“Durch den Geist Gottes leben wir aus dem, was wir nicht sind” Predigt von Pfarrer Jan-Peter Hanstein 2. Sonntag nach Epiphanias 1 Kor 2,1-12

(Predigttext in der Predigt)

„Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. 3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; 4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, 5 auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.

auch für mich ist heute diese Beschreibung von Paulus keine hohle Phrase:  mit Furcht und Zittern …

Ein schwerer Text! Mögen Sie sich beim Hören gedacht haben. Gespannt oder resigniert, was der Prediger hier vorne mal wieder daraus machen würde. Jesus machte aus Wasser Wein, damit die Hochzeit der Freude fortgesetzt werden kann.

Und ich soll hier auch im übertragenen Sinn Wasser zu Wein machen? Klar – 

Mit Furcht und Zittern, weil jeder, der sich auf diese Worte von der Kraft Gottes durch die Verkündigung des Gekreuzigten heute wie damals ein Risiko eingeht. Ein Wagnis. Der Erweis des Geistes und der Kraft.

Bis ich einwillige: Ja komm, lebendiger Geist und schenke nicht nur mir die Kraft zum predigen, sondern öffne auch die Ohren der Hörenden.

Mit Furcht und Zittern.

Und seht wie ich eingezwängt bin. Hinter mir das germanische Heiligtum schlechthin: der geschmückte Weihnachtsbaum, neben mir die berühmte wunderbare Puppenmacherkrippe, aber über mir hängt das neuerdings etwas grell beleuchtete Kruzifix, bedrohlich wie ein Damoklesschwert.

Aber das Krippenlied schwingt in mir nach: da steht ein Dichter vor der Krippe und singt:

„Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen!“

 Aber nun Paulus: gar nicht im Überschwang. Sondern:

„ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern“ schreibt Paulus ehrlich. Und dass er das schreiben muss an die Gemeinde, die er gegründet hat, heißt doch auch, das seine Lehre niemals unbestritten dastand, überwältigend wie das System von Aristoteles oder unanfechtbar wie die beißende Kritik eines Sokrates.

Was Paulus da sagt, klingt immer noch paradox, ja absurd wie am ersten Tag.

Ich will unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.

Es geht nicht um die hohe Philosophie, nur die wenigsten durchdringen und auch ich habe einmal erlebt, wie sich mein jugendlicher Geist aufschwang in die Höhe der Philosophieseminare von Reiner Wiehl bis ich plötzlich gegen eine unsichtbare gläserne Decke stieß – ich konnte hindurchsehen und sah die höchststehendsten Erkenntnisse, die Menschen haben können, aber stieß mir schmerzhaft den Kopf an und brach mir fast das Genick, bevor ich hinabtrudelte wie Ikarus, der mit seinen von Wachs zusammengehaltenen Federschwingen der Sonne zu nah gekommen war.

Nein, mir stehen auch nicht die „überredenden Worten der Weisheit“ zur Verfügung, die nach Paulus nur den Vollkommensten und Klügsten zustehen. Ich bin ein einfacher Pfarrer und muss reden zu euch, was ich gehört und gesehen und verstanden habe.

Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.

Ein wenig flirtet Paulus mit den damaligen Mysterienreligionen. Wir würden sagen- Esoterik. Geheimnis nach Geheimnis wird denen eröffnet, die eifrig sich auf die mystischen Meister einlassen, einen Kurs nach dem anderen bezahlen, bis sie schließlich erleuchtet über den anderen schweben. Eingeweiht in die Geheimnisse des Lebens, die anderen, die sich nicht bemühen und auch nicht so viel investieren können in wunderbare Seminare in der Toscana für immer verschlossen bleiben.

Paulus redet zwar von Geheimnissen, von der „Sophia“ in Gott, aber er macht kein Geheimnis daraus sondern legt das Geheimnis einfach offen hin:

»Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

Vielleicht denkt ihr wie ein Kierkegaard gedacht hat: „Der Glaube ist das Größte und Schwerste“ / „Der Glaube beginnt gerade da, wo das Denken aufhört“. Tatsächlich ist da eine Grenze. Oder nicht eine Grenze, sondern ein großer Unterschied.

Es geht um das, was ein Mensch wissen kann. Und das was Gott weiß.

Wissen von uns Menschen und die Weisheit Gottes. O dass mein Sinn ein Abgrund wär …

Zurzeit ist unglaublich viel von Wissenschaft die Rede, hauptsächlich der Biologie und Medizin. Die modernen Wissenschaften werden manchmal als „gottlos“ bezeichnet. So oft, dass die Wissenschaftler manchmal selbst meinen, sie könnten nicht an Gott glauben, weil es nichts anderes gibt als das Wissen.

Dabei geht es nur darum, dass wir nicht selbst einfach Gott einsetzen, wenn unsere Untersuchungen nicht weiterkommen. Das birgt nämlich die Gefahr, das neue Erkenntnisse so wirken, als müsse sich Gott wieder zurückziehen, bis er schließlich überhaupt keine Aufgabe mehr hat. Beispiel: Wenn Gott früher für den Donner und Blitz zuständig war, dann war er diese Aufgabe spätestens nach den Untersuchungen von Benjamin Franklin zum Gewitter wieder los. Deshalb haben christliche Wissenschaftler wie Hugo Grotius in seinem berühmt gewordenen Satz gesagt: Wir müssen forschen und arbeiten, als ob es Gott nicht gäbe. Aber dieser methodische Atheismus ist zutiefst aus der christlichen Kultur entstanden, weil diese Denker bescheiden die Grenzen ihres Wissens gegenüber dem Glauben kannten. Oh, ich merke ich drifte ab und komme doch mit den Argumenten der höchsten Erkenntnistheorie. Wer da mehr erfahren will, ist eingeladen zu dem nächsten Philosophischen Cafe leider über Zoom mit Dr. Edmund Sandermann und unserem klugen ehemaligen Vikar Christian Kamleiter.

Nur soviel: Auch bei Luther begegnet uns das „Etsi deus non daretur“, lebenspraktisch. Der Rat der Stadt „soll sich stellen, als wäre kein Gott da und müsste sich selbst erretten und selbst regieren, gleich wie ein Hausherr soll arbeiten, als wollte er sich mit der Arbeit ernähren. Aber er soll sich davor hüten, dass sein Herz sich verlasse auf solches sein Tun.“

Ich bekomme wieder Furcht und Zittern. Denn mit dem was ich sage, kann man nicht einmal eine Stadt oder Kirchengemeinde „regieren“. Diese praktische Vernunft wird immer wieder den Herrn der Herrlichkeit nicht erkennen und ihn als religiösen Unruhestifter kreuzigen, wie Paulus schreibt:

„Die Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.“

Kupferspiegel aus Zypern (Eisenzeit) wibilex

Liebe Gemeinde,

versteht ihr das Problem? Alles Wissen, alle medizinische Forschung, auch die Tiefenpsychologie der Seele, auch die Astronomie und sogar die Wissenschaften Recht und Soziologie, all die Lebensratgeber und Kurse, die Leib und Seele zu höherem berufen, lassen uns „nur“ bei uns selber bleiben. Da ist eine Wand, oder wie ich erzählte, eine Decke. Vielleicht ein Spiegel, in dem wir uns nur selber sehen. Das ist schon viel. Aber weiter kommen wir da nicht. Außer der Geist erhellt diesen Spiegel und wir sehen hindurch, wie wir erkannt sind. (1 Kor 13)

Von uns aus gesehen können wir alle nur Wein zu Wasser machen. 

10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes. 11 Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes.

Jetzt sind wir da. Ein Sprung in den Glauben. Zauberwerk? Wasser zu Wein?

Der Geist Gottes. Der schon im 2. Vers der Genesis, ganz am Anfang über der Tiefe, Tehom, der Urflut „schwebt“ oder vielmehr sich suchend und verstehend bewegt. Mit dem Geist Gottes können wir nicht denken oder Reden. Er ist nicht „deus ex machina“, der uns einfach zur Verfügung steht, wenn wir Prediger nicht weiter wissen. Dieser Geist Gottes führt uns in die Tiefe.

In der Tiefe ist Wahrheit. Aber nicht einer eingebildeten typisch deutschen Tiefsinnigkeit. Sondern in der wirklichen Tiefe des Todes. Der gekreuzigte Christus. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. 

Das Erkennungszeichen.

Heute am 2.Epiphanias ist ein Trinitatisfest. Vater und Sohn feiern wir an Weihnachten. Aber ohne Himmel und Erde, ohne Anfang und Ende, ohne die Bewegung Gottes zu uns, in unser Herz, ohne den Glauben, den der Geist in uns weckt und schenkt, bleibt Jesus nur eine historische Denkfigur.

