich in Krisenzeiten nur für die Einkommens- und Leistungsstarken im Land bewahrheitet. Sollte das geschehen, droht unserer Demokratie eine nie dagewesene soziale und politische Zerreißprobe.

Russlands Machthaber Wladimir Putin will die westlichen Demokratien destabilisieren und spalten. Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf: Treten wir dieser zerstörerischen Strategie durch unseren Zusammenhalt gemeinsam entgegen!

Wir stehen für eine nachhaltige und ökologische Politik des Respekts, der gegenseitigen Verantwortung und der Solidarität in einer offenen Gesellschaft. Wir bitten Sie: Unterstützen Sie alle, die für Demokratie, sozialen Zusammenhalt und Gerechtigkeit einstehen.

Unser Gemeinwesen gründet auf gelebter Solidarität. Deswegen tragen die Starken gerade jetzt eine besondere Verantwortung.

Liste der Erstunterzeichnenden                                                       Berlin, den 1. August 2022

* Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

* Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)

* Reiner Hoffmann, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)

* Dr. Annette Kurschus, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

* Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

* Karl-Josef Laumann, Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA)

* Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK

* Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes

* Michael Groß, Präsident der Arbeiterwohlfahrt (AWO)

* Guido Zeitler, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)

* Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafel Deutschland

* Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB)

* André Wilken, Geschäftsführer European Cultural Foundation

* Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

* Prof. Dr. Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der Universität der Künste Berlin

* Prof. Dr. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

* Stefan Wegner, Partner Scholz & Friends

Kontakt & V.i.S.d.P.: Diakonie Deutschland, Zentrum Kommunikation, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.

Caroline-Michaelis-Straße 1, 10115 Berlin |

https://www.diakonie.de/pressemeldungen/gemeinsamer-aufruf-fuer-solidaritaet-und-zusammenhalt-jetzt

Ökumenisches Sonntagsfrühstück in St. Otto

Das kostenlose Sonntagsfrühstück ist ein Angebot für Menschen mit geringem Einkommen wie Hartz IV-Empfänger, Rentner, Alleinstehende, Alleinerziehende, Obdachlose usw.

Sonntagsfrühstück in St. Otto

An folgenden Terminen dürfen wir Sie begrüßen:

Sonntag, 07.08.2022

Ab 8.30 Uhr ist im Kath. Pfarrzentrum St. Otto der Tisch gedeckt.

Das Sonntagsfrühstück wollen wir bei gutem Wetter im Pfarrhof stattfinden lassen. Sollte es regnen, gehen wir in unseren „gewohnten“ Pfarrsaal, stellen großzügig die Tische und halten die Türen zum Innenhof und Fenster geöffnet.

Bitte geben Sie die Information über das „Sonntagsfrühstück“ an Bedürftige in Ihrem Umfeld weiter.

Wer Interesse hat, im Team mitzuhelfen, kann sich beim Pfarramt Tel. 2201 oder bei Friedrich Utz (Tel. 988195) melden. Über neue Verstärkung freuen wir uns sehr.

Donnerstag, 14.7.22: Zwei russische Raketen in Winnyzja eingeschlagen

14.7.22: Zwei russische Raketen in Winnyzja eingeschlagen

Vielleicht haben Sie es auch in den Nachrichten gehört oder gelesen. 6 Raketen wurden auf Winnyzja abgefeuert, 4 Raketen wurden abgefangen, aber zwei Raketen haben die Stadt erreicht und viele Menschen getötet und verletzt. Pfarrerin Kostenka ist unverletzt. Unser Projekt ist nicht gefährdet, auch wenn Cafe Trapeza tatsächlich in dem betroffenen östlichen Stadtteil liegt: Pfarrerin Larissa Kostenko schrieb wenige Minuten später am 14.7. um 10:35 Uhr:

In unserem Stadtteil gibt es viele Opfer. Ein Offiziershaus wurde zertrümmert, ein Parkplatz für etwa 50 Autos und ein gegenüberliegendes Wohnhaus. In der Nähe des Entbindungsheims sind Fenster und Türen zerbrochen. Ich bin gerade nach Hause gekommen.

Der Einschlag erfolgte neben der Schule, in der Flüchtlingsfamilien untergegracht sind und wo wir 60 Menschen ernähren. Es ist gerade unmöglich, auf die andere Seite zu gelangen, alles ist blockiert.
Während unsere bei Cafe Trapeza alle am Leben sind, transportieren Krankenwagen immer noch die Verletzten.

17:13 Uhr: Eine Stunde später schreibt Pfarrerin Larissa Kostenko:

Über 100 Menschen verletzt – 30 Menschen und 3 Kinder wurden getötet, 40 weitere unter den Trümmern.

18:45 Uhr Wo wir Mahlzeiten in dem Heim ausgeben, wurde 1 Person getötet und 2 verwundet. Sie waren zufällig in diesem Moment in diesem Teil der Stadt. Die Schule ist intakt, jetzt habe ich mit dem Direktor gesprochen. Ob alle Bewohner überlebt haben, wird bekannt werden, wenn sie für die Nacht zurückkehren. Obwohl wir schon eingekauft hatten, gab es heute keine Möglichkeit, die Essen auszuliefern, wir werden es morgen früh versuchen. Es gab Explosionen, die Krankenwagen transportieren noch immer die Verletzten.

21.02 Uhr: Eine Stunde später schreibt Pfarrerin Larissa Kostenko:

Gott sei Dank leben alle anderen aus der Schule noch und morgen werden wir sie definitiv versorgen. Gott beschütze uns.
Gute Nacht.

#tafelwinnyzja

15.7. Ein Gebet von Larissa

Gott beschütze uns. Gib uns Frieden. Licht und ewige Erinnerung an die Toten.
Gott, unser himmlischer Vater, im Namen unseres Retters Jesus Christus, ich bitte dich um Vergebung und Heilung! Segne uns und nimm die Hände von denen weg, die Böses gegen die Menschheit planen!
Ich glaube an Deine Macht und Stärke!
Herr Jesus Christus, heile die Opfer, nimm den Feind der Menschenseelen von uns!
Berühre den Geist und das Herz der Herrscher aller, von denen das Leben abhängt, damit sie nur Deinen Willen erfüllen und nicht ihren eigenen.
Alles, was das Böse gegen die Völker der Erde geplant hat, verbiete ihm und lass ihn nicht tun, im Namen unseres Herrn Jesus Christus!
Himmlischer Vater, ich rufe dich auf, lass das nicht noch einmal passieren. Vergib uns, barmherziger Gott. Wir vertrauen auf Deine Barmherzigkeit und Vergebung!
Zeige der Welt deine Barmherzigkeit und Heilung!
Gepriesen sei Dein heiliger Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Ich bitte demütig darum, dass Dein Wille an uns geschehe!

Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist jetzt und für immer und ewig!

Amen! 🙏🙏🙏

Video aus Winnyzja

Predigt von Pfarrer Hanstein, 10.7.22, Fallen, Wendungen und doppelte Böden in Joh 8 – Jesus und die Ehebrecherin

(Hier auch auf Youtube – es gilt das gesprochene Wort!)

Joh 8 Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde NGÜ

2Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.

3Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte.

4Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?«

6Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.« 8Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde.

9 Von seinen Worten getroffen, verließ einer nach dem anderen den Platz; die ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch da stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten.

10 Er richtete sich auf. »Wo sind sie geblieben?«, fragte er die Frau. »Hat dich keiner verurteilt?« – 11»Nein, Herr, keiner«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!

Liebe Gemeinde,

nach diesem spannenden Evangelium erwartet ihr jetzt einiges. Einen guten Tatort am Sonntag Morgen. Sex and Crime. Vielleicht auch überraschende Bekenntnisse von mir als Pfarrer zum Thema Sexualität und Ehe, am besten auf Youtube abrufbar für die Ewigkeit  … aber da meine Frau es sehen könnte … 😊 Vielleicht auch eine saftige Geißelung des modernen Lebens, auch klerikal “Sodom und Gomorrha” genannt: Ehebruch, Scheidungen, Abtreibungen, Missbrauch, oder auch nur kirchliche Hochzeiten ohne Mitgliedsschein wie von unserem ach so konsequenten FDP-Vorsitzenden auf Sylt …

Aber da sind eure Erwartungen etwas hoch. Wer im Glaushaus sitzt … Noch mehr: ich würde das Thema verfehlen. Denn im Vers 6 steht:

6 Mit dieser Frage wollten sie (Schriftgelehrte und Pharisäer) Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können.

Der Ehebruch und die beschämte, vermutlich spektakulär halbnackte Frau, die beim Ehebruch ertappt worden sein soll – das ist nur das erste Steinchen, der ins Rollen kommen soll. Die Lawine soll anschließend Jesus mitbegraben. Wir werden sehen, dass dieses Evangelium mit mehrfachen überraschenden doppelten Böden gestaltet ist, ganz wie ein richtiger guter Film.

Also nicht so primitiv wie die Sendung „Vorsicht Falle!“ warnt – Schutz vor Neppern, Schleppern, Bauernfängern; sondern mit Haken und Ösen. Ich hoffe, ihr könnt folgen.

2Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.

3Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte.

4Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?«

Jesus sitzt mit dem Volk im Tempel und lehrt. Er ist bereits berühmt und berüchtigt. Ein C-Promi. Sein Wort gilt schon etwas. Damals unterrichteten die Theologen fast ausschließlich mit Frage und Antwort. Viele trauten sich nicht zu fragen, denn mit jeder Frage kann man sich auch blamieren – wobei jeder selbst den Weisesten mit Fragen überfordern kann, getreu dem Motto: Ein Narr kann 1000 mehr Fragen stellen als ein Weiser beantworten kann.

Zurück zur Szene. Wir befinden uns im Tempel mit Jesus und vielen Menschen, die ihn befragen und zuhören. Ein großes Durcheinander von Menschen, die ein Ritual suchen, die nur beten möchten, Touristen, die die größte Baustelle der damaligen Welt sehen möchten sowie Lehrern, die gleichzeitig als Seelsorger und Richter fungieren.

Zu diesem Jesus kommt nun eine spezifische Gruppe: Pharisäer und Schriftgelehrte – Ich sehe demanch keinen Mob, der Lynchjustiz üben möchte, keine primitiv-islamische Taliban, die ihre Rückständigkeit mal wieder ausleben möchten, ich sehe keinen wütenden Ehemann, kurz vor einem Ehrenmord – sondern: Männer, die eine Frau benutzen, um Jesus eine Falle zu stellen. Sie bringen diese unbekannte Frau vor Jesus, um ihn äußerste Verlegenheit zu bringen:

»Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?«

Was sagen wir dazu?

Im Strafgesetzbuch der Bundesrepublik konnte Ehebruch mit bis zu einem halben Jahr Gefängnis bestraft werden. Bis zur Abschaffung 1969 wurden immerhin 1600 Menschen deswegen verurteilt.

Gut – zu Jesu Zeiten sah das anders aus. Die Todesstrafe war eher theoretisch für jüdische Gerichten ausgeübt worden, weil das in vielen Jahrzehnten selten vorkam. Außerdem galt das jüdische Recht nur für “kleine” Vergehen. Die römischen Besatzer hatten sich das „ius gladii“, die Kapitalverbrechen mit Todesstrafe vorbehalten. In welche Falle sollte Jesus also gehen?

Ich denke, sie erwarteten nicht von ihm, dass Jesus den Richter spielen sollte. Sie haben nur gefragt: „Was sagst du dazu?“ Sie hätten auch fragen können: Willst du Richter sein? Denn jedes Urteil durfte damals nur gesprochen werden, wenn es Ankläger und Richter gab. Verteidiger waren erst Jahrhunderte später vorgesehen … die Richter hatten also eine hohe Verantwortung. Sie mussten auch die Verteidiger ersetzen.

Jesus wird also öffentlich nur um Rechtsberatung gebeten. Gleichzeitig steht Jesus im Ruf, ein Gesetzesbrecher zu sein. Speisegesetze, Sabbatgesetze, alle möglichen Gesetze hat er und seine Jünger schon übertreten. Weil plakativ gesagt – das Gesetz um des Menschen gemacht wurde und nicht umgekehrt.

Nochmal: Welche Falle wird ihm also gestellt? Ich denke, er sollte sich blamieren. Mit Drehungen und Wendungen sich in den komplizierten Gesetzen verfangen, bei der Befragung Zeugen und das Volk vor den Kopf stoßen und am Ende könnten die Schriftgelehrten und Pharisäer sagen: So einem Wirrkopf glaubt ihr? Der hat doch nichts drauf! Im schlimmsten Fall: ein Abtrünniger, er weicht von der Lehre ab – darauf stand übrigens erst recht die Todesstrafe!

Ihr wisst ja längst wie die Geschichte ausgeht.

Sehen wir genauer hin. Was sagt Jesus?

Erst einmal lange nichts. –

Nichts sagen ist auch etwas sagen, lehrt uns der Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick. Die gespannte Stille. Nicht immer gleich antworten, würde ich mir hinter die Ohren schreiben, der ich die Unart habe, oft Menschen zu unterbrechen, wenn ich glaube, dass ich weiß, was sie sagen wollen. Erst einmal sacken lassen. Stille in so einem aufgeheizten Atmosphäre kühlt auch ab. Immer mehr Menschen kommen und fragen sich, was da los ist. Schon weil da wahrscheinlich eine attraktive halbnackte Frau im Tempel zu sehen ist.

Vielleicht deshalb sieht Jesus nicht hin. Er möchte sie nicht beschämen, nicht ausziehen mit seinen Blicken, es reicht, was er hört. Die Justizia hat ja bekanntlich die Augen verbunden. Nicht weil sie blind ist, wie manche behaupten, sondern weil sie sich von dem äußeren Anschein nicht blenden lassen soll. Das Wort ist entscheidend, in jedem Gerichtsprozess gilt bis heute nur das gesprochene, nicht das geschriebene – besser nur das gehörte Wort. Deshalb dauern Gerichtsprozesse so lange, weil hunderte von Seiten öffentlich verlesen werden müssen.

Jesus schweigt. Und schreibt. Das einzige Mal, das wir hören, das Jesus schreibt! Wie Sokrates hat er kein einzigen geschriebenen Text hinterlassen, sondern nur im Hören und Reden gelebt, in Fragen und Antworten und Zeichenhandlungen… So ein Zeichen ist jetzt sein Schreiben.

Denn ich glaube Jesus mimt das Schreiben. Mimen heißt, er ahmt es bedeutungsvoll nach. Schriftgelehrte und Pharisäer sind da, die jedes Wort auswendig kennen.

Aber er ist vertieft wie einer, der nur schreiben will. Der nichts entscheiden muss, nur treu ist. Der schreibt sein Leben lang. Einfach die Tora abschreibt. Wie die tausenden von Mönchen, die tausende von Abschriften angefertigt haben.

Erst als es nicht mehr anders geht, richtet er sich auf, reckt sich und wagt einen Satz, der die ganze Tora zusammenfasst. Verifiziert vom jahrelangen Lesen der heiligen Worte, Murmeln und Schreiben. Redet als einfacher Schreiber, nicht wie ein Schriftgelehrter, seine Worte geben wieder, was er gelesen und verstanden hat, das ist seine einzige Vollmacht. Er spricht und interessiert sich nicht für die Folgen. Beugt sich wieder über die Worte, die ihm vorgesprochen werden und die seine Hand aufschreibt, bis seine Augen sie erfassen, die leuchtende Schrift sein Inneres erhellt und er versteht.

Diesen einen Satz “Wer ohne Sünde ist…”

Das genügt, er kann wieder weiterschreiben, er ist nicht verantwortlich für das, was geschehen wird. Die Ältesten gehen als erstes, einer nach dem anderen verschwindet. Nur sie weiß nicht, wohin. Bis er endlich auftaucht, aufrichtet und sich zu erkennen gibt. Das Spiel ist zu Ende.

So weit so einfach. Aber ich habe euch ja interessante Wendungen versprochen.

Nun ist Zeit zu bekennen, dass vielleicht manche von euch, die immer treu in ihren alten Bibel mitlesen, den Bibeln, in denen sie viele Anmerkungen, Lebensereignisse geschrieben haben – es könnte passieren, dass nun jemand diese seine eigene Bibel hochhebt und empört ruft: Herr Pfarrer Hanstein, diese Geschichte ist in meiner Bibel gar nicht drin!

Andere sagen: Und bei mir nur mit eckigen Klammern und der Anmerkung: diese Perikope ist in den ältesten Handschriften nicht zu finden und ist erst später eingefügt worden.

Vollkommen richtig. Ich lege heute mit hoher Wahrscheinlichkeit den jüngsten Text der Bibel aus. Geschrieben Jahrhunderte nach den anderen neutestamentlichen Texten. Auch innerliche Gründe sprechen dafür: Bei Johannes hätte Jesus sonst gewiss eine lange Rede gehalten.

Seltsam ist, Jesus schreibt in den Sand. Wie als würden die späten Verfasser uns darauf hinweisen, dass nicht der bleibt, der schreibt, sondern der, über den geschrieben wird …

Anmerkung: in diesem Tempel gibt es keine Steine, die geworfen werden könnten. Und es gibt auch keinen Sand. Vielleicht etwas Staub, aber da wird gleich ein Beflissener kommen und fegen, damit das Heiligtum blitzblank ist.

Nein, wir glauben nicht an die Schrift, wir glauben nicht an die historische Methode, dass das Älteste das Richtigste ist, so wichtig es ist, zu kennen, wie sich etwas zugetragen und entwickelt hat. Sonst müssten wir ja steinzeitliche Gesetze ausführen oder eben die 10 Gebote, die ein Nomadenstamm von 4000 Jahren entwickelt hat. Wir müssten Menschen töten, wegen absurdester abergläubischer Vergehen, die wir heute dann doch lieber psychiatrisch behandeln lassen.

Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben auch nicht nachgefragt: Wo steht das geschrieben? Sondern sie haben begriffen, dass Jesus die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit Gottes in diesen Worten perfekt zusammengefasst hat wie in dem Doppelgebot der Liebe, das ihnen bekannt war.

Die Ältesten gingen zuerst weg. Die „Presbyteroi“ auf griechisch. Die Gemeindeältesten mit Anspielung auf den Kirchenvorstand, aber auch die Ältesten, die so viel Lebenserfahrung hatten, dass sie wussten, was für Sünden sie begangen hatten, die ihnen jede Autorität zu richten nehmen würde.

Jesus fordert sie auf: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Ein gewagtes Spiel. Er weiß, dass der erste Stein die anderen nach sich ziehen würde. Der erste Stein ist der schwerste.

Er kennt das Mobbing, er kennt die Zusammenrottungen von selbstgerechtesten Menschen im Internet und auf Facebook, die am liebsten vernichten, spalten und ungestraft mit Steinen werfen, oft ohne ihr absurdes Tun zu bemerken. 

VORSICHT FALLE!

Jesus rettet. Er wirft mit einem Satz ein Netz aus wie der liebende Ehemann in Werner Bergengruens Geschichte von einer Ehebrecherin. Er rettet vielleicht ein Familie. Einen Ehemann, der gar nicht befragt wurde, Kinder, die auf ihre Mutter warten und weinen. Er rettet die Würde einer Frau, deren Leben ein paar skrupellose Meinungs-Macher gefährden, nur um Jesus eine Falle zu stellen.

Jesus entgeht den Netzen der Verfolger, den Fallstricken, den üblen Nachreden und den Scherbengerichten. Er, der selbst richten könnte – nicht nur über diese arme Frau, sondern über einen jeden, der da ihn fragt: Was sagst du dazu. Auch über jeden von uns, die schon wieder die Steine in der Hand haben und mal wieder einen Shitstorm auslösen wollen. Oder aus politischen und scheinbar religiösen Machtgründen wieder Frauen Rechte und Würde nehmen wollen. Wenn Vergewaltigungen und Missbrauch auf dem Rücken von Frauen und Mädchen ungestraft bleiben und sie sogar mit den Konsequenzen leben sollen. Seht die Waisenhäuser in Rumänien an und dann wisst ihr wohin das alles führt. Aber das wäre noch eine ganz andere Predigt.

“Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein.” Wenn du den Stein schon in der Hand hast – baue mit anderen ein Haus oder lege ihn auf ein Grab eines Menschen, den du verehrst, wie die Juden es tun. Gut, dass es nicht wirklich ein Grab Jesu gibt, sonst gäbe es dort nicht nur die gigantische Grabeskirche, sondern einen Steinberg, der bis zum Himmel reicht. Jesus lebt – durch diesen einen Satz.

Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein.

Ein toller Satz. Jesus hat alles gesagt, was wir wissen müssen, jetzt müssen wir es nur noch tun. Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.

AMEN.

Der angekündigte Abschied von Pfarrer Thomas Hofmann aus Lauf, erläutert von Pfarrer Hanstein

Stellungnahme der evangelischen Kirchengemeinde Lauf zu dem angekündigten Stellenwechsel von Pfarrer Thomas Lauf

Pfarrer Thomas Hofmann hat am vergangen Sonntag, den 8.7. per Videobotschaft angekündigt, die Pfarrei Nikodemuskirche in seiner Heimatstadt Bayreuth zu übernehmen. Pfarrer Hofmann folgt einem Ruf des dortigen Kirchenvorstands aus eigener Initiative, die von dem Landeskirchenrat so bestätigt wurde. Als Kirchenvorstand haben wir keine Möglichkeit mehr, darauf Einfluss zu nehmen. Diese Veränderung nach fast 20 Jahren hochengagierten Dienstes weckt starke Anteilnahme nicht nur bei Gemeindegliedern. Jetzt ist es noch nicht an der Zeit, all seine Arbeit zu würdigen – schließlich werden wir ihn und seine Familie erst im Frühjahr Mitte 2023 in allen Ehren verabschieden. Bis dahin möchte er möglichst ungestört seinem Pfarrdienst ausüben.

Pfarrer Hofmann erklärt auch seine Motivation zu wechseln. Seine Begründung lässt aber Gemeindeglieder mit weiteren Fragen zurück, die ich beantworten möchte. Ich schreibe als Kollege von Thomas Hofmann und als Sprecher des Kirchenvorstands Lauf, nicht als Dienstvorgesetzter. Das ist Dekan Schäfer in Hersbruck.

Wie kam es zu diesem Wechsel durch die Landesstellenplanung?

Verschiedentlich wurde in unserem Gemeindejournal „Blick“ wie auch in Zeitung und Medien über die „Landesstellenplanung“ der evangelischen Kirche Bayern berichtet.

Wir gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Die Evangelisch-Lutherische Landessynode in Bayern ist unser Kirchenparlament, in dem VertreterInnen der Kirchengemeinde, der Werke und der Angestellten der Landeskirche demokratisch Beschlüsse fassen. Sie müssen sich mit den Realitäten in Bayern befassen und darauf reagieren.

Geburtenstarke Jahrgänge von evangelischen Mitgliedern sterben und ebenfalls geburtenstarke Jahrgänge von Pfarrern gehen zunehmend in Pension. Dazu kommen zur Zeit viele Austritte und wir verlieren so ca. 1% der Mitglieder im Jahr. Eine Gemeindestelle versorgt durchschnittlich 1700 Mitglieder. In dichter mit Evangelischen besiedelten Gebieten und großen Kirchengemeinden wie Nürnberg wird mit zwei- bis dreitausend Mitgliedern pro Pfarrstelle gerechnet. Da die Landestellenplanung bisher nur alle 10 Jahre erfolgte, wird 2024 wieder angepasst. Die Mitgliederveränderungen sind in Bayern örtlich sehr verschieden. So wachsen in Ober- und Niederbayern manche Gemeinde stark durch Zuzug von jungen Familien und die Kirche in Bayern hat dort in den letzten 10 Jahren 9 neue Kirchen gebaut. Die Veränderung des PfarrerInnen-Nachwuchses verhält sich ähnlich dem allgemeinen Fachkräftemangel und ist in keiner Weise mit dem Priestermangel in der katholischen Kirche vergleichbar. 

Die Landesstellenplanung 2024 kürzt moderat 10% der Stellen und reagiert damit auf Mitgliederschwund und verfügbaren Personal. Die Synode beschließt weist jedem Dekanat ein Stellenkontingent aus Pfarrstellen und Diakonen- bzw. Gemeindepädagogen zu.

Auch die gemeindeübergreifenden Dienste wie Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Kirchenmusik und Seelsorge sind in diesem Pool enthalten. In Lauf von 5 auf 4 gekürzt – eine halbe Pfarrstelle und eine halbe Diakonenstelle. Wer nachrechnet, kommt auf 20% und nicht 10% Kürzung. Das liegt am Plan des Dekanatsausschusses: gemeindeübergreifende Dienste wie die Jugendarbeit wurden verstärkt, daher werden die Kirchengemeinden 20% gekürzt.

Unser Kirchenvorstand hat dafür gekämpft, dass Lauf weniger gekürzt wird und damit argumentiert, dass die Kirchengemeinde mit Kirchenmusik, sozialen Einrichtungen und auch der Christuskirche weit über das Stadtgebiet hinauswirkt. Der Dekanatsausschuss hat aber umgekehrt argumentiert, dass Lauf organisatorisch sehr gut aufgestellt ist und schon längst in dieser größeren Einheit Synergieeffekte nutzen kann, die andere Kirchengemeinde in neuer Zusammenarbeit erst erreichen müssen. Unser Erfolg ist in diesem Prozess sogar ein Nachteil. Wir unterlagen im Dekanatsausschuss mit 2:13 Stimmen.

Pfarrer Hofmann ist in seiner Bekanntgabe darauf eingegangen, warum von vier Pfarrern mit teilweise ebenfalls langen Dienstzeiten ausgerechnet er wechseln muss. Die Kürzung erfolgt nach Kirchengemeindeordnung und nicht nach Verhalten, Erfolg oder Sozialpunkten wie in Firmen. Die Pfarrstellen wurden von 1-5 aufgebaut, die 5. Pfarrstelle haben wir vor 20 Jahren verloren, nun wird seine 4. Stelle halbiert.

Die Landeskirche sieht auch nicht gerne, dass „reiche“ Kirchengemeinden wie Starnberg oder vielleicht auch Lauf eigene Stellen finanzieren – die dort angestellten Pfarrer fehlen dann woanders. Auf Dauer ergibt das ein erhebliches Ungleichgewicht. Außerdem verlässt kaum ein beamteter Pfarrer diesen privilegierten Status. Befristete Stellen anderer Berufsgruppen wie Musiker oder Pädagogen sind leichter anzustellen und zu finanzieren. Das wird durchaus schon angedacht.

Ich möchte auch auf einen wichtigen theologischen Grund eingehen, warum Pfarrer kein Job wie jeder andere ist. 

1) Als PfarrerInnen werden wir berufen – d.h. von der Kirche und von Gott in die Gemeinden gesendet. Genau auf diesem Weg ist  Pfarrer Hofmann vor fast 20 Jahren als junger Mann in die Kirchengemeinde gekommen und verlässt sie auf diese Weise wieder. Thomas Hofmann geht der evangelischen Kirche in Bayern als guter Pfarrer nicht verloren – er folgt dem Ruf in die Nikodemuskirche nach Bayreuth und wird dort seine Sendung fortsetzen. Die Gemeinde dort freut sich darüber, während wir natürlich traurig sind.

2) Normalerweise wechseln PfarrerInnen nach dem Pfarrerdienstgesetz alle 10 Jahre die Gemeinde. Durch besondere familiäre Gründe können es 15 Jahre werden. PfarrerInnen haben die Aufgabe Menschen allein auf Christus ausrichten und nicht auf sich selbst.

Außerdem sind die neuen Impulse wichtig, die PfarrerInnen und andere Hauptamtliche aus ihren vorherigen Erfahrungen an anderen Orten mitbringen. Deswegen müssen PfarrerInnen verschiedene Stationen durchlaufen und ihre vertrauten Stellen immer wieder verlassen, um neue Erfahrungen mit Gott zu machen. Jesus ist da sogar Bayern zu klein, wenn er sagt: „Gehet hin in alle Welt …“ (Mt 28)

3) Bekannt ist:  “PfarrerInnen kommen und gehen – die Gemeinde bleibt.” Pfarrer Hofmann hat die Kirchengemeinde Lauf und besonders den C1-Gottesdienst mitaufgebaut, damit Menschen sich auf Gott verlassen. Glauben wird immer auch von Menschen vermittelt. Aber Jesus Christus bleibt, auch wenn diese Menschen uns verlassen.

Der Kirchenvorstand Lauf wird zusammen mit den Hauptamtlichen in Ruhe reagieren und in absehbarer Zeit eine neue 0,5 Stelle ausschreiben. Das Profil Christuskirche bleibt ein wichtiges Projekt der Gesamtgemeinde.

Wir sind Pfarrer Thomas Hofmann dankbar, dass er in seinem persönlichen Statement auf alle diese Faktoren hingewiesen hat. Thomas Hofmann hat für sich und unsere Kirchengemeinde in einer schwierigen Situation eine gute Lösung gefunden. Für persönliche Gespräche stehen Ihnen die PfarrerInnen und der Kirchenvorstand Lauf gerne zur Verfügung

Geschäftsführender Pfarrer Jan-Peter Hanstein

Auswirkungen der Landesstellenplanung 2024 in Lauf

(Artikel in unserem Gemeindebrief BLICK, April/Mai 2022)

Die Corona-Pandemie hat die neue Landesstellenplanung 2020 der bayerischen evangelischen Landeskirche zwar etwas verzögert – aber nicht grundsätzlich ausgebremst. Bei dieser Planung geht es vor allem darum, wie theologische, pädagogische und kirchenmusikalische Stellen in ganz Bayern verteilt werden. Weil die Mitgliederzahl stetig zurückgeht, wird im Rahmen der Personalplanung ungefähr 10% der bisherigen Stellen abgebaut. Der Rückgang der Mitgliederzahlen und der Abbau der Stellen verläuft ungefähr parallel, daher sollte sich an dem Verhältnis von GemeindepfarrerInnen zu Gemeindemitgliedern mit durchschnittlich 1:1600 nichts ändern.

Klarheit und Freiheit

Die Dekanate entscheiden diesmal selbst, wie sie mit dem von der Landessynode beschlossenen Stellenkontingent umgehen. Der Dekanatsausschuss (DA) Hersbruck hat nach intensiver Vorarbeit seinen zweiten Entwurf am 26. Februar in der Dekanatssynode vorgestellt. Dieser weicht von dem landeskirchlichen Entwurf etwas ab:

Zugunsten übergemeindlicher Dienste vor allem in der Jugendarbeit, aber auch der Erwachsenenbildung kürzt er sogar 20% der Gemeinde-Stellen.

Das Dekanat wurde auf acht Regionen aufgeteilt, die kooperieren bzw. sich zu Pfarreien zusammenschließen werden. Unsere Kirchengemeinde Lauf ist wegen seiner Größe eine eigene Region– daher es gibt keine Gebietsveränderungen.

Kürzung von 5 auf 4 Stellen

Im Jahr 2010 hatte unsere Kirchengemeinde Lauf und Dehnberg 9.118 Mitglieder. 11 Jahre später sind es nun 7.955 – ein Rückgang von 12,75%. Der Rückgang der evangelischen Mitglieder im traditionell mehrheitlich evangelischen Lauf hat drei Gründe:

1. Demographische Entwicklung: Mehr verstorbene Mitglieder als Geborene bzw. Getaufte.

2. Gesellschaft: Mehr Austritte als Eintritte in der Evangelischen Kirche. Die Gründe dafür werden am meisten in der Öffentlichkeit diskutiert. Andererseits haben wir immer mehr Engagierte in den Kirchengemeinden, was sich an der Zahl der Ehrenamtlichen ablesen lässt. Wir sind unterwegs von einer Volkskirche zu einer Mitgliederkirche.

3. Fluktuation: Die evangelischen Bürger waren in Lauf über Jahrhunderte eine starke Mehrheit, seit dem 2. Weltkrieg zogen tendenziell mehr Evangelische aus Lauf weg als zu.

2010 wurden unserer Kirchengemeinde vier Vollzeit-Pfarrstellen und eine DiakonInnenstelle zugewiesen. Nach dem vorliegenden Beschluss des Dekanatsausschusses verlieren wir bis 2024 eine halbe Pfarrstelle. Außerdem wird eine halbe Stelle unserer Diakonin zur Dekanatsjugend verlagert. Lauf verliert damit sogar 20% ihrer Stellen.

Dies liegt im Plan des DA. Das Verhältnis Stellen zu Kirchenmitgliedern erhöht sich in Lauf wieder auf ca. 1:2000 und liegt damit höher als veranschlagt. Daher legte der Kirchenvorstand Lauf mit seinen Dekanatsausschussmitgliedern Joachim Wartha und Jan-Peter Hanstein Widerspruch ein. Sie wurden aber mit 3:12 überstimmt. Begründung des DA: Lauf arbeite bereits im Hauptamtlichen-Team bewährt zusammen und müsse keine mühsamen Fusionen wie andere Gemeinden bewältigen. Dem DA gilt Lauf anscheinend als Vorbild für andere Regionen im Dekanat. Zum Beispiel wird in Hersbruck Altensittenbach mit der Pfarrei Stadtkirche und Johanniskirche zusammengehen. [siehe Grafik].

Trotzdem empfindet der Kirchenvorstand die Kürzung als ungerecht, weil in diesem Entwurf nicht gewürdigt wird, dass die Kirchengemeinde Lauf auch viele überregionale Aufgaben in Bereichen der Diakonie, Familienbildung und Sozialarbeit übernommen hat.

Positiv ist, dass unsere KantorInnenstelle um 0,25% aus dem Dekanatsstellenanteil auf 0,75% angehoben wird und damit als Vollzeitstelle gesichert bleibt. Wie bisher finanziert die Kirchengemeinde Lauf die 0,25% der KantorInnenstelle zusammen mit der Kirchengemeinde Hersbruck selbst. Auch der Dienstsitz von Diakonin Tina Höpfner bleibt in Lauf. Durch die Zusammenarbeit mit der Dekanatsjugend erhoffen wir uns durchaus Synergien.

Schmerzhaft ungeklärt bleibt die Stelle der Krankenhausseelsorge, gerade im Krankenhaus Lauf. Der DA erhofft sich noch eine Drittfinanzierungen für die Bezirksklinik Engelthal oder Trägern wie der Lebenshilfe. Ehrenamtliche Besuchsdienste könnten von Pfarrern oder Honorarkräften betreut werden. Eine Seelsorgestiftung im Dekanat soll angeregt werden.

Transformation statt Reformation

Schmerzhafte Veränderungen stehen an: Mitte des nächsten Jahres 2023 wird sich der Kirchenvorstand Lauf mit den Hauptamtlichen zusammen auf den Weg machen, die Arbeit der Kirchengemeinde entsprechend den Ressourcen anzupassen. Wie die Kürzung einer halben Pfarrstelle dienstrechtlich umgesetzt wird, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Die verbliebenen 3,5 Stellen in Lauf sind so zu beschreiben, dass sie zukünftig sowohl für PfarrerInnen attraktiv bleiben als auch effektiv Gemeindearbeit ermöglichen. Manches Gewohnte wird wegfallen, neue Ideen werden sich durchsetzen. Diese Anpassung erfolgt eher in einer langsamen Transformation als durch eine plötzliche Reformation.

Blick in Zukunft – kein Grund zur Panik

Mein persönliches Fazit: Im Vergleich zu anderen Konfessionen und Landeskirchen erfolgen die Stellenkürzungen auch im Blick auf verfügbares Personal mit Augenmaß. Lauf kann sich nicht von der demografischen Entwicklung ihrer Mitglieder und dem weniger werdenden Nachwuchs abkoppeln. Auch in zukünftigen Jahrzehnten wird Lauf eine handlungsfähige Kirchengemeinde mit vielen tausend Mitgliedern bleiben. Sie werden dann Mitglieder sein, die sich bewusst für Kirche entschieden haben, mit motivierten Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, vernetzt in den Stadtteilen mit Spielräumen in modern ausgestattetet Gebäuden und Kirchen. Ich bleibe zuversichtlich mit dem Blick auf Gottes Wirken:

Dennoch soll die Stadt Gottes sich erfreuen an ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen. Psalm 46,5+6

Jan-Peter Hanstein, 1. Pfarrer und Vorsitzender des Kirchenvorstands

Kirchengemeinde Lauf würdigt 41 MitarbeiterInnen nach 3 Jahren Corona-Pause

Die evangelische Kirchengemeinde Lauf lud ihre ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem Jahresempfang ein und dankte ihnen für ihr Engagement.

Der Empfang fand am 2. Juni 2022 in der Christuskirche statt. Rund 220 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedensten Arbeitsgebieten waren gekommen. 41 MitarbeiterInnen, die ihren Dienst bereits seit 10, 25, 40 und 50 Jahren in verschiedenen Einsatzbereichen verrichten, wurden für ihr langjähriges persönliches Engagement geehrt.

Nach pandemiebedingter Pause konnte die Laufer Kirchengemeinde nach drei Jahren wieder zu dieser Veranstaltung einladen. Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici brachte in ihrer Begrüßungsansprache ihre Freude darüber zum Ausdruck.

Pfarrer Jan-Peter Hanstein ließ in seiner Rede diese drei Jahre Revue passieren. Anhand einer Bilderpräsentation berichtete er über das kirchliche Leben in dieser überwiegend von Corona geprägten Zeit.

Er hob hervor, dass es mit tatkräftiger Hilfe von jungen technik- und medienbegeisterten Ehrenamtlichen schnell gelungen sei, neue Ideen und Formen zu entwickeln, um den Glauben auch ohne Ansteckungsgefahr leben zu können. So konnten zum Beispiel bisher 234 Livestream-Gottesdienste der Laufer Kirchengemeinde auf dem Kanal C1 auf Youtube von zu Hause aus abgerufen werden. 30.000 Stunden wurde dieser Kanal angeschaut. 42 Videos wurden hochgeladen und sogar digitale Abendmahle und die virtuelle Ausstellung „Was bleibt“ mit interessanten Vorträgen konnten stattfinden. Pfarrer Hanstein erinnerte auch an Jubiläen, wie das 40jährige der Basarfrauen und 25 Jahre Stadtstreicher Lauf. Auch seien mit Unterstützung vieler Spender und Ehrenamtlicher wichtige Projekte umgesetzt worden. So das Projekt „TRAPEZA“, das ukrainische Flüchtlinge mit Lebensmitteln versorgt, die Renovierung der Kirche in Günthersbühl und die Aktivitäten zum 50jährigen Bestehen der Christuskirche.

Den Höhepunkt des Abends bildete die Würdigung der Arbeit der seit vielen Jahren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die beiden Mitglieder des Ehrenamtsbeirates Ruth Kolb und Holger Wielsch. Beide bedankten sich auch im Namen des Kirchenvorstandes für die wichtige und unverzichtbare Arbeit, die unentgeltlich in vielerlei Bereichen geleistet wird. Sei es bei der Betreuung und Unterstützung der verschiedenen Gruppen und Kreise, der Mitwirkung in den Chor- und Instrumentalgruppen oder der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, um nur einige Beispiele zu nennen. Insgesamt arbeiten mehr als 500 Mitglieder in der evangelischen Kirchengemeinde Lauf ehrenamtlich. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied des Liedermachers Manfred Siebald „Gut, dass wir einander haben …“ wurde die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für den Zusammenhalt in Kirche und Gesellschaft gewürdigt.

Den Abschluss des Jahresempfangs, der vom Posaunenchor „JohannisBrass“ umrahmt wurde, gestaltete Pfarrer Thomas Hofmann mit Gebet und Segen.

Das schöne Wetter an diesem Vorsommerabend ermöglichte es, den Empfang mit guten Gesprächen am Platz vor der Christuskirche ausklingen zu lassen.

Hans Dieter Munker

Bilder Jan-Peter Hanstein