Corona-Prävention in unserer Kirchengemeinde: Lockdown „light“ im November

Die evangelische Kirchengemeinde Lauf befolgt die Corona-Präventions-Maßnahmen der Regierung.

Mit Ausnahme der Gottesdienste sind deshalb von Montag 2.11. bis Ende November sämtliche Gruppentreffen, Chöre, Konzerte und Veranstaltungen in unseren Häusern abgesagt. Das fällt uns gar nicht leicht, aber immerhin:

Unsere Kirchen bleiben geöffnet, Gottesdienste und Kasualien können weiterhin mit dem bekannten Hygienekonzept stattfinden.

Natürlich übertragen wir auch weiterhin unsere Livestream-Gottesdienste.

Wir bitten Sie: Halten Sie gerade in dieser trüben Novemberzeit Kontakt zu ihrem Nächsten.

Auch die hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind erreichbar und nehmen sich gerne Zeit für Sie.

Telefonnummern finden Sie über die Homepage.

Das Pfarramt ist zu den üblichen Zeiten geöffnet und erreichbar.

29.10.2020 Ihr Pfarrer Jan-Peter Hanstein

Reformationsfest 31.10. mit Prediger Dekan Tobias Schäfer in der Johanniskirche

„Dekan Schäfer beim ZDF-Fernsehgottesdienst am 30. August in Hersbruck“, Screenshot

Die Predigt hält unser neuer Dekan Tobias Schäfer aus Hersbruck. Johannis-Brass gestaltet den Festgottesdienst musikalisch. Jan-Peter Hanstein führt durch den Gottesdienst.

Reformationsfest – Samstag, 31.Oktober, 18.00 Uhr in der Johanniskirche.

Keine Anmeldung nötig. Bitte bringen Sie ihre Maske mit, die während des gesamten Gottesdienstes getragen werden sollte.

Predigt anlässlich der Verabschiedung von Kindergartenleiterin Renate Bär am 25. 10. 20 in der Johanniskirche – Lisa Nikol-Eryazici

Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Matthäus 18,1-5

Liebe Renate, liebe Gäste, liebe Gemeinde,

Wer ist der Größte? Kommt Euch/ Ihnen die Frage bekannt vor? Donald Trump, Victor Orban, Vladimir Putin oder Boris Johnson könnten diese Frage wohl beantworten ohne mit der Wimper zu zucken und würden sie wahrscheinlich mit „ich“ beantworten. Aber so weit müssen wir gar nicht schauen, ich glaube auch bei uns funktioniert das Zusammenleben sehr stark nach diesem Kriterium „wer ist der Größte“. Der Größte ist, wer Erfolg vorweisen kann, Macht bei sich vereint, Prozentpunkte, Potenz, wer in der Lage ist zu führen, wer die meisten Follower hat in den sozialen Netzwerken. Wer das vorweisen kann, kann etwas bewegen, wird bewundert, fühlt sich wichtig – und deshalb richtet sich häufig im persönlichen, aber natürlich auch im politischen und wirtschaftlichen Leben, unser Tun und Streben genau daran aus – der Größte zu werden und andere Ziele werden dem eher untergeordnet.

Selbstoptimierung ist da ein wichtiges Stichwort, das gerade wie eine Glocke über allem hängt – es liegt an dir, mach es – gut ist nicht, was wir sind – gut ist, was noch werden könnte. Wer wird der Größte?

Eine Frage, die die Erwachsenen nicht nur für sich stellen, sondern auch schon für ihre Kinder. Und so merken wir alle, die wir mit Pädagogik zu tun haben, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein ziemlicher Druck aufgebaut hat in den Schulen, aber auch in den Kindertagesstätten: Was ein Kind denn altersgemäß schon alles können muss, wie es gefördert werden muss, damit es den Anforderungen der Gesellschaft, der Wirtschaft, den komplexen Zusammenhängen, die ja immer globaler und differenzierter werden, auch standhalten kann. Manchmal hat das auch im Kindergartenwesen schon seltsame Blüten geschlagen vom Chinesisch- oder zumindest Englisch-Unterricht schon für die Kleinsten bis zur Kinderuniversität. Auch die Eltern sind unsicher geworden, denn sie möchten ja nicht, dass ihr Kind den Anschluss verpasst.

Es ist schon ein ziemlich anstrengendes System, dem wir uns da aussetzen, ein System, das auch viele Verlierer produziert, denn wo es Größte gibt, gibt es auch Kleinste, Looser, die dem Anspruch einfach nicht standhalten können, die nicht hineinpassen und deshalb herausfallen.

Wer wird der Größte?

Auch die Jünger Jesu denken in diesen Kategorien. Sie wissen, dass in Gottes neuer Welt andere Kriterien gelten und diskutieren darüber, wer denn bei Gott als der Größte gilt, welche religiösen Leistungen da vielleicht eine Rolle spielen – vielleicht machen sie sich als enge Vertraute Jesu sogar Hoffnungen, ganz oben zu stehen –  und so konfrontieren sie Jesus mit dieser Frage: Wer ist denn bei Gott der Größte?.