Und wenn der Geist nicht verfügbar ist? Es hier kalt und verlassen ist? Und ich mich alleine und verzweifelt fühle. So ist er doch da: Mit Furcht und Zittern. In Not und Zweifel. Der Christusgeist, den Paulus beschreibt.

So ist der Geist Christi, schreibt Bonhoeffer aus dem Gefängnis an seinen Freund Eberhard Bethge mit seinem unvollendeten Entwurf der „mündigen Welt“: einer Welt ohne Gott und doch mit Gott.

„Hier liegt der entscheidende Unterschied zu allen Religionen. Die Religiosität des Menschen weist ihn in seiner Not an die Macht Gottes in der Welt, Gott ist der Deus ex machina . Die Bibel weist den Menschen an die Ohnmacht und das Leiden Gottes; nur der leidende Gott kann helfen. Insofern kann man sagen, daß die beschriebene Entwicklung zur Mündigkeit der Welt, durch die mit einer falschen Gottesvorstellung aufgeräumt wird, den Blick freimacht für den Gott der Bibel, der durch seine Ohnmacht in der Welt Macht und Raum gewinnt.“

Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Herr höre meine Stimme  Ps 130.

Der Geist leitet uns nicht an zum Denken, sondern zum Danken, zum Beten, zur Freude, zum Singen und Dichten.

heute am 2. Sonntag nach Epiphanias, da ist das Thema Freude. Da hören wir davon, dass erhoben wird, wer in der Tiefe sitzt. Das am Ende all unserer Bemühungen zu verstehen und zu wissen, eine Freude steht, die Bach so besingt:

Jesu, meine Freude,
meines Herzens Weide,
Jesu, meine Zier.
Ach, wie lang, ach lange
ist dem Herzen bange,
und verlangt nach dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam,
außer dir soll mir auf Erden
nichts sonst Liebers werden.

Und das tun wir vorläufig nun auch.

396 1.3.6 Jesu meine Freude

Weihnachtliches Konzert der evangelischen Stadtstreicher aus der Johanniskirche Sonntag, 19.12.2021, 17:00 Uhr als Livestream

Am Sonntag, den 4. Advent, den 19.12.21 laden die Laufer Stadtstreicher um 17 Uhr zu ihrem festlichen Konzert aus der Johanniskirche als Livestream ein. Unter Leitung von Heidi Braun erklingen Werke von G. Holst, J. S. Svendsen, H. Hartl und Joh. Seb. Bach.

Hier kommen Sie direkt zum Livestream Video ab 4. Advent Sonntag 17 Uhr.

Diese technisch aufwendige Produktion können Sie kostenlos sehen. Wir freuen uns aber über Ihre Spende für die musikalische Arbeit in unserer Kirchengemeinde.

Zu Beginn musiziert das Orchester die „St. Pauls Suite“ von G. Holst (1874-1934). G. Holst, ein englischer Komponist, war fasziniert von Irischer und Schottischer Folklore und verwendete gern Melodien aus dieser Tradition in seinen Stücken. So gelang ihm eine schwungvolle, mitreißende Kompostion.

J. S. Svendsen (1840-1911) war norwegischer Geiger und Komponist. Die Romanze G-Dur für Solovioline und Orchester op. 26 ist eines seiner populärsten Werke. Besonders beeindrucken die wechselnden Klangfarben und interessanten Harmonien des Stückes. Unsere junge Solistin ist die 14-jährige Geigerin Lina Kupper, die auch Mitglied des Orchesters ist und beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ bereits Erfolge auf Regional- und Landesebene erzielt hat.

Heinrich Hartl (geb. 1953) ist Nürnberger Komponist, Organist, Pianist und Dozent. Sein kompositorisches Schaffen umfasst Chor-, Orchester- und Kammermusik. Zur Aufführung gelangt sein Concerto Gregoriano op. 6. Thematische Grundlage sind ein Gregorianischer Choral und der Osterhymnus „Christ ist erstanden“. Daraus entwickelt Hartl ein dreisätziges meditatives Werk, das durch einfallsreiche Rhythmik und wirkungsvolle Klangbilder beeindruckt.

Zum Abschluss erklingt die Orchestersuite h-Moll Nr. 2 von J. S. Bach (1685-1750) füt Soloflöte und Streicher. Christine Theuerkauf, Laufer Musikpädagogin und vielfach bekannte Solistin übernimmt den Solopart. Es handelt sich bei der Suite um eine festliche französische Ouverture, und eine Folge von Tanzsätzen. Teilweise spielt die Soloflöte die Stimme der Violine 1 mit, an anderen Stellen bezaubert sie durch höchst virtuose Passagen.

Konzertmitschnitt vom 11. Juli 2021 aus der Evang. Johanniskirche Lauf

  • Allegro piacevole – Serenade e-Moll – Elgar 00:03:28

1. Satz: Allegro piacevole Edward Elgar, Serenade e-Moll, op. 20, für Streichorchester. Konzertmitschnitt und Produktion: Tonstudio H. Braun, Lauf

Aktuelle Coronaschutzmaßnahmen in unseren Kirchen in Lauf

Der Freistaat hat mit zahlreiche Regelungen zur Corona-Prävention auch das kirchliche Leben verändert. Grundsätzlich gilt nun für alle Bereiche des öffentlichen Lebens die 2G-Regel. In Gottesdiensten ist aber alles ein wenig anders:

Dort gibt es zwei Möglichkeiten – der Kirchenvorstand Lauf und Dehnberg hat entschieden:

1. In Gottesdiensten, in denen ein Mindestabstand von 1,5m eingehalten wird, muss am festen Sitzplatz keine Maske mehr getragen werden. Das gilt auch für das Singen im Gottesdienst, das jetzt ohne Maske wieder möglich ist. Bei allen Bewegungen im Raum ist aber eine Maske zu tragen und auf den Mindestabstand zu achten. Hier gelten die bisher schon von Ihnen eingehaltenen Höchstgrenzen aufgrund der Raumgröße. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Diese Regel wird für normale Wochen- und Feiertagsgottesdiensten in folgenden Kirchen in Lauf angewendet:

  • Evang. Johanniskirche
  • Evang. Kundigundenkirche

Auch in diesen Kirchen kann bei besonderen Fest-Gottesdiensten mit höherer erwarteter Teilnehmerzahl die 3G-Regel angewendet werden. Diese werden im Gottesdienstplan mit „3G“ gekennzeichnet.  

2. Gottesdienst mit 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet)

Corona-Warn-App: empfehlen wir für alle unsere Veranstaltungen!

Bei solchen Gottesdiensten entfällt die Abstandsregelung generell und die Teilnehmendenobergrenze. ABER: In diesen Gottesdiensten ist grundsätzlich und überall eine FFP2-Maske (auch am Platz und beim Singen) zu tragen. Die Teilnehmer müssen die Nachweise auf Papier oder als App auf dem Smartphone auf Verlangen vorzeigen können. Schulkinder und Kindergartenkinder gelten bis zum 31.12. als getestet und brauchen keine Nachweise. Eine vorherige ist nur an Heilig Abend erforderlich! Wir empfehlen trotzdem, vor Ort die Corona-Warn-App zu aktivieren.

Folgende Kirchen in Lauf haben 3G in ihren regulären Gottesdiensten eingeführt:

  • Evangelische Christuskirche Lauf links
  • Evangelisches Gemeindezentrum St. Jakob in Kotzenhof
  • Evang. Kirche Dehnberg
  • Evangelische Kirche Günthersbühl

Diese werden im Gottesdienstplan mit „3G“ gekennzeichnet.  

Die evangelische Kirchengemeinde Lauf bietet bei allen ihren 3G-Veranstaltungen einen kostenlosen beaufsichtigten Selbsttest an. Dazu müssen die Testenden sich mindestens 20 Minuten zuvor bei den Gottesdienstteams melden. Nur an Heilig Abend sind Slebsttests bei uns nicht möglich.

3. Gottesdienste unter freiem Himmel

HWir tragen freiwillig Masken, es ist keine Anmeldung nötig, doch die Abstandsregel 1,50m zwischen Haushaltsgemeinschaften soll zuverlässig eingehalten werden.

4. Gruppen und Erwachsenenbildung mit 2G.

Die staatliche Regelung erlaubt hier keine Alternative wie in den Gottesdiensten. Schulkinder und Kindergartenkinder gelten als getestet und brauchen keine Nachweise. Auch hier bietet die evangelische Kirchengemeinde Lauf vorher einen kostenlosen beaufsichtigten Selbsttest an. Im Evangelischen Familienhaus kann man Tests zum Selbstkostenpreis erstehen. Näherer Informationen erhalten Sie bei Bedarf im Pfarramt oder bei Ihren Gruppenverantwortlichen.

Kornelis H. Miskotte, Wenn die Götter schweigen S.284-290

Teil II/3 Der Überschuss – Kapitel: Die Erwartung

George Bush and his wife Barbara sit in their bed as six of their fourteen grandchildren play around them in Washington, D.C. Bush was born June 12, 1924 in Milton, Massachusetts. He attended both Phillips Academy in Andover and Yale University. (Photo by Liaison)

Im Alten Testament ist kein Raum für eine logische Entwicklung des Seins der Schöpfung zu dem Vollkommenersein einer neuen Welt, aber ebenso wenig für einen Mut der Verzweiflung, der daraus entspränge, dass für den Sinn der Dinge kein Grund zu finden ist in ihrem Ursprung; der Grund liegt in der Mitte. Und dies ist nun genau das, was das Paradox Ruhe der messianischen Erwartung rechtfertigt. Die Figuren der fortschreitenden Erzählung (zu denen auch wir selbst gehören) leben nicht deshalb in der Erwartung, weil die Erzählung fortschreitet und ein glücklicher Ausgang ihren Schluss bilden muss, auch nicht deshalb, weil sie sich in einer Art „Entschlossenheit” für Tod und Untergang, Wiederkehr und Aufschwung offenhielten; sie leben in der Erwartung, weil sie ihre Zuflucht nehmen zu dem Namen, der in der Mitte der Zeit hindurchgebrochen ist, um Gestalt, Wort, Zeichen anzunehmen. S.289-290

Teil II/3 Der Überschuss – Kapitel: Die Erwartung

Neben den Mächten und den Göttern, dem Leid und der Müdigkeit, neben dem Eros und der Politik gibt es noch ein Moment, das im neutestamentlichen Zeugnis zwar vorausgesetzt und zusammengefasst ist, nicht aber eine Schlüsselposition innehat oder mit nuancierter Ausführlichkeit zur Sprache kommt. Wenn wir in dieser Sache das Alte Testament ignorieren oder es bloß rezitieren, aber nicht auslegen und verkündigen, verfehlen wir den gültigen „Anknüpfungspunkt” für das Kerygma. Das Hören des Alten Testaments ist nämlich der eine Anknüpfungspunkt, auf den es für das Hören des Neuen ankommt; und zwar muss man es, ohne die Einheit der Testamente aus dem Auge zu verlieren, für sich selbst sprechen lassen. Das gilt namentlich für das Moment der Erwartung. Zu den Vorstellungen, die das Gemüt des modernen Menschen, sofern er noch ein Suchender ist, belasten, gehört auch die, dass die Christen sich für „erlöst” halten, dass sie zwar in der Welt bleiben, aber nicht ihrem Auftrag getreu, dass sie die Welt abschreiben und verloren geben. Dass nach der mit Christi erster Erscheinung eingetretenen Erfüllung die Erwartung erst recht lebendig und kräftig wird – es ist die Schuld der berufsmäßigen Gläubigen, wenn das für Tausende innerhalb und außerhalb der Kirche eine Neuigkeit ist.[1]

Wir müssten einen Begriff davon haben, wie viele Menschen bewusst oder unbewusst an dieser Welt leiden, um ahnungsweise zu erfassen, wie sie sich von uns im Stich gelassen fühlen. Diese Menschen sind aus jeder Sphärenharmonie weit hinausgeschleudert, und sie können in einem Haus ohne Fenster nach den letzten Dingen hin, wie z. B. die katholische Kirche, niemals heimisch werden. Sind bei uns diese Fenster nicht beschlagen? Und können wir es nicht verstehen, wenn, bei all unseren Beteuerungen von Frieden und Seligkeit oder auch von partikulärer Misere, in diesen (wie man sagt) „jüdischen“ Geistern ein Gefühl von Beengung aufsteigt – wobei wir dann noch von Glück sagen können, wenn dieses Gefühl nur erst in ein Misstrauen gegen alle solche „großen Worte” umschlägt und weithin noch nicht in finsteren Hass?

Die Kräfte der Zerstörung sind unermesslich, der Mensch tritt ihnen siegreicher entgegen und fällt ihnen zugleich mehr zum Opfer als jemals zuvor. Er hängt über einer fürchterlichen Leere; und wer führt und bewahrt ihn, wer hält ihn zurück von dem Sturz in den kollektiven Wahnsinn? Ist es da nicht eine Ruchlosigkeit, ihm etwas von besseren Zeiten vorzusingen, die (für Christen) schon gekommen wären, und von allerschönsten Inseln der Seligen (für viele? für Herrn Jedermann im nächsten Jahrhundert?)? Das eine wie das andere wird als Betrug, als „escapism”, als „mauvaise foi” empfunden und demaskiert. Die Bilder, welche Karl Kraus schon nach dem ersten Weltkrieg in einem enormen Fresko als „Die letzten Tage der Menschheit“ hingestellt hat, brennend von verzehrender Sprache, sind inzwischen von den späteren Gräueln überholt. In früheren Zeiten durchbrach man den Ring der Dämonie und suchte einen [S. 286 ll/3 Der Überschuss] Ausweg nach innen, nach oben. „Die Aussicht ist nach oben uns verrannt“, wie auch nach innen; und es stellt sich heraus, dass es nicht einmal zwei Wege waren, sondern ein einziger Doppel-Weg. Wo gibt es hüben und drüben einen Anfang von Verständnis? In „Monsieur Ouine” (deutsch: „Die tote Gemeinde“) hören wir den Weheruf des Dichters Bernanos: „Die Christenheit ist tot. Europa krepiert.“ Es ist schlimm, dass weder Christen noch Antichristen entdeckt zu haben scheinen, dass es die Erwartung war, die da starb. Man könnte sagen, es ist mitunter die Stunde des „heiligen Krieges“ gegen die Verzweiflung, d.h. es ist die Stunde, wo der Glaube der Herkunft seiner Haltung eben vom heiligen Kriege innewird, in unmöglicher Position zwischen den Fronten das Unmögliche zu erwarten und zu leisten, fast wehrlos, nein ganz wehrlos auf Gott geworfen. Aber solche Haltung liegt gerade den Christenmenschen fern.

Und was noch schlimmer ist: indem es der Kirche selbst außer an der Erwartung in der Geschichte auch an der Mystik im geistlichen Leben zu mangeln scheint, haben viele sich voller Enttäuschung selbst eingemauert – ehedem, mit Maeterlinck oder Anker Larsen, in eine selbstverfertigte mystische Sphäre, heute, mit Heidegger und Sartre, in existentielle Verschlossenheit. Sehr oft sind die Spuren dieser Flucht, die Züge der Betäubung, noch zu spüren. Diese Welt wird nicht mehr als vernünftig hingenommen; und sich selbst kann man eigentlich nicht anders sehen denn als ein unakzeptables, im All auf den verkehrten Platz gestelltes Wesen, überschätzt und überlastet. Was an dem echten Nihilismus echt sein könnte, ist eben dies, dass auch der Super-Gott der Mystik als eine Ausflucht abgewiesen wird. „Gott ist tot“, und der Mensch wird sich selbst ein Fremder, er findet nicht mehr zu einem eigenen Schicksal, weil kein Schuldbewusstsein, aber auch kein Mut mehr in ihm ist. Was muss das für die Politik bedeuten, jetzt, da die überpolitische Sphäre der Mystik (von Ausnahmen wie, zeitweise, Aldous Huxley abgesehen) ihre Funktion nicht mehr erfüllt! Zu was für einer Anhäufung von Machtlosigkeiten muss das führen – unter der Hülle der Potenz des Wohlfahrtsstaates! Wie sollte man im Blick auf die Zukunft der Welt einen anderen Glauben aufbringen können als das, was die Technokratie uns als solchen aufdrängt? Es bleibt vielsagend, dass die Verzweiflung bei dem „dritten Menschen” schon epidemische Formen annimmt. Wie kommt es, dass „Huis clos” von Sartre und ebenso Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ Kassenschlager werden konnten?

Das Schweigen der Götter und die Ambivalenz des Nihilismus schließen nicht aus, dass sich der „dritte Mensch“ betäuben kann an der Verzweiflung; Verzweiflung ist ein Opium für das schwindlig gewordene Hirn [287] der Vernunft, eine Lust an dem Schauspiel, wie die lebendigen Strukturen des Daseins zerstückt und ihre Knochen freigelegt werden, ein Äußerstes an Erlebnis eines immer weiträumigeren Alls, das immer gewisser als ein geschlossenes erkannt wird. Das soll dann „Wahrhaftigkeit“ sein. Es muss die Erwartung definitiv abschneiden. Das ist auch der Fall, wenn man die Eschatologie als eine Sache der persönlichen Entscheidung deutet und lehrt, bei Paulus z.B. sei „die Geschichte in der Eschatologie untergegangen”, in dem Sinne, dass die „letzten Dinge” ins Heute, ins Innere verlegt werden. „Die entscheidende Geschichte ist nicht die Weltgeschichte, die Geschichte Israels und der anderen Völker, sondern die Geschichte, die jeder Einzelne selbst erfährt“; „das Jetzt erhält eschatologischen Charakter durch die Begegnung mit Christus oder mit dem Wort, das ihn verkündet, weil in der Begegnung mit ihm die Welt und ihre Geschichte zu ihrem Ende kommen und der Glaube als neues Geschöpf ,entweltlicht’ ist.“[2]

Manchem mag solcher Doketismus als Ausweg aus den Verlegenheiten, die uns gefangen halten, einleuchten. Aber den Menschen ist nicht damit gedient, dass „Himmel und Erde” aus dem Blickfeld gerückt und dass die „Taten Gottes” vom Horizont weggewischt werden.[3]

Diese Welt, so muss der „dritte Mensch” aus dem Alten Testament neu hören, ist als offene Welt geschaffen; das Letzte ist noch nicht geschehen, und die totale Erneuerung ist noch nicht erschienen. Das Kommen JHWHs wird im Alten Testament schon in den ersten keimhaften Vorstellungen als eine Wiederkehr des Paradieses verstanden. Das heilige Land steht schon für das verlorene Eden (Ex. 3, 8. 17; 13, S; 33, 3; Num. 23, 21 f.; 24, 7). Der Mythos wird zum Kleid einer Erwartung, die aus der heiligen Geschichte selbst aufgestiegen ist, sowohl in dem Sinne, dass der Messias die Welt vollenden wird, als auch in dem Sinne, dass der Geist die Herzen erneuert (Jes. 9, 6; Jer. 23, 6; Sach. 9, 10; Ez. 37, 24; Jes. 2, 2 ff.; Jer. 31, 33; Ez. 36, 25 ff.; Jes. 30, 20 ff.). Das „geistliche Verständnis von Gottes Wort” (Gunning), das sehr eindeutige Gegenteil einer „Vergeistigung“, führt zu einem Realismus der Momente, der Zeitaufnahmen und ihrer Strahlung[4]; und die theologische Erklärung der Texte, scharf und leicht zu unterscheiden von „pneumatischer” Exegese, beugt den menschlichen Geist unter das objektive Geschehen der Verheißung, auf das unser Pneuma nicht rechnet, nach dem es in seiner Niedergeschlagenheit nicht einmal mehr ein Bedürfnis zu haben scheint, seitdem wir gefangen liegen in unserer subjektiven religiösen oder nichtreligiösen Welt, die eben keine Welt mehr ist.

Mit dieser Niedergeschlagenheit ist stets zu rechnen. Sie scheint der Dunstkreis und der Niederschlag verdrängter Angst vor der Sinnlosigkeit des Daseins zu sein. Und es scheint möglich zu sein, dass man in diesen Zweifel versunken bleibt, während man mit dem geistlichen Gehör das Gotteswort vernommen hat. Es scheint, dass viele oder manche die These Tillichs bestätigen, die Tat der Annahme der Sinnlosigkeit sei in sich selbst eine sinnvolle Tat.[5] Kein Wunder, dass tatsächlich das Lautwerden der Verheißung jedes Mal ein die Niedergeschlagenheit, die Selbstbetrachtung und die Tatsachen-Abschätzung transzendierendes Geschehen(!) sein muss. So finden wir es auch bei den Propheten, namentlich bei Jeremia.

Die Erwartung eines kreativen Handelns Gottes, das alle Dinge neu macht, ist auch darum in Predigt und Unterweisung so notwendig, weil der wehrhafte Mensch, der nicht in dem spukhaften Nirwana seiner Seele untergehen will, eine Dennoch-Position beziehen kann; in dem Bewusstsein einer vertikal von oben einfallenden Verpflichtung, das Gute zu tun unter Absehung von der Hoffnungslosigkeit auf der Horizontalen, feiert er seine Kreativität. Geben wir uns nicht der Meinung hin, die Wurzel solcher Erwägungen liege einzig in der intellektuellen Tätigkeit von einzelnen, hochentwickelten Trotz-Geistern! Auch einfache Menschen leben oft entweder sachlich, ohne Hoffnung, in einem halb bewussten tragischen Heroismus, oder in sittlichem Ernst, der sich gegen das alldurchdringende Gefühl der Zwecklosigkeit des Daseins zu behaupten trachtet, auf Hoffnung gegen Hoffnung, und sich des rechten Weges wohl bewusst zu bleiben scheint.

Auf diesem Wege trifft man auf die tödliche Idee (oder man entgeht ihr nur um Haaresbreite), dass der Mensch edler sei als Gott oder das, was Gott genannt wird. Denn Gott hat keine offene Welt zu bieten, obschon er reich genug ist; wir aber halten mit armen ohnmächtigen Händen stand und graben nach dem Als-ob des Offenen. Was hat die Kirche zu sagen? Sie soll die auf das Heute und Morgen gerichtete Erwartung in die Welt tragen durch ihre Präsenz, ihre exemplarische Existenz als enttäuschtes und doch bräutliches Herz. Da ist eine Erfüllung wie eine Verlobung vorausgesetzt. Sie soll aber nicht in räumlichen Vorstellungen von oben und unten, sondern in zeitlichen von jetzt und dann denken. Sie muss es sich verboten sein lassen, das Dann in eine undenkbare Ferne zu verlegen. Sie kann es sich nicht leisten, nachdem sie ehemals in einer verschlossenen Welt Unruhe gestiftet hat, jetzt, aus Ermüdung, diese Welt hinzunehmen, wie sie ist, und sich nur noch der Seelsorge zu widmen, als ob die Aussicht, dass die überpersönlichen Mächte ihrem Gericht, ihrer Befreiung und ihrem neuen Dienst entgegengehen, ihr vom Horizont weggewischt sei. Es ist nichts mit einer Seelsorge, die den Menschen nicht in seiner Welt (die mehr und mehr mit der einen Welt in ihrer geschichtlichen Bewegung zusammenfallen dürfte) aufsucht und aufweckt, speist und tränkt mit dem täglichen Mahl der Erwartung. Die Kirche darf nicht die sittliche Beunruhigung in die Welt tragen, ohne die Ruhe in Gott zu verkündigen: aber die Ruhe in Gott kann nicht rein persönlich aufgefasst werden; der Mensch steht in der Gemeinde, die selber, von ihrem eigenen Ursprung her, gezeichnet ist durch die Entfremdung von dem Gegebenen, durch ein Sich loswinden aus dem Griff der Urmächte, auch durch ein Verbundensein mit dem kommenden Glanz einer Welt, die man nicht kennt. Die Gemeinde in Kultus und Politik, als Anbetungsgemeinschaft und als Heerschar von Nonconformisten ist niemals beunruhigt, ohne von der Ruhe in Gott zu wissen als von Gottes eigener Ruhe. Ist es doch die Ruhe dessen, der nicht fahren lässt das Werk seiner Hände, jenes Werk, von dem wir höchstens ein kleiner Teil sind. Es ist die Ruhe der messianischen Erwartung.[6] Der brahmanische Spruch: „In dem stillstehenden Ewigen ruht dahineilend die Zeit“ wird durch den Namen umgekehrt: In dem gespannten Geschehen ruht segnend die ewige Treue.

Beim Reden über diese Erwartung muss wohl bedacht werden, dass das Alte Testament (um die gängigen Ausdrücke zu verwenden) existentialistisch” und nicht „essentialistisch” ist. Für unseren Zusammenhang bedeutet das dies, dass mit dem Verfall der Erwartung unmittelbar Hand in Hand ein Verschwimmen, Sich-Verflüchtigen der Schöpfung geht (wie wir es etwa an der Funktion des Wortes „vergeblich” beim Prediger sehen). Im Alten Testament ist kein Raum für eine logische Entwicklung des Seins der Schöpfung zu dem Vollkommenersein einer neuen Welt, aber ebenso wenig für einen Mut der Verzweiflung, der daraus entspränge, dass für den Sinn der Dinge kein Grund zu finden ist in ihrem Ursprung; der Grund liegt in der Mitte. Und dies ist nun genau das, was das Paradox Ruhe der messianischen Erwartung rechtfertigt. Die Figuren der fortschreitenden Erzählung (zu denen auch wir selbst gehören) leben nicht deshalb in der Erwartung, weil die Erzählung fortschreitet und ein glücklicher Ausgang ihren Schluss bilden muss, auch nicht deshalb, weil sie sich in einer Art „Entschlossenheit” für Tod und Untergang, Wiederkehr und Aufschwung offenhielten; sie leben in der Erwartung, weil sie ihre Zuflucht nehmen zu dem Namen, der in der Mitte der Zeit hindurchgebrochen ist, um Gestalt, Wort, Zeichen anzunehmen.

Ist doch mein König

von ureinst her

der Befreiungen wirkt

im Innern des Erdlands

(Ps. 74, 12).


[1] “The moral tragedy of human life comes almost wholly from that fact that the link is ruptured, which normally should hold between vision of ehe truth and action and that this pungent sense of reality will not attack to certain ideas” (William James, Principles of Psychology II, S. 541) – man könnte dies den ersten vergleichs­weise harmlosen Keim der späteren, epidemisch gewordenen Verzweiflung nennen.

[2] Rudolf Bultmann, Geschichte und Eschatologie im Neuen Testament, 1954, in: Glauben und Verstehen III, 1960, S. 102, 105.

[3] Vgl. J- M. de Jong, Kerugma, een oderzoek naar de vooronderstellingen van de theologie van Rudolf Bultmann, 1958, S. 268 f., 275 f,. 292 f., 346.

[4] J. H. Gunning, Blikken in de Openbaring I, 1866, S. 165 ff.; vgl. D. Chantepie de Ja Saussaye, De Toekomst, 1868, S. 96 ff.

[5] Paul Tillich, Der Mut zum Sein, S. 137

[6] Vgl. Hans Kohn, Martin Buber, Ein Versuch über Religion und Politik, S. 233, 245, 275 f., und wie dort diese „Ruhe” fehlt.

„Corona – so schützen wir unsere Seele!“

Copyright: Dieses Plakat wurde von Monika Götte (Reformierte Kirche Stäfa, Schweiz) erstellt und darf gerne weiterverbreitet werden.

Traurig stand ich vor evangelischen Kirche in Traisa (Hessen). Gleich würde die Trauerfeier für meinen Patenonkel beginnen. Uninteressiert streifte mein Blick den Schaukasten. Corona-Hinweise – wie überall. „Corona – so schützen wir unsere Seele!“ Interessiert trat ich näher. Mal ein etwas anderes Hygiene-Plakat! Wir werden ermüdend oft auf die körperliche Hygiene hingewiesen – dabei ist es genauso wichtig, auf unsere Seele Acht zu haben.

Gerade Advent und Weihnachten können uns viel Kraft und Mut geben, wenn wir sie bewusst feiern. Vielleicht geht das unter Coronabedingungen nicht immer in der gewohnten Form. Dafür aber dem Sinn nach. Jeder und jede von uns können ja nicht viel tun. Impfen lassen und auf Hygiene achten – beruflich machen wir was halt so geht. Aber hören wir auf zu grübeln und passiv zu sein. Denn es bleibt ganz viel Zeit übrig, die wir an Aufmerksamkeit liebevoll aufeinander richten können. Das ist das größte Geschenk. Advent ist die Zeit der Erwartung – erwarten wir gerade jetzt ganz viel von Gott und der Ankunft Jesu unter uns!

„Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ 2. Kor 6,2

Ihr Pfarrer Jan-Peter Hanstein

“Alles gut!?” Buß- und Bettag 2021 – Predigt von Pfarrer Jan-Peter Hanstein

Spoilergefahr. Entweder um 19 Uhr kommen oder hier lesen …

PREDIGT Es gilt das gesprochene Wort

Ja – Hallo? – Hast du ein wenig Zeit?

Kannst du mich gut hören? Die Verbindung ist schlecht! Wo treibst du dich denn rum? Willst du nicht sagen?

Ok – hast du gerade eine Minute Zeit? Alle Ewigkeit? Danke.

Alles wieder gut?! Fragst Du??

Oh Mann, bitte frag nicht. Klar, Mir geht’s gut. Den Kindern. Wir hatten einen schönen, im Rückblick traumhaften Sommer.

Ja, es geht uns gut. Aber „alles gut!?“ das klingt nach maximaler Katastrophe. Ist bei dir alles gut? Wie immer

Eigentlich habe ich ja gar keine Lust groß zu reden. Ich sitze morgens und lese Zeitung. Die Nachrichten kommen so auf meinem Handy an. Ich bin geschockt.

„Alles wieder gut?!“ Was denken die sich?

Nichts ist gut in Deutschistan!

Nichts ist gut in Afghanistan, hat einmal eine Bischöfin gesagt und sie ist dafür sehr getadelt worden. 10 Jahre sah jeder, dass sie mehr als Recht hatte. Zu spät. Und sie war auch keine Bischöfin mehr. Propheten halt. Und jetzt? Nichts ist gut in Deutschland!

Was meinst du, wie sich das anfühlt, als ich den Satz gelesen habe. Auf diesem Plakat im Schaukasten. So schön in blau gehalten als wäre es Himmelfahrt im Mai und nicht ein bleigrauer Buss- und Bett-Tag im November.

„alles gut!?“ Wer das wieder geschrieben hat. Der doofe Pfarrer dachte bei der Ankündigung vor ein paar Wochen wirklich noch, wir wären hindurch. Ich gebe es ja zu – ich hab das auch gehofft. Dass all die miespetrigen schlechtgelaunten Virologen falsch liegen. Warum müssen die recht haben, die mal kurz die Welt und unsere Lebenszeit angehalten haben. Alles Räder stehen still, wenn der Virolog es will. Das war doch früher mal ein Statement der Arbeit oder heutzutage Lokführer.

Hast du mitbekommen…. Freilich. Jaja – ich verstehe schon. Du auch.

Nein, hör auf zu sagen „alles wird gut“ – willst du mich wahnsinnig machen. Mich trösten?

Was hilft denn jetzt noch? Beten vielleicht. Sind wir schon so weit?

Wir – wir waren auf so einem guten Weg. Alles ging so schnell. Wer hat’s erfunden? Nein nicht die Schweizer. Diesmal nicht. Wir Deutschen. oder besser unsere türkischstämmigen Staatsbürger. Und jetzt?

Die ganze Welt sieht ungläubig auf uns und staunt. Das Volk der Dichter und Denker oder eher der Richter und Henker? Wie konnte das passieren?

Dich darf ich nicht fragen, sagst du? Ja wen denn dann, verdammt noch mal?

Wer ist denn verantwortlich für dieses Schlamassl – ach viel zu harmlos. Schlamassl – Das klingt nach unaufgeräumten Kinderzimmer.  Ach, du sprichst auch Hebräisch, das Gegenteil von Massl Tov? 

Eine Katastrophe, kann ich dir sagen. Überhaupt nicht lustig. Ich fühle mich als wäre ich auf so einem Riesen-Schiff. Einer der Passagiere. Das Ding fährt voll Stoff. Maximaltempo. Und dann siehst du da vorne die Eisberge. Noch weit weg. Aber zu nah, dass das Schiff noch anhalten könnte. Halt halt… rufen alle. Aber es ist zu spät. Ist doch egal. Jetzt. Weiterfahren… war das was? Auf einem gottverfluchten Seelenverkäufe sitzen wir. Da sitzen die Politiker*innen seelenruhig, verhandeln das Komma hinterm Satz vom Koalitionsvertrag und draußen sterben die Leut. Und die anderen sind sauer, weil wir sie nicht mehr gewählt haben und sagen: geschieht ihnen recht. Haben wir doch gesagt, was passiert. Ich bin doch kein Papagei, der immer alles wiederholen muss. So ein Merkel-Papagei. Die immer dasselbe sagt, bis es der letzte kapiert hat. Das ist doch ein Auslaufmodell. Hätt ich auch nie geglaubt, dass ich das einmal gut finden würde.

Ich soll mal langsam machen? Zu politisch? Weil Buss- und Bettag ist?

Warum denn? Die einen arbeiten wie immer, die anderen schlafen noch. Glaubst du das kümmert einen? Siehst du denn einen, der umkehrt und Buße tut. Einen, der in sich geht? Einer von denen, die immer als Querdenker bezichnet wurden und diesen Titel für sich ablehnten. Die immer alles in Zweifel gezogen haben und so große Kämpfer für die Freihet waren. Sagt einer von denen??

„Sorry Leute war alles falsch. Ich hab Unsinn erzählt. Das mit dem Impfen ist gar nicht so schlimm. Ich wollte es ja eigentlich sagen. Ich bin längst geimpft. Eigentlich bin ich ja eine Schisser. So ein kleiner Pieks und so ein Aufstand. Ach, ihr habt mir geglaubt und mir vertraut? Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Selber schuld, wenn du nicht zweigleisig fährst. Siehst ja wo das hinführt.“

Oder die anderen? “Lass dich impfen und alles wird gut.” Alles nächstes sagten sie:  “Wir sind mit dem Impfen fertig. Will ja keiner mehr.” – Da waren wir vielleicht bei 60%.! “Ach wir können uns auch verzählt haben. Es ist ja so schwer Software zu bedienen. Vielleicht waren es auch 70%. Wie auch immer. Wir machen die Impfzentren zu. Den Rest erledigen die Hausärzte. Außer Impfen haben die ja nichts zu tun. Die anderen Krankheiten sind ja ausgestorben. Stirbt ja nicht einmal mehr einer an Grippe bei all den Masken. Außerdem können wir schon einmal den Freedom Day anpeilen. Hat doch hervorragend geklappt mit diesem Clown von Johnson in Großbritannien. Die ham ja auch Astra Zeneca erfunden. Die Wirkung hält zwar nur 4 Monate an, und bei der Deltavariante liegt die Wirkung eher bei 50%, aber was solls. Ach – wir haben die ganzen Alten, Lehrerinnen und Erzieherinnen im März und April damit gespritzt? Hab ich das angeordnet? Das war doch die Stiko? Wie lange ist das her? Über 6 Monate – nun ja schlecht gelaufen…. Und 15 Millionen warten auf die dritte Impfung. Termine gibt jetzt dafür bis Ende Januar? Welchen Monat haben wir noch einmal? Entschuldigung, ist mir entfallen. Wahlkampf ist immer so ein Reset bei mir. Andere Schlagzeilen müssen her. Außerdem hab ich gefühlt 8 Wochen Urlaub gehabt. Nachgeholt aus dem letzten Jahr. Habe ich nicht sowieso gesagt: es kommt der Moment, an dem wir uns viel zu vergeben haben?“

Wo kehrt einer um? Wo tut hier einer Buße? Ich soll mich mal bremsen? Bringt nichts sich aufzuregen? Ich bin ja nur Glaubende, klar. Meine Aufgabe? Ruhig bleiben in der Katastrophe. An Buß- und Bettag? Not lehrt beten. Schlafschaf oder was??

Ich weiß, ich heiße nicht Thomas Hofmann, Kabarettgottesdienst ist erst im Februar und Karneval ist auch schon wieder vorbei. Außer in Köln. Daran ist bestimmt auch wieder die katholische Kirche schuld, oder? Das Thema ist zu ernst, um Witze zu machen?

Glaubst du ich mache Witze? Ich wird jetzt echt laut. Ich meine das ernst. Ernster als alles was ich bisher erlebt habe. Ich werde wahnsinnig. Du provozierst mich dermaßen. Soll ich mich jetzt hinstellen und mit den Leuten beten? Was ?

Dass es niemals so schlimm kommt, wie man denkt? Nichts wird so heiß gegessen?

Keine Panik auf der Titanic? Hörst du eigentlich meine Verzweiflung!!? ich soll mich lieber fragen, wie das passieren konnte.

Und was sagst du? — Nix?

Du hast schon alles gesagt? Und wo kann ich das nachlesen?

Ich soll einfach den Predigttext lesen und gut ist. Ok.

Wart mal, ich versuch mich zu erinnern.

“Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“

Oder so ähnlich… Jesus hat das ja viel positiver gesagt. Ja wie jetzt?

Wart mal.

Wie war das noch mal genau? Ok. Hier stehts.

„Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ 

Klingt einfach. Lass mich nachdenken.

Mein Kollege schreibt unter jedes E-Mail diesen Satz aus dem Talmud. das höchste Gut – anderen nicht zu schaden.

Ja gut, aber ist das alles? was will ich für mich?? Gesundheit, Ruhe, Freiheit.

Also muss ich dafür sorgen, dass es ruhig bleibt, die anderen gesund bleiben und wir alle in Freiheit leben.

Ich will geimpft werden, damit ich für andere ein kleineres Risiko bin und selbst nicht Gefahr laufe, die Kliniken zu belasten.

Dann tue ich es Ihnen auch? Haben wir das nicht versucht mit dem Ideal des freiheitsliebenden, für seine Gesundheit selbstverantwortlichen disziplinierten Bundesbürger? Es ist echt kompliziert.

Kant war auch ein Deutscher: „Handle so, dass du jederzeit wollen kannst, die Maxime deines Handelns solle allgemeines Gesetz werden.“  Der kategorische Imperativ sagt aus, dass man immer so handeln soll, dass es zugleich auch in Ordnung wäre, wenn ALLE so behandelt werden, d.h. auch man selbst.

Eigentlich sonnenklar. Keine Extrawürstchen.

Was erwarten wir jetzt von den anderen? Was werden wir noch geben können?

Wer überhaupt ist wir? Die wir auf Jesus hören? Die wir Christen sind?

Ich frage mich: Wie viel Geduld soll ich noch aufbringen?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir so ein Menschen immer gleich viel Angst und Schmerz in uns haben. In allen Generationen. Egal wie existenzgefährdend oder harmlos die Herausforderungen sind. Früher waren es die Krankheiten, denen die Menschen hilflos ausgeliefert waren. Sie ergriffen jeden Strohhalm, sogar den Sand haben sie aus den Kirchenmauern gekratzt. Sie haben früher gefährlichste Behandlungen durchgeführt. Mit schrecklichen Nebenwirkungen. Barbarisch erscheint es uns jetzt. Mit Kuhpocken sich impfen lassen und grausame Narben davongetragen. Aber überlebt… Die meisten zumindest! Alles besser als nix.

Heute – je sicherer und erfolgreicher die Medizin geworden ist, umso größer sind unsere Ängste. Ich staune, wie fein austariert heute die wissenschaftlichen Studien sind. Aber es hilft nichts. Die Angst wird eher größer. Und der Unsinn. Die Angst wird nicht geringer. Und das Vertrauen, irgendwie gerettet zu werden auch. Homöopathie vielleicht???

Was geht in uns vor? Was für ein zerstörerischer Trieb lenkt uns? Die einen gelähmt vor Angst, die anderen lassen es zu.

So sieht die große Freiheit aus? Was du willst, was die Menschen dir tun, das tue ihnen auch! Aber Jesus hat nicht mit den Paranoiden gerechnet, bei denen die sich verfolgt fühlen, vergiftet, überwacht. Sieh doch, was die Menschen sich antun!

Und jetzt?

Die Unruhe, das Streiten, das Schimpfen, die Stumpfheit, die Müdigkeit, die Erschöpfung.

Ist das alles Sünde? Was ist denn Sünde? Was kann ich schon tun, diesen großen Zusammenhang? Wenn die Wahrheit auf der Strecke bleibt. Gar nichts mehr geht? Was kann ich da ausrichten? Für andere

Was für eine perverse Kiste! Wie kann es sein, dass es so vielen anderen Menschen schadet, wenn man sich selbst oder seinen Kindern etwas NICHT “zugefügt” also unterlassen hat!

Wie soll das weitergehen?

Glaubst du, dass Umkehr möglich ist?

Wenn wir so ein Riesentanker so ein Containerschiff von deutschem Volk sind, das den Zeitpunkt zur Verzögerung verpasst hat vor 3 Monaten und jetzt noch mit unglaublicher Wucht gegen die Hafenmauer fährt? Und die Bremsung duaert noch einmal 3 Monate und 2 Jahre. Und die auf der Brücke die wissen es die sehen ist aber sie können nichts mehr tun.

Sollen sie dann Buße tun für ihren Fehler? Wie können wir es wieder gut machen?

Ich wiederhole mich. Ich kann nicht mehr.

Ob ich mich jetzt genug ausgekotzt habe?

Frag ja nicht „Alles wieder gut“ sonst beginne ich von vorn. Ja – das ist eine Drohung!!

Ja danke – es geht mir besser.  Ich weiß nicht so recht warum.

Weißt du was? Gerade kommst du mir gar nicht so weit weg vor.. So als würdest du ums Eck wohnen. Als könnte ich dir begegnen Dann werde ich auch mal zuhören. Versprochen.

Danke Gott, dass du mir zugehört hast. Es gibt nicht viele, bei denen ich mein Herz so ausschütten kann. Meine Angst, mein Versagen, meine Trauer. Du bist nicht schuld. Wir sinds. Lass uns retten was zu retten ist. In deinem Namen. Mit Geduld. Und Leidensvermögen. Mit deiner Liebe. Ohne Verurteilungen. Lass uns alle unterstützen, die jetzt in der Katastrophe zusammenbrechen. Und auf uns selbst achten. Keinem ist geholfen, wenn wir uns selbst schaden. Du bist unser Schicksal und nicht das Virus.

Lass uns tun, was du tust.

AMEN

Auf dem Schachbrett der Sorgen und Chancen

Erster Entwurf zur Landesstellenplanung ab dem Jahr 2024 im Dekanat Hersbruck steht – Personalmangel als große Herausforderung

Auf dem Pfarrkonvent in Bad Alexandersbad

Dahinter steckt der so genannte Landesstellenplan der bayerischen Landeskirche. “Alle zehn Jahre wird damit das in Bayern zur Verfügung stehende Personal auf die Dienststellen verteilt”, erklärt Schäfer. Bislang sei es so gewesen, dass die Verantwortlichen in München bemessen hätten, auf wie viel Pfarrstellen eine Kirchengemeinde Anspruch hat. Das habe aber unweigerlich zu Verteilungskämpfen unter den Pfarreien geführt: “Warum müssen wir ein Viertel der Stelle abgeben, wo wir doch gute Arbeit machen?” Die Gemeinden hätten sich dadurch bewertet und ungerecht behandelt gefühlt, weiß Schäfer.

Mit diesem Herangehen ist aber jetzt Schluss, was Schäfer “sehr vernünftig” findet: “Die Landeskirche will nun nicht mehr festschreiben, wie viel Anrecht eine Kirchengemeinde auf einen Pfarrer hat, denn sie hat ja keinen Einblick in die Arbeit vor Ort.” Auch Faktoren wie Kindergarten oder die Anzahl kirchlicher Immobilien fallen nicht mehr ins Gewicht. Den aktuellen Berechnungen lagen die Gemeindegliederzahlen sowie die Fläche des Dekanats zugrunde. Ab Juni 2024 hat der Kirchenbezirk 23,5 Pfarrstellen, 3,5 Diakone und 1,5 Kirchenmusiker für seine 30 Kirchengemeinden zur Verfügung.

Doch das wird noch weniger werden, ist sich Schäfer bewusst. “Daher müssen wir schauen, wo und wie wir die verfügbaren Kräfte am besten einsetzen können und Strukturen schaffen, die Flexibilität für den Einsatz der Mitarbeitenden ermöglicht.” Damit beschäftigen sich Dekanat und Kirchengemeinden seit Jahresanfang in einem transparenten Prozess aus Dekanatssynode, Regionalgesprächen vor Ort, Pfarrkapitel und Vertrauensleute-Ausschuss.

Bei diesen diversen Zusammenkünften wartete Schäfer mit dem “Planspiel 2035” auf. “Anhand der vorliegenden Prognosen haben wir mal überschlagen, wie viel Personal und Geld wir 2035 im Dekanat noch haben werden.” 14,5 Pfarrer, drei Diakone und einen Kirchenmusiker. Doch woher rührt dieser starke prognostizierte Personalmangel? “Eigentlich hat man vor 30 Jahren, in den fetten Jahren, Fehler gemacht, weil damals viele Pfarrer nicht übernommen wurden.” Auch die frühere sicherste Bank für den Nachwuchs, die vielköpfige Pfarrfamilie, gebe es nicht mehr, denkt Schäfer.

Hirte in der Balance

Dazu kämen auch gesellschaftlicher Wandel und die Frage nach Anerkennung sowie Karriere: “Der Flaschenhals wird schnell sehr dünn.” Die Strukturen seien nicht mehr attraktiv für junge Pfarrer; es brauche ein neues Rollenverständnis, ist er überzeugt: “Die jungen Leute wollen nicht mehr der gute Hirte sein, der 24 Stunden für seine Schäfchen da ist.” Work-life-balance, Zeit für Kinder und die Angst vor Überforderung spielten da eine Rolle. Daher sei es wichtig, die äußeren Formen von Kirche zu überdenken und zu transformieren: “Die Tradition wächst aus dem Glauben und nicht umgekehrt.”

Der Landeskirche scheint die Lage bewusst; sie peilt laut Schäfer die nächste Landesstellenplanung bereits in fünf statt zehn Jahren an. Darauf wollen Schäfer & Co. vorbereitet sein: Auf einer Karte des Dekanats sollten die Teilnehmer die 19 Figuren sinnvoll verteilen. “Allen wurde die Dramatik deutlich, wie wenig Hauptamtliche dann noch übrig bleiben.” Elf verschiedene Versionen nahm Schäfer von den Treffen mit. “Es kann nicht die eine perfekte Lösung geben, sondern es geht ums Teilen und Vernetzen, und da setzt jeder andere Schwerpunkte und Kriterien an.”

“Teampfarrämter schaffen Zeit für Gestaltung und neue Formen “

Dekan Tobias Schäfer:

Aus allen Vorschlägen und Gesprächen entstand nun ein erster Entwurf für eine zukunftsfähige Verteilung der Stellen in Form von Regionenbildung beziehungsweise Teampfarrämtern und der Stärkung von dekanatsweiten Diensten in den Bereichen Jugendarbeit, Kirchenmusik und Erwachsenenbildung. “Das Konzept, das bis Weihnachten in verschiedenen Runden auf Gemeinde- und Dekanatsebene diskutiert wird, wurde vom Dekanatsausschuss mit 14:2 Stimmen verabschiedet”, erzählt Schäfer – weil dieses Gremium, das im Sommer 2022 den finalen Plan beschließen wird, “viel Potenzial darin sieht”.

Doch warum? Der Clou heißt Pfarreien- oder Regionenbildung. Ein Beispiel: Drei eigenständige Kirchengemeinden schließen sich zusammen und erhalten so zwei ganze Pfarrstellen. “Da kann sich der eine im Teampfarramt um die Geschäftsführung kümmern, der andere beispielsweise um die Konfi-Arbeit, was Zeit für Gestaltung und neue Formen schafft.” Eine Chance, findet Schäfer. Dazu gibt es für alle ein zentrales Pfarramt, wodurch sich die Sekretärinnenstunden und damit die Erreichbarkeit für die Gemeindeglieder insgesamt erhöhen, die Verwaltung sich aber verschlankt.

Im Högenbachtal mit Eschenbach, Hirschbach, Hartmannshof, Hohenstadt und Pommelsbrunn sei man gedanklich schon auf dem Weg, anderen Kirchengemeinden lege der Entwurf das ebenfalls nahe. “Wenn die Kirchenvorsteher das nicht wollen, dann müssen sie den Verteilungskampf untereinander austragen, aber das wird keiner wirklich wollen, wenn allen die Chance in der Regionenbildung klar ist”, betont Schäfer. Dennoch gebe es Hürden und berechtigte Bedenken, gibt der Dekan zu. “Schwierig wird es dort, wo sich Kirche sichtbar zurückzieht” – es also keinen Pfarrer und kein Pfarramt mehr gibt. Viele fragten sich auch, wie die Aufgaben überhaupt noch bewältigt werden sollen, ob es dann beispielsweise noch einen Frauenkreis vor Ort geben könne – ohne eigenen Pfarrer.

Wohl am größten sei die Angst davor, die Eigenständigkeit zu verlieren, hat Schäfer den Eindruck: “Es geht nicht um eine Fusion, sondern jede Gemeinde bleibt autark, nur der zuständige Pfarrer wohnt halt woanders.” Seine Erfahrung habe ihn gelehrt, dass Gemeinden in neuen Pfarreien meist zuerst sehr getrennt gearbeitet hätten, die Durchlässigkeit sich aber angesichts der wachsenden gemeinsamen Herausforderungen erhöht habe.

Form für Seelsorge

Einen weiteren Kritikpunkt am Entwurf kann Schäfer dagegen nachvollziehen: “Wir haben in diesem Entwurf keine Stellenanteile mehr für Seelsorge in Krankenhaus, Frankenalbklinik und Lebenshilfe Schönberg vorgesehen.” Er meint jedoch, dass die Seelsorge zum einen als Grundauftrag eines Pfarrers zum Schwerpunkt in der betreffenden Gemeinde gemacht werden könne oder auch über Beauftragungen laufen könne. “Da müssen wir noch nach der richtigen Form suchen.”

So wie die Pfarreibildung das Setzen von einzelnen Schwerpunkten in den Gemeinden erlaubt, so schafft sie laut Schäfer auch Verfügungsmasse für Dienste, die allen zugutekommen. “Dass wir neben Kirchenmusik, Fundraising und Erwachsenenbildung sogar eine halbe Stelle mehr für die Jugendarbeit im Dekanat haben – das stärkt unseren Entwurf.” Denn darum gehe es ihm zuallererst, “dass wir jetzt die richtigen Weichen stellen, dass auch in Zukunft noch Gemeindeleben vielfältig und bunt gestaltet werden kann und die Kirche wieder ein attraktiver Arbeitgeber für viele ist”.

Copyright (c) 2021 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 09.11.2021

Pfr.i.R. Friedhelm Beck: Predigt für das Reformationsfest 2021

31.10.2021, St. Johanniskirche Lauf, Text: Galater 5, 1-6 (in der Predigt)

Pfr.i.R. Friedhelm Beck predigt
Laufer Stadtpfarrer i.R. Friedhelm Beck predigt am Reformationstag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus

Liebe Gemeinde,

Es ist einfach zauberhaft, wieder einmal hier stehen zu dürfen und mit Ihnen, mit euch einen Gottesdienst feiern zu dürfen, mit so vielen vertrauten Gesichtern.

Schön, dass Sie gekommen sind, damit wir miteinander dieses Fest der Reformation feiern können.

Reformationsfest – das wäre doch eigentlich ein guter Tag, ein guter Anlass, um einmal wieder seinen eigenen Glauben zu überprüfen.

Haben Sie jetzt sicherlich heute Morgen beim Frühstück gemacht – oder? Nicht?

Naja – das können wir ja auch jetzt ganz kurz nachholen:

Dienen soll uns dazu unser heutiger Predigttext aus dem Galaterbrief. Sie haben den Predigttext ja gerade schon als Lesung gehört. Deshalb will ich nur zwei Verse noch einmal lesen

Zur Freiheit hat uns Christus befreit!

In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein, sondern

Der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Zur Freiheit hat uns Christus berufen. Einer der Kernsätze der Reformation.

Und? Glaubenscheck? Leben wir diese Freiheit?

Keine Verpflichtungen, sondern wie ich eben will und kann.

Glaubenscheck erledigt – alles Gut.

Naja, liebe Gemeinde, so würden Sie das wohl nicht machen – also das mit dem Glaubenscheck.

Und seit der Reformation hat sich in der kirchlichen Umwelt und in unserer gesellschaftlichen Umwelt doch so einiges verändert.

Luther hat mit aller existenziellen Betroffenheit nach dem gnädigen Gott gefragt und gesucht. Und seine befreiende Antwort, die er fand, war:

Zur Freiheit sind wir berufen durch den Glauben an Jesus Christus.

Nicht wir müssen uns um unser Verhältnis zu Gott Sorgen, sondern durch den Glauben an Jesus Christus vertrauen wir darauf, dass Gott sich um uns sorgt.

Aber jetzt mal ehrlich, liebe Gemeinde: Das ist doch nicht wirklich mehr die bedrängende Frage unserer Zeit.

Die Fragen heute sehen doch ganz anders aus, oder?

Der gnädige Gott?

Nein – der gesamte Einfluss der Kirche ist dramatisch am Schwinden. Und die letzten Befragungen zeigen zwar, dass die meisten Menschen schon an ein höheres Wesen glauben, aber es ist eine Mischung aus Buddha, Allah, Schicksal oder Geistkraft. Und der Glaube wird dann in meine Alltagsbedürfnisse hineinmanipuliert

Egal

Es ist nicht der Gott, den uns Jesus Christus uns offenbart hat.

Wenn das so ist, liebe Gemeinde, wäre es dann nicht sinnvoller, das Reformationsfest eher zu streichen? Denn es scheint nur Antworten auf Fragen zu feiern, die keiner mehr stellt.

Ja – eigentlich betrifft das ja auch Paulus selbst. Kann er uns dann noch etwas sagen? Also machen wir die Bibel zu mit der bedauerlichen Erkenntnis: das hat nichts mehr mit dem heutigen Leben und seinen Fragen zu tun? Und ich beende hier meine Predigt?

Das würde vielleicht die Liebhaber einer kurzen Predigt freuen. Aber so einfach, liebe Gemeinde kann ich es mir und kann ich es Ihnen nicht machen. Denn wir denken und reden hier über den Glauben an den lebendigen Gott, den uns Jesus Christus, der Mann aus Nazareth nahegebracht und offenbart hat.

Vielleicht, liebe Gemeinde, vielleicht brauchen wir eine Veränderung unseres Blickwinkels.

Worauf ist uns Blick den fixiert?

Wir leben in einer äußerst spannenden Zeit. Und damit meine ich nicht nur die Frage, wie die Koalitionsverhandlungen ausgehen werden. Nein viel beeindruckender für uns alle ist ja:

Wir wissen nicht was auf uns zukommt.

Das wussten natürlich die Generationen vor uns auch nicht. Aber heute sehen sich Wissenschaftler in der Lage, uns zu prophezeien, was in 30, 50, oder 100 Jahren hier auf der Erde geschehen wird. Und was sie vorhersagen, ist nicht schön.

Natürlich wissen wir nicht, ob alles so eintrifft. Aber wir können auch nicht sicher sein, dass es nicht eintrifft.

Und so nimmt die Angst zu: Wie geht es weiter?

Die Angst um diese Welt, die Angst um die Zukunft meiner Enkel, die Angst um das Leben hier, die Angst um ein gutes Ende unseres Lebens.

Als alter Mann kann ich verstehen, dass sich die Jugend Sorgen macht, dass sie wissen will, wie alles weiter geht, dass sie will, dass alles getan wird, dass die Zukunft sicher wird.

Und welche Antwort hat nun unser Glaube auf diese Fragen, liebe Gemeinde?

Es ist ja interessant, dass die Gemeinde in Galatien, an die Paulus schreibt, ebenfalls spannende Zukunftsfragen hatte:

Werden wir die nächsten Tage, Wochen, Monate überleben, oder wird uns die nächste Christenverfolgung dahinraffen? Wie glauben wir richtig, dass Gott uns zur Seite steht?

Sehr existenzielle Fragen, liebe Gemeinde.

Und die Antwort vieler in der Gemeinde:

Wir nehmen das mit dem Glauben in die eigenen Hände. Also wir tun, was wir können, damit wir vor Gott gut dastehen. Also befolgen wir alle möglichen Vorschriften, essen nur, was angeblich rein ist, lassen uns beschneiden. Dann muss Gott uns beistehen.

O ihr unverständigen, ihr dummen Galater, schreibt Pauls an anderer Stelle des Briefes. Ihr habt nichts begriffen!

Blickwechsel ist angesagt!

Paulus ruft es den Galatern – und uns heute Morgen zu:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit

Diesen neuen Blickwinkel hat Martin Luther entdeckt! Wir müssen uns um uns nicht so viele Sorgen machen! Wir liegen Gott am Herzen! Dafür müssen wir nichts tun, ja können wir garnichts tun.

Das ist die reformatorische Erkenntnis, die uns von unserer selbstzerstörerischen Sorge um uns selbst befreien will.

Diese Erkenntnis haben wir, als evangelische Christen, wir, als Protestanten schon mit unserer Muttermilch aufgesogen.

Für unseren Glauben müssen wir nichts tun.

Aber, liebe Gemeinde ich muss Sie heute Morgen enttäuschen. Denn das ist ja eben nur die halbe Wahrheit der reformatorischen Erkenntnis. Es ist die angenehme, befreiende Wahrheit. Aber es ist nur die halbe.

Und Paulus hat das sehr wohl gewusst und hat deshalb gerade an dieser Stelle seines Briefes auch noch geschrieben:

…In Jesus Christus gilt also weder Beschnitten sein, noch Unbeschnittensein etwas, sondern

Der Glaube, der durch die Liebe tätig ist

So, liebe Gemeinde, jetzt haben wir den Salat! Es ist also nichts mit dem Glauben der nichts kostet, nichts ist es mit der billigen Gnade, wie es Bonhoeffer ausdrückt.

Nein, und damit ist es auch nichts mit dem Glauben, der nur antiquierte Antworten auf nicht mehr aktuelle Fragen des Lebens gibt.

Nein liebe Gemeinde

Blickwechsel ist angesagt, gerade heute am Reformationsfest.

Gerade heute dürfen wir uns wieder erinnern und neu vergewissern, dass wir Gott am Herzen liegen und dass wir in seinen gnädigen Händen geborgen sind, im Leben, im Sterben und über den Tod hinaus.

Aber wenn wir so von Gott gehalten sind, dann haben wir die Hände und das Hirn frei für die Fragen unserer Zeit, die Fragen Welt und die Fragen der Menschen dieser Welt.

Wir werden nicht alles lösen können. Wir werden bei dem Bemühen um diese Fragen sicher auch immer wieder scheitern.

Aber wir wissen, dass diese Erde nicht in eine gottverlassene Zukunft geht, sondern dass Gott uns durch Christus beisteht und uns

Kraft und Mut,

Phantasie und Gehorsam gibt,

damit wir seiner Liebe

Atem und Gesicht und

Hand und Fuß geben können bei der Bewältigung unserer Zukunftsfragen.

Und dazu helfe uns Gott.

Amen