Und wie er es so oft tut: Jesus antwortet zunächst nicht mit Erklärungen, sondern durch eine stille Geste. Sie ist verblüffend und unvergleichlich. In der gesamten Religionsgeschichte findet sich nichts Ähnliches. Aus dem Dörfchen Kapernaum, aus einem Haufen in der Nähe spielender, lärmender Kinder, ruft Jesus eines zu sich. Dieses Kind nimmt er an die Hand, stellt es in die Mitte der Fragesteller und Diskutanten um Einfluss, Anerkennung, Macht und Prozentpunkten und beantwortet ihre Frage mit diesem schlichten Zeichen:

Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Ja, liebe Gemeinde, in einer Zeit, in der es weder die UN-Konvention für Kinderrechte gab, in einer Kultur, die die Kinder – wie bei den Römern – einfach durchnummerierte, statt sie mit Namen zu segnen, in einer Epoche, die den Wert der Kindheit und die Würde des Kindes längst nicht entdeckt hat, ist das, was Jesus tut, eigentlich unfassbar.

Er zeigt uns ein Kind und macht es zum Maßstab der Ordnung, so wie Gott sie anbietet. Warum die Kinder? Weil sie in einer ganz besonderen Weise verletzliche Wesen sind – wir wissen alle, wie Verletzungen der kindlichen Seele ein ganzes Leben lang wirksam sind. Kinder haben nicht die Möglichkeit, sich gegen Erwachsene zu wehren, sie haben noch nicht die Mechanismen, sich zu schützen, sie sind so offen und bedürftig, von ihren Eltern, von der Gesellschaft, die sie umgibt abhängig. Und doch sind sie keine unvollständigen Erwachsenen, sondern vollständige Wesen mit einer eigenen Erfahrungswelt, mit ihren ganz eigenen Gefühlen und Gedanken und deshalb auch Rechten. Jedes Kind ist ein wunderbares Geheimnis, schreibt der polnische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak schon in den 30er Jahren, und wir müssen ihm mit Achtung begegnen. Wie eine Gesellschaft mit ihren Kindern umgeht, sagt viel aus über sie. Auch bei uns werden Kinder oft zum Spielball verschiedener Interessen, als Rentensicherer gesehen, als zukünftige Pflegende einer überalterten Gesellschaft, als Konsumenten, mit denen sich gut Geld verdienen lässt und es hat lange gedauert, bis sie auch in der Coronakrise eine Lobby bekommen haben und man darüber nachgedacht hat, welche Folgen es für sie hat. Und auch der gesamte Bildungsbereich darf nicht in erster Linie von den Interessen der Wirtschaft oder Arbeitswelt gesteuert werden, sondern die erste Frage muss sein: Was brauchen unsere Kinder, damit sie sich gut und geborgen entwickeln können.

„Er nahm ein Kind und stellte es in ihre Mitte…“, ja, überseht sie nicht bei all euren eigenen Interessen und Wertmaßstäben – blickt auf dieses Kind und seine Bedürftigkeit. . An diesem Kind misst sich eure Nähe zu Gott.

Doch Jesus geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn er uns Erwachsene auffordert, dass wir werden sollen wie die Kinder.

Das dreht ja unsere Pädagogik in gewisser Weise um: Wir sollen von den Kindern lernen.

Liebe Gemeinde, ich glaube, tatsächlich, dass es da eine Menge gibt, die wir lernen können: Wer mit einem Kind spazieren geht, lernt die Entschleunigung des Lebens – da entdeckt es ein Blatt und bleibt stehen, um es aufzuheben, dort einen Käfer und hier eine Pfütze, in die man steigen und das Wasser so herrlich spritzen sieht. Ein Kind lebt im Hier und Jetzt. Ein Kind kann staunen und beobachten, ein Kind kann seine Gefühle ausdrücken ohne sie vorher zu filtern, ein Kind kann lieben ohne Vorbedingungen und vertraut seinen Eltern bedingungslos, in ihm spüren wir die Lebendigkeit.

Bei Gott darf ich meine Sicherungssysteme und inneren Antreiber loslassen und sein wie ein Kind. Das macht mich innerlich groß, nicht die äußeren Mechanismen der Macht.

Liebe Renate, wenn mich heute diese eindrückliche Geschichte Jesu so angesprochen hat, dann auch, weil du in deinem langen Wirken als Erzieherin, als Leiterin im Kindergarten Pusteblume so vieles davon in deiner Haltung, in deiner Art zu arbeiten, umgesetzt hast. Ja, mit Jesus hast du die Kinder und ihre Bedürfnisse in die Mitte gestellt und bist ihnen mit Achtung und großer Wertschätzung begegnet. Du hast wirklich gefragt, was brauchen sie, damit sie das entwickeln können, was in ihnen an Wunderbarem von Gott angelegt wurde. So hast du dich immer für feste Bezugsgruppen eingesetzt in einer Zeit, in der die offenen Häuser sehr modern wurden, weil Kinder Geborgenheit und feste Strukturen brauchen und lernen müssen, auch Konflikte  auszutragen und nicht gleich weiterzuziehen. Dir war es aber auch wichtig, dass die Kinder Freiräume bekommen, wo sie in kleinen Gruppen ungestört spielen können, sich verstecken, Höhlen bauen oder durch Tunnel kriechen können, so dass du dich stark gemacht hast für eine Einrichtung nach dem Würzburger Modell mit den verschiedenen Ebenen und Spielbereichen. Und wenn mancher Kritiker meinte, das sei doch zu kleinteilig, dann hast du gekontert und gefragt, wo sich ein Kind wohl wohler fühlt – und dann war die Antwort eigentlich klar. In den Jahren, als der Leistungsdruck immer stärker in den Kindergarten schwappte, hast du dem standgehalten und immer wieder gepredigt, dass die beste Schulvorbereitung für ein Kind ist, dass es Freude und Interesse an der Welt um sich herum hat, dass es soziale Kompetenzen erworben hat und auch Selbstvertrauen. Und dazu gehörte für dich auch, dass ein Kind sich so wie es ist, angenommen fühlt – durch die Menschen, die es umgeben und durch Gott.

Janusz Korczak hat in seiner Pädagogik der Achtung geschrieben, dass hohe pädagogische Konzepte oder Theorien wie hohl sind, wenn sie nicht durch den Menschen in der tagtäglichen Begegnung verkörpert werden. Als Pädagogen, schreibt er, sind wir zuständig für „zerbrochene Fensterscheiben, zerrissene Handtücher, schmerzende Zähne, erfrorene Finger, für das Gerstenkorn im Auge, das verlorene Spielzeug, für Schlägereien, Tränen, für Lachen, für Kartoffeln, für Brot, für Schlaf“. Sich für den Alltag zuständig zu erklären, als Person präsent zu sein, sich auf Menschen und Situationen, auf Leid und Freude, auf die kleinen Geschehnisse und die großen Lebensfragen einzulassen, bedeutet „nicht Lehre sagen, sondern Lehre sein“. Ich finde, das beschreibt euren Beruf als Erzieherinnen und Erzieher ganz wunderbar und bezieht ja immer auch die ganze Familie des Kindes mit ein. Und ich bin froh, liebe Renate, dass du durch deine ganze Person über all die vielen Jahre „Lehre“ warst und so viel an Liebe und Leben weitergegeben hast.

Und ich weiß, dass all unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich mit ihrer ganzen Person und viel Herzblut einbringen, sonst kann man diese wichtige Arbeit nicht tun. Und dafür sage ich Dir, liebe Renate, aber auch allen Erzieherinnen und Erziehern ein großes Dankeschön für diese fordernde, aber so wichtige und wertvolle Aufgabe.

„Und Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte…“, ja wir brauchen diesen Blick so dringend – unsere Kinder brauchen ihn, dass wir nicht über sie, sondern mit ihnen und für sie entscheiden. Wir selbst brauchen diesen Blick auch für uns, dass wir von ihnen lernen und unser inneres Kind nicht vergessen. Und es braucht diesen Blick, um die Maßstäbe, die wichtig sind, richtig zu setzen in Politik, Wirtschaft und auch bei uns in der Kirche.

Denn Jesus sagt: Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Amen.

ENTFÄLLT WEGEN CORONA-PRÄVENTION: Streicherklänge zum Ewigkeitssonntag

Sonntag, 22. November 2020, 17.00 Uhr, Johanniskirche

Laufer Stadtstreicher

Clara Arantes (Violine), Magdalena Arantes (Viola), Katharina Arantes (Violoncello)

Leitung: Heidi Braun

Barocke Spielfreude und Virtuosität auf dem Violoncello prägen das Konzert G-Dur PV 120 von A. Vivaldi, das die 15-jährige Katharina Arantes gemeinsam mit dem Orchester interpretiert.

Katharina Arantes hat bereits mehrfach Preise auf Regional- und Landesebene beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ erhalten, ist Mitglied der Laufer Stadtstreicher und des Bayer. Landesjugendorchesters.

Edvard Elgar ist nach Purcell und Händel ein sehr beliebter Nationalkomponist der Engländer zur Zeit der Romantik geworden. Seine Streicherserenade e-Moll, op. 20 ist ein feines, zartes Stück im hochromantischen Stil, voller interessanter Klangfarben.

Im Kontrast hierzu steht das Streichtrio g-Moll, op. 4 von Clara Arantes (geb. 2002), das in diesem Konzert zur Uraufführung kommt. Sie hat es ihrer soeben verstorbenen Großmutter gewidmet, spielt selbst den Geigenpart und wird es mit ihren Geschwistern Magdalena (Viola) und Katharina (Violoncello) musizieren.

„Da pacem Domine“ von Arvo Pärt, ein Werk des lettischen Komponisten für  Streichorchester zaubert meditative Atmosphäre in den Kirchenraum.

Den Abschluss bildet das Divertimento D-Dur KV 136 von W.A. Mozart, in strahlendem D-Dur vermittelt es Musizierlust und Lebensfreude.

Eintrittskarten im Vorverkauf bei der Buchhandlung Dienstbier am Marktplatz.

„Werde, was du bist – in Christus“. Predigt JP Hanstein, Lauf

19. So. n. Trinitatis – 8.10.2020, 10:30 Uhr, Livestream aus St. Jakob

Liebe Gemeinde,

stellt euch vor, ihr wacht auf und wollt euch anziehen. Und da hängt euer neuer Anzug. Exakt für euch zugeschnitten. Die Ärmel passen und die Hosenlänge auch. Ihr schlüpft hinein und alles passt. Der Tag kann beginnen. Was kann einen in einem solchen Anzug schon passieren?

Ich meine natürlich eher nicht unsere Arbeitskleidung, nicht der Blaumann von Engelbert und auch nicht den maßgeschneiderten Anzug von Brioni! Sondern so einen Supermannanzug. Einen Anzug, der aus dem durchschnittlichen Schüler Peter Parker Spiderman macht und der nun alle möglichen Wunder vollbringen kann.

Obwohl wenn ich diesen jungen Mann anschaue, muss ich zugeben, dass ich nicht so wohlproportioniert wäre wie Peter und mich alle in diesem Aufzug eher auslachen könnten. Aber nehmen wir an: es liegt da Kleidung bereit und damit wäre mein Leben wie neu. Ungeahnte Kräfte wüchsen mir zu und ich erlebte ein Abenteuer nach dem anderen. Wie abgetragen und verschlissen ist dagegen, was ich bisher getragen habe.

Was würde sich in meinem Leben verändern?

Du müsstest ja wie die Kinohelden immer noch in die Schule gehen oder den stumpfsinnigen Bullshit-Job im Büro machen. Wahrscheinlich endete alles typisch deutsch wie der Film „Vorstadt-Avengers“ mit Wendy und Elmar statt Superman und Batman … Der Verfasser des Epheserbriefes beschreibt diese neue Kleidung so:

Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht,

ändert euer früheres Leben und erneuert euren Geist und Sinn!

Das ist fast noch krasser wie bei den Supermännern – und Frauen. Er fordert uns auf, den alten Menschen wie alte Kleidung einfach abzustreifen. Erneuert ἀνανεοῦσθαι euren Geist und Sinn! Wir sollen eine Metamorphose durchmachen wie eine Raupe, die zum Schmetterling wird und ihren Raupenkokon einfach leer zurücklässt.

Und dann kommts:

Zieht den neuen Menschen an,

der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Die ursprüngliche Version unseres Menschseins, wie Gott uns nach seinem Bild geschaffen hat? Doch so eine Art Supermensch nach dem Bilde Gottes?

Ja – aber das Bild Gottes ist schon seit dem Anfang, Gen 1, Bild Gottes. Menschen mit bestimmten Fähigkeiten und Begrenzungen. Von Anfang an konnten wir Menschen ihr Leben frei interpretieren. Wunderschönes entstand, aber auch schreckliches. Ermahnen half nicht, ebenso strafen und vernichten nicht.

Schließlich, so erzählt es das Neue Testament, sandte Gott seinen Sohn Jesus. Er ist der neue Mensch, wie Gott ihn sich vorgestellt hatte.

Ich schwanke da auch manchmal. Ist Jesus auch nur so ein getarnter Superman, versehen mit unglaublichen Kräften? Wunder und Zeichen geschahen. Jesus heilte und bewerkstelligte Unglaubliches. Aber am Ende waren seine Kräfte nicht groß genug. Sein Leib und sein Leben wurde Schritt für Schritt geschunden und zerstört bis zum Tod am Kreuz. Jesus starb diesen elenden Tod, den sich ein Batman oder Superman niemals hätte gefallen lassen. Er wurde an unserer Stelle zur Sünde gemacht, Hass und Zorn, Lüge und Trug – all das wird in seiner Passion übergroß sichtbar.

Doch kein Superman? Doch – weil er durch viele Menschen wieder aufersteht, mächtiger und wirksamer als je zuvor. Der Verfasser von dem Epheserbrief hat kurz vorher beschrieben, wie er sich die Auferstehung Jesu Christi vorstellt. Viele Menschen leben wie er, ziehen sich diesen neuen Menschen an und bilden zusammen den Leib Christi. Die Supermänner suchen immer nur nach ihresgleichen. Manchmal braucht es zur Vervollständigung ihrer Fähigkeiten eben so einen tollen Anzug, aber sie bleiben allein. Oft bitter einsam. Und irgendwie erfolglos. Von Film zu Film werden Schurkentaten spektakulärer und brutaler. Es hat nie ein Ende, es gibt keine Veränderung. Die Welt ist nie gerettet.

Ist es ein Trost, dass die Gemeinde in Ephesus zutiefst zerstritten und gespalten war und sie deshalb so einen Brief erhalten haben? Was würde uns ein Paulus nach Lauf oder die evangelische Kirche in Bayern schreiben?

Und Ist irgendetwas seitdem besser geworden? Es gibt einen entscheidenden Unterschied zu den üblichen „Moralkeulen“:

1) All diese Aufforderungen sind an uns adressiert, nicht an irgendwelche anderen, über die wir uns aufregen könnten. Wir sollen neu werden, uns erneuern an Leib und Seele.

Uns gibt der Epheserbrief sogar positive Anregungen.

2) Dort heißt es am Ende:

„Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat!“

Nicht in unserer Vollkommenheit besteht die Nachahmung Gottes, sondern darin, dass wir Unvollkommenheit bei uns und anderen eingestehen und vergeben. Vergebt, weil Gott euch vergeben hat. Darin sollen wir Gottes Ebenbild sein. Die Superkraft – ist die Vergebung. Was Gott nur allein durfte, hat er durch Christus uns gegeben. Die stärkste Kraft ist nicht die vom gnadenloasen Superman, sondern von dem, der vergibt. Dazu gehört noch mehr … Lesen wir das vierte Kapitel des Epheserbriefes weiter:

Legt deshalb die Lüge ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden.

Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen.

Gebt dem Teufel keinen Raum!

Der Dieb soll nicht mehr stehlen, sondern arbeiten und sich mit seinen Händen etwas verdienen, damit er den Notleidenden davon geben kann.

Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt, und dem, der es hört, Nutzen bringt.

Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung.

Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung

und alles Böse verbannt aus eurer Mitte!

Ich sehe geradezu durch die Kamera euer Gähnen auf den Sofas und an den Küchentischen. Was für biedere Ermahnungen! Wie oft haben wir solche Sprüche gehört! Auf der Wand gelesen: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen!“

Auch wenn wir den neuen Menschen anziehen, d.h. wenn wir getauft sind und Jesus nachfolgen und auch nachahmen, bleiben die großen Probleme der Welt. Krankheiten, wie in unserer Zeit Corona, stellen uns auf eine große Geduldsprobe. Meinungsverschiedenheiten werden hasserfüllt auch in unserer Kirchengemeinde ausgetragen. Lüge und üble Nachrede geht durch alle Teile unserer Kirche.

Und auch wir Gutmenschen werden enttäuscht und müde, wie die Superhelden abgenützt werden vor dem immer gleichen Bösen und Schlechten in der Welt?

Das Böse zu bekämpfen ist einfacher als zu vergeben und es selbst besser zu machen.

Zornig zu sein ist einfacher, als diese wilde Energie wirklich in die Lösung schwelender Konflikte zu stecken. Wir gerade in der Kirchengemeinde sind so harmonisch, dass wir alle Konflikte verdecken und vertuschen und so auch verlängern, bis sie sich von allein lösen, weil alle Parteien verschlissen sind. Lieber kurz und heftig, aber dafür danach durch die Vergebung im Frieden.

Zornig werden wir alle – ist ja auch verständlich, aber als Christen machen wir das Unglück nicht größer, sondern retten was zu retten ist. Möglichst am selben Tag, obwohl ich eher empfehlen würde, über manchem Zorn erst einmal eine Nacht zu schlafen. Aber aus Zorn soll keine Sünde, kein Hass entstehen. Nichts, was wir nicht rückgängig machen könnten.

Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes,

das den, der es braucht, stärkt, und dem, der es hört, Nutzen bringt.

Das erinnert an die Geschichte von Sokrates, der jede Aussage daraufhin überprüfen ließ, ob sie zugegleich wahr, nützlich und gut ist. Sonst hörte er einfach nicht hin. Macht das ebenso!

Unsere Gemeinde soll kein Ort von Menschen sein, die weißgekleidet immer mit einem Lächeln auf den Lippen versuchen, tolle Menschen zu sein! Meidet solche Orte der Heuchelei!

Wendet euch aber dahin, wo ihr mit allen euren Problemen ernstgenommen werdet. Wo es wirkliche Unterstützung gibt, zB in unseren evangelischen Kindergärten. Wo die Probleme von Liebe und Ehe nicht übertuscht werden, sondern auch in verfahrensten Situationen eine wirkliche Lösung und Vergebung und Erneuerung angestrebt wird wie in unseren Beratungsdiensten.

Geht in die Gemeinden, die ihre Konflikte offen austragen, sei es manchmal eben auch über Leserbriefe und Facebook – aber wendet euch nicht ab, sondern verfolgt auch die Lösungen, zB unsere gemeinsame Erklärung zu interreligiösen Arbeit in unserer Stadt.

Und was für Supermänner gibt es in unsrer Gemeinde und noch viel mehr Superfrauen! Die ihre Angehörigen pflegen und Kranke und Alte besuchen, die Kinder betreuen und erziehen, die Hilfsprojekte in aller Welt über Jahrzehnte fördern, die Flüchtlingen eine Heimat geben, die Gott loben und sich freuen in der Musik, die miteinander das Wort Gottes studieren und auslegen in tiefer Dankbarkeit und Ehrfurcht als Pfarrer und Prädikanten!

Helden des Alltags wurden sie in der Corona-Krise genannt!

Und diese Heldinnen des Alltags in unserer Gemeinde ziehe ich allen Supermännern vor, die immer recht haben und alles andere vernichten und am Ende noch unseren Applaus suchen.

Schluss: DER NEUE MENSCH in Luthers Kleiner Katechismus mit immer demselben Gott Israels und dem Vater Jesu  – DER NEUE MENSCH ist wie Gott uns als Bilder Gottes geschaffen hat. So alltäglich!

Das Zweite Hauptstück. Der Glaube. Der Erste Artikel. Von der Schöpfung

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Was ist das?

Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit: für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin.

Glaubst du das?

Und wenn wir gemeinsam antworten –

Das ist gewißlich wahr.

Dann hat das neue Leben längst begonnen und wir sind auf dem guten Weg zum Reich Gottes in Christus unserem Herrn.

Er bewahre unsere Herzen und Sinne in ihm!

AMEN

Stellvertretende Leitung (m/w/d) für den integrativen Hort Hummelnest, ab sofort in Teilzeit (30 WoStd.)

Ihre Aufgaben:

  • Unterstützung der Leitung des integrativen Hortes Hummelnest mit vier Gruppen an zwei Standorten – Abwesenheitsvertretung und Übernahme von Leitungsaufgaben
  • Planung und Umsetzung der pädagogischen Arbeit entsprechend den Grundsätzen des BayKiBiG und dem BEP
  • Weiterentwicklung der pädagogischen Konzeption
  • Personalverantwortung
  • Betriebsführung – Belegungsplanung, Verwaltung der Betreuungsverträge, Pflege der Belegungsdaten, Vorbereitung Beitragseinzug u. Förderanträge, Dienstplangestaltung (AdebisKiTa, KiBiG.web)
  • wirtschaftlicher Einsatz des bereitgestellten Budgets
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Aktive Mitarbeit im Gruppendienst

Wir legen Wert auf eine aktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit:

  • mit den Familien und dem Elternbeirat
  • mit der Kirchengemeinde und dem zuständigen Pfarrer
  • mit anderen Einrichtungen des Trägers
  • Beratungsstellen und Fachdiensten
  • Behörden, Institutionen und Initiativen in Absprache mit dem Träger

Ihre Voraussetzungen:

  • Sie sind pädagogische Fachkraft mit mehrjähriger Berufserfahrung (Erzieher*in, Heilpädagog*in, BA Soziale Arbeit oder vergleichbar), haben zusätzlich eine Fortbildung für Leitungskräfte erfolgreich absolviert und verfügen über positive Leitungserfahrung.
  • Sie sind aufgeschlossen für neue Ideen und verfügen über Reflexionsbereitschaft. Sie haben die Fähigkeit zu motivieren zu delegieren und führen gerne partizipativ. Konfliktmanagement sehen Sie als Chance für weitere Entwicklung und nicht als Belastung.
  • Eigeninitiative, Einsatzbereitschaft und Belastbarkeit gehören zu Ihren Stärken.
  • Es ist Ihnen wichtig als Grundlage Ihrer pädagogischen Arbeit die christlichen Grundwerte zu leben. Die individuelle Entwicklung des Kindes steht bei Ihrer pädagogischen Arbeit im Vordergrund und Inklusion ist selbstverständlich.
  • Sie sind sicher in der Anwendung von MS-Office-Programmen, Kenntnisse in AdebisKiTa und KIBIG.web sind wünschenswert.
  • Die Identifikation mit den Grundwerten der evangelisch-lutherischen Kirche wird
  • vorausgesetzt. Wir wünschen uns die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland angeschlossen ist.

Unser Angebot:

  • Eine anspruchs- und verantwortungsvolle, abwechslungsreiche Teilzeit-beschäftigung (30 Wochenstunden) mit guten Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Ein hochmotiviertes, erfahrenes Team, das unter dem Motto: „Wir arbeiten mit dem Wertvollsten was wir haben– unseren Kindern!“ den pädagogischen Alltag der Einrichtung gestaltet.
  • Einen Arbeitsplatz, an dem die individuelle Entwicklung des Kindes im Vordergrund steht und Inklusion selbstverständlich ist
  • Bei den Verwaltungsarbeiten unterstützt Sie die Verwaltungsleitung der Kindertagesstätten.
  • Im Verbund mit den anderen KiTa-Leitungen der Kirchengemeinde findet regelmäßig ein kollegialer Austausch statt.
  • Vergütung nach DiVO mit umfangreichen Sozialleistungen
  • Wir bieten optimale Rahmenbedingungen für Ihre pädagogisch hochwertige und innovative Arbeit und freuen uns, wenn Sie Teil unseres engagierten Teams in der Kinderbetreuung werden.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung schriftlich oder per Email bis 31. Oktober 2020 an:

Evangelische Kirchengemeinde Lauf. Verwaltungsleitung Frau Susanne Zorell, Kirchenplatz 11, 91207 Lauf

. Weitere Infos: www.lauf-evangelisch.de/hort-hummelnest/

Susanne Zorell 09123-9662545

Stellenbeschreibung zum Download

Test

Herzlich Willkommen zu Präsenzgottesdiensten!

Wir feiern wieder Gottesdienste gemeinsam vor Ort in unseren Kirchen. Feiern Sie mit!

Sa, 31.10. 18-19:30 Uhr Präsenz-Reformationsgottesdienst - Predigt: Dekan Tobias Schäfer mit Johannis-Brass
So, 1.11. 10:30-12 Uhr Gottesdienst im Livestream
So, 1.11. 10:30-11:30 Uhr ökumenischer Familiengottesdienst zum Abschluss der Kinderbibelwoche
So, 1.11. 10:45-12 Uhr Präsenz-Gottesdienst mit Abendmahl

Wir tun unser Möglichstes für einen feierlichen Gottesdienst und um Sie und andere zu schützen. Dazu beachten wir die offiziellen Auflagen und haben für jede Kirche ein Corona-Hygiene Schutzkonzept.

Die Teilnahme an den Gottesdiensten erfolgt auf eigene Gefahr. Wenn Sie Bedenken haben, bleiben Sie besser zu Hause und nutzen sie stattdessen Gottesdienste im Internet oder Fernsehen: wir werden für alle Daheimgebliebenen auch weiterhin den Livestream-Gottesdienst sonntags um 10:30 Uhr im Internet übertragen.

Allgemeingültige Hinweise für die ungewohnte Situation:
– Kommen Sie pünktlich vor dem Gottesdienst.
– Wählen Sie sich einen markierten Platz, der den Mindestabstand von 1,50 Metern einhält (außer bei Ehepaaren und Menschen aus derselben Hausgemeinschaft/Familie). Wenn Sie sich unsicher fühlen, können Sie auch nach einem gesonderten Platz hinten oder auf den Emporen fragen.
– Bei Stufe ROT: Bitte tragen Sie im gesamten Gottesdienst ihre Mundnasenbedeckung.
– Die Gesangbücher sind vor Ihrem Besuch eine Woche nicht benutzt worden. Bitte lassen Sie sie nach dem Gottesdienst am Platz liegen.
– Das Abendmahl wird nur bei besonders angekündigten Gottesdiensten mit Einzelkelchen als Wandelabendmahl gefeiert.
– Vermeiden Sie Ansammlungen vor und nach den Gottesdiensten und halten Sie die Kontaktbeschränkungen ein.
– Bitte bleiben Sie bei Krankheitsanzeichen zu Hause.

Damit alle folgenden Gottesdienste stattfinden können, brauchen wir Helfer pro Gottesdienst! (Mesner, Lektor und zum Teil weitere Ordner). Überlegen Sie sich, ob Sie mithelfen können und melden Sie sich im Pfarramt per Email oder Telefon 2201


Präsenzgottesdienste in den verschiedenen Kirchen

Johanniskirche – Sonntag, 9.30 Uhr (wöchentlich)

In der Johanniskirche feiern wir festlich und traditionell gestaltete Gottesdienste, mit etwas weniger Gesang als vor Corona, doch dafür mit einem Schwerpunkt auf klassischer Kirchenmusik. Es finden 100 Besucher Platz. Eine Anmeldung für die Gottesdienste ist in der Regel nicht erforderlich.

Kunigundenkirche – Sonntag, 10.45 Uhr (im Wechsel)

In der Kunigundenkirche feiern wir meditative und ruhige Gottesdienste.

Unter den gegeben Umständen kann die Kirche Platz für ca. 25 Besucher bieten. Eine Anmeldung für den Gottesdienst ist nicht erforderlich.

St. Jakob – Sonntag, 10.45 Uhr (im Wechsel): Präsenz bzw. 10.30 Uhr Livestream (im Wechsel)

Mit frischer Musik und einfacher Sprache feiern wir in St.Jakob Gottesdienst und erfahren Gott mit allen Sinnen.

Zu den Präsenzgottesdiensten haben ca. 35 Personen in unserem Saal Platz. Eine Anmeldung für den Gottesdienst ist zur Zeit nicht erforderlich.

Christuskirche – Sonntag, 10.30 Uhr Präsenz (im Wechsel)
bzw. Livestream ( im Wechsel)

In der Christuskirche können Gottesdienste zu Bandmusik und in kreativer Form besucht werden.

Parallel zu den Präsenzgottesdiensten bietet unser KiGo-Team einen Kindergottesdienst an.

Im Wechsel werden Livestreamgottesdienste aus der Christuskirche gesendet, die dann auch im Gemeindehaus Christuskirche übertragen werden.

Zu Präsenzgottesdiensten, den Livestream-Übertragung ins Gemeindhaus und dem Kindergottesdienst melden Sie sich bitte unter folgender Telefon-Nummer an: 0176 75 989 402

Dehnberg Sonntag, 10.45 Uhr (im Wechsel)

Nikolauskirche Dehnberg

Traditionell und dörflich ist der Gottesdienst in der schönen Kirche St.Nikolaus in Dehnberg.

Eine Anmeldung für den Gottesdienst ist nicht erforderlich.

Günthersbühl – Draußengottesdienste mit Ausweichmöglichkeit

Auch wenn die hübsche und gemütliche Kirche in Günthersbühl klein ist, haben dennoch etwa 20 Personen mit Abstand Platz. Deshalb sollen in Zukunft auch wieder ab und an Gottesdienste in Günthersbühl stattfinden, wenn es nicht mehr möglich ist, im Freien zu feiern.

  • am 03.10, 15.00 Uhr (Erntedank)
  • am 18.10, 9.30 Uhr (Kirchweihgottesdienst)

Wenn Sucht in den Tod führt

Der Sohn war Schülersprecher am Gymnasium, brach dann die Schule ab, geriet auf die schiefe Bahn und starb in einem Container in der Goldschmidtstraße in Neumarkt. Sein Vater will andere Menschen sensibilisieren.
Ralf Frister von der Suchtberatung Diakonie Nürnberger Land

Als der Vater seinen Sohn in der Jugend das erste Mal zuhause im Zimmer mit Haschisch erwischte, sagte er: „Hör auf mit dem Dreck.“ Damals wusste er noch nicht, dass das erst der Anfang war. Irgendwann hatte er den Satz unzählige Male wiederholt – allerdings vergeblich. Im Februar dieses Jahres starb der drogensüchtige Sohn in der Goldschmidtstraße in Neumarkt in einer Obdachlosen- Unterkunft. Wir fragen nach, wie es dem Vater heute geht und sprechen mit einem Sozialpädagogen, wie man eine Sucht erkennt. Was können Eltern tun, wenn sie bemerken, dass ihre Kinder von der rechten Bahn abkommen? Diplom-Sozialpädagoge Ralf Frister leitet das Diakonische Werk Altdorf- Hersbruck-Neumarkt und kennt viele solcher Fälle. „Experimentieren ist ein häufig zu beobachtendes Phänomen in der Jugend“, sagt er und fügt hinzu: „Aus erzieherischer Sicht muss ich als Mama oder Papa reagieren, wenn ich feststelle, dass ich mit der Erziehung meiner Kinder nicht mehr klarkomme.“ Erst dieses Eingeständnis ermöglicht den nächsten Schritt: Und dieser wiederum kann dann zu einer der Beratungsstellen vor Ort führen, wie etwa zu Ralf Frister und seinen Kollegen von der Diakonie, die auch in Neumarkt eine Niederlassung hat.

Wann Verhalten zur Sucht wird

Wer sein Kind einmal mit Alkohol oder Cannabis erwischt, muss noch nicht gleich von einer Sucht sprechen. Frister hat sich mit dem Thema viele Jahre beschäftigt, der Experte kritisiert den Umgang mit dem Begriff in der Öffentlichkeit: „Jedes exzessive Verhalten wird alltagssprachlich oft mit Sucht umschrieben.“ Er weist darauf hin, dass man mehrere Kriterien prüfen müsse. „Show me your data“, ist sein Motto. In der internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-10 sind die Kriterien für eine stoffgebundene Abhängigkeit aufgeführt, das heißt: Beispielsweise müssen drei von sechs Kriterien innerhalb von zwölf Monaten nachgewiesen werden. „Wenn das nicht der Fall ist, darf ich nicht von einer Sucht sprechen“, erklärt der Diplom- Sozialpädagoge. Frister ist vor allem eins wichtig, allen Betroffenen und allen Eltern mitzugeben: „Eine Suchterkrankung ist keine Erkrankung des Willens.“ Die Entstehung einer Sucht liege nie in der Person allein begründet. „Es gibt eine Verletzlichkeit und eine Verwundbarkeit. Dazu zählt die Umwelt“, sagt der Sozialpädagoge. Er bezieht sich auf die Trias von Mensch–Umwelt–Droge, ein psychosoziales Erklärungsmodell.

Wichtig sei das Eingeständnis des Betroffenen: „Ich habe da ein Problem. Ich hole mir diesbezüglich Hilfe und das möglichst bald.“ Eltern rät er: „Ich muss mich für mein Kind interessieren, was mein Kind tut. Ich muss verstehen, was mein Kind tut.“ Schließlich seien die Eltern für die Erziehung der Kinder zuständig. Eine Suchterkrankung passiere nicht von einem Tag auf den anderen. Was häufig vergessen werde, und worauf Frister aufmerksam macht: Nicht nur junge Leute können betroffen sein. Etwa 400.000 der über 60-Jährigen in Deutschland sind von einer Alkoholabhängigkeit betroffen, teilte die Diakonie jüngst in einer Pressemitteilung mit. Doch der Missbrauch von Suchtmitteln sei bei ihnen schwerer zu erkennen, da zum Beispiel Unsicherheiten im Gang oder sprachliche Aussetzer schnell aufs Alter geschoben würden.

Harald Moser (Name von der Redaktion geändert), der seinen Sohn möglicherweise wegen der Folgen der Drogen verloren hat, blickt zurück auf das anfänglich ganz normale Leben eines seiner Kinder: „Mein Sohn war Schulsprecher am Gymnasium, er war eigentlich ganz intelligent. Er hatte lauter Einser“, erzählt er. Doch mit 17 Jahren etwa habe der Sohn die Schule abgebrochen. „Er wollte einfach gar nichts mehr machen“, sagt der Vater. Also habe er versucht, ihn in sein eigenes Geschäft einzubinden. Doch Harald Moser sei aufgefallen, dass er immer zu viel getrunken habe. „Dann hab ich ihm eine Wohnung eingerichtet“, schilderte er seinen Versuch, etwas zu verändern. Doch der Sohn habe nicht aufgeräumt, habe schlichtweg nichts gemacht. Das sei immer schlimmer geworden. Harald Moser, dessen Ehefrau bereits verstorben ist, habe ihn vorübergehend wieder zu sich ins Haus geholt, mit der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet. Letzte Anlaufstelle sei für den Sohn die Unterkunft für Obdachlose in der Goldschmidtstraße gewesen – dort starb er im Februar 2018. (Wir berichteten.) Der Vater wandte sich ans Neumarkter Tagblatt, um andere Eltern zu sensibilisieren und betroffene Angehörige der Obdachlosen-Unterkunft in der Goldschmidtstraße aufmerksam zu machen. „Es ist immer noch ein Schlag“, sagt der Mann auf Nachfrage vor ein paar Tagen. Er fühle sich allein gelassen von der Polizei, zumal er nach eigenen Angaben eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung und Diebstahl gestellt habe. Er glaubt, dass sein Sohn bei schnellerem Eingreifen vielleicht gerettet hätte werden können. Die Polizei allerdings hält sich bedeckt. Eine aktuelle Nachfrage ergab: „In Rücksprache mit dem zuständigen Fachkommissariat können derzeit keine Auskünfte zu dem Fall gegeben werden. Die Ermittlungen sind noch nicht vollständig abgeschlossen“, heißt es von Seiten des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Auch Harald Moser wartet darauf, von der Kriminalpolizei etwas zu hören. Er wolle die Öffentlichkeit auf diesen Fall aufmerksam machen, um Menschen zu sensibilisieren, dass die Sucht einganzes Leben zerstören kann. Sein Sohn habe nicht nur einen Entzug gemacht – und das „in den besten Häusern“, sagt der heute über 70-Jährige, der auch immer wieder dieses eine Versprechen des Sohnes gehört habe: „Ich nehme keine Drogen mehr.“

(NMT, 18.10.2019) http://www.diakonie-ahn.de/meta/left/details/article/wenn-sucht-in-den-tod-fuehrt/

Info und Anmeldung: Suchtberatungsstelle Diakonisches Werk, Seelstraße 11a, 92318 Neumarkt, (09181)440906, Fax 440905, E-Mail